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Im Sommer wird gegrillt. Das gehört sich irgendwie so und sobald die Fleischtheken in den Supermärkten auf Unmengen mariniertes Fleisch umschwenken und extra Kühltruhen mit abgepackten Würstchen gefüllt werden, kann man sich sicher sein, dass der Sommer kommt. Das Nachsehen haben dann oftmals diejenigen, die nur über einen Balkon verfügen und daher nicht mit Holzkohle grillen können. Ich jedenfalls habe einmal freudestrahlend mit Holzkohle auf dem Balkon gegrillt und hatte nur wenige Minuten vier Nachbarn an der Tür stehen, die es nicht so amüsant fanden, dass sie auf einmal Rauchschwaden in ihrem Wohnzimmer hatten. Also wurde ein Elektrogrill angeschafft, aber das war irgendwie nix, das Grillgut brauchte ewig und schmeckte nicht wirklich.

Diesen Sommer sollte das mal anders werden, dachte ich mir und nach umfangreichen Studien in den Bau- und Gartenmärkten der Umgebung, haben wir uns dann für einen Weber Q240 Elektrogrill entschieden. Gefühlt hat ja nun mittlerweile jeder Bau- und Gartenmarkt einen eigenen Weber-Bereich, also war es schon naheliegend, sich die Geräte mal näher anzugucken. Ich wollte einen ELektrogrill, weil ich keine Lust habe, mit Gaskartuschen und so zu hantieren. Ursprünglich dachte ich, dass der Weber Q140 reichen würde, aber da wäre mir dann doch die Grillfläche zu klein gewesen. So allerdings grille ich immer zu viel, ich muss also anfangen, Leute einzuladen.

Brot, Würstchen, Schweinenackensteaks und Paprika auf dem Weber Q240Elektrogrills sind ja nun nicht so die Grills, die sofort die Grillerherzen höherschlagen lassen, da gibt es immer viele Vorbehalte, aber der Weber Q240 ist da echt eine Ausnahme. Der Grill hat gusseiserne Roste, quasi wie bei einem richtigen Grill auch, und wird dank der 2400 Watt auch innerhalb von Nullkommanix heiss. Ich mache das immer so, dass ich den Grill anwerfe, dann Kartoffeln in Alufolie drauflege, den Deckel zu mache und mich dann um das Fleisch und den Salat kümmere. Nach 5 Minuten ist der Grill ordentlich heiss und man kann anfangen, für hungrige Kinder die Würstchen aufzulegen. Die Qualm- und Geruchsentwicklung hält sich in Grenzen, es steigen jedenfalls keine Rauchschwaden auf und bislang hat noch niemand geklingelt und sich beschwert oder nach einem Würstchen gefragt. Man sollte unbedingt den Q240 mitsamt Stand kaufen, da es teurer wird, wenn man seperat einen Stand nachkauft. Zum Reinigen der Roste empfiehlt sich eine tolle Drahtbrüste, mit der man elegant schrubbend die rußigen Reste um das Spülbecken herum verteilen kann.

Ach ja, der Geschmack, der ist beim Weber Q240 grandios. Das Grillgut schmeckt wie gegrillt und nicht wie auf einer Elektropfanne warm gemacht. Das Grillgut hat die netten braunen Streifen und sieht genau so charakteristisch aus, wie man es beim Grillen erwartet. Aktuell ist daher bei uns die Frage eher “was grillen wir heute?” und nicht mehr “was essen wir heute?”, obwohl ich zugeben muss, dass mein Grill-Enthusiasmus vielleicht nicht immer von allen Familienmitgliedern geteilt wird.

Es gibt ihn, den Mythos Elternabend. Als Kind will man immer wissen, was passiert, wenn die Eltern auf die Erzieher oder Lehrer treffen. Jahrzehnte später tritt dann beim real existierenden Elternabend ein gewisser Ernüchtungseffekt ein. So spannend ist ein Elternabend an sich gar nicht, aber dennoch eine interessante Milieu-Studie. Ich darf als Vater von mittlerweile drei Kindern auf 8 Jahre Elternabend-Erfahrung zurückblicken, von der Krippe bis zur Grundschule habe ich die unterschiedlichsten Konstellationen beobachten müssen und will dieses Wissen gerne mit meinen Lesern teilen.

Der Ort:
Kindergartenstuhl (Symbolfoto)Ein Elternabend findet immer in der Nähe des Tatorts statt, also zumeist im Gruppenraum des Kindergartens oder im Klassenzimmer. Es ist eine unbedingt zwingende Vorraussetzung, dass Eltern auf Kinderstühlen Platz nehmen müssen, damit sie mit den Knien an den Ohren den Ausführungen des Aufsichtspersonals ihrer Kinder lauschen können. Schliesslich sollen die Eltern auch einen Eindruck von der körperlichen Arbeit bekommen, die Erzieher und Lehrer verrichten. Es ist ausserdem unausweichlich, dass es Selters und Salzstangen gibt, dazu weisse Plastikbecher und eventuell trockene Kekse. Schliesslich sind alle nicht zum Spass hier und das muss den Teilnehmern deutlich gemacht werden. Gerne sind die Tische dekoriert mit Bastelerzeugnissen der kleinen Racker, die eine entsprechend euphorische Würdigung seitens der Eltern erfahren sollten, denn diese Bastelerzeugnisse sind nicht einfach nur irgendwie zusammengekleisterte Tannenzapfen und Pappstreifen, sondern das Ergebnis der konsequenten Anwendung des jeweiligen pädagogischen Konzeptes der Bildungseinrichtung. Natürlich liegt auf jedem Tisch eine auseinandergefaltete Papierserviette als stilsicheres Deko-Element, das dem sonst eher tristen Raum etwas mehr Wärme verleihen soll.

Die Teilnehmer:

Der Elternabend entwickelt seine ganz besondere Anziehungskraft aus dem Zusammenspiel von Erziehern und Lehrern auf der einen Seite und den Eltern auf der andere Seite, die quasi den Tanz um das goldene Kind durchführen.

Erzieher / Lehrer:
Je nach Einrichtung gibt es einen oder mehrere Erzieher bzw. Lehrer (es sind eigentlich immer Erzieherinnen und Lehrerinnen, aber ich schreibe in meiner Gender-Ignoranz einfach nur Erzieher und Lehrer, man möge es mir nachsehen oder auch nicht), die einen Elternabend leiten. Zu speziellen Events kommt auch gerne noch die Leitung der Einrichtung hinzu, um besondere Worte finden zu dürfen. Grundlage einer jeden Schulung in Rhetorik und Didaktik scheint zu sein, dass Erzieher und Lehrer verpflichtet werden, ihrem Gegenüber jeglichen noch so simplen Sachverhalt mindestens 5 Mal direkt hintereinander zu vermitteln. Da spielt es keine Rolle, ob man 2 Jahre oder 40 Jahre alt ist, jeder Sachverhalt wird wiederholt, solange bis der Gegenüber signalisiert, dass er es jetzt wirklich verstanden habe und keine Gegenwehr mehr leisten wird. Tritt dies nicht ein, wird jeglicher noch so simpler Sachverhalt so lange wiederholt, bis es wirklich von jedem verstanden wird. Zu den Klassikern gehört hierbei das Gebot, die Türen einer Kindertageseinrichtung stets geschlossen zu halten, damit keine Kinder auf die Straße laufen können. Dies wird in der Regel illustriert durch eine plastische Darstellung von Beinah-Katastrophen der letzten Jahrzehnte und verbunden mit wiederholten eindringlichen Appellen. Aber auch teilweise kontroverse Themen wie Regenjacke bei Regen, Mütze bei Sonne, Jacke bei Wetter, Handschuhe im Winter, Hausschuhe drinnen, Draussenschuhe draussen oder Sonnencreme bei Sonne werden immer wieder gerne in größtmöglicher Detailtiefe erläutert. Sollte dies keinen Eindruck bei den anwesenden Eltern hinterlassen, wird gerne noch mal alles von der anwesenden Einrichtungsleiterin wiederholt, die allerdings auch für eine Kommentierung der politischen Gegebenheiten zuständig ist und in jedem zweiten Halbsatz durchblicken lässt, dass es so jedenfalls nicht mehr weiterginge.

Die Eltern:
Eltern sind sicherlich ein besonderes Phänomen und in mannigfaltigen Ausprägungen vorhanden. Ich beschränke mich daher in meinen Darstellungen auf die üblichsten Formen des Elterndaseins.

Die Mutter:
Der Elternabend ist ihr wichtig und sie hat sich darauf vorbereitet. Sie hört zu, macht sich Notizen und stellt ein oder zwei präzise Fragen. Sie drängt auf ein zeitiges Ende der Veranstaltung und hält sich mit Anekdoten über ihre Kinder zurück. Leider ist diese Person äußerst selten anzutreffen.

Der Ökovater:
Als Feminist ist der Ökovater anstatt seiner Frau zum Elternabend geradelt – die Kinder heissen meistens Friedrich, Egon oder Elisabeth. Der Ökovater beginnt Sätze mit “Du, ich finde” und ist immer sehr bemüht, zu jedem Thema auch seine Empfindungen zu schildern. Er erwartet Bio im Alltag der Kinder, und zwar kompromisslos. Der Ökovater ist diskussionsfreudig, rückt aber nicht von seiner Meinung ab und auch wenn alle anderer Meinung sind, bewahrt er sich ein trotziges “Du, ich finde aber”, um seine Position noch einmal abschliessend zu verdeutlichen.

Die Übermutter:
Der Elternabend stellt den Höhepunkt des gesellschaftlichen Lebens für die Übermutter dar. Ihre kleine Leonie, Charlotta, Luna oder Emma ist ihr ein und alles und sie scheut sich nicht, dies auch jedem zu sagen. Der Übermutter sind die Herausforderungen der Globalisierungen durchaus bewusst, daher drängt sie alle zu Höchstleistungen und macht dabei natürlich vor Kindergarten oder Schule sowie allen Beteiligten nicht Halt. Das Kind hat bereits frühzeitig Japanisch- und Geigen-Unterricht, trägt stets perfekt abgestimmte Outfits, sieht auch nachmittags noch so sauber und gebügelt aus wie morgens, hat aber einen Terminkalender, der bereits für die nächsten 2 Monate ausgebucht ist. Der Vater des Kindes ist selten zu sehen, er macht einen eher gehetzten Eindruck, trägt Maßanzug und versucht, den Ansprüchen seiner Frau gerecht zu werden. Die Übermutter ist stets unzufrieden mit den Leistungen der Bildungseinrichtungen und drängt daher bei jedem Elternabend darauf, dass mehr Personal, Geld, Materialien und zusätzliche Kurse bereitgestellt werden, damit die Kinder angemessen gefördert werden können.

Der Fußballvater:
Für den Fußballvater ist es völlig klar, dass sein kleiner Mike, Malte oder Stefan später mal eine steile Fußballkarriere vor sich haben wird, daher erwartet er von Schule und Kindergarten, dass hier bereits die richtigen Weichenstellungen für eine beidfüssige Erziehung erfolgen. Von den anderen Eltern erwartet er, dass diese nicht nur Verständnis für die Karrierepläne des Vaters zeigen, sondern diese aktiv unterstützen. Das bedeutet also Zustimmung für einen Fussballkurs am Nachmittag und auch die Anschaffung neuer Fussbälle. Bei der Forderung einer Klassenfahrt nach Malente beisst er allerdings auf Granit, weil das Schullandheim günstiger ist, was er als Affront auffasst.

Das Erziehungs-Evangelistenpaar:
Diese Eltern haben oftmals bereits ein älteres Kind und damit einen Erfahrungsschatz, an dem sie alle teilhaben lassen müssen. Dabei geht es weit darüber hinaus, wie sich Moritz, Lena oder Emma in der Schule verhalten haben und warum das so gut war, sondern auch, wie zuhause Dinge gehandhabt werden. Dabei wird alles so formuliert, als ob es ein alternativloser Zustand einer jeden Familie wäre, dass es z.B. nur 30 Minuten Medien-Nutzung am Tag geben sollte, dass die Kinder um 19 Uhr im Bett zu liegen haben, dass Kinder morgens heisse Milch bekommen zu haben und abends Saft, oder dass jeden Tag Schönschrift geübt werden sollte. Anderslautende Konzepte werden ignoriert oder mit dem Hinweis “bei uns haben wir damit beste Erfahrungen, dass…” in den Bereich der absurden Utopien verwiesen. Natürlich haben diese Eltern auch Tipps für Erzieher und Lehrer parat, damit diese es in ihrem Arbeitsalltag einfacher haben.

Die Verpeilte:
Ein kurzes Lächeln, ein wenig Nase kraus ziehen, das sollte ausreichen, damit alle wieder zufrieden sind, denkt sich die Verpeilte, als sie 30 Minuten zu spät zum Elternabend kommt und beim Eingiessen der Selters den Plastikbecher umkippt und die Tischdeckenserviette durchnässt. Abgesehen von dem aufmerksamkeitsstarken Einstieg bekommt man von der Verpeilten nichts mehr zu hören, außer der konsequenten Nachfrage bei der Absprache von Terminen, da sie sich keinerlei Termine merken oder gar aufschreiben kann. Zu ihren größten Errungenschaften im Bereich der Kindererziehung gehört, dass das Kind nur noch jeden zweiten Schultag zu spät von ihr gebracht wird.

Der Nickvater:
Er musste mit. Man sieht es ihm an, er träumt von Chips, Bier und Glotze, aber reisst sich zusammen, weil es sonst Mecker gibt, und zwar ordentlich. Er hat keine Meinung, aber wenn seine Frau etwas sagt, dann wollte er das auch sagen. Bei der Vorstellungsrunde stellt die Frau den Mann mit vor und er lächelt und sagt, dass er das auch sagen wolle. Am Ende des Schuljahrs weiss man immer noch nicht, wie dieser Vater heisst, aber man befürchtet auch, dass er die Frage nur im Beisein seiner Frau beantworten darf.

Die Hilfreiche:
Es ist völlig egal, worum es geht, die Mutter von Leonie, Sarah oder Oskar ist immer zur Stelle und packt mit an. Während die anderen Eltern noch überlegen, mit welcher Ausrede jegliche Mitmach-Anfragen abgewendet werden können, ist die Hilfreiche sofort dabei, schliesslich ist sie auch Elternvertreterin, im Elternrat, im Kreisschulrat, im Vorstand ihres Vereins und hilft am Wochenende bei der Caritas aus und organisiert die Kuchentafel im Altersheim um die Ecke. Schlimm wird es, wenn eine Hilfreiche nicht helfen darf, weil sie beispielsweise nicht als Elternvertreterin gewählt wurde. Hier bietet es sich an, spontan zusätzliche Vertreterinnenposten zu schaffen, damit es nicht zum Blutvergiessen kommt.

Der twitternde Sarkast:
Dieser Vater kommt pünktlich, setzt sich so hin, dass er einen Überblick über das Geschehen hat, aber nicht in die Verlegenheit kommt, mit den anderen Eltern unnötige Wortwechsel zu führen, weil er sonst befürchtet, seine Meinung zu deutlich zum Ausdruck zu bringen. Als Ventil hat er daher Twitter gewählt und erheitert mit seinen Bemerkungen die Followerschaft. Unmittelbar nach seiner Rückkehr nach Hause bekommt er von seiner Frau zu hören “na, haste Spaß beim Twittern gehabt? wenn das so ist, gehst Du nächstes Mal wieder hin, ich würde da durchdrehen!”.

Die Themen:

Jeder Elternabend hat eine Tagesordnung, entfaltet aber gerne eine völlig eigene Dynamik basierend auf dem Zusammenspiel von Erziehern oder Lehrern und den Eltern. Während im Kindergarten gerne die Themen auf eine Tafel gemalt werden, kommt in der Schule der gut gepflegte Overhead-Projektor aus den 80er-Jahren zum Einsatz, dessen Verwendung Pflicht ist für alle Lehrer, die älter als 35 sind und deswegen kategorisch den Einsatz neuerer Medien ablehnen. Im Kindergarten werden Themen nicht nur aufgemalt, sondern gerne auch beim Vortragen Wort für Wort abgelesen, was für die anwesenden Eltern den Spannungsbogen kaum anheben lässt. Wichtig ist aber, dass bei jedem Elternabend penibel darauf geachtet wird, dass die wirklich wichtigen Themen nicht diskutiert werden, weil niemand sich darauf vorbereitet hat, man aber stattdessen völlig unwichtigen Themen endlosen Raum gibt, da hier auch die Eltern inhaltlich viel beitragen können. So kann an beispielsweise gemeinsam der Frage nachgehen, wo das Kindergartenkollektiv den günstigsten Preis des gesamten Ortes für Wasser in Flaschen bezahlen würde und welcher Vater in der Lage sei, einmal im Quartal 50 Kästen Wasser zu besorgen, damit man nochmals 3 Cent pro Kasten spart. Einwände wie “ich zahle für die Lieferkosten!” werden nicht hingenommen, denn es geht um das Prinzip. Dieser Grundsatz wird auch verfolgt, wenn es um das Essen der Kinder geht. Natürlich Bio, das ist ja klar, aber Bio darf nichts kosten und Eltern wissen natürlich, wie man kocht und haben daher auch eine Vorstellung, wie man den Kindern günstiges und gut schmeckendes Essen reichen kann, das auch noch Bio ist und das auch der kleinen Lisa schmeckt, denn deren Unverträglichkeit gegen Paniertes war eigentlich nur der Auftakt zu einer Diskussion, die die gesamte Lieferkette der Einrichtung in Frage stellt und nur durch den besonnenen Einsatz der Einrichtungsleiterin, die kurzerhand mit ihrem Kinderstuhl vor die Tür hüpft und damit die Eltern vom Sturm auf die Küche bewahren kann, wird schliesslich beschlossen, das Thema Essen erst einmal auszuklammern und beim nächsten Elternabend wieder aufzugreifen, dann aber im Beisein des Küchenpersonals.

Damit die Eltern in ihrer Entscheidung, das Kind in gerade diese Einrichtung gebracht zu haben, nachträglich noch darin bestärkt werden, sieht jede Tagesordnung vor, das pädagogische Konzept der Einrichtung zu erläutern. Natürlich erfahren die Eltern in blumigen Worten, wieviele Gedanken sich alle gemacht haben, um die lieben Kinder möglichst allumfassend trotz knapper Kassen und Inkompetenz bei allen zuständigen Ämtern beim Heranwachsen zu begleiten. Erstaunlicherweise lassen sich alle pädagischen Konzepte im Kindergarten darauf reduzieren, dass morgens gespielt wird, dann gibt es Frühstück, dann wird gespielt, danach gibt es Mittag, dann wird gespielt, dann gibt es wieder etwas zu Essen und danach wird gespielt, bis die Kinder nach Hause gehen. Natürlich gibt es saisonale Unterschiede, so spielen die Kinder im Sommer eher draussen und im Winter eher drinnen. Wenn sie drinnen spielen, wird auch mal gebastelt und dann werden Blätter im Herbst verwendet und Tannenzapfen im Winter, im Frühling wird gesät und im Sommer gehen alle Kinder zusammen auf den Markt. In der Schule sieht es natürlich ganz anders aus, da wird Lesen, Schreiben, Rechnen, Musik, Kunst und Sport auf dem Stundenplan stehen und sich an saisonalen Unterschieden orientieren. Aber natürlich hat jede Einrichtung da ihr eigenes pädagogisches Konzept, auf das man zu Recht stolz sein kann. Jegliche Nachfragen der Eltern werden begrüsst und mit den Worten “Teil unseres pädagogischen Konzeptes ist auch…” eingeleitet, um dann noch einmal möglichst banale Grundlagen der Erziehungsarbeit zu erläutern.

Aber es ist nicht nur so, dass die Erzieher und Lehrer Themen setzen und mit einer gebotenen Detailtiefe erläutern, auch die Eltern finden immer wieder zu den Klassikern der Elternabendthemen, nämlich dem guten alten “mein Kind wurde von einem anderen Kind geschlagen, getreten, beschimpft oder bespuckt” bzw. “mein Kind kann nicht neben dem anderen Kind sitzen, weil es dann unkonzentriert ist”, denn natürlich sollten diese Themen immer mit allen Eltern diskutiert werden und niemals nur mit den Eltern des betreffenden Kindes und dem Erziehungspersonal, denn nur so kann gewährleistet werden, dass alle fröhlich reihum sich über irgendein Kind beschweren, der Lärmpegel steigt und die Aggressivtät bei den Eltern merklich zunimmt, ohne dass man eine Lösung findet. Mitten im grössten Tohowabohu ergreift dann die Einrichtungsleiterung das Wort und erläutert noch einmal das pädagogische Konzept der Einrichtung, was zwar niemanden zufriedenstellt, aber wenigstens die Ausweglosigkeit der Situation erkennen lässt.

Der Elternabend geht grundsätzlich mit dem Finden von Terminen zu Ende, wobei eigentlich nie verbindlich Termine abgemacht werden können, weil immer irgendwas ist und irgendjemand noch ganz dringend was herausfinden muss, bevor der Termin bestätigt werden kann. Schliesslich ist es 22 Uhr und der Hausmeister der Einrichtung steht mürrisch in der Tür und weist darauf hin, dass er jetzt die Tür abschliessen müsse, so dass alle mitten in der Terminfindung zum Ausgang eilen und sich vornehmen, beim nächsten Elternabend einen anderen wichtigen Termin zu haben.

Natürlich sind die handelnden Personen hier und da ein klein wenig überzeichnet dargestellt worden, aber so ein Elternabend ist eine Herausforderung an den gesunden Menschenverstand.

Smartphone aus! Urlaub!

Nico —  24.07.2012 — 24 Comments

Was für ein Quatsch. Wenn ich das schon lese, dass Leute meinen, für den Urlaub Vorschriften zu erlassen. Spann mal aus, kein iPhone. Kein Roaming. Kein iPad. Ich glaube, es hackt!

Ich verbringe meinen Urlaub so wie ich es möchte (oder meine Familie mich lässt) und dazu gehört auch die Nutzung irgendwelcher elektronischen Geräte. Oder wie meine Frau immer sagt “aber da sind meine Freunde drin”. Das ist doch genau der Punkt: ich möchte selbstbestimmt definieren, ob und wie ich im Urlaub mein iPhone benutze. Wenn dann irgendwelche Leute auch noch meinen, dass die hohen Roamingkosten positiv zu sehen sind, weil sie dabei helfen, im Urlaub abzuschalten, dann frage ich mich echt, wie tief im 20. Jahrhundert einige Menschen immer noch stecken.

Das Smartphone an sich ist doch keine Geißel, sondern eine wahnsinnige Erleichterung für viele umständliche Dinge des Alltags, und noch dazu eine Spielekonsole und ein Brieftaubenschwarm auf Steroids. Mit dem Smartphone finde ich heraus, welches Restaurant empfehlenswert ist, finde den den Weg dorthin, mache Fotos, schicke sie meinen Freunden, bestelle kurz ein eBook fürs Kind, recherchiere Ausflugsziele, und so weiter und so fort. Wir reden überall von Medienkonvergenz und das passiert doch auch im Urlaub. Ist ein Kindle erlaubt, weil man da nur Bücher lesen kann, ein iPad aber nicht, weil man da auch daddeln oder gar twittern kann?

Natürlich kann ich das auch mit einem Reiseführer, einer Karte, einer Kamera, vielen Postkarten, Briefen und Büchern und so erledigen, aber im Urlaub soll man sich doch entspannen, warum meinen dann irgendwelche Leute, man solle das Smartphone ausschalten? Mir wird nicht klar, warum andere Menschen verordnen wollen, wie man sein Urlaub zu gestalten hat. Aber achtet mal drauf, derartige Tipps gibt es an jeder Ecke. Ich jedenfalls war gerade im Urlaub und das einwöchige 100 mb Roaming-Paket der Telekom hatte ich nach einem Tag aufgebraucht und wurde erst wieder entspannt, als ich eine lokale Data-SIM mit 1 GB erstanden hatte. Ich fühle mich ohne Smartphone mit Daten-Nutzung abgeschottet von der Welt, quasi wie im Blindflug. Das kann man entspannend finden, aber ich möchte mir diesen Zustand selber wählen können.

Gone Fishing.

Nico —  8.07.2012 — Leave a comment

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Vor einigen Wochen hat mich Elke Fleing, die ich seit Jahren über diverse Social Media Kanäle, ihr Blog Berufung Selbständig und von vielen Veranstaltungen kenne, gefragt, ob ich nicht mal ihr aktuelles Buch Kommunikation verkaufen rezensieren würde. Nun ja, “schaden kann das ja nicht”, habe ich mir gedacht und habe es auf den Stapel “Bücher, die ich mal lesen könnte” gepackt. So richtig gereizt hat mich das Thema nicht, da ich derzeit nicht wirklich als selbständiger Kommunikationsdienstleister arbeite.

Heute war nun also der große Tag und ich habe mir das Buch vorgeknöpft. Die gute Nachricht gleich am Anfang: die 190 Seiten gehen schnell vorbei und man hat nicht das Gefühl, nach der nächsten Seite einzuschlafen. Die Schreibe von Elke Fleing ist flott, würde besser für ein Blog denn ein Buch passen und ist mir manchmal etwas zu aufgesetzt fröhlich, aber vielleicht ist Elke einfach nicht so freudlos wie ich, kann ja sein.

Nach ungefähr 10 Seiten ist mir aufgefallen, dass ich das Buch vor einigen Jahren hätte lesen sollen. Da war ich nämlich für ein paar kurze Monate in der Tat mal selbständig und musste definieren, welche Dienstleistungen ich wie anbieten will und zu welchem Preis. Der Untertitel des Buchs lautet “Realistisch kalkulieren – klare Angebote erstellen – erfolgreich verhandeln” und greift damit die Grundlagen der Selbständigkeit auf, die man unbedingt beherrschen muss. Insbesondere das Entwickeln einer eigenen Honorarstruktur und die Durchsetzung der Preise gegenüber den Kunden wird in dem Buch von Elke Fleing gut und ausführlich behandelt, verbunden mit vielen Tipps für das Auftreten beim Kunden und die Verhandlungsführung. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, derart aufwändig einen Stundensatz zu kalkulieren, aber natürlich macht es Sinn, sich darüber als Selbständiger Gedanken zu machen. Etwas überflüssig finde ich allerdings den Abschnitt über die Außendarstellung als Freelancer, der Textbaustein erinnerte mich eher an “Wünsch Dir was” und wirkte stellenweise etwas übertrieben, denn gerade als Freelancer kann man nicht auf sämtlichen Social Media Hochzeiten rumtanzen, sondern sollte sich fokussieren, idealerweise auf seine Dienstleistungen. Wie immer beim Lesen eines Fachbuches freue ich mich über viele weiterführende Links, die ich nicht anclicken kann und dann vergesse – so auch in diesem Fall. Die Autorin hat eine gute Sammlung von hilfreichen Büchern, Websites und Tools zusammengetragen, die ich nur noch durch einen Link ergänzen will: Easybill ist eine Online Rechnungssoftware, die sich gerade für Selbständige ideal für Angebote und Rechnungen eignet. Easybill ist eine Beteiligung von Digital Pioneers, bei der ich beschäftigt bin.

Mir hätte das Buch Kommunikation verkaufen in meiner Zeit als Selbständiger gerade zum Start wirklich weitergeholfen und ich hätte sicherlich den einen oder anderen Fehler vermeiden können. Ich glaube, das Geld für die Anschaffung des Buches ist gut angelegt und man kann das bestimmt irgendwie absetzen als Selbständiger.