Archiv für die Kategorie ‘Social Media’

09. Juni 2010

Ist der Diktator im Ökosystem noch gutmütig?

Derzeit sieht man, wie die Ökosysteme im Internet immer größer und damit mächtiger werden. Die Ökosysteme bündeln massiv User und damit auch den Zugang zu diesen Usern. Werbetreibende stehen zunehmend vor der Herausforderung, in diesen Ökosystemen agieren zu müssen, um die für sie wichtigen Zielgruppen zu erreichen. Die drei wichtigsten Ökosysteme sind derzeit Google, Facebook und Apple, hinzu kommen dann noch Twitter, LinkedIn und andere. Alle haben sie ihre Eigenarten, aber alle haben sie einen natürlichen Vorteil in ihrem Ökosystem: sie bestimmen die Regeln.

Die Regeln sind vielfältig und reichen von der Art und Weise, wie man innerhalb eines Ökosystems agieren darf, über festgelegte Revenue Share Modelle bishin zu der Frage, welche Art Inhalte überhaupt im Ökosystem stattfinden darf. Beispielsweise darf man Gewinnspiele auf Facebook nur mit einer App veranstalten, bei iPhone-Apps sind Inhalte mit nackter Haut verboten und bei Google darf man als Publisher den festgelegten Split bei den Adsense-Erlösen hinnehmen.

Das klingt jetzt erst einmal nicht weiter überraschend, sondern irgendwie auch nachvollziehbar. Derjenige, der das jeweilige Ökosystem entwickelt hat, ist dort auch derjenige, der die Regeln festlegt. Das war bislang auch nicht weiter wild. Aber mittlerweile haben die Ökosysteme ein derartige Macht entwickelt, weil sie eben den über die rare Ressource Aufmerksamkeit der User verfügen, daß die Herrschaft über die Ökosysteme zunehmend für andere Marktteilnehmer zu einem massiven Wettbewerbsnachteil werden kann.

Das aktuelle Beispiel ist Mobile advertising and the iPhone, denn nach den neuen Developer Guidelines lässt Apple keinen Drittanbieter bei der Vermarktung von Apps auf dem iPhone bzw. iPad zu. Entwickler von Apps können also entweder den Revenue Share von Apple akzeptieren und die App kostenpflichtig machen, oder die App von Apple vermarkten lassen, und ebenfalls den Revenue Share von Apple akzeptieren, oder die App kostenlos anbieten. Das dürfte für viele Entwickler unschön sein und insbesondere für Vermarkter einen massiven Rückschritt bedeuten.

Von der Gutmütigkeit des Diktators im Ökosystem hängt die Entwicklung ab, aber was passiert, wenn er den Bogen überspannt? Gibt es dann eine Revolte der Developer? Der Werbetreibenden? Der User? Oder wird der Diktator akzeptiert, egal welche Nachteile es für einzelne Akteure im Ökosystem geben wird? Diese Fragen werden uns die nächsten Jahre massivst begleiten.

09. Juni 2010

t.co ist eine dämliche Idee

Twitter wächst weiter wie besoffen und denkt immer mehr darüber nach, wie die Plattform monetarisiert werden kann. Ein großes Thema sind dabei die Links, die von den Usern getwittert werden. Daher wurde auf dem Twitter-Blog jetzt verkündet: Links and Twitter: Length Shouldn’t Matter – das klingt ja alles auch erst einmal ganz sachlich.

In der Tat ist eines der Schwierigkeiten, die Twitter hat, der Umgang mit Links, gerade wegen der Limitierung auf 140 Zeichen. Nicht jeder User weiss, wie er Links kürzen kann, nicht jeder User kann vermeiden, daß er gekürzten Links folgt und in die Irre geführt wird, daher ist es gut, daß Twitter hier eine Lösung finden will, die das Kürzen von Links für User vereinfacht. Und man fragt sich unweigerlich: warum erst jetzt? Zumal Twitter ein massives Interesse daran haben sollte, herauszufinden, wer was wann clickt. Anhand der Links und vor allem der Clicks auf die Links kann Twitter in Realtime feststellen, was gerade populär ist und kann entsprechend diese Daten nutzen, um die Vermarktung der Plattform voranzutreiben.

Eine Lösung hätte sein können, verschiedene Link-Kürzungstools, wie z.B. Bit.ly, TinyUrl, etc., über eine API einzubinden und den Usern verschiedene Optionen zu präsentieren. Da kann dann meinetwegen der hauseigene Dienst t.co auch der Default sein.

Twitter allerdings hat sich eine andere Lösung ausgedacht. Alle Links, egal ob gekürzt oder ungekürzt, werden durch einen neuen t.co-Link ersetzt. Damit weiss Twitter ganz genau, was wann wo von wem gelickt wird. In dem Blogpost wird weiter ausgeführt, daß natürlich jeder User weiterhin seinen präferierten Dienst nutzen könne, alle URL-Shortener würden weiterhin funktionieren. Dabei übersieht Twitter aber ein klitzekleines Detail: wenn t.co nicht funktioniert, haben alle ein Problem. Hier wird aus einem funktionierenden dezentralen System ein zentrales gemacht, mit einer Instanz, die dafür Sorge trägt, daß die URLs funktionieren, der Spam-Schutz implementiert ist und das Tracking funktioniert.

Anders ausgedrückt: Twitter sitzt zukünftig auf den Links, die die User dem Biest füttern. Twitter ist eine Infrastruktur, die gewachsen ist, weil sie viel Offenheit und Dezentralität zugelassen hat. Anstatt jetzt den User besser an die Hand zu nehmen und beispielsweise einen offiziellen App-Store anzubieten, damit sowohl User als auch Developer die Infrastruktur sinnvoll nutzen können, zieht Twitter jetzt Walls ein und versucht, direkt in die Inhalte einzugreifen.

Das ist der falsche Weg. t.co ist eine dämliche Idee und der nächste Failwhale wird ein neues Level der Frustration bei den Usern auslösen.

08. Juni 2010

Twitter-Lobbyismus in Washington, D.C.

Twitter sucht gerade den ersten Mitarbeiter in Washington, D.C., die Aufgabenbeschreibung liest sich so:

Twitter is looking for an experienced, entreprenurial person to make Twitter better for policymakers, political organizations and government officials and agencies. You’ll be our first D.C. -based employee and the closest point of contact with a variety of important people and organizations looking to get the most out of Twitter on both strategic and highly tactical levels. You’ll help Twitter understand what we can do to better serve candidates and policymakers across party and geographical lines. You’ll support policymakers use of Twitter to help them communicate and interact with their constituents and the world. You’ll work with nearly every group at the company and at every level to pursue your vision for how Twitter ought to be. You’ll help set the culture and approach of a fledgling public policy department and be an important part of our very small company.

Die Geeks sind in Washington, D.C. angekommen und sorgen nun dafür, daß der Marsch durch die Institutionen vollzogen wird. Natürlich will Twitter, daß möglichst alle Mitglieder des Kongresses Twitter nutzen, daher bietet es sich an, direkt vor Ort dafür zu werben. Interessant dabei ist vor allem, ob und wie dann Twitter auch als Rückkanal genutzt wird, oder ob es primär darum geht, wie Politiker effizienter ihre Wähler erreichen können.

If you are successful, the world will be a better place because policymakers will have closer connections with their constituents and will be sharing more information with them

Twittern für eine bessere Welt, es gibt sie noch, die Jobs mit Anspruch.

04. Juni 2010

Social Media zwischen Anspruch und Wirklichkeit

View more presentations from Nico Lumma.

Die Slides zu meiner Präsentation beim PR-Club Hamburg am 3.6.2010 – es gilt das gesprochene Wort.

20. Mai 2010

Wo guckst Du?

Die WM 2010 in Südafrika naht. Daher hat Vodafone jetzt Wo guckst Du? gestartet. Auf Wo guckst Du? kann man sich zum Fußballgucken verabreden, öffentliche Locations finden, aber auch private Parties eintragen. All das wurde nett verknüpft mit Facebook, Qype und Google Maps und natürlich auch mobil verfügbar gemacht als Add-On für die Vodafone Update App.

Viel Spaß bei der WM!

Disclosure: Vodafone ist Kunde meines Arbeitgebers Scholz & Friends und ich bin an dieser Kampagne beteiligt.