adam_grant_originalsIch bin neulich über ein Zitat von Adam Grant gestolpert, bei dem es um
Erziehung ging, das Zitat habe ich vergessen, aber seinen Artikel How To Raise a Child. Step One: Back off in der New York Times gelesen und danach das Buch gekauft. Um es kurz zu machen: das Buch sollte man lesen, wenn man irgendetwas mit Führungsverantwortung oder der Entwicklung von Ideen zu tun hat. Denn in Originals – How Non-Conformists Move the World bietet Adam Grant viele Beispiele und die dazu passenden wissenschaftlichen Erläuterungen, warum die üblichen Herangehensweisen oftmals nicht zu den erwarteten Ergebnissen führen. Wenn man so will, dann ist das Buch von Grant ein willkommenes Gegengift zu der zunehmend von Controllern und MBA-Inhabern geprägten Businesswelt, die immer mehr Regeln für Abläufe in Unternehmen erlassen und damit die Verhaltensweisen prägen, die letztendlich zu Konformität und kreativer Ödnis führen. Grant fokussiert darauf, wie man Originalität fördern kann und wie dann die Ideen auch zur Umsetzung gebracht werden können.

Am Ende des Buches listet Adam Grant netterweise noch einmal die Haupterkenntnisse des Buches auf, damit man auch nach der Lektüre noch leicht den Überblick behalten kann. Dabei geht es um die Perspektive eines Kreativen, aber auch einer Führungskraft oder eben auch um Eltern. Ich fühlte mich quasi dreimal angesprochen.

Tipp Nr. 1 ist: Question the default. Ein Klassiker, aber immer noch die Ausgangslage für die kreativen Momente, insbesondere wenn man politisch etwas verändern will oder sich ein neues Startup ausdenkt.

Emphasize values over rules finde ich eine gute Einstellung bei der Erziehung und ich glaube, das war das Zitat, über das ich mal gestolpert war. An der Umsetzung arbeiten wir noch.

Das Buch ist super, das muss man selber gelesen haben, vor allem wenn man Dinge verändern will.

Adam Grant: Originals – How Non-Conformists Move the World

schwarze_republikDas Sujet des Buches ist leider mittlerweile ein Klassiker: der Niedergang der deutschen Sozialdemokratie. Bereits zu Beginn meines Studiums war das ein Thema und die damalige Pflichtlektüre von Lösche/Walter Die SPD : Klassenpartei – Volkspartei – Quotenpartei – zur Entwicklung der Sozialdemokratie von Weimar bis zur deutschen Vereinigung wies schon vor über 20 Jahren auf die Problemlagen hin. Albrecht von Lucke nimmt quasi den Ball auf und analysiert in Die schwarze Republik und das Versagen der deutschen Linken die Entwicklung der SPD sowie der PDS/Linkspartei/Die Linke seit der Wiedervereinigung.

Es geht von Lucke vor allem darum, zu zeigen, dass es eigentlich eine strukturelle linke Mehrheit in diesem Land gäbe, aber die Spaltung des linken Lagers dazu führe, dass andere Koalitionen auf Bundesebene regieren. Dabei macht er deutlich, dass Schröder und Lafontaine beide große Anteile an dieser Spaltung haben, die jetzt nur schwer überwunden werden kann. Auslöser wären die Arbeitsmarktreformen der Agenda 2010, weswegen Lafontaine Die Linke als Anti-SPD Partei formiert habe, aber besonders deutlich seien die Diskrepanzen in der Außen- und Sicherheitspolitik zu sehen.

Zum Ende hin empfiehlt von Lucke beiden Parteien, doch einfach die Spaltung zu überwinden, die er ein Buch lang beschreibt. Das wirkt auf mich wenig realistisch, was auch daran liegen mag, dass programmatische Übereinstimmungen des linken Lagers, zu dem man auch die Grünen noch zählen kann, kaum herausgearbeitet wurden. Wenn Gestaltungsanspruch und Fundamentalopposition aufeinander treffen, dann lässt sich dieser Gegensatz eben nicht einfach so mal überwinden. Aber es ist schon interessant zu sehen, dass die SPD als Feindbild innerhalb des linken Lagers taugt und eben weniger CDU/CSU dafür herhalten muss. Diese Lust daran, dass sich die Linke lieber selber zerfleischt, zeigt mir deutlich, dass nicht alle Menschen aus der Geschichte lernen wollen oder können.

Wenn man wissen will, warum die Linke derzeit dem Mantra der Alternativlosigkeit der Kanzlerin Merkel nichts entgegenzusetzen hat, der kann gerne zu diesem Buch greifen. Erwartet man, nach der Lektüre neue Chancen für ein Wiedererstarken des gemeinsamen linken Lagers zu sehen, so wird man leider enttäuscht. Vernünftig wäre es sicherlich, wenn die Linke Alternativen aufzeigen könnte, aber sowohl in der SPD als auch in Die Linke scheinen Egos, Kränkungen und Anspruchshaltung einer vernünftigen Arbeitsebene im Weg zu stehen.

Die schwarze Republik und das Versagen der deutschen Linken

roboterrevolutionEs gibt viele Bücher, bei denen ich mir nach spätestens 50 Seiten denke, dass ich die Grundidee jetzt verstanden habe und ich dann eher gelangweilt auf die restlichen 200 Seiten blicke, die nur noch dazu da sind, die Kernthese von links nach rechts zu ziehen und mit unzähligsten Beispielen zu belegen. Derartige Bücher hätten als Essay ihren Zweck voll erfüllt. Bei dem vorliegenden Buch von Karsten Wysk ist es genau andersrum. Die Roboter Revolution – wie Deutschland die zunehmende Automatisierung zur Weiterentwicklung des Kapitalismus nutzen sollte reisst viele Themen an, wird aber wenig konkret und bringt leider auch wenig praktische Beispiele.

Dabei packt Karsten Wysk eines der drängendsten Themen der Zeit an: was machen wir eigentlich, wenn durch die Digitalisierung die Arbeit für die Menschen weniger wird, aber die Produktivität hoch bleibt? Wie kann dann unser Gemeinwesen funktionieren, wo kommen die Steuern her, was machen die Menschen mit der vielen Freizeit?

Karsten (wir kennen uns seit vielen Jahren) schlägt u.a. vor, dass die Steuereinnahmen künftig anders realisiert werden sollen, nämlich über Unternehmensgewinne, die an den Staat abgeführt werden, da dieser durch das Eintreten des Erbfalles stiller Anteilseigner eines Unternehmens wird. Das finde ich einerseits charmant, aber andererseits wirft es sooo viele Fragen auf, denn es gibt ja auch Unternehmen, die noch nicht vererbt sind und riesige Gewinne machen, ohne viel Steuern zu zahlen, und und und. Ansonsten sagt Karsten viel Richtiges über die Verteilung von Vermögen in der Gesellschaft und versucht, die notwendige Umverteilung möglichst behutsam anzugehen, damit sich niemand entzieht. Sein Modell des Grundeinkommens mit einem Fähigkeits- und Reputationsfaktor wirkt mir allerdings viel zu bürokratisch, auch wenn es charmant ist, dass Menschen Geld bekommen sollen, weil sie sich sozial engagieren.

In Summe bin ich nicht so richtig überzeugt, da hätte etwas mehr Substanz dem Buch gut getan und vielleicht auch mehr als nur 78 Seiten. Was mich allerdings total genervt hat, das war der Verzicht auf ein Lektorat, was man leider nicht nur an den fehlenden Kommata gemerkt hat.

Die Roboter Revolution – wie Deutschland die zunehmende Automatisierung zur Weiterentwicklung des Kapitalismus nutzen sollte

your_heart_is_a_muscle_the_size_of_fistIch weiß nicht mehr genau, wo ich das erste Mal über diesen Buchtitel gestolpert bin, aber daneben stand, dass man das Buch von Sunil Yapa unbedingt lesen solle, denn es sei ein toller Debüt-Roman. Um ehrlich zu sein: ich fand den Titel Your Heart is a Muscle the Size of a Fist so poetisch und schön, dass ich den Klappentext nicht mal gelesen habe, sondern gleich mal einen Impulskauf getätigt habe.

In dem Buch geht es um ein paar Stunden, genauer gesagt um das Aufeinandertreffen einer Handvoll Personen während der Proteste gegen die WTO Versammlung in Seattle im Jahr 1999. Die Geschichte wird in jedem Kapitel mit dem Focus einer anderen Person erzählt, aber es dreht sich vor allem um den 19-Jährigen Victor, der eigentlich an diesem Morgen nichts anderes vorhat, als Marihuana zu verkaufen, um seine Reise fortzusetzen, die er vor 3 Jahren begonnen hatte und die ihn zurück nach Seattle geführt hatte, wo er in einem Zelt unter einer Autobahnbrücke wohnte.

Yapa schildert, wie aus dem friedlichen Protest eine Gewaltorgie wird, wie die Polizei durchdreht, aber auch wie die unterschiedlichen Akteure mit der WTO unterschiedliche Kritik oder Hoffnungen verbinden. Die jeweils unterschiedlichen Blickwinkel sorgen für facettenreiche Darstellungen der Vorkommnisse, lassen aber auch immer mehr Einblick in das emotionale Innenleben, die Geschichte und die Motivation der Beteiligten zu.

Stellenweise hatte die Schilderung der Gewaltexzesse etwas zu viel Raum in dem Buch, aber generell habe ich das Buch sehr genossen, obwohl ab einem gewissen Moment schon eine Ahnung entsteht, wie das Buch enden wird. Das nimmt etwas die Spannung am Buch, denn es wird offensichtlich, worauf es hinausläuft und dann dauert es eben doch noch eine Weile, bis alles zusammenkommt. Der Kampf für eine bessere Welt und die vielen Fragen, die uns selber auf dem Weg dorthin begegnen, betten dieses Buch in einen zeitgemäßen Kontext, auch wenn es vor allem darum geht, wie Menschen versuchen, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden oder zu behalten.

Your Heart is a Muscle the Size of Fist

41rtVUBP4SLSarah Knight hat sich durch The Life-Changing Magic of Tidying: A simple, effective way to banish clutter forever von Marie Kondo inspirieren lassen und ein etwas anderes Aufräumbuch geschrieben. Sarah Knight will dabei helfen, dass man sich nicht immer mit Dingen beschäftigt, die einen nicht wirklich interessieren. Und sie tut das in einem sehr amüsanten Buch: The Life-Changing Magic of Not Giving a F**k mit der wunderbaren Unterzeile „how to stop spending time you don’t have with people you don’t like doing things you don’t want to do“.

Eigentlich geht es bei diesem Buch vor allem um das „Nein“-Sagen, aber eben so, dass man dabei nicht total wie ein Arschloch wirkt. Dazu soll man quasi innerlich aufräumen und sich bei den unterschiedlichsten Themen überlegen, wie wichtig es für einen ist und ob man sich darum kümmern will oder nicht. Vor allem aber soll ihre NotSorry Methode dafür sorgen, dass man dabei kein schlechtes Gewissen hat.

Bei diesem Buch handelt es sich also um eine Anleitung zum „Nein“-Sagen, aber es ist sehr witzig und kurzweilig geschrieben. Denn natürlich gibt es einen wahren Kern zwischen all den Fucks, die man gibt oder nicht gibt. Man macht viel zu viele Dinge, die einen eigentlich nicht interessieren, zu denen man sich aber aus irgendwelchen Gründen verpflichtet fühlt. Macht man diese Dinge nicht, hat man mehr Zeit, investiert keine Energie in etwas, was man eigentlich nicht will, oder spart eventuell sogar noch Geld.

Jeder hat Themen, auf die man eher verzichten könnte. Bei mir gehören Meetings und Telefonkonferenzen ganz oben auf die Liste, aber auch gewisse Verwandschaftsbesuchen oder alles, was sich um einen Kirchenbesuch gruppiert. Nicht alles kann man leider absagen, aber Sarah Knight gibt kreative Ideen dafür, wie man vielleicht doch mehr Zeit für sich gewinnt, ohne dabei eine schlechtes Gewissen zu haben. Dieses Buch war sicherlich das mit der häufigsten Nennung des Wortes „fuck“, jedenfalls von den Büchern, die ich so gelesen habe.

Sarah Knight: The Life-Changing Magic of Not Giving a F**k