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Früher habe meine Mails mit mail auf der Kommandozeile gelesen, das war ganz okay für die paar Mails, die damals so tagtäglch eintrudelten. Ich bin dann zügig zu Elm und dann zu Pine (Rekursives Akronym: Pine is not Elm) übergangen und habe wirklich sehr lange Pine genutzt. Pine war flott, gut zu bedienen und bat einen guten Überblick über die Mail-Situation, aber irgendwann habe ich dann angefangen, Eudora für den Mac zu nutzen, das war ein tolles Mail-Programm. Mittlerweile nutze ich Gmail für meine Mails und bin ein großer Fan des Web-Frontends geworden. Nur für die mobile Nutzung auf dem iPhone gibt es bislang keine Mail App, die mich vom Hocker haut. Mail.app ist okay, haut mich aber nicht von den Socken, Sparrow hatte Potential, wurde dann von Google gekauft und die Gmail-App nutze ich nur, wenn ich Mails suche, das kann die nämlich extrem gut, ansonsten finde ich App die eher so lala.

Mailbox AppIch war verzückt, als ich das erste Announcement von Mailbox sah und letzte Nacht waren dann endlich die 8000 Reservierungen vor mir weg und ich konnte die App austesten. Der Anspruch von Mailbox ist beachtlich:

Designed 30 years ago, traditional email transmission is clunky and slow. To make delivery as fast as possible, Mailbox checks your email from the cloud, then delivers it to your phone securely. You can even get push notifications for new messages.

Nun ja, mein Mail-Aufkommen hat sich in den letzten 17 Jahren massiv gesteigert und ich bin dazu übergangen, mit SaneBox alles wegfiltern zu lassen, was wahrscheinlich eher nicht so relevant ist. Das funktioniert super, nur ab und zu muss ich irgendwelche Interview-Anfragen von Journalisten wieder hervorholen aus einem der Ordner für spätere Erledigungen. Das klappt aber alles insgesamt ganz gut und meine Inbox ist zwar voll, aber gelesen und teilweise sogar beantwortet.

Mailbox will das alles jetzt sogar noch besser machen mit einer Grundidee, die die Macher schon bei der To-Do App Orchestra umgesetzt hatten: es wird geswiped. Das fand ich bei Orchestra toll, aber nach einem Tag habe ich die App nie wieder benutzt, das Geswipe hat zwar Spass gemacht, aber viele andere mir wichtige Dinge fehlten. Egal, jeder App Developer verdient seine zweite Chance und bei Mailbox war der Buzz in den Techblogs schon im Vorfeld bereits so groß, dass ich die App einfach testen musste. Auch wenn ich es absurd finde, dass man sich 2013 immer noch über Email-Clients unterhält, das Problem müsste doch nun wirklich mal gelöst sein.

swipeMailbox sieht chic aus, man swiped ganz nach rechts und löscht die Mail, bisschen nach rechts swipen archiviert die Mail und wenn man nach links swiped, dann kann man einstellen, wie lange die Mail snoozen soll, bis sie wieder angezeigt wird, bzw. die Mail mit Labels a la “To Do” oder “To Buy” versehen. Die Grundidee ist, dass man seine Inbox immer schön leer hat und alles löscht oder archiviert, bzw. sich für später aufhebt.

Hmm. Mir geht schon nach fünf Minuten das Geswipe auf den Senkel, denn die meisten Sachen will ich gerade nicht lesen und dafür habe ich meine SaneBox-Filter, aber Mailbox ignoriert die bestehenden Gmail-Labels, führt dafür aber eigene Labels ein. Ich kann also nicht auf meine Mailinglisten zugreifen, die ich alle brav wegfiltere, es sei denn, ich gehe auf die Archive-Ansicht, in der alle Mails dargestellt werden, die in meinem Gmail schlummern. Es ist für mich unverständlich, wie man eine Mail App für Gmail entwickelt, die nicht auf bestehende Labels zurückgreifen kann. Die Macher erwarten doch nicht ernsthaft, dass ich im Web und Mobile unterschiedliche Labels und Ansichten nutzen will? Ich möchte meine Mails sehen, ohne mir merken zu müssen, welche App was wie wo warum ablegt.

Mailbox ist für mich gefühlt erst in Version 0.5, das kann noch was werden, aber die aktuelle Version ist nur etwas für Eye-Candy Geniesser mit 10 Mails am Tag.

Beste deutsche iPhone App 2012Wow, ich bin geplättet und stolz vor Freude, dass unsere kleine App Stuffle zur besten deutschen iPhone App 2012 ausgezeichnet wurde. Der Fachkongress IPDC – iPhone Developer Conference hat in Zusammenarbeit mit der Deutschen Telekom und dem Fachmagazin web & mobile developer Stuffle, Vamos und Wohin ? prämiert.

Wer Stuffle noch nicht ausprobiert hat: Stuffle ist eine Art mobiler Flohmarkt auf dem Smartphone, aktuell nur für das iPhone, aber bald auch für Android erhältlich. Ohne viel Aufwand können Dinge verkauft werden, aber auch neue Sachen gefunden werden. Der Clou ist, dass Stuffle vor allem für Sachen funktioniert, die “umme Ecke” angeboten werden. Im Mai sind wir gestartet und haben mittlerweile über 65.000 Downloads verzeichnen können, mit einer durchschnittlichen Bewertung von 4,5 von 5 Sternen.

Ich glaube, Stuffle ist auf einem guten Weg und ich freue mich über diese Bestätung als beste deutsche iPhone App 2012.

Stuffle Lovie Award WinnerNoch dazu haben wir mit Stuffle die europäischen Lovie Awards gewonnen in der Kategorie Mobile Innovation. Auch dafür bedanken wir uns artig und freuen uns auf noch mehr Unterstützung für den People’s Lovie Award – bitte hier für Stuffle stimmen!.

Ach ja, und wenn ihr abgestimmt habt, dann clickt doch auch mal hier drauf:

Mobile knackt die 10-Prozent-Marke

Jeder, der mal eine Website entwickelt hat, kennt die leidige Browser-Diskussion. Damals, als ich mit dem Web angefangen hatte, war die Frage immer noch, ob die Seite auch mit Lynx funktionieren sollte, damit die Leute nicht ausgeschlossen wurden, die die Kommandozeile auch fürs Web nutzen wollen. Danach ging es dann munter weiter von der Einführung des Marquee-Tags bis hin zu den ganzen kleinen und großen Inkompatibiltäten, die heutzutage zwischen den Browsern existieren. In den letzten Jahren war dann die Frage “müssen wir Internet Explorer 6 wirklich noch unterstützen?” grundsätzlich die Frage, auf die niemand ein “Ja!” als Antwort hören wollte. Zwar ist der Marktanteil des IE 6 in Deutschland mittlerweile bei unter 1% angelangt, aber in großen Unternehmen kann man immer noch den IE6 antreffen, der Angst und Schrecken unter den Frontend-Entwicklern verbreitet.

Aber eigentlich ist es völlig egal, irgendeinen Aufwand in alte Versionen des Internet Explorer zu stecken, es sei denn, man vermutet genau dort die Nutzer. Ansonsten sollte man sich lieber mit Responsive Design und HTML5 auseinandersetzen und Websites bauen, die für Smartphones und Tablets ebenso funktionieren wie für herkömmliche Desktop Browser. Aber irgendwie hat sich das immer noch nicht herumgesprochen. Ich würde immer darauf setzen, die Leute zu erreichen, die bei der Nutzung einer Technologie eher früh dabei sind, als auch noch die Leute irgendwie mitzunehmen, die Browser benutzen, die schon seit Jahren nicht mehr aktuell sind. Wie gesagt, es gibt Ausnahmen, aber man sollte lieber die Leute mitnehmen, die sich auf einer nach oben zeigenden Kurve befinden, als immer noch Krücken zu bauen für irgendwelche Browser, die eigentlich schon lange niemand mehr nutzen müssen sollte.

Wenn man mal ein Tablet nutzt, dann stellt man erst einmal fest, wie wenig die Anbieter überhaupt gewillt sind, entsprechende Ansichten für Tablet-Nutzer zu bauen. Die ZEIT ist da eine rühmliche Ausnahme, die das meines Erachtens vorbildlich löst, aber sobald man eine Shopping-Site nutzen will, überkommt einen das kalte Grauen, weil einfach nichts wirklich stimmig aussieht. Kein Wunder, dass das mit dem mCommerce noch nicht so richtig klappen will.

Baut Websites für mobile Browser und die Nutzer werden es Euch danken!

Gestern erschien bei SPON ein Artikel von Stefan Schultz mit dem Titel Fehlende Mobil-Strategie: Smartphone-Boom bedroht Facebooks Geschäft und während Schultz erläutert, wie mies derzeit der Aktienkurs ist und wie generell anders die mobile Nutzung sein könnte, kommt er nicht umhin, einfach mal nur die eine Seite der Medaille zu sehen:

Facebooks Aktienkurs schwächelt seit dem Börsengang. Wenn in dieser Woche Mitarbeiter des Netzwerks Papiere verkaufen, droht das nächste Tief. Der Sinkflug zeigt ein grundlegendes Strategieproblem: Die Smartphone-Revolution bedroht Facebooks Werbegeschäft – die Lösung fällt dem Unternehmen schwer.

Ich glaube, dass andersrum ein Schuh daraus wird. Die Smartphone-Revolution bietet völlig andere Möglichkeiten, von denen die meisten allerdings erst entwickelt werden müssen. Da steht Facebook wie viele andere Firmen auch vor der Herausforderung, rechtzeitig die richtigen Dinge zu tun. Das ist aber per se erst einmal keine Bedrohung, sondern bietet eine ordentliche Chance.

Gestern hat Facebook auf der GDC Europe mal ein paar Zahlen zum neuen App Center verkündet und da kann man schon deutlich einen Strategie-Ansatz erkennen:

And the App Center, Facebook’s newly revamped app marketplace launched in May, is now seeing 150 million monthly users, with 2.4 times more installs of apps compared to Facebook’s old directory/dashboard and a next-day return rate of 35% to those apps after the first install (17% likely to return within a week).
[…]
Another stat points to some of Facebook’s mobile strategy: In July, Facebook says it referred people to Apple’s App Store and Google Play more than 170 million times, through links that appear in people’s timelines when their friends are playing Facebook-connected games. This is a development on a theme: Facebook is already known as a major traffic referral generator, often coming in second only to Google search in terms of driving traffic to websites via links in people’s timelines, fan pages and other features. And in those instances where people are not playing directly on Facebook itself, Facebook wants to have the same role with mobile apps.

Facebook: Try These GamesWenn man nur halbwegs davon ausgeht, dass die App Economy massiven Umsatz bringt, dann kann man erkennen, wie Facebook in den nächsten Jahren den mobilen Traffic nutzen wird, um ordentlich Geld zu verdienen. Wenn allein im Juli 170 Millionen Mal Nutzer in die App Stores von Apple und Google geschoben wurden, dann kann man davon ausgehen, dass Facebook diesen Traffic auch monetarisieren können wird. Der App Center ist allerdings nur ein Teil einer erkennbaren Strategie, Facebook wird es sich weiterhin zu Nutze machen, dass auf die Smartphone die Aufmerksamkeit des Nutzers anders ist als im Web. Prominent eingeblendete Verbraucherinformationen werden ganz anders wahrgenommen und können durchaus Impulse setzen.

Ich gehe davon aus, dass die Kombination von Mobile und Social dafür sorgen wird, dass Facebook ein immens großer Treiber für App-Downloads werden wird – und das ist ein Markt, der aktuell noch in den Kinderschuhen steckt und wo es zwar viele Anbieter gibt, aber kein einziger den Traffic so liefern kann wie Facebook. Selbst wenn das alles nicht funktionieren sollte, kann Facebook aufgrund der Nutzungsstruktur seiner mobilen Nutzer immer noch oft genug großflächige Werbung beim Starten der App einbinden, ohne die Nutzer nachhaltig zu nerven.

Wenn man mal anfängt, über Mobile nach zudenken, dann sieht man, dass das alles keine Gefahr für Facebook ist, sondern ein logischer weiterer Schritt in der Entwicklung der Firma. Als ersten Schritt wird Facebook Werbetreibenden App Downloads liefern und damit mal eben einen Markt erschliessen, der seit 3 Jahren von unzähligen Akteure beackert wird, wo aber alles immer noch Kraut & Rüben ist. Diese Entwicklung wird sich auch im Aktienkurs niederschlagen, da bin ich mir sicher. Und dann geht es munter weiter. Man darf nicht vergessen, dass Facebook derzeit immer noch der massive Treiber einer Entwicklung ist und selber definiert, wann was wie gemacht wird und nicht wie andere Akteure mühevoll hinterherhumpeln. Facebook hat noch keine vollständig umgesetzte mobile Strategie, aber die ersten Bausteine sind bereits jetzt sichtbar.

Facebook App Center mobileIch hatte neulich schon angemerkt, daß Facebook gut daran tut, die Apps besser für die Nutzer erreichbar zu machen. Letzte Woche ist das App Center an den Start gegangen und ich denke, dass hier einiges richtig gemacht wurde. Martin Weigert sieht das anders:

Facebook hat mit dem App Center ein zentrales Verzeichnis für besonders eng mit dem sozialen Netzwerk verbundene Anwendungen veröffentlicht – egal ob diese über das Web oder Smartphones ausgeführt werden. An Facebooks Grundproblem im mobilen Bereich ändert dies wenig.

Die sogenannten social Signals werden immer relevanter für das Erlangen von Aufmerksamkeit im Netz, darüber sind wir uns alle einig und das zeigen auch aktuelle Untersuchungen wie die Studie The Power of Like 2 von Comscore immer wieder. Der Facebook App Center schließt somit eine Lücke, die derzeit massiv bei der App Discovery klafft. Man sieht zwar irgendwelche Ranglisten in den App Stores und auch irgendwelche Sternchen von irgendwelchen Leuten, aber wie diese Bewertungen und die Platzierungen zustande kommen, das erschliesst sich dem Nutzer nicht.

Facebook macht mit dem App Center drei Sachen genau richtig:

1. es wird ein massiver Filter über alle Apps gelegt und nur die Apps werden in den App Center aufgenommen, die social Signals aussenden, also die Vorteile eines Ökosystems wie Facebook ausnutzen.
2. dem Nutzer wird angezeigt, wie viele Nutzer eine App hat und wieviele Freunde diese App nutzen, und zwar für Web-Apps und mobile Apps.
3. die Nutzer werden von Facebook nach einem intransparenten Prinzip dazu aufgefordert, Apps zu bewerten. Dies schliesst massenhaft generierte Jubel-Bewertungen ebenso aus, wie negative Bewertungen durch die Konkurrenz.

Natürlich knackt Facebook damit nicht das Problem, dass es nicht über einen mobile App Store verfügt, aber Facebook dürfte in Zukunft sehr gezielt Nutzer auf die für das Ökosystem Facebook relevanten Apps in den jeweiligen Stores schicken und damit die Attraktivität für die Nutzer steigern. Aber auch aus Sicht der App-Entwickler wird es nun leichter werden, soziale Apps über Facebook zu pushen, denn künftig müssen nicht mehr blind Nutzer über Werbung erreicht werden, sondern es können gezielt die Nutzer angesprochen werden, deren Freunde bereits die App nutzen und die dadurch eine höhere Affinität für diese App besitzen. Der Einstieg in den App Center dürfte allerdings für neue Apps schwierig werden, denn es wird nicht mehr so einfach sein, auf die Schnelle ein paar gute Bewertungen zu erreichen.

Das Facebook App Center macht App Discovery social und wird damit das Auffinden interessanter Apps für die Nutzer erleichtern.