In einem Interview hat die CSU Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär jüngst folgende Antwort auf die Frage, ob Horst Seehofer twittern solle, gegeben:
Jeder sollte twittern.
Tolle Idee, und dann?
Wird sich dann nicht das Politikgetwittere total verändern? Ist nicht der aktuelle Reiz von Twitter, daß nicht alle es nutzen und dass man nicht nur Politikerworthülsen zu lesen bekommt? Viele der derzeit auf Twitter aktiven Politiker lassen sich sogar auf kurze Dialoge ein und wirken dadurch nahbar und teilweise sogar lernfähig. Aber das wird sich ändern, sobald die Politik auch auf Twitter Geschwafel veranstaltet, wie wir es von den Talkshows im Fernsehen kennen, nur eben auf 140 Zeichen. Wenn alle Politiker selbst twittern würden, dann hätte man wenigstens das Thema Medienkompetenz ein Stück vorangebracht, aber das nur am Rande.
Letzte Woche gab es in der Hamburgischen Bürgerschaft einen Mini-Eklat, weil die Präsidentin der Bürgerschaft einen Tweet während der Plenarsitzung abgesetzt hatte. Sie hatte nicht das Sitzungspräsidium verlassen, um vom Plenum zu twittern, was für die Leser unerheblich ist, aber seitens der CDU zu großer Aufregung und Einschaltung des Ältestenrats führte. Wenn mehr Politiker twittern, gibt es dann mehr derartig dämliche Mini-Eklats, oder kehrt dann Gelassenheit ein? Ich glaube, es wird mehr denn je jeder Tweet auf die Goldwaage gelegt werden, denn wenn eines im Umgang mit Social Media und Twitter nicht verstanden haben, dann die Verschriftlichung von Dialogen – Sätze, die nicht für die Ewigkeit bestimmt sind, sondern durchaus auch flüchtig sein können.
Wenn alle twittern, was dann? Wird die Politik dann besser? Gibt es dann neben Redenschreibern auch Twitterschreiber? Kann man komplexe Sachverhalte auf 140 Zeichen diskutieren, oder wird auf Twitter nur gesendet werden, weil man die vielen Dialogwünsche doch nicht ordentlich abarbeiten kann, weil die aktuelle Mitarbeiterpauschale nicht für ein Vollzeittwitterteam ausreicht? Wem wäre dann geholfen?
Jeder sollte gute Politik machen. Twitter bietet dazu noch eine gute Dialogmöglichkeit und erreicht Multiplikatoren schnell. Aber Twitter alleine wird nicht ausreichen.

























