52 Bücher in 2016 – Nr.1: Traction

Ich habe mir für dieses Jahr vorgenommen, 52 Bücher zu lesen, also quasi jede Woche eins.

Traction: How Any Startup Can Achieve Rapid Customer Growth von Gabriel Weinberg und Justin Mares wurde mir von einem Gründer aus unserem aktuellen Batch beim next media accelerator empfohlen.

tractionTraction ist das magische Wort eines jeden Startups – wenn man Traction hat, dann bedeutet dies, dass das Geschäft anzieht, man Nutzerwachstum hat und es vorangeht. Jedes Startup will Traction bekommen, also die Phase erreichen, in der man nicht mehr jeden einzelnen Nuzter persönlich kennt, sondern sich fragt: “wo kommen die denn alle her, geht das jetzt so weiter?”

Längst nicht alle Startups erreichen diese Phase, obwohl das Produkt gut ist und auch viele Anstrengungen unternommen werden, den Nutzeraufbau hinzubekommen.

Traction basiert zu großen Teilen auf den Erfahrungen von Weinberg beim Aufbau von DuckDuckGo, einer Suchmaschine, die in den letzten Jahren durchaus Traction bekommen hat, allerdings im Vergleich zu Google kaum Marktanteile verzeichnen kann.

Weinberg zeigt erst einmal die Kanäle auf, die für Gründer relevant sind und um die sie sich zu kümmern haben, webt dabei immer eigene Erfahrungen mit rein.

Die Kanäle im Überblick:

  • Viral marketing
  • Public Relations (PR)
  • Unconventional PR
  • Search Engine Marketing (SEM)
  • Social & Display Ads
  • Offline Ads
  • Search Engine Optimization (SEO)
  • Content Marketing
  • Email Marketing
  • Engineering as Marketing
  • Targeting Blogs
  • Business Development (BD)
  • Sales
  • Affiliate Programs
  • Existing Platforms
  • Trade Shows
  • Offline Events
  • Speaking Engagements
  • Community Building

Weinberg lässt die Leser allerdings nicht mit diesen Kanälen alleine, sondern schlägt das “Bullseye Framework” vor, um besser identifizieren zu können, wie ein Startup den Nutzeraufbau angehen sollte. Schliesslich geht es ja darum, dass jedes Startup den Nutzeraufbau hinbekommen soll. Beim Bullseye Framework geht es um fünf Schritte:

  1. Brainstorming
  2. Ranking
  3. Prioritizing
  4. Testing
  5. Focusing

Man soll sich also zuerst überlegen, welche Kanäle wie in Frage kämen, dann diese nach Wichtigkeit sortieren, dann die drei erfolgsversprechendsten Kanäle in Angriff nehmen, dann testen, was am Besten funktioniert und dann auf diesen Kanal fokussieren. Klingt logisch und einfach, hat aber natürlich auch seine Tücken, weil man wissen muss, wann die Fokussierung auf einen anderen Kanal ansteht, weil beispielsweise der eine Kanal saturiert ist, eine neue Phase im Unternehmen erreicht wurde oder einfach externe Faktoren neu bewertet werden müssen.

Meine initiale Reaktion auf das Buch war: “ja, ganz nett.” – denn irgendwie ist das alles nichts Neues für mich. Das wäre allerdings auch schlimm, schliesslich beschäftige ich mich seit gut und gerne 15 Jahre mit Startups und deren Wachstum. Aus der Sicht eines Gründers ist dieses Buch absolut hilfreich, es lässt sich sehr schnell lesen, bringt gute Beispiele und zeigt klare Handlungsempfehlungen auf.

Hass und Pöbelein im Netz – so geht es nicht weiter!

Die Nerven liegen blank in Deutschland. Seit Monaten schwappt eine immer größer werdende Welle von Hass und Pöbeleien in die sozialen Netzwerke. Unter dem Deckmantel einer vermeintlichen freien Meinungsäußerung Menschen werden Menschen beleidigt, gegen Ausländer gehetzt und unsere demokratischen Institutionen angefeindet. 

“Das wird man doch wohl noch sagen dürfen.” – nein, wird man nicht. Mir reicht dieses Gepöbel und es geht vielen anderen ebenso. CDU Generalsekretär Peter Tauber ist jüngst der Kragen geplatzt und er hat einen Pöbler als Arschloch bezeichnet. Er hat Recht, aber er schenkt diesem Menschen zu viel Aufmerksamkeit.

Wir können dem Hass nur entgegentreten, wenn wir diese Leute aus unseren Freundeslisten schmeissen, ihre Inhalte löschen und sie blocken, bzw. melden. 

Es macht keinen Sinn, einen Dialog mit einem hasserfüllten Pöbler zu suchen. Diese Menschen wollen unsere Gesellschaft spalten und versuchen alles, um Diskussionen in den sozialen Medien unmöglich zu machen. 

Dabei sind wir alle gefragt und müssen uns angewöhnen, viel weniger Gepöbel hinzunehmen. Natürlich sind auch die Plattformen wie Facebook, Twitter und Google gefordert und müssen dafür sorgen, dass ehrverletzende Inhalte schneller gelöscht werden. Sie sollten es im eigenen Interesse tun, denn dadurch werden ihre Angebote attraktiver für die Nutzer. 

Wir benötigen allerdings auch keine absurden Vorschläge wie die der CSU, künftig alle Beiträge vor der Veröffentlichung überprüfen zu lassen. Derartige Überwachungsphantasien führen zur Gedankenzensur, was mit der freiheitlioch-demokratischen Grundordnung dieses Landes im Widerspruch steht. 

Also, werdet aktiv, gebt dem Hass im Netz keine Chance!

2016 und die guten Vorsätze

Na klar, ich will auch dieses Jahr wieder versuchen, einiges anders zu machen und ein besserer Mensch zu werden. Eigentlich muss man dafür natürlich keinen Blogpost schreiben, aber andererseits habe ich von WordPress zum Ende des Jahres eine Statistik für das Jahr 2015 bekommen und obwohl da ein nettes Feuerwerk zu sehen war, beeindruckte mich die Anzahl von 15 Artikeln kaum.

Also, hier kommen meine guten Vorsätze für 2016:

1. Mehr bloggen. Irgendwie muss ich dafür die Zeit finden, trotz Kolumne auf bild.de und toller neuer Produkte auf Neues Zeugs.

2. Mehr einmischen. Ich bin weiterhin stark genervt von der Digitalpolitik der Großen Koalition und bei allen Fortschritten bei der SPD sehe ich dennoch weiterhin viel Potential für Verbesserungen. So lange das nicht von alleine passiert, werde ich rumnerven. Ich freue mich auf viele weitere Mitglieder bei D64, denn das schaffen wir nur zusammen!

3. Endlich ein Buch über dieses Digitalgedöns und unsere Gesellschaft schreiben. Naheliegend, aber man kommt ja zu nix.

4. Mehr abnehmen. 10 kg sind runter, aber es ist noch ein weiter Weg bis zur Bikini-Figur im Sommer. Nach der Lektüre von Der 4-Stunden-Körper von Tim Ferriss habe ich meine Ernährung auf die Slow-Carb Diät umgestellt und fühle mich fitter denn je.

5. Mehr Gelassenheit. Ich bin ungeduldig, das ist auch gut so, aber gerade bei meinen Kindern muss ich gelassener werden.

6. Mehr wandern. Norddeutschland ist jetzt nicht so die bergige Top-Wanderregion, aber mindestens der Harz sollte dieses Jahr ein paar Mal drin sein.

7. Mehr Bücher lesen. Ich will dieses Jahr 52 Bücher lesen. Das muss möglich sein. Habe heute gleich das erste gelesen. So ganz nebenbei mit der Kindle App auf dem iPhone.

Wir müssen exponentiell und global denken!

Neulich in der ARD beim Talk mit Anne Will sagte Angela Merkel über die Flüchtlingsproblematik in Deutschland, dass dieses kein plötzliches Phänomen sei. Landräte aus Bayern hätten ihr mitgeteilt, dass schon seit 1 1/2 Jahren stetig mehr Flüchtlinge kämen, nicht erst seit drei Monaten. Das sagen mir auch Politiker aus den unterschiedlichsten Bundesländern. Es wurden langsam immer mehr Flüchtlinge und plötzlich sind es so viele.

Das ist eine ganz wichtige Erkenntnis, die eine enorme Herausforderung unserer Zeit darstellt. Durch die Digitalisierung entwickeln sich Dinge nicht mehr linear und lokal, sondern exponentiell und global.

Wir haben uns daran gewöhnt, dass wir mit 1 anfangen, dann 2 kommt, dann 3, dann vier und so weiter. Mittlerweile entwickeln sich aber immer mehr Dinge von 1 auf 2, dann 4, danach kommt 8, dann 16, 32, 64 und so weiter. Die Entwicklung ist rasant. Und kaum nachvollziehbar, denn sie sprengt unsere bekannten Denkmuster.

Die Digitalisierung macht es möglich. Informationen fliessen viel schneller und Veränderungen treten viel schneller ein als je zu vor.

Der Handlungsrahmen ist auch nicht mehr lokal, sondern global. Die Daten machen nicht an Grenzen halt.

Das sehen wir an Entwicklungen wie dem Nutzer-Wachstum bei Whatsapp, bei AirBnB, bei Uber und bei vielen anderen digitalen Geschäftsmodellen.

Wenn wir genauer hinsehen, dann sehen wir exponentielles Wachstum allerdings auch bei der Anzahl der Flüchtlingen, die derzeit zu uns kommen.

Auch früher schon gab es Bürgerkriege und Flüchtlinge, allerdings war es unvorstellbar, dass viele Hunderttaussende Flüchtlinge mehrere tausend Kilometer zurücklegen würden. Der Weg war einfach zu weit und zu ungewiss. Es wurde in das Nachbarland geflüchtet, auch um zeitnah wieder in das eigene Land zurückkehren zu können.

Flüchtlinge aus Ländern wie Syrien, Afghanistan oder Irak gehen immer noch ein unglaubliches Risiko ein und es gibt immer noch viel zu viele Todesfälle während der Flucht.

Aber durch digitale Werkzeuge wie GPS, Whatsapp, Kartenanwendungen oder Wetter-Apps lässt sich die Flucht nicht nur besser planen, sondern auch erfolgsversprechender durchführen. Echtzeitkommunikation mit bereits geflüchteten Familienmitgliedern oder Bekannten erleichtert das Unterfangen und auch während der Flucht erfahren die Flüchtlinge über Whatsapp Gruppen genau, wo sie welche Hindernisse erwarten. Fax oder Brief, selbst das Telefon hätten nie für eine derartige Informationsdichte geführt.

Wir sind das Lineare gewohnt und erkennen daher nur sehr schwer, wann das Wachstum wirklich exponentiell wird. Aber wir müssen uns darauf einstellen, dass durch die Digitalisierung in vielen Bereichen des Lebens Entiwcklungen künftig exponentiell verlaufen werden. Also immer wenn man „ach, das kenne ich, entwickelt sich jetzt nicht so stark wie befürchtet“ sagen will, sollte man noch einmal genauer hingucken, ob nicht doch einige Faktoren dafür sprechen, dass die Entwicklung demnächst durch die Decke geht.

Bei Firmen kann das bedeuten, dass man aufstrebende Konkurrenten besser einschätzt, für die Bewältigung der Flüchtlingskrise hätte dies bedeutet, dass man sich schon eher auf größere Zahlen hätte einstellen können, wenn man den ersten Anstieg der Zahlen expontiell gedeutet hätte.

Exponentiell ist das neue linear – das wird uns immer wieder überraschen. Wir müssen lernen, damit umzugehen.

Neues MVP: #StartupsfuerFluechtlinge

Als wir vor einigen Wochen die Aktion #BloggerfuerFluechtlinge gestartet hatten, waren wir überwältigt von der Hilfsbereitschaft und den vielen, vielen Spenden. Eine äußerst aktive Facebook-Gruppe mit fast 2000 MitgliederInnen zeigt, dass das Engagement weit über eine finanzielle Unterstützung hinaus geht.

Wir haben in 2 Wochen über 100.000 € an Spenden einsammeln können, aber wir wollen noch mehr!

Wir wollen, dass sich die deutsche Startup-Szene einbringt! Christian Reber, CEO von 6Wunderkinder, ist bereits mit gutem Beispiel vorangegangen und hat 20.000 € gespendet! Auch wenn Ihr gerade keinen großen Exit gemacht habt oder als VC nicht wisst, wo ihr mit dem vielen Geld hin sollt – ihr könnt dennoch sehr gut helfen! Unterstützt lokale Freifunker beim Aufbau einer WLAN-Infrastruktur, spendet Zeit und entwickelt Apps, die Flüchtlinge bei der Eingliederung in den Alltag hier helfen, vermittelt Praktika oder helft vor Ort in den Erstaufnahmelagern.

Es gibt genug zu tun und wer, wenn nicht die agile deutsche Startup Szene kann da helfen?

Bitte trommelt in der Szene für Unterstützung und nutzt dafür #StartupsfuerFluechtlinge als Hashtag!

Bitte teilt die Spendenseite und spendet fleissig!