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Seit etwas über einer Woche wird Deutschland zuplakatiert mit gelben Plakaten, auf denen bekannte Vorurteile hinterfragt werden. Hinter der Kampagne Umparken im Kopf steht der Autohersteller Opel und die verantwortliche Agentur ist Scholz & Friends, für die ich auch einige Jahre gearbeitet habe. Mit der Kampagne allerdings habe ich nichts zu tun.

Was ich schade finde, denn ich denke, dass Umparken im Kopf direkt den Nerv trifft und einer Firma wie Opel gut steht. Sicherlich kann man immer nette TV-Spots mit Jürgen Klopp und anderen machen, aber das hilft nur nicht dabei, die generellen Probleme der Marke zu überwinden. Die Marke Opel ist das Problem für eine Firma, die wirklich anständige Autos baut, die nur leider zu wenig Leute fahren wollen, weil das Image einfach so mies ist. Ich war damals am Pitch um Opel ein wenig beteiligt und als wir dann den Etat gewonnen hatten, sagte meine Frau sofort: “Aber wir behalten doch den Audi als Dienstwagen, oder”? – da kann man noch so gute Autos bauen, “jeder Popel fährt einen Opel” und das “Manta, Manta”-Image sorgen nachhaltig dafür, dass Opel alles andere als angesagt ist bei der breiten Masse der Bevölkerung.

Mit der cleveren Kampagnen-Idee “Umparken im Kopf” thematisiert Opel jetzt direkt das große Problem, an dem Opel seit Jahrzehnten zu knabbern hat. Während Audi es mit “Vorsprung durch Technik” vom biederen Seniorenwagen mit gehäkeltem Klorollenüberzug auf der Hutablage zu einer begehrten Marke geschafft hat, konnte Opel bislang zwar noch so oft darauf hinweisen, dass die Autos wirklich gut sind, es wollte sie dennoch niemand kaufen (Und die Autos sind wirklich gut, wir haben vorletztes Jahr einen Opel Zafira Tourer getestet und waren von der Qualität des Autos überzeugt). Die Kampagne Umparken im Kopf löst Diskussionen aus, sowohl über das jeweilige Plakatmotiv als auch über Opel selber. Und das ist genau das, was die Rüsselsheimer jetzt benötigen, damit sich die Kunden von Opel auch zur Marke bekennen können und potentielle Kunden nicht mehr vom schlechten Image der Marke abgeschreckt werden.

Leider wird die ganze Kampagne nach dem ersten Plakatflight viel zu werbisch, die vielen Testimonials in den kurzen Filmchen sind überflüssig und die dazugehörende Website umparkenimkopf.de stellt auch nur einen Rückfall in die alten Zeiten der Micrositehöllen dar. Es hätte völlig ausgreicht, lediglich zu zeigen, wie die Kampagne derzeit in den sozialen Medien diskutiert wird, aber viele Werber sehen sich gerne als verhinderte Drehbuchstars und wollen daher immer mit Prominenten irgendwelche Filmchen drehen, quasi eine Berufskrankheit. Die Übersichtseite gibt es durchaus, aber sie sollte im Fokus stehen und es müssten immer wieder neue Diskussionen stimuliert werden, damit die Kampagne langanhaltend laufen und damit zum Imagewechsel bei Opel beitragen kann.

Oft_verrät_der_zweite_Blick_mehr_als_der_erste____umparkenimkopf

Ich wünsche mir noch viele, viele Motive, die gängige Vorurteile hinterfragen und die Leute zum Nachdenken anregen. Das kann generell nicht schaden, und wenn es noch dazu führt, dass ein traditioneller deutscher Autohersteller auf seinem Heimatmarkt wieder mehr gekauft wird, dann hat die Kampagne gleich zwei Ziele erreicht: Nachdenken und Absatz.

Das ist eine grandios gute Bier-Werbung. Ich habe jetzt Durst.

Facebook App Center mobileIch hatte neulich schon angemerkt, daß Facebook gut daran tut, die Apps besser für die Nutzer erreichbar zu machen. Letzte Woche ist das App Center an den Start gegangen und ich denke, dass hier einiges richtig gemacht wurde. Martin Weigert sieht das anders:

Facebook hat mit dem App Center ein zentrales Verzeichnis für besonders eng mit dem sozialen Netzwerk verbundene Anwendungen veröffentlicht – egal ob diese über das Web oder Smartphones ausgeführt werden. An Facebooks Grundproblem im mobilen Bereich ändert dies wenig.

Die sogenannten social Signals werden immer relevanter für das Erlangen von Aufmerksamkeit im Netz, darüber sind wir uns alle einig und das zeigen auch aktuelle Untersuchungen wie die Studie The Power of Like 2 von Comscore immer wieder. Der Facebook App Center schließt somit eine Lücke, die derzeit massiv bei der App Discovery klafft. Man sieht zwar irgendwelche Ranglisten in den App Stores und auch irgendwelche Sternchen von irgendwelchen Leuten, aber wie diese Bewertungen und die Platzierungen zustande kommen, das erschliesst sich dem Nutzer nicht.

Facebook macht mit dem App Center drei Sachen genau richtig:

1. es wird ein massiver Filter über alle Apps gelegt und nur die Apps werden in den App Center aufgenommen, die social Signals aussenden, also die Vorteile eines Ökosystems wie Facebook ausnutzen.
2. dem Nutzer wird angezeigt, wie viele Nutzer eine App hat und wieviele Freunde diese App nutzen, und zwar für Web-Apps und mobile Apps.
3. die Nutzer werden von Facebook nach einem intransparenten Prinzip dazu aufgefordert, Apps zu bewerten. Dies schliesst massenhaft generierte Jubel-Bewertungen ebenso aus, wie negative Bewertungen durch die Konkurrenz.

Natürlich knackt Facebook damit nicht das Problem, dass es nicht über einen mobile App Store verfügt, aber Facebook dürfte in Zukunft sehr gezielt Nutzer auf die für das Ökosystem Facebook relevanten Apps in den jeweiligen Stores schicken und damit die Attraktivität für die Nutzer steigern. Aber auch aus Sicht der App-Entwickler wird es nun leichter werden, soziale Apps über Facebook zu pushen, denn künftig müssen nicht mehr blind Nutzer über Werbung erreicht werden, sondern es können gezielt die Nutzer angesprochen werden, deren Freunde bereits die App nutzen und die dadurch eine höhere Affinität für diese App besitzen. Der Einstieg in den App Center dürfte allerdings für neue Apps schwierig werden, denn es wird nicht mehr so einfach sein, auf die Schnelle ein paar gute Bewertungen zu erreichen.

Das Facebook App Center macht App Discovery social und wird damit das Auffinden interessanter Apps für die Nutzer erleichtern.

Erinnert noch jemand das Facebook App Directory? Genau. Facebook hatte nach der Einführung der Apps mal ein Verzeichnis aller Apps aufgebaut, aber auch nach einer Renovierung war das Facebook App Directory bestenfalls unbenutzbar und wurde irgendwann eingestellt. Mittlerweile ist Facebook nicht nur mehr als 900 Millionen Nutzer groß, sondern verfügt auch über 54% mobile Nutzer, was auch mal eben 488 Millionen Menschen sind. Aber das Auffinden von Apps funktioniert nur über die Suche oder über das Freundesnetzwerk. Das geht zwar auch irgendwie, ist aber nicht optimal, vor allem nicht, wenn Facebook die Apps noch zusätzlich monetarisieren will.

Facebook App CenterAber das soll nun alles anders werden, denn heute wurde das App Center vorgestellt. Künftig gibt es wieder ein ordentliches Verzeichnis, in dem alle Apps zu finden sind, die bestimmten Qualitätskriterien entsprechen. Zusätzlich werden jetzt aber auch die mobilen Apps aufgelistet werden, die über ein Facebook Single Sign-On verfügen und damit auch leicht aus der mobilen Facebook-App gestartet werden können. Das ist ultra-praktisch für die Facebook-Nutzer, denn künftig kann man auch mobil neue Facebook-Apps finden, aus den mobile App Stores installieren und dann direkt der Facebook App starten:

The App Center is designed to grow mobile apps that use Facebook – whether they’re on iOS, Android or the mobile web. From the mobile App Center, users can browse apps that are compatible with their device, and if a mobile app requires installation, they will be sent to download the app from the App Store or Google Play.

To grow your mobile app through the App Center, your app needs to use Facebook Login.

Naja, und spätestens jetzt wird auch deutlich, warum jetzt wieder ein App Center kommt: eine zusätzliche Monetarisierungs-Option wird aufgetan, denn es ist naheliegend, daß App-Betreiber künftig auch für gute Sichtbarkeit im App Center bezahlen können. Insbesondere für den mobilen Bereich dürfte das sehr spannend sein, da der Cost-Per-Install durchaus lukrativ sein kann.

Aber, das ist noch nicht alles. Es wird auch Paid-Apps geben im neuen Facebook App Center. Künftig können also wie im iTunes Store oder bei Google Play kostenpflichtige Apps auftauchen, d.h. Betreiber von Apps müssen nicht auf Credits ausweichen oder versuchen, über Werbung Geld zu verdienen, sondern können direkt für die Nutzung der App Geld verlangen. Es wird interessant sein, wie der neue App Center das Wachstum der Apps verändert und ob die Metriken zu einer stärkeren Winner-Takes-All Situation führen, oder ob auch die Nischen gut bedient werden können. Ich glaube, es wird einen Run auf die Möglichkeit der mobilen Installs über den Facebook App Center geben.

Für das Ökosystem Facebook ist die Einführung des Facebook App Centers unausweichlich, vor allem um die Phantasien vor dem Börsengang zu beflügeln.

Ob Google+ nun tot ist oder durch Google künstlich beatmet wird, darf Monat für Monat neu debattiert werden, sobald neue Zahlen präsentiert werden. Aber die Vermutung war schon immer, daß Google nicht nur die Clicks auf +1, sondern auch die Followerzahlen für das Ranking in den Suchergebnissen berücksichtigt. Ein kurzer, natürlich nicht repräsentativer Test, will nun Folgendes herausgefunden haben:

It turns out having Google+ followers boosts the ranking the most, while a “+1″ still does way more for your search ranking than Facebook or Twitter.

Twitter und die Anzahl der Follower ist laut dieser Studie übrigens egal. Nun muß man sich selber überlegen, welche Trafficquellen wichtiger sind: die eher Realtime-orientierten Quellen wie Facebook, Google+ oder Twitter, oder eben das gute Ranking in Suchergebnissen von Google.

[ via Surprising No One, Using Google+ Is The Best Way To Boost Your Website's Search Ranking - Business Insider ]