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Die Landpartie im NDR zeigt unser schönes Norddeutschland seit Jahren von den unterschiedlichsten Seiten, aber die Sendung Unterwegs in der Lüneburger Heide: Ein Traum in Lila war dann doch etwas ganz besonderes: Mein Schwager, der Buchbinder Friedemann Rost, wurde in der Sendung vorgestellt und er durfte das Heidschnucken Notizbuch vorstellen, das er seit einigen Monaten im Sortiment hat. Die Kombination aus Heidschnuckenfilz und Notizbuch ist eine tolle Idee, gerade wenn man die Lüneburger Heide mag. Das Heidschnucken Notizbuch kann man beim etsy-Shop der Buchbinderei Rost bestellen.

Heidschnucken Notizbuch

Ach, was sage, das Heidschnucken Notizbuch kann man nicht nur bestellen, man sollte es unbedingt! Mit jedem verkauften Exemplar unterstützt man ordentliche Handarbeit aus Norddeutschland. Naja, und mein Schwager würde sich bestimmt auch freuen.

Twitter wird das neue AOL

Nico —  31.07.2012 — 17 Comments

Ja, ich weiss, catchy Headline und so, aber so langsam sehe ich Twitter abgleiten. Noch gibt es keinen massiven CD-Versand, aber die Transformation von einer Firma, die fokussiert war auf das Bereitstellen eines auf Infrastruktur ausgerichteten Ökosystems hin zu einem Medien-Unternehmen wird immer deutlicher und damit verändert sich der Charakter von Twitter maßgeblich. Natürlich kann man dies als Wachstumsschmerzen abtun und einfach mal konstatieren, dass sich Twitter einfach über die Jahre ändert und aus einer Spielwiese für Geeks natürlich eine Mainstream-Mall werden musste, aber so leicht mache ich mir es nicht. Eigentlich habe ich auch gar keine Lust, immer über den drohenden Niedergang von Twitter zu schreiben, aber da ich täglich primär Twitter nutze, bin ich schon massiv angefressen von dem was passiert.

1. Die Kastration des Ökosystems geht munter weiter. Anstatt weiterhin auf die API zu setzen und sie als Teil der Monetarisierungs-Strategie zu nutzen, werden Drittanbieter zugunsten eigener Angebote zurückgedrängt. Kürzlich wurde sogar Instagram untersagt, über die Twitter-API den Nutzern das Finden der Freunde zu ermöglichen, die bereits Instagram nutzen. Instagram wurde von Facebook gekauft und prompt wird hier die API-Nutzung beschränkt, ebenso wie es jüngst bei LinkedIn passiert ist. Das gute alte Web 2.0 Mantra mit dem Nutzer im Mittelpunkt – das existiert bei Twitter nicht mehr wirklich.

2. Innovationen gibt es kaum noch und wenn, dann werden sie angekündigt und später kaum wahrnehmbar ausgerollt. Oder nutzt irgendjemand Brand Profiles, bzw. nimmt irgendwelche Twitter-Profile besonders wahr? Die ach so effiziente Werbung sehe ich kaum und so lange mir Twitter weiterhin im Web vorschlägt, doch endlich mal eine Twitter App für die mobile Nutzung herunterzuladen, und das wo ich sicherlich die Hälfte der Zeit über die iPhone App wittere, glaube ich nicht an die Effizienz und das Targeting der Werbung, ähnlich wie von Mario Sixtus neulich bei tagesspiegel.de gerantet. Die neueste Innovation ist das Erkennen von Börsentickersymbolen, wie es bei Stocktwits bereits seit 4 Jahren genutzt wird. Wow. Da wurde eine gute Idee aber mal schnell umgesetzt, das hat ja schon nahezu move fast and break thingssche Züge.

3. Der Werbekunde ist König. Natürlich brüstet sich Twitter immer wieder damit, dass auf 140 Zeichen dafür gesorgt wird, dass böse Regime kritisiert werden können, aber wenn ein Journalist sich über NBC und deren Olympia-Berichterstattung aufregt und dabei die Email-Adresse eines Verantwortlichen twittert, dann wird der Account gesperrt. Das ist vorauseilender Gehorsam, der zu dem üblichen Free Speech Pathos überhaupt nicht passt, aber da es eine Zusammenarbeit mit NBC gibt, wird hier mal eben durchgegriffen. Im Zweifel für den Werbepartner und gegen den Nutzer.

Diese drei Punkte zeigen, wie Twitter gerade sämtliche Konturen verliert, die es mal gross und attraktiv gemacht hat. Twitter hatte den Vorteil, über eine API schnell eine gute Verbreitung zu bekommen, aber dieses Ökosystem wird kontinuierlich zurückgefahren und der Gleichförmigkeit geopfert. Twitter verliert so nach und nach sämtliche Alleinstellungsmerkmale gegenüber Facebook, dass es trotz aller Kritik weiterhin schafft, eine für Entwickler und Nutzer attraktives Ökosystem zu gestalten. Sicherlich nervt auch bei Facebook einiges, aber die Entwickler von Apps können sich ziemlich sicher sein, dass sie auch in Zukunft auf eine API zurückgreifen können, da Facebook verstanden hat, dass Entwickler zur Attraktivität des Ökosystems beitragen und nicht störend sind für die Monetarisierung der Plattform. Twitter baut gerade einen Walled Garden um sich herum, damit die Werbekunden genügend Aufmerksamkeit bekommen können. AOL lässt grüssen und Twitter wird zunehmend belangloser werden.

Während Twitter zunehmend aolisiert wird, wirkt die geplante kostenpflichtige Alternative App.net immer attraktiver, braucht aber immer noch mehr Unterstützer.

Vor ein paar Tagen bin ich über den Artikel Announcing an audacious proposal von Dalton Caldwell gestolpert, der genervt von Twitter und der Fokussierung auf Werbe-Erlöse folgendes vorgeschlagen hat:

I believe so deeply in the importance of having a financially sustainable realtime feed API & service that I am going to refocus App.net to become exactly that. I have the experience, vision, infrastructure and team to do it. Additionally, we already have much of this built: a polished native iOS app, a robust technical infrastructure currently capable of handing ~200MM API calls per day with no code changes, and a developer-facing API provisioning, documentation and analytics system. This isn’t vaporware.

To manifest this grand vision, we are officially launching a Kickstarter-esque campaign. We will only accept money for this financially sustainable, ad-free service if we hit what I believe is critical mass. I am defining minimum critical mass as $500,000, which is roughly equivalent to ~10,000 backers.

In Kurzfassung will er $500.000 von ungefähr 10.000 Unterstützern bekommen, um eine eine Art Twitter 2.0 mit einer Fokussierung auf einem Ökosystem für Entwickler zu erschaffen. Caldwell geht davon aus, dass das bisherige System bei werbefinanzierten Plattformen sich immer zu Ungunsten der Entwickler und der Nutzer verhält, daher will er App.net grundsätzlich anders ausrichten.

Ich finde die Idee extrem spannend und gehöre zu den Unterstützern von App.net. Bis zum 13. August will Caldwell die Summe von $500.000 erreicht haben. Ich sehe in der Tat Vorteile darin, den Versuch zu unternehmen, eine Plattform an den Bedürfnissen der Entwickler auszurichten und glaube, dass über die mobile Nutzung durchaus eine Bereitschaft zum Bezahlen geschaffen werden kann. Natürlich ist es nicht leicht, neben den bestehenden sozialen Netzwerken einen neuen Dienst zu etablieren, wie wir das seit einem Jahr an Google+ sehen, aber dennoch finde ich die Idee unterstützenswert.

Mach mit!

So. Nun haben sich alle irgendwie zum Thema IPO geäussert und alle haben festgestellt, dass der Börsenkurs von Facebook nicht so prall aussieht, wie viele gehofft hatten. Das große Lamentieren wird an zwei Punkten festgemacht: NASDAQ war überfordert und der Aktienkurs ist nicht wie erhofft nach dem Ausgabetag wahnwitzig gestiegen.

Ich finde das völlig ok. Mark Zuckerberg hat mit dem hohen Ausgabepreis das Maximale für alle diejenigen herausgeholt, die in den letzten Jahren Aktienpakete erhalten hatten. Dazu gehört Mark Zuckerberg selber, die Investoren, aber auch viele, viele Mitarbeiter. Nicht zu vergessen die Firma selber, die durch den Börsengang 16 Milliarden Dollar eingenommen hat.

16 Milliarden Dollar. Da muss eine alte Frau lange für stricken. 16 Milliarden Dollar zusätzlich zu einem Businessmodell, dass bereits jetzt ganz gut Geld in die Kasse spielt mit einem Marktanteil, der massiv ist, und zwar global. Facebook hat sicherlich Herausforderungen in den nächsten Monaten und Jahren, aber wer hat das nicht? Facebook ist allerdings in der Situation, dass es die meisten Herausforderungen selber definiert und den Markt allein durch die Größe des Netzwerkes leichter erschliessen kann.

Facebook ist gut aufgestellt und die Börse ist enttäuscht? Mal ehrlich, wer erst zum IPO eingestiegen ist, der hat doch irgendwie seine Hausaufgaben nicht gemacht, bzw. musste davon ausgehen, dass die Aktie nicht noch weiter steigen wird direkt nach der Ausgabe. Die Festlegung auf $38 hat die Aktie maximal ausgereizt. Nun sind alle sauer, daß es keine Spekulationsblase gab und man die $38 nicht noch schnell versilbern konnte, weil der Aktienkurs munter weiter steigt und alle vor Aufregung kaum schlafen können. Pech.

Ich glaube, dass Facebook eine grundsolide Aktie wird, die sich in einigen Monaten nicht nur gefangen hat, sondern sich wunderbar entwickelt. Dann werden führende Börsengurus erklären, dass sie schon immer gesagt haben, dass Facebook ein langfristiges Papier sei. Facebook ist eine verdammt junge Firma, die sich viele Geschäftsfelder erschliesst, während sich das Netz weiterentwickelt. “Move fast and breakt things” heisst das intern, aber es zeigt eine Grundtendenz: Facebook ist schnell und flexibel. Das wird den Börsenkurs nachhaltig beeinflussen.

Disclosure: Nein, ich halte keine Facebook-Aktien. Ich habe auch keine Ahnung vom Aktienmarkt.

Wenn man sich heutzutage mit Produktenwicklung und Startups beschäftigt, dann kommt man um das Minimum Viable Product (MVP) kaum herum. Aus Zeit- und Kostengründen ist es üblich geworden, nicht auf das fertige Produkt zu warten, sondern bereits frühzeitig Versionen zu veröffentlichen. Ganz früher hat man das mal abschätzig Bananensoftware genannt, die beim Kunden reift, dann kam die Open Source Bewegung mit dem “Release early, release often!”-Mantra und die Beta-Version gehört seitdem zum guten Ton. Mittlerweile ist quasi alles Beta und der Nutzer wird Teil der Produktentwicklung:

A Minimum Viable Product has just those features that allow the product to be deployed, and no more. The product is typically deployed to a subset of possible customers, such as early adopters that are thought to be more forgiving, more likely to give feedback, and able to grasp a product vision from an early prototype or marketing information. It is a strategy targeted at avoiding building products that customers do not want, that seeks to maximize the information learned about the customer per dollar spent.

Eric Ries hat dies mal netterweise in einer kurzen Präsentation aufgemalt und erläutert:

In der Theorie klingt dies alles sehr nachvollziehbar, aber in der Praxis ist das Minimum Viable Product ganz schön anstrengend. Es beginnt mit der Festlegung auf ein bestimmtes Featureset, das minimal genug ist, aber eben auch die Nutzer bereits anspricht. Und es geht munter weiter mit der Festlegung der nächsten Entwicklungsschritte anhand des Nutzerfeedbacks. Richtig anstrengend wird es allerdings, wenn der gemeine Nutzer an sich nicht versteht, dass er gerade ein MVP benutzt, sondern völlig zu recht erwartet, dass er bereits ein fertiges Produkt nutzt.

StuffleIch möchte mal eben anhand unseres aktuellen Projektes Stuffle erläutern, wieso das Minimum Viable Product in der Praxis so anstrengend ist.

1. Es gibt ein Budget, das eingehalten werden soll. Das Budget sorgt für die ersten Rahmenbedingungen und vor allem für Beschränkungen.

2. Time to market: Wir wollen schnell an den Start gehen, auch weil wir glauben, daß wir nicht die einzigen sind, die das Thema lokaler Flohmarkt neu interpretieren wollen.

3. Entwickler-Ressourcen sind grundsätzlich limitiert, daher müssen wir mit einer gewissen Grundknappheit auskommen.

Bei Stuffle haben die drei Punkte dazu geführt, daß wir uns für den Start auf eine App für iPhone mit iOS 5 gepaart mit einer Anmeldung über Facebook entschieden haben. Und wir wissen durchaus, dass nicht jeder ein iPhone hat und auch nicht alle Facebook toll finden. Aber die Kombination iPhone + Facebook hat bei uns den Entwicklungsaufwand dramatisch reduziert. Wir lassen also eine ganze Reihe interessierter Menschen außen vor und handeln uns noch dazu jede Menge schlechter Bewertungen im iTunes Store ein, weil Nutzer enttäuscht sind. Daraus lernen wir natürlich und sehen, dass es durchaus Nachfrage nach unserem Produkt gibt. Aber der Tradeoff “schneller am Markt vs. volle Zufriedenheit der Nutzer” ist schon hart, denn natürlich wollen wir keine unzufriedenen Nutzer haben und verstehen auch, dass Nutzer für sie als unnötig empfundene Limitierungen nicht tolerieren möchten. Toll ist wiederum, das viele Feedback von Leuten, die sagen, was sie alles noch gerne hätten, was verbessert werden könnte und was sie wirklich erfreut an dem Produkt. Abgesehen davon lernen wir durch die tagtägliche Nutzung eben auch sehr viel darüber, ob und wie unser Produkt genutzt wird und wo wir optimieren müssen. Wir vermeiden eben auch, dass wir lange irgendetwas entwickeln, das dann nicht genutzt wird, sondern holen uns frühzeitig Feedback von den Nutzern.

Hätten wir auch gleich in der ersten Version mit iPhone, Android, Windows7, Facebook, Twitter, Google+, Githb, Deutsch, Englisch, Mandarin, perfekter UX/UI und super Nutzerführung starten können? Sicherlich, aber nicht in diesem Mai, sondern erst viel, viel später und zu ganz anderen Kosten und mit viel größerem Aufwand. Wahrscheinlich hätten wir auch unzählige Features für die Tonne entwickelt, die kein Mensch braucht, wir uns aber dennoch ausgedacht hatten. Natürlich ist das perfekte Produkt das Ziel, aber das schaffen wir nur mit viel Nutzerfeedback und vielen Iterationen bei der Entwicklung.

Wir leiden also derzeit sehr über jede einzelne Bewertung mit einem Stern, nehmen dies aber in Kauf, um in den nächsten Releases des Produkts besser zu sein als wir es ohne Nutzer je hinbekommen hätten. Wir haben es ja nicht anders gewollt. Wir freuen uns allerdings auch immer über jede einzelne positive Bewertung für Stuffle im iTunes Store und über jede Empfehlung:

Würden wir es wieder so machen? Ja, auch wenn das Minimum Viable Product anstrengend ist, so sind die Ergebnisse für den Nutzer einfach besser. Die frühe Verifizierung der eigenen Annahmen ist ein riesiger Pluspunkt, dafür nehmen wir die anstrengenden Faktoren des MVP als Ansporn, das Produkt noch besser machen zu können, durchaus in Kauf.