Da geht noch was.
Archiv für die Kategorie ‘Social Media’
Der Absturz der deutschen sozialen Netzwerke
Google+ mit 400 Millionen Nutzern Ende 2012?
Paul Allen hat sich mal wieder ein paar Zahlen zum Wachstum von Google+ vorgenommen und festgestellt, daß das Wachstum zulegt: Google+ Growth Accelerating – täglich 625.000 neue Nutzer sind schon eine ordentliche Anzahl Leute, die Google+ nutzen. Allen geht davon aus, daß dieses Wachstum sich in 2012 massiv beschleunigen wird.
I expect the growth to continue to accelerate however. Google can continue to integrate Google+ into its other products and word of mouth will continue to build. Most importantly, 700,000 Android devices are activated daily and this will become a very significant source of new users for Google+. That number will also grow next year.
As more users sign up, the value of the network will increase for everyone. The network effect will become powerful. See: http://en.wikipedia.org/wiki/Network_effect
It won’t be long before new users start encountering family and friends as well as the thriving tech and media sharing community that embraced Google+ early on.
And as more Google+ APIs are released next year, developers will be able to build experiences on top of Google+ and make it even better.
Based on the accelerated growth I’m seeing and all the dials and levers Google can still utilize, and the developer ecosystem that will be developed, I predict that 2012 is going to be a breakout year for Google+ and that it will end next year with more than 400 million users.
Ich bin da mittlerweile etwas skeptischer geworden. Ich stelle für meine persönliche Nutzung fest, daß einfach immer noch viel zu wenig Verknüpfungen zu Google+ existieren und so ziemlich alle von mir genutzten Apps zwar das Sharing zu Twitter, Facebook, Tumblr, LinkedIn, und so weiter ermöglichen, aber eben nicht zu Google+ – hier muß dringend an der Attraktivität der API gearbeitet werden, denn ohne diese leichten Sharing-Möglichkeiten, wird Google+ für mich immer Nr. 3 bleiben, und zwar auch nur, wenn ich mich daran erinnere, etwas noch extra in Google+ zu posten. Natürlich wird Google weiter Nutzer auf Google+ schaufeln können, nicht nur wegen der tiefen Integration in Android, sondern auch durch den puren Traffic von Google und die Verzahnung von Google+ in die Dienste von Google, aber letztendlich kommt es auf die Nutzungs-Intensität an und da sehe ich derzeit noch enormes Potential nach oben.
Aigner und die Timeline – was ist eigentlich absurder?
In einem Interview mit dem Handelsblatt äußert sich Ilse Aigner über Facebook mit den Worten:
Die Philosophie, die hinter Timeline steht, ist absurd. Facebook fordert die Nutzer auf, ein öffentliches Lebensarchiv anzulegen. Das ist eine Farce. Die Aufforderung, die letzten Datenlücken im Internet schnell zu schließen, ist genau das Gegenteil dessen, was wir unter Medienkompetenz verstehen: sparsam mit persönlichen Daten umzugehen. Und vor allem hat sich ja gezeigt, dass durch technische Fehler vermeintlich Unsichtbares auf einmal doch öffentlich werden kann.
Ist es das? Ist die Timeline wirklich absurd? Oder gibt es mittlerweile einfach ein anderes Verständnis vom Umgang mit den eigenen Daten? Verstehen wir unter Medienkompetenz wirklich Datensparsamkeit? Ich finde es viel absurder, daß Aigner meint, Geschäftsmodelle und Nutzungs-Szenarien beurteilen zu wollen, da schwingt immer ein Verständnis von Verbraucherschutz mit, daß eher wie Bevormundung aussieht. Ilse Aigner sorgt wieder einmal für Aufsehen mit ihren Äußerungen zu Facebook, aber ich warte immer noch auf eine wirklich hilfreiche Art der Auseinandersetzung. Was ist daran absurd, daß ich jetzt eintragen kann, wann ich meinen Führerschein gemacht habe? Was ist absurd daran, daß ich Bilder und Gedanken aufhaben will und diese auch noch Freunden und Bekannten zugänglich machen möchte? Ich erkenne hier einfach, daß sich das gute alte Foto-Album mittlerweile in einer anderen Form auch als Facebook-Timeline wiederfindet. Das ist doch nichts verwerfliches und natürlich kann Facebook mit Werbung Geld verdienen, ich habe doch auch einen gewissen Nutzwert als Gegenleistung. Übrigens muß kein einziger Nutzer von Facebook die von Aigner als Datenlücken bezeichneten Inhalte liefern, das steht jedem Nutzer frei.
Aigner macht immer noch Symbolpolitik, das ist alles nur heiße Luft, hat aber mit modernem Verbraucherschutz nichts zu tun, stattdessen wird wieder Mißtrauen gesät. Facebook hat in der Vergangenheit nicht alles richtig gemacht und wird es in Zukunft auch nicht immer tun, aber die Timeline ist letztendlich nur die Anordnung bestehender Daten in einer neuen Form, die vor allem auch der Smartphonisierung der Welt Rechnung tragen, denn wir produzieren einfach Haufenweise Daten, die wir mit anderen teilen wollen.
Zentrale Kommentarverwaltung mit engag.io
Wo habe ich noch mal was kommentiert? Wie kann ich den Kommentarverlauf beobachten? Bei der Vielzahl der Dienste, die man heutzutage nutzt, kann das schon mal aufwändig werden. Social Network hier, Blog-Kommentarsystem dort, irgendwie fehlt da eine Verknüpfung, die es für die Nutzer einfacher macht, eine Übersicht über die Diskussionen zu behalten. Engag.io versucht, diese Lücke zu füllen und tut dies, indem Verknüpfungen mit Twitter, Facebook, Google+, Tumblr, Foursquare, Disqus und Hacknews erstellt werden, so daß die jeweiligen Diskussionen, an denen man beteiligt ist, fein säuberlich in eine Gmail-artige Übersicht fließen. Dort kann man dann fröhlich weiterkommentieren, sich aktuelle Links aus seinen Netzwerken anzeigen lassen oder einfach nur einen Überblick bekommen, wo man gerade aktiv ist und mit wem man alles so redet.
Engag.io ist ein Schritt in die richtige Richtung und lohnt sicherlich mal einen detaillierteren Blick. Ich würde mich ja immer noch darüber freuen, wenn irgendwo die unterschiedlichen Threads zu einem Artikel, also von Facebook, Twitter und Google+, noch mal irgendwo gebündelt zusammengeführt werden würden, so daß alle generell sehen können, was wo diskutiert wird, auch wenn man sich selber bislang nicht aktiv an einer Diskussion beteiligt hat.
Mir persönlich fehlt bei Engag.io natürlich noch die Integration mit Livefyre und eine iPhone-App, aber bislang ist es schon sehr nützlich, um eine Omnipräsenz im Web suggerieren zu können. Bislang ist Engag.io noch in der Alpha-Version und nur über einen Invite-Code zu nutzen.
Der deutsche Datenschutz als Bevormundung
Gestern hat der Düsseldorfer Kreis, der Zusammenschluß aller Datenschutzbehörden der Länder, folgendes zu den sog. Social Plugins beschlossen:
Das direkte Einbinden von Social Plugins, beispielsweise von Facebook, Google+ oder Twitter, in Websites deutscher Anbieter, wodurch eine Datenübertragung an den jeweiligen Anbieter des Social Plugins ausgelöst wird, ist ohne hinreichende Information der Internetnutzerinnen und -nutzer und ohne ihnen die Möglichkeit zu geben, die Datenübertragung zu unterbinden, unzulässig.
[...]
In Deutschland ansässige Unternehmen, die durch das Einbinden von Social Plugins eines Netzwerkes auf sich aufmerksam machen wollen oder sich mit Fanpages in einem Netzwerk präsentieren, haben eine eigene Verantwortung hinsichtlich der Daten von Nutzerinnen und Nutzern ihres Angebots. Es müssen zuvor Erklärungen eingeholt werden, die eine Verarbeitung von Daten ihrer Nutzerinnen und Nutzer durch den Betreiber des sozialen Netzwerkes rechtfertigen können. Die Erklärungen sind nur dann rechtswirksam, wenn verlässliche Informationen über die dem Netzwerkbetreiber zur Verfügung gestellten Daten und den Zweck der Erhebung der Daten durch den Netzwerkbetreiber gegeben werden können.Anbieter deutscher Websites, die in der Regel keine Erkenntnisse über die Datenverarbeitungsvorgänge haben können, die beispielsweise durch Social Plugins ausgelöst werden, sind regelmäßig nicht in der Lage, die für eine informierte Zustimmung ihrer Nutzerinnen und Nutzer notwendige Transparenz zu schaffen. Sie laufen Gefahr, selbst Rechtsverstöße zu begehen, wenn der Anbieter eines sozialen Netzwerkes Daten ihrer Nutzerinnen und Nutzer mittels Social Plugin erhebt. Wenn sie die über ein Plugin mögliche Datenverarbeitung nicht überblicken, dürfen sie daher solche Plugins nicht ohne weiteres in das eigene Angebot einbinden.
Das ist weltfremd und absurd.
Hier wird mit einem Denkschema der 80er Jahre versucht, das Internet zu regulieren – und das wird dann noch als Datenschutz ausgelegt! Ich profitiere dermaßen von den sog. Social Plugins, weil ich auf so viele Inhalte gestossen werde durch meine Freunde, Bekannten, Follower, oder wie auch immer die jeweiligen sozialen Netzwerke die Beziehungen untereinander nennen, daß es mir geradezu recht ist, daß eine soziale Plattform davon profitiert, indem sie weiß, was wer gerade interessant ist.
Wollen wir wirklich ein Web, das mit Warnhinweisen zugepflastert ist? Achtung, ein Plugin aus Amerika, nimm Dich in Acht, dort herrscht das Böse und es gibt keinen so tollen Datenschutz wie in Deutschland! Achtung, ein Cookie, geh in Deckung! Achtung, gib dem Unternehmen nicht Deine Email-Adresse, sonst schreiben die Dich an! Fasse Dich kurz, sonst kann das irgendwo protokolliert werden! Kommentiere nicht, Facebook liest die Kommentare mit! Keine Links posten, sonst weiß Google noch mehr! Mach den Rechner aus, spare Strom! Lies ein Buch, kauf eine Zeitung! Da bist Du sicher!
Es ist außerdem völlig absurd, diesen Kampf der Datenschützer gegen Windmühlen auf dem Rücken der Website-Betreiber austragen zu wollen, denn wenn überhaupt, dann sind die Browser-Entwickler in der Pflicht, hier fein granulierbare Einstellungen zu entwickeln, damit die Nutzer besser in die Lage versetzt werden, zu entscheiden, was sie wollen. Warum entwickelt der Düsseldorfer Kreis nicht einfach mal eine Extension für Chrome und Firefox? Ach stimmt, weil sie mit ihren (Rest-)Hirnen tief in den 80ern stecken und mit einer Wagenburg-Mentalität den deutschen Verbraucher gegen die anstürmenden, datenschutzfressenden amerikanischen Horden verteidigen. Es wird oft bemängelt, daß Deutschland bei Internet-Themen hinterher hinkt. Der Düsseldorfer Kreis hat gerade wieder deutlich gemacht, wie stark der Anteil der Datenschutz-Behörden daran ist. Der deutsche Datenschutz setzt auf Bevormundung, nicht auf den mündigen Web-Nutzer.


























