Uwe Knüpfer versuchte einmal, Bundestagkandidat zu werden und trat gegen Michelle Müntefering in Herne an. Er unterlag und viele sahen sein Engagement als Affront an, denn er trat als Chefredakteur des Vorwärts gegen die ehemalige Voluntärin Michelle Müntefering an. Knüpfer ist ein langgedienter politischer Journalist, der u.a. Auslandskorrespondent in Washington, D.C. und Chefredakteur der WAZ war.

Man kann also durchaus behaupten, Knüpfer weiss, wie der Politikbetrieb funktioniert, denn er ist seit vielen Jahrzehnten als Insider nah dabei.

du_bist_das_volkIch werde künftig jedem, der zu mir sagt: „Du bist doch so ein politischer Mensch, warum gehst Du nicht in die Politik?“ das Buch Du bist das Volk – Eine Anleitung zum Politiker-Sein: In zwölf Ermunterungen empfehlen. Denn Knüpfer beschreibt in diesem Buch schonungslos und süffisant, was es bedeutet, die Politik zum Beruf zu machen. Ich kenne viele Aspekte davon aus eigener Erfahrung, denn als Politikersohn habe ich selber erlebt, was für ein großer Zeitfresser die Politik ist und was das für die Familie bedeutet.

Knüpfer zeigt ziemlich direkt auf, welche Entbehrungen man auf sich nehmen muss, wenn man im Politikbetrieb vorankommen will. Man kann das Buch als Anleitung und als Warnung zugleich verstehen, denn seine Hinweise sind durchaus zielführend, wenn auch schonungslos direkt. Der Idealismus fällt hinten runter, wenn man die Karriere geplant werden soll und ich weiss von vielen Gesprächen mit Politikern, wie schwer es ist, diesen Idealismus im Tagesgeschäft nicht gänzlich zu verlieren.

Das Ansehen der Politikerinnen und Politiker ist nicht sehr groß, ihr Einsatz allerdings um so mehr. Dafür gibt es im Vergleich mit Leitungspositionen in der Wirtschaft wenig Geld, dafür aber viel Kritik und Gemecker. Wer sich das antun will, verdient meinen Respekt, auch wenn ich vermutlich nicht mit allen Positionen einverstanden bin. Knüpfer wirbt nicht wirklich für den Beruf des Politikers, aber er zeigt, was man tun muss, damit es funktionieren kann.

Meine Kindheit war anders als die meiner Kinder und es ist für sie total seltsam, dass ich als Kind weder iPhone noch iPad hatte und meine Erzählung, dass unser Fernseher nur drei Programme hatte, finden sie auch höchst merkwürdig. Wenn ich von Pong oder Asteroids schwärme, ernte ich seltsame Blicke. Und wenn ich von der vielen Langeweile berichte, die wir als Kinder ohne konstante Berieselungsmöglichkeiten hatte, dann ernte ich nur Kopfschütteln.

the_end_of_absenceMichael Harris nimmt sich diesem Thema an in seinem Buch The End Of Absence. Reclaiming What We’ve Lost in a World of Constant Connection. Harris sammelt Alltagsbeobachtungen und zeigt auf, wie sich unser Leben durch die Digitalisierung verändert hat. Natürlich geht es dabei um den Begriff, den Linda Stone bereits 1998 geprägt hatte: continous partial attention. Ihr kennt das. Wir sind leichter abgelenkt, versuchen uns in Multitasking und wenigstens beim Abendessen legen endlich alle mal das Smartphone weg.

Das Kernthema des Buches fast Harris ganz wunderbar zusammen: „As we embrace a technology’s gifts, we usually fail to consider what they ask from us in return – the subtle, hardly noticeable payments we make in exchange for their marvelous service.“ – Technologie macht etwas mit uns und wir nehmen es vor lauter Begeisterung kaum wahr.

„Montaigne once wrote: ‚We must reserve a back shop, all our own, entirely free, in which to establish our liberty and our principal retreat and solitude.‘ But will tomorrow’s children set up such a shop, when the world seems to conspire against the absentee soul?“ – diese Fragestellung treibt mich als Vater um, meine Kinder allerdings nicht so, die die konstante Ablenkung nachfragen und einfordern.

Leider driftet Harris spätestens beim Thema Online-Dating ins Anekdotenhafte ab und wirkt dadurch zunehmend laberig, was die initialen Punkte ziemlich verwässert und das Buch zunehmend in die Länge zieht. Insgesamt ist das Buch ein interessanter Denkanstoß für ein Thema, dass an Relevanz noch zunehmen wird, je mehr die Technologie sich in Richtung Virtual Reality bewegt. Wir werden lernen müssen, uns auch in Zukunft Langeweile und Beschäftigung mit nur einem Thema zu ermöglichen.

Ich habe mir für dieses Jahr vorgenommen, 52 Bücher zu lesen, also quasi jede Woche eins.

Traction: How Any Startup Can Achieve Rapid Customer Growth von Gabriel Weinberg und Justin Mares wurde mir von einem Gründer aus unserem aktuellen Batch beim next media accelerator empfohlen.

tractionTraction ist das magische Wort eines jeden Startups – wenn man Traction hat, dann bedeutet dies, dass das Geschäft anzieht, man Nutzerwachstum hat und es vorangeht. Jedes Startup will Traction bekommen, also die Phase erreichen, in der man nicht mehr jeden einzelnen Nuzter persönlich kennt, sondern sich fragt: „wo kommen die denn alle her, geht das jetzt so weiter?“

Längst nicht alle Startups erreichen diese Phase, obwohl das Produkt gut ist und auch viele Anstrengungen unternommen werden, den Nutzeraufbau hinzubekommen.

Traction basiert zu großen Teilen auf den Erfahrungen von Weinberg beim Aufbau von DuckDuckGo, einer Suchmaschine, die in den letzten Jahren durchaus Traction bekommen hat, allerdings im Vergleich zu Google kaum Marktanteile verzeichnen kann.

Weinberg zeigt erst einmal die Kanäle auf, die für Gründer relevant sind und um die sie sich zu kümmern haben, webt dabei immer eigene Erfahrungen mit rein.

Die Kanäle im Überblick:

  • Viral marketing
  • Public Relations (PR)
  • Unconventional PR
  • Search Engine Marketing (SEM)
  • Social & Display Ads
  • Offline Ads
  • Search Engine Optimization (SEO)
  • Content Marketing
  • Email Marketing
  • Engineering as Marketing
  • Targeting Blogs
  • Business Development (BD)
  • Sales
  • Affiliate Programs
  • Existing Platforms
  • Trade Shows
  • Offline Events
  • Speaking Engagements
  • Community Building

Weinberg lässt die Leser allerdings nicht mit diesen Kanälen alleine, sondern schlägt das „Bullseye Framework“ vor, um besser identifizieren zu können, wie ein Startup den Nutzeraufbau angehen sollte. Schliesslich geht es ja darum, dass jedes Startup den Nutzeraufbau hinbekommen soll. Beim Bullseye Framework geht es um fünf Schritte:

  1. Brainstorming
  2. Ranking
  3. Prioritizing
  4. Testing
  5. Focusing

Man soll sich also zuerst überlegen, welche Kanäle wie in Frage kämen, dann diese nach Wichtigkeit sortieren, dann die drei erfolgsversprechendsten Kanäle in Angriff nehmen, dann testen, was am Besten funktioniert und dann auf diesen Kanal fokussieren. Klingt logisch und einfach, hat aber natürlich auch seine Tücken, weil man wissen muss, wann die Fokussierung auf einen anderen Kanal ansteht, weil beispielsweise der eine Kanal saturiert ist, eine neue Phase im Unternehmen erreicht wurde oder einfach externe Faktoren neu bewertet werden müssen.

Meine initiale Reaktion auf das Buch war: „ja, ganz nett.“ – denn irgendwie ist das alles nichts Neues für mich. Das wäre allerdings auch schlimm, schliesslich beschäftige ich mich seit gut und gerne 15 Jahre mit Startups und deren Wachstum. Aus der Sicht eines Gründers ist dieses Buch absolut hilfreich, es lässt sich sehr schnell lesen, bringt gute Beispiele und zeigt klare Handlungsempfehlungen auf.

Die Nerven liegen blank in Deutschland. Seit Monaten schwappt eine immer größer werdende Welle von Hass und Pöbeleien in die sozialen Netzwerke. Unter dem Deckmantel einer vermeintlichen freien Meinungsäußerung Menschen werden Menschen beleidigt, gegen Ausländer gehetzt und unsere demokratischen Institutionen angefeindet. 

„Das wird man doch wohl noch sagen dürfen.“ – nein, wird man nicht. Mir reicht dieses Gepöbel und es geht vielen anderen ebenso. CDU Generalsekretär Peter Tauber ist jüngst der Kragen geplatzt und er hat einen Pöbler als Arschloch bezeichnet. Er hat Recht, aber er schenkt diesem Menschen zu viel Aufmerksamkeit.

Wir können dem Hass nur entgegentreten, wenn wir diese Leute aus unseren Freundeslisten schmeissen, ihre Inhalte löschen und sie blocken, bzw. melden. 

Es macht keinen Sinn, einen Dialog mit einem hasserfüllten Pöbler zu suchen. Diese Menschen wollen unsere Gesellschaft spalten und versuchen alles, um Diskussionen in den sozialen Medien unmöglich zu machen. 

Dabei sind wir alle gefragt und müssen uns angewöhnen, viel weniger Gepöbel hinzunehmen. Natürlich sind auch die Plattformen wie Facebook, Twitter und Google gefordert und müssen dafür sorgen, dass ehrverletzende Inhalte schneller gelöscht werden. Sie sollten es im eigenen Interesse tun, denn dadurch werden ihre Angebote attraktiver für die Nutzer. 

Wir benötigen allerdings auch keine absurden Vorschläge wie die der CSU, künftig alle Beiträge vor der Veröffentlichung überprüfen zu lassen. Derartige Überwachungsphantasien führen zur Gedankenzensur, was mit der freiheitlioch-demokratischen Grundordnung dieses Landes im Widerspruch steht. 

Also, werdet aktiv, gebt dem Hass im Netz keine Chance!

Na klar, ich will auch dieses Jahr wieder versuchen, einiges anders zu machen und ein besserer Mensch zu werden. Eigentlich muss man dafür natürlich keinen Blogpost schreiben, aber andererseits habe ich von WordPress zum Ende des Jahres eine Statistik für das Jahr 2015 bekommen und obwohl da ein nettes Feuerwerk zu sehen war, beeindruckte mich die Anzahl von 15 Artikeln kaum.

Also, hier kommen meine guten Vorsätze für 2016:

1. Mehr bloggen. Irgendwie muss ich dafür die Zeit finden, trotz Kolumne auf bild.de und toller neuer Produkte auf Neues Zeugs.

2. Mehr einmischen. Ich bin weiterhin stark genervt von der Digitalpolitik der Großen Koalition und bei allen Fortschritten bei der SPD sehe ich dennoch weiterhin viel Potential für Verbesserungen. So lange das nicht von alleine passiert, werde ich rumnerven. Ich freue mich auf viele weitere Mitglieder bei D64, denn das schaffen wir nur zusammen!

3. Endlich ein Buch über dieses Digitalgedöns und unsere Gesellschaft schreiben. Naheliegend, aber man kommt ja zu nix.

4. Mehr abnehmen. 10 kg sind runter, aber es ist noch ein weiter Weg bis zur Bikini-Figur im Sommer. Nach der Lektüre von Der 4-Stunden-Körper von Tim Ferriss habe ich meine Ernährung auf die Slow-Carb Diät umgestellt und fühle mich fitter denn je.

5. Mehr Gelassenheit. Ich bin ungeduldig, das ist auch gut so, aber gerade bei meinen Kindern muss ich gelassener werden.

6. Mehr wandern. Norddeutschland ist jetzt nicht so die bergige Top-Wanderregion, aber mindestens der Harz sollte dieses Jahr ein paar Mal drin sein.

7. Mehr Bücher lesen. Ich will dieses Jahr 52 Bücher lesen. Das muss möglich sein. Habe heute gleich das erste gelesen. So ganz nebenbei mit der Kindle App auf dem iPhone.