In einem Teil Hamburgs wird seit einigen Wochen wieder randaliert und zwar nicht zu knapp. Neben Sachbeschädigung werden Polizisten verletzt und ein Stadtteil wurde einen Nachmittag in den Ausnahmezustand versetzt. Jetzt wurde dieser Teil von Hamburg großräumig zu einem sog. Gefahrengebiet erklärt und die Polizei kann Personen ohne konkrete Verdachtsmomente festhalten und auch Platzverweise aussprechen. Jetzt ist der Aufschrei groß, es wird die Verhältnismäßigkeit dieses Vorgehens in Frage gestellt, vom Überwachungsstaat ist die Rede und natürlich ist das alles Böse.

Mitnichten. Und es ist selten, dass ich innenpolitisch mit dem Hamburger Innensenator Michael Neumann oder mit Bürgermeister Olaf Scholz auf einer Linie bin, aber in diesem Fall finde ich das Vorgehen völlig ok. Ich fände es auch besser, es gäbe keine Anschläge auf Polizeireviere und es gäbe kein Gefahrengebiet, aber wir müssen uns auch mal darüber unterhalten, was in Hamburg gerade passiert.

Da verlassen einige Hunderte Personen den gesellschaftlichen Konsens, dass wir in Deutschland politische Veränderungen friedlich herbeiführen wollen und dass man politische Mehrheiten akzeptiert, aber weiter darauf hinarbeitet, sie zu verändern. Einen Angriff gegen den Staat, symbolisiert durch Anschläge auf Polizeiwache und Polizisten, nehme ich persönlich. Warum? Weil wir der Staat sind. Weil ich der Staat bin. Ich lebe hier, ich zahle hier meine Steuern, ich finde dieses Land ganz okay, ich sehe Verbesserungspotential, aber im Vergleich mit anderen westlichen Demokratien sind wir echt fein raus hier. Wer dies gewaltsam in Frage stellen will, greift also auch das Fundament an, auf dem ich hier mein Leben lebe. Ehrlich gesagt möchte ich das nicht.

Wir leben nicht in einem Unrechtsstaat, hier herrschen Recht und Gesetz und unsere Volksvertreter sind politisch legitimiert. Ja, es könnte vieles noch besser sein, aber nichts ist perfekt. So, was passiert also, wenn einige Hunderte Personen gewaltsam randalieren und sich Straßenschlachten mit der Polizei liefern? Der Staat reagiert, und zwar so, wie er es kann. Die Polizeipräsenz wird erhöht, es werden nach und nach immer mehr Mittel eingesetzt, um die gewalttätigen Personen und ihr Umfeld davon zu überzeugen, dass sie den Kampf nicht gewinnen werden. Einen Dialog können wir in dieser Phase getrost vergessen, dazu muss erst die randalierende Seite einsehen, dass sie den gewaltsamen Kampf nicht gewinnen kann. Nicht nur, weil die Polizei in der Lage ist, das Recht durchzusetzen, sondern auch, weil in der Bevölkerung keinesfalls ein Rückhalt für randalierende Radikale zu sehen ist, von einer Handvoll Romantiker mit Hang zu linker Folklore mal abgesehen, die sich zurechtlegen, dass die Gewalt der Randalierer nur eine Antwort auf die Repression des Staates sei. Das ist Bullshit! Der Staat bin ich, bist Du, sind wir alle. Ich will, dass dieser Staat geschützt wird, ich will nicht, dass marodierende Horden durch die Straßen ziehen und rumrandalieren, fröhlich Sachbeschädigung begehen, Autos in Brand setzen, Schaufensterscheiben einschmeissen und ihre Mitbürger daran hindern, einfach auf der Straße zu sein, nur weil sie ihren spinnerten Ideen mehr Nachdruck verleihen wollen. Wenn ihr spinnerte Ideen habt, dann geht friedlich dafür demonstrieren oder macht eine Partei auf, oder eine Bürgerinitiative oder was weiss ich, so wie alle anderen auch. Aber tut nicht so, als ob wir hier in Nordkorea leben und der gewaltsame Aufstand gegen den Despoten das einzige Mittel wäre, um das Überleben zu sichern. Zumal es einen Konsens gibt quer über alle Parteien hinweg, dass die Rote Flora als runtergekommenes Kulturzentrum für einige wenige Menschen erhalten bleibt.

Und vor allem, jammert nicht rum, dass der Staat sich nicht erpressen lässt, sondern direkt reagiert und zurückschlägt. Jaja, jetzt kommen wieder die ganzen Betroffenheitsschilderungen von jedem, der mal auf einer Demo hart angefasst wurde. Wisst ihr was? Ich war auch schon mal auf Demos. Und was habe ich gemacht, sobald es gewalttätig wurde? Ich bin gegangen. Nicht aus Angst vor der Polizei, sondern weil ich Gewalt verabscheue. Man muss sich nicht mit Polizisten prügeln, um für oder gegen eine Sache einzutreten. Ich bin mir sicher, dass friedliche Massenproteste viel mehr politisch bewegen als Krawalle mit Krawalltouristen aus Antifa-Hochburgen aus ganz Deutschland.

Ach, ihr wollt nicht in einer Gefahrenzone leben? Dann hört auf, Euch als Sympathisanten von Krawallos zu gerieren, sondern zeigt deutlich, dass die Parole „Recht auf Stadt“ auch bedeutet, dass man unterschiedliche Lebensentwürfe gelten lässt und dafür sorgen sollte, dass diese in einem Stadtteil nebeneinander vorhanden sein können. „Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenken“ hat Rosa Luxemburg mal gesagt, aber das werden die Randalier nicht für sich in Anspruch nehmen, da sie bewusst die Auseinandersetzung mit dem Staat suchen und sich durch die Reaktion des Staates nur noch darin bestärkt sehen, dass sie mit ihrem Vorgehen alles richtig machen. So lange diese Spinner auf Sympathisanten bei den Linken, den Grünen und anderen gesellschaftlichen Gruppen zählen können, müssen wir uns nicht wundern, dass die Eskalation munter weiter geht. Am Ende kommt wieder das Genöle von „wer hat uns verraten?“, es wird an die Kriegskredite 1918 erinnert und die SPD hat Schuld. Klar, weil es um unseren Staat geht und dieser sich nicht angreifen lässt. Das ist staatstragendes Verhalten im besten Sinne des Wortes und ich bin dankbar, dass der Hamburger Senat hier Kante zeigt.

Die Einrichtung einer Gefahrenzone sei unverhältnismäßig? Ich finde, dass Angriffe auf Polizeibeamten und brennende Barrikaden noch viel unverhältnismäßiger sind. Wie soll denn der Staat auf eine derartige Gewalt reagieren? In Baströckchen am Straßenrand stehen und an randalierende Spinner Blumenkränze verteilen, dabei von freier Liebe singen und eine Pfeife rumreichen? Nö, so funktioniert das nicht. Es gibt Gesetze, an die hält man sich, oder man trägt die Konsequenzen. Wer Polizisten Gewalt antut, sollte sich daher nicht wundern, wenn die Politik und Polizei entsprechend reagieren. Was werden die real existierenden Auswirkungen auf die Bürger in der Gefahrenzone sein? Ein paar Leute müssen ihren Ausweis vorzeigen, obwohl sie gerade zu Penny wollten. Glaubt ihr nicht, dass diese Gefahrenzone unter besonderer Beobachtung aller sein wird, wo jeder Ansatz eines Fehlverhaltens sofort protokolliert werden wird?

Ich würde es begrüßen, wenn mal die Sympathisanten der Randalierer einen Moment innehalten würden, um darüber zu reflektieren, was sie da eigentlich für Typen unterstützen und um welche Themen es eigentlich geht. Dann kommt man ziemlich schnell zu der Stelle, an der man feststellt, dass inhaltlich kaum etwas Greifbares vorliegt, sondern Randale und Gewalt gegen den Staat das verbindene Element ist. Damit wird die Gentrifizierung nicht verhindert, damit wird das Schicksal von Flüchtlingen in Europa nicht verbessert, damit werden die Esso-Häuser nicht wieder in ihrer ganzen Nachkriegspracht erstrahlen, aber dadurch wird sich allerhöchstens etwas am Status der Roten Flora ändern, weil irgendwann die Politik keine Lust mehr hat, eine ausgestreckte Hand hinzuhalten, wenn als Reaktion nur noch Krawall kommt. Und es ist müßig, darüber zu diskutieren, wer angefangen hat. Wer zu einer Demonstration geht und Steine, Pyrotechnik und Knüppel dabei hat, zeigt nicht gerade seine friedlichen Absichten.

Ich finde, dass die freiheitlich-demokratische Grundordnung ein schützenswertes Gut ist und ich möchte nicht, dass hier das Recht der Straße gilt und gewalttätige Randalierer ihre Forderungen durchsetzen können.

2014 alle so yeah! Nachdem ich kürzlich in einem Artikel durchaus pointiert zum Ausdruck gebracht habe, was ich 2014 im Netz nicht mehr lesen will, gab es einige Kritik, dass derartige Listen zwar kurzweilig zu lesen seien, aber es viel interessanter wäre, zu erfahren, was denn in 2014 meiner Meinung nach lesenswert wäre. Nun denn, darüber musste ich in der Tat ein paar Minuten länger nachdenken und die Liste ist eigentlich fast endlos, aber hier kommen die Top 10 Artikel, die ich im Netz nicht nur lesen, sondern auch diskutiert sehen will. Idealerweise aber eben nicht nur im Netz, sondern von mir aus auch mal in anderen Medien, damit mehr und andere Leute anfangen, darüber nachzudenken und sich in die Diskussion einzumischen. Ob ihr es glaubt oder nicht, aber als Leserinnen und Leser dieses bescheidenen Blogs gehört ihr durchaus zur Avantgarde in Deutschland und beschäftigt Euch mit Themen, die die überwiegende Mehrheit der deutschen Bevölkerung noch nicht interessiert und ich weiss gar nicht, ob das Wörtchen „noch“ in diesem Kontext überhaupt verwendet werden kann.

Hier ist meine Top 10 Liste der Artikel, die ich 2014 lesen will:

1. Leben trotz permanenter Überwachung
Letztes Jahr haben wir festgestellt, dass unsere wildesten dystopischen Vorstellungen einer permanenten Überwachung schon weitestgehend umgesetzt wurden, nicht von Schurkenstaaten, sondern von westlichen Demokratien. Das war kein plötzliches Umlegen eines Schalters, sondern ein schleichender Prozess, bei dem immer wieder eigentliche heilige Kühe geschlachtet wurden. So haben wir mittlerweile an jeder Ecke Überwachungskameras, wir ziehen eine digitale Spur hinter uns her, wir praktizieren ungeschützten bargeldlosen Zahlungsverkehr und die Online-Kommunikation wird auch munter überwacht. All das, obwohl wir nichts zu verbergen haben. Ich glaube, dass durch diese Art der Überwachung viele Grenz- und Graubereiche in unserem Leben schwieriger darstellbar sein werden und das wird negative Auswirkungen auf unsere westlichen Gesellschaften haben.

2. Digitaler politischer Meinungsbildungsprozess und der öffentliche Raum
Wir sind ganz am Anfang davon, zu verstehen, wie sich der politische Meinungsbildungsprozess gerade verändert. Natürlich gibt es weiterhin die unterschiedlichsten Akteure wie Parteien, Verbände, Vereine, Initiativen, es gibt Stammtische und in den Kaffeepausen werden die BILD-Schlagzeilen diskutiert, aber je digitaler die Gesellschaft wird, desto mehr verändert sich auch der politische Meinungsbildungsprozess in diese Richtung. Gleichzeitig verlagern sich dann aber Diskussionen in Bereiche, die von Wirtschaftsunternehmen zur Verfügung gestellt werden und nicht mehr den Bürgern gehören wie der klassische Marktplatz.

3. Das Knirschen der Aufmerksamkeitsspirale
Konkurrenz belebt das Geschäft und anders als früher, als meine Tageszeitung noch im Abonnement bezogen wurde und morgens vor meiner Tür lag, sehen wir online den permanenten Wettstreit um die Gunst der Leserinnen und Leser. Jede Schlagzeile versucht, aufmerksamkeitsstärker als die nächste zu sein, jeder Artikel muss Traffic ziehen, jedes Video muss funktionieren, immer schneller müssen die Inhalte produziert werden, immer mehr sollen alle clicken. Die Kontemplation hat es zunehmend schwer, wenn wir Leserinnen und Leser erzogen werden sollen, dass nur noch Aufregung und Schnelligkeit, vor allem aber Clicks zählen. Clickvieh will eigentlich niemand sein, aber wir amüsieren uns in der Advertorialwelt von Buzzfeed zu Tode, während die Langfassungen von Texten hinter Paywalls verschwinden und somit wenig zur Diskussion beitragen.

4. Visionen zur Entwicklung der Stadt und der Regionen
Wir bewahren um des Bewahrens willen und Veränderungen in Städten und Regionen werden immer schwieriger, weil sie immer unbequemer werden. Wir wollen es bequem, wir wollen das Cocooning nicht nur in den eigenen Vier Wänden, sondern generell. Wutbürger protestieren gegen Großprojekte, Planer entwickeln Großprojekte, deren Nutzen fragwürdig ist, gleichzeitig schützen wir baufällige Häuser aus der Nachkriegszeit, weil sie exemplarisch für eine Epoche sind. Das war nicht immer so, was natürlich mit den Folgen des 2. Weltkriegs zu tun hat. Ich habe zu Weihnachten das Buch Hamburgs dunkle Welten geschenkt bekommen, in dem unglaubliche Bilder von aufgerissenen Straßen zu sehen sind, weil Ubahn-Tunnel gebaut werden. Die Vorstellung, eine Hauptverkehrsader einer größeren Stadt für länger als 5 Minuten stillzulegen, führt zu den irrationalsten Auseinandersetzungen, die es sehr schwer machen, eine gestalterische Stadtentwicklung auch nur zu diskutieren. Gleichzeitig verändern sich die Mobilitätskonzepte der Menschen, Regionen fallen zurück und sollen lebenswert bleiben oder gar werden, aber es fehlt an Infrastruktur, an Geld für den Betrieb von maroden Schwimmbädern aus den 70ern, an Einkaufsmöglichkeiten, ganz zu schweigen von Kneipen, Cafés und Restaurants. Wie wollen wir eigentlich in Zukunft leben und wo?

5. Herausforderungen der Skalierung von Social Media
Noch vor wenigen Jahren wurde aufgeregt postuliert, dass sich durch Social Media die Unternehmen in ihrem Kern verändern zu haben, dass eine Ausrichtung auf den Kunden erfolgt, dass dadurch die Produkte besser werden und die Unternehmen fröhlich vor sich hin prosperieren, während sie den Dialog auf Augenhöhe auf Facebook, Twitter und dem Unternehmensblog führen. Anstatt bloggender Unternehmenslenker beim öffentlichen Nachdenken im Diskurs mit den Kunden zu sehen, hat das Call-Center die Facebook Fanpage übernommen und die Kollegen des Direktmarketing kümmern sich um plakative Anzeigen im Aufmerksamkeitsbereich der Nutzer, während verheissungsvoll „Gewinne, Gewinne, Gewinne!“ an jeder Ecke gebrüllt wird, damit Nutzer den Weg zur Fanpage noch finden, denn eigentlich wollen die Nutzer lieber mit ihren Freunden plaudern oder witzige Links verteilen. Ist das wirklich alles, was man mit Social Media erreichen kann?

6. Zukunft der Arbeit
Ein Klassiker. Aber es lohnt sich, dieses Thema grundsätzlich und immer wieder zu diskutieren, denn für die meisten von uns bedeutet Arbeit, dass wir mindestens 8 Stunden werktäglich damit verbringen und auch für die, die keiner bezahlten Arbeit nachgehen, ist die Zukunft der Arbeit durchaus relevant. Wie gehen wir damit um, dass immer mehr Automatisierung erfolgt und immer mehr gering-qualifizierte Arbeitnehmer keine Jobs finden, während gleichzeitig die Gesellschaft immer älter wird, aber die herkömmliche Erwerbsbiographie mit nur wenigen unterschiedlichen Arbeitsstellen immer mehr einem Flickenteppich der Beschäftigungen mit all seinen Flexibilisierungen und Unsicherheiten weicht? Der Begriff Arbeitsbeschaffungsmaßnahme wird eine Renaissance erleben, wie wir ihn seit den Wahlkämpfen in der Amtzeit von Helmut Kohl nicht mehr erlebt haben.

7. Bildung im 21. Jahrhundert
Wir versuchen derzeit mit den Strukturen des Bildungsbetriebes des 19. Jahrhunderts die Kinder und Jugendlichen auf das 21. Jahrhundert vorzubereiten, ohne auf liebgewonne Schrulligkeiten zu verzichten bei gleichzeitiger Straffung der Lehrpläne hin zu einem schmalspurigerem Studium, damit junge Erwachsene schneller auf dem Arbeitsmarkt ankommen. Gleichzeitig bleibt das System undurchlässig und Akademikerkinder im Vorteil, wir manifestieren somit die Probleme auf dem Arbeitsmarkt, anstatt sie gerade in Hinblick auf die Veränderungen der Arbeitswelt bereits frühzeitig zu lösen.

8. Freiheit
Ein Begriff, der als Selbstverständlichkeit wahrgenommen wird und aus der Mode gekommen ist, aber auch im Zeitalter der omnipräsenten sozialen Sicherungssysteme munter diskutiert werden sollte. Was bedeutet Freiheit im 21. Jahrhundert? Was macht sie aus? Wie tangiert die Freiheit des Einzelnen die anderen in der Gesellschaft, wie ist das Zusammenspiel mit der Solidarität in der Gesellschaft? Wir dürfen Freiheit nicht einfach nur so als Begriff wahrnehmen, der irgendwie da ist, sondern wir müssen ihn auch mit Leben füllen. Freiheit ist kein Selbstzweck, zumal die persönliche Freiheit durch ausufernde Überwachungsphantasien der demokratisch legitimierter Staaten immer weiter beschränkt wird.

9. Technologie als Triebfeder für eine neue Gründerwelle
Während der Diskussion um die Auswirkungen der Enthüllungen des Edward Snowden wird immer wieder von der Politik formuliert, dass Deutschland den Datenschutz deutscher Prägung zum Exportschlager innovativer deutscher Firmen machen sollte. Eine Generation junger WHU-Absolventen hat aber nun mal gelernt, wie eCommerce funktioniert und wie Exit-Strategien aussehen. Gleichzeitig haben wir schlaue Köpfe in technischen Studiengängen an Universitäten. Mir fehlt eine Diskussion über Ideen, über neue Technologien und die daraus resultierenden Geschäftsmodelle. Wir sind eine Export-Nation, nur bleiben wir bei digitalen Geschäftsmodellen, von einigen Ausnahmen abgesehen, lieber unter uns.

10. Digitalisierung und Teilhabe
Die Gesellschaft wird in immer mehr Bereichen digitalisiert, mit allen daraus resultierenden Vor- und Nachteilen. Digitalisierung an sich macht die Gesellschaft noch nicht besser, aber auch nicht schlechter, daher sollten wir tunlichst versuchen, die positiven Aspekte zu stärken. Für mich ist die Teilhabe das A&O der Digitalisierung, darüber wurde in den 90er Jahren viel diskutiert, aber diese Diskussion ist leider verebbt, obwohl das Thema jetzt viel drängender ist als damals.

So, das sind jetzt meine Top 10 Artikel, die ich gerne 2014 im Netz lesen und diskutieren möchte. Wenn ihr sie nicht schreibt, schreibe ich sie irgendwann selber.

Artikel im IternetYeah, wieder eine Top 10 Liste mit lauter Verhaltensweisen für Inhalte-Erzeuger. Aber echt mal, diese völlig absurde Idee, dass lauter Leute irgendwelche Texte schreiben, die hat auch ihre Limitierungen. Mittlerweile schreiben nicht mehr nur Experten ins Netz, sondern völlig unterbezahlte Journalisten und die Auswirkungen davon können wir derzeit überall im Netz nachlesen. So kann das nicht mehr weitergehen, daher richte ich hiermit einen eindringlichen Appell an alle Insinternetreinschreiber- und -innen.

Hier ist meine Top 10 Liste der Artikel, die ich 2014 nicht mehr lesen will:

1. Social Media Penislängenvergleich. Ja, wir haben es begriffen, die einen haben mehr Fans als die anderen, dafür haben die einen die kaufkräftigeren Fans, die anderen aber die sharewütigeren Nutzer, jede Firma feiert sich für irgendwas, aber ehrlich gesagt geht es darum überhaupt nicht. Sorgt für zufriedene Kunden, das Gewinnen des Schaulaufens zweifelhafter Rankings ist völlig egal. Der eine schafft das mit 1 Million Fans, der nächste mit 100 Fans und viele Unternehmen weiterhin einfach nur so, weil sie gute Produkte anbieten und sich um ihre Nutzer kümmern. Zuneigung erkaufen kann sich jedes Unternehmen auf Facebook, selbst Strom- oder Telekommunikationsanbieter, aber Fans werden das nie.

2. Politikerinternetnutzungsanalyse. Eine Partei hat mehr twitternde parlamentarische Staatssekretäre als die andere Partei Ausschussvorsitzende mit eigener Facebook Fanpage und mehr als 10 Kommentaren pro Posting hat. Daraus werden Rückschlüsse auf die Anzahl der Kreise auf Google+ und die Güte der zu erwartenden Gesetzesentwürfe gezogen. Ja, sicher, in den Zahlen steckt was drin, aber beschäftigt Euch doch in Stillarbeit mit dieser Kaffeesatzleserei. Und nur weil man so viele Zahlen durcheinander gebracht hat, dass ein buntes Tortendiagramm dabei herauskommt, muss man noch nicht so tun, als ob das eine Studie wäre, die irgendjemand lesen oder gar ernstnehmen sollte.

3. EIL+++Exklusiv+++EIL. Hinter diesem gekonnten Anreisser verbergen sich dann lapidare Ankündigungen einer demnächst stattfindenen Pressekonferenz, bei der die Ergebnisse einer Studie zur Politikerinternetnutzungsanalyse vorgestellt werden sollen, über die sowieso alle berichten werden. Wenn wirklich irgendwas mal eilig wäre, dann verpeilen es gerade diese Inhalteanbieter konsequent, darüber zu berichten, sondern warten ab, bis sie die dpa-Meldung vom Praktikanten umgeschrieben bekommen.

4. Social Media Shitstorm. Jaja, whatever, irgendwer hat wieder irgendwem auf den kleinen Zeh getreten und jetzt wird virtueller Schadensersatz durch das Treiber von Säuen durch Dörfer gefordert. Meistens torkeln aber nur kleine Ferkel ein paar Meter und dann ist das Thema durch. Unternehmen machen Fehler, das liegt meistens an den Menschen, die dort arbeiten und Kommunikation ohne Missverständnisse hat es außer in meiner Ehe noch nirgends gegeben. Nehmt Euch mal alle nicht so wichtig, auch wenn Ihr EIL+++Exklusiv+++EIL den Shitstorm entdeckt habt, oder wenigstens versucht, einen zu inszenieren.

5. Aufschrei. Schreit ihr nur, echt, wenn es denn der Wahrheitsfindung dient, von mir aus auch auf. Ihr schreit in der Echo Chamber und alle Eure tollen Argumente bedienen sich des klassischen Preaching to the Choir, die Bekehrten werden weiter bekehrt. Versucht doch ab und zu mal, andere Leute zu erreichen. Tipp: die sind nicht auf Twitter und lesen nur Blogs über aktuelle Gewinnspieltipps oder Wellness-Gutscheine, wissen aber gar nicht, dass das Blogs sind, weil ihnen das ehrlich gesagt völlig wumpe ist, ebenso wie das aktuell Aufschreithema übrigens auch.

6. 2014 ist das Jahr des <Name des Durchbruchs von irgendwas einsetzen>. Ja, ganz bestimmt, vielleicht aber auch erst nächstes Jahr. Oder gar nicht, oder in 5 Jahren. Wer weiss das schon? Eine Headline alleine macht noch keinen lesenswerten Artikel, auch wenn Buzzfeed, Viralnova und Spiegel Online das im 30-Minuten-Takt immer wieder versuchen zu suggerieren.

7. Was <hier irgendwas einsetzen> für <hier irgendwas einsetzen> bedeutet. Ein stiller Schrei nach einem Beratungsauftrag, mehr sind diese Art von Texten ehrlich gesagt nicht. Aber es ist eine gute Selbsterfahrung, wenn wenigstens in einem Text über die selber mühselig konstruierten Argumente halbwegs Sinn machen, auch wenn man von der Praxis überhaupt keine Ahnung hat.

8. Wir sind so flausch und alle anderen so fail. Der Fail des Flauschs. Wenn ich einen dieser beiden Begriffe lese, zweifle ich sofort an der Zurechungsfähigkeit der Schreibenden. Wer über 12 ist und den Begriff Flausch benutzt, ist genauso wenig ernst zu nehmen wie jemand, der auf komplexe Herausforderungen und die daraus resultierenden Herangehensweisen grundsätzlich mit Fail antwortet. Wir sind doch hier nicht in der Unterstufe und müssen mit Zettelchen kommunizieren, auf denen „ja, nein, vielleicht“ steht, sondern wir haben in diesem Internet total viel Platz, um auch längere Gedankengänge oder gar Gefühlsäußerungen zu publizieren.

9. Morgen ist Live-Chat. Auf Twitter. Nur weil es technisch möglich ist, muss man noch lange nicht jeden Unsinn mitmachen. Der Erkenntnisgewinn einer mit PR-Gesülze weichgespülten Unterhaltung einer Person mit vielen Nutzern auf 140 Zeichen geht gen Null, zumal allein für die Nennung der Nicks, auf die man antwortet, auch gleich 30 Zeichen flöten gehen. So kann man toll die Tücken der EEG-Umlage oder die Auswirkungen der Eurokrise auf die Wettbüro-Industrie auf Zypern diskutieren. Besonders wenig lesenswert sind dann die transkribierten Unterhaltungen, die durch einen bemitleidenswerten Praktikanten zusammengestellt werden, dem in diesem Prozess sicherlich ein Teil des Gehirn wegschmilzt.

10. Facebook stirbt. Na klar, jedes Mal, wenn ein Teenager eine Sinnkrise und ein Journalist schlecht geschissen hat, oder andersrum, wird aus dieser Kombination ein reisserischer Artikel, der mit allerhand selbst zusammengewürfelter Zahlen und aktuellen Beispielen (Teenager mit Sinnkrise jetzt bei WhatsappsnapSMSZalandochat) zielsicher erläutert, dass Facebook jetzt kurz vor der Abschaltung stehen wird wegen jahrelanger wachsender Nichtbeachtung durch alle relevaten Zielgruppen. Ein Blick auf die Unternehmenskennzahlen wäre natürlich zu kompliziert und das kann man auch von einem Journalisten nicht erwarten, der sich etwas anderes erhofft als den Erfolg von irgendwas im Internet.

Ich gehe allerdings davon aus, dass auch dieses Jahr wieder viele Autoren diese Top 10 Liste der Artikel, die ich nicht lesen will, nicht beachten werden. Ich sehe da noch Regulierungspotential für die Internetministerei.

Meine Top Gadgets 2013

Nico —  2.01.2014 — 4 Comments

Ja, die Headline stimmt, es ist 2014 und ich gucke zurück auf das Jahr 2013 und die Gadgets, die ich in dem Jahr in die Finger bekommen habe. Ich spiele gerne mit neuen technischen Dingen rum und kaufe mir das ein oder andere Gadget, bekomme netterweise aber auch immer mal wieder Gadgets zugeschickt, um sie zu testen.

iPhone_5s-2- iPhone 5s: Für mich ist es das nahezu perfekte Smartphone. Ich habe es immer bei mir in der Hosentasche oder in der Hand, ohne Bumper oder Case, living on the edge. Ich mag iOS 7, abgesehen von den seltsamen Neustarts alle paar Tage, und das Zusammenspiel mit anderen Apple Devices ist schon schön praktisch. Für mich ist allerdings der Form Factor am überzeugendsten, denn das Smartphone ist klein und handlich, während es gleichzeitig groß genug ist, um auch mal längere Zeit Texte lesen zu können. Für mich ist das iPhone 5s das Smartphone schlechthin, egal wie bunt die anderen Hersteller ihre Designs auch gestalten.

Nexus 7: Das ist eines der wenigen Gadgets, das mich permanent anlacht, und das ich nicht gekauft habe. Ich halte das Nexus 7 von Google für das ideale Tablet. Die Größe ist genau richtig, das Display ist super und ich mag Android auf dem Tablet, vor allem weil es mehr und bessere Verknüpfungen zwischen den Apps ermöglicht. Ich bin ein großer Fan von 7″ Tablets und das Nexus 7 stellt für mich das derzeit beste Preis-/Leistungsverhältnis dar. Warum ich keins gekauft habe? Weil ich noch ein iPad 2 besitze, das ich abgesehen von Zeitungs-Apps, ja, lacht ihr nur, kaum nutze.

Kindle Paperwhite: Ich lese wieder Bücher. Das hat verdammt viel mit dem Kindle Paperwhite zu tun, denn der hintergrundbeleuchtete eReader erlaubt es eben, enorm viele Bücher mit mir rumzuschleppen und selbst bei schlechten Lichtverhältnissen zu lesen. Da ich viele Bücher von englischsprachigen Autoren lese, kosten diese Bücher oft nur ein paar Euros im Vergleich zu den aktuellen Hardcover-Versionen in deutscher Sprache.

Sennheiser MM 30i Ohrkanal Headset: Für mich sind Headsets Verbrauchsgegenstände. Ich nutze Headsets für lange Telefonkonferenzen und um in der Bahn Musik zu hören. Headsets werden bei mir ohne die üblicherweise mitgelieferten Schutzhüllen aus minderwertigem Kunstleder direkt in die Tasche gebleiert oder im Jacket mit mir rumgetragen. Headsets halten bei mir nie lange, daher gebe ich nie mehr als 50 € für ein Headset aus. Das Sennheiser Headset habe ich mir vor 6 Wochen gekauft und es hält immer noch. Die Soundqualität finde ich gut und auch die Bedienbarkeit über den Pönökel am Kabel ist Anständig. Leider nur rutscht bei meinem linken Ohr der Stöpsel öfter mal raus, was sicher an meinem Ohr liegt, denn es kommt bei mir häufiger bei Headsets vor. Die neuen Apple-Dinger kann ich beispielsweise nur tragen, wenn ich mich gar nicht bewege.

Sennheiser Momentum On-Ear Kopfhörer: Kurz nachdem ich mir das Sennheiser Headset gekauft hatte und damit zufrieden war, schickte mir eine PR-Agentur im Auftrag von Sennheiser diese On-Ear Kopfhörer zu, damit ich sie testen (und behalten) kann. Meine letzten Kopfhörer waren von B&W und die durfte ich direkt an meine Frau abtreten. Diese Sennheiser Momentum haben jetzt bei Bahnfahrten das Headset ersetzt und ich bin schlichtweg begeistert. Tolle Verarbeitung, schickes Alcatara-Leder (klingt jetzt wie ein Auto-Prospekt) und satter Sound. Lediglich der Bügel drückt zu sehr auf meine Rübe, so dass die Ohren zu sehr auf die Brillenbügel drücken, was nach 2-3 Stunden etwas unangenehm wird. Aber ansonsten ein toller Kopfhörer, den ich mir nie selber kaufen würde, siehe oben.

Asus RT-AC660U: Weder die Speedport-Box der Telekom noch die Time Capsule von Apple konnten mich beim Einsatz zu Hause komplett überzeugen, jedenfalls hing unser WLAN zu oft und es ruckelte beim Streaming. Also habe ich dann mal das Gerät gekauft, das überall die meisten Sternchen bekommen hatte und als das Top-Modell gilt. Der WLAN-Router Asus RT-AC660U strahlt auch in die hinterste Ecke unserer Wohnung und bekommt über die Nutzung des 5 Ghz Bandes tatsächlich auch mal Bandbreite hin, wie sie unser Telekom-Tarif seit Jahren suggeriert. Die Nutzung von DD-WRT anstatt der Standard-Firmware hat allerdings nix gebracht, außer ein wenig Nervenkitzel beim Flashen. Der Asus RT-AC660U bringt standardmäßig enorm viele Konfigurationsmöglichkeiten mit, die man natürlich zuhause kaum benötigt, aber es ist wie mit der Oper in der Stadt, da gehe ich auch nicht hin, aber es ist gut, dass ich es jederzeit könnte, weil ich ja in der großen Stadt lebe.

Anker Astro3E: Dieser unscheinbare schwarze Block hat mir schon das ein oder andere Mal den digitalen Arsch gerettet, weil natürlich wieder der Akku meines iPhones leer und keine Steckdose in Sicht war. Praktischerweise habe ich bei meiner Umhängetasche eine versteckte Reissverschlusstasche, die so versteckt ist, dass ich da nichts mehr reinpacke, nachdem ich mal ein paar Tage meine Sonnenbrille überall gesucht habe, aber für dieses Batterypack ist es genau richtig. Ich schleppe das Astro3E immer mit und im digitalen Notfall kann ich meine Devices auch unterwegs schnell aufladen.

So, das sind meine Gadgets des Jahres 2013. Ich bin gespannt, was 2014 noch alles so herauskommen wird. Gerade im Bereich der Quantified-Self Gadgets wird einiges passieren, aber die von mir getesteten Gadgets von Fitbit, Withings und Nike werden alle nicht mehr genutzt, haben es also auch nicht auf die Liste geschafft. Google Glasses habe ich nur kurz aufgehabt, das braucht auch noch etwas, bis es wirklich nützlich sein wird. Ich freue mich auf die nächsten Tablet-Generationen und natürlich neue Smartphones, hoffentlich auch mal mit einer Akku-Laufzeit, die sich wieder in Tagen und nicht in Stunden messen lässt. Außerdem müsste ich eigentlich mal herausfinden, ob ich eigentlich auch mit einer richtigen Kamera Bilder knipsen kann, oder ob ich von Instagram auf dem iPhone nicht mehr wegkomme.

2013 in a Nutshell

Nico —  31.12.2013 — 3 Comments

Das war ein interessantes Jahr, aber ich kann auch nicht behaupten, dass die Jahre davor irgendwie langweilig waren. Für mich persönlich war 2013 vor allem geprägt von einer beruflichen Neuorientierung, die zur Selbständigkeit führte. Neben meinem Engagement bei Nugg.ad, für die ich den Inkubator leite, bleibt so noch genügend Zeit für andere Projekte, aber auch Zeit für die Familie. In 2013 hatte ich einige tolle Kunden mit spannenden Projekten und der Ausblick auf 2014 sieht auch schon ganz gut aus, aber natürlich freue ich mich immer über Anfragen.

2013 habe ich versucht, als Co-Vorsitzender von D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt e.V. meinem politischen Engagement eine neue Form zu geben. Wir haben verschiedene Iniativen gestartet, einige Veranstaltungen gemacht und sind mit zwei Themen im Koalitionsvertrag verankert. Unser täglicher Newsticker zu digitalpolitischen Themen wird von weit über 1000 Menschen gelesen und trägt dazu bei, dass relevante Themen auf die Agenda kommen. Wir haben über 200 Mitglieder und unsere Klausurtagung im Herbst hat gezeigt, was für eine gute Bandbreite an Themen die Mitglieder repräsentieren. Das finde ich für den Anfang schon mal ganz gut und freue mich auf die Entwicklung in 2014.

Unsere Kinder wachsen und gedeihen, halten uns auf Trab und sorgen für wenig ruhige Minuten, aber damit es nicht langweilig wird, haben wir uns zum Ende des Sommers einen Hund angeschafft, der seitdem unser Leben noch zusätzlich bereichert. Seit wir den Hund, Julie, haben, kann ich getrost auf die Quantified-Self Gadgets verzichten, weil ich weiss, dass ich genügend Kilometer zu Fuß gehe.

In 2013 habe ich wieder nicht geschafft:
– mein Buch zu schreiben, das ich schon länger schreiben will und von dem bereits Gliederung und 1 Kapitel existiert. Und der Titel.
– im Umgang mit nervenden Kindern einfach mal länger als 5 Minuten gelassen zu sein
– nur so viel einzukaufen, wie wir auch wirklich essen
– Sinn und Verstand in der deutschen Digitalpolitik zu verankern
– regelmässig zu Laufen
– den Spagat zwischen Familie und Beruf ohne schlechtes Gewissen hinzubekommen
– und noch vieles weiteres mehr.

2013 wirkt irgendwie durchgespielt, ich freue mich auf 2014. Es dürfte nicht langweilig werden.