13. August 2010

Die unvollendete SMS aus Ghana

Was will mir der unbekannte Absender sagen? Wie könnte die SMS weitergehen?

12. August 2010

Der deutsche verpixelte Michel

Oh Mann. Deutschland im Hochsommer 2010. Die Regierung macht Urlaub, ein Zustand, der niemandem auffällt, und dann plötzlich ist das Thema da. Nein, es ist nicht die Frage, wie wir unser Rentensystem so umbauen können, daß auch unsere Kinder noch eine Rente bekommen, mit der sie Leben können, es ist auch nicht die Frage, warum wir auch 2010 wieder über den Atomausstieg debattieren müssen, es ist auch nicht die Frage, wie Deutschland im Wachstumsbereich Internet international wieder Anschluß finden kann, halt, vielleicht doch. Denn das große Thema des Augusts ist die Ankündigung von Google, jetzt auch in Deutschland Streetview einführen zu wollen. Die Kripo warnt also davor, daß Kriminelle künftig Google nutzen werden und darf mit dieser Feststellung die Titelseite des Hamburger Abendblattes schmücken und deutsche Politiker sehen nur eine Möglichkeit, Google Streetview Paroli zu bieten: die Forderung nach Verpixelung des eigenenes Haus, Hofs und Gartenzwergs.

In der irrigen Annahme, dass der Hauptzweck von Google Streetview sei, sich die Anwesen von Provinzpolitikern im Internet anzugucken und mit einer gehörigen Portion Anspruchs an die eigene Wichtigkeit verkennen viele Politiker, was sie mit ihrer Forderung wirklich ausdrücken: sie haben es nicht verstanden. Sie haben nicht verstanden, daß Offenheit und Transparenz durch das Internet möglich gemacht wird, daß eine neue Art der Öffentlichkeit entsteht und daß diese nützlich sein kann. Wat de Bur nicht kennt, dat frett he nich, sagt ein altes plattdeutsches Sprichwort. Leider sieht man diese Ablehnung bei zu vielen sogenannten Entscheidern in Deutschland, weswegen die Zukunftsfähigkeit Deutschlands in einem extrem schnell agierenden Markt leichtfertig verspielt wird.

Ich verstehe, daß Menschen sagen, ein Dienst wie Google Streetview gehört eigentlich in die öffentliche Hand. Allerdings sehe ich nicht, wo in Deutschland eine Kommune oder ein Land einen finanziellen Spielraum hat oder sieht, sich wirklich mit Themen wie Open Data oder ähnlichen Ideen auseinanderzusetzen und daher Schnittstellen für Daten aus der Verwaltung anbietet, damit auf kommunaler Ebene Dienste entstehen, die nützlich und Internet-basiert sind. Das vorherrschende Mindset ist noch tief im 20. Jahrhundert verwurzelt und von Abschottung geprägt. Das Internet ist immer noch dieser seltsame Dienst, den einige Bürger nutzen wollen, weswegen man sich halbherzig damit auseinandersetzt, um zeigen zu können, wie zukunfts-orientiert man doch sei. Doch damit springen Politiker und auch viele Manager deutlich zu kurz. Lippenbekenntnisse reichen nicht aus, will man die Vorteile des Internet nutzen können.

Das Internet ist eine tiefgreifende Revolution der Kommunikation und dadurch wird unser Denken und Handeln massiv beeinflusst. Ein Opt-Out durch erzwungene Verpixelung des Eigenheims wird nicht dazu führen, daß die Auswirkungen des Internets auf die Gesellschaft zurückgedreht werden können. Es lässt lediglich erkennen, wo diffuse Ängste vor rationalen Gedanken eine Entscheidung bewirkt haben.

Ich freue mich auf die Rückkehr von Frau Aigner aus dem Urlaub, falls sie gerade weg sein sollte, denn dann wird die Schutzpatronin des deutschen verpixelten Michel sich mit voller Kraft gegen die heranstürmenden amerikanischen Google-Kamera-Autos zur Wehr setzen und die Herrschaft über den deutschen Gartenzaun sichern.

Es ist eine Ironie, dass das Wort Verpixelung für eine Masse von Menschen plötzlich etwas Positives darstellt, sorgt doch eigentlich die Verpixelung von Websites für das Generieren von User-Profilen. Aber so ein Thema ist natürlich viel zu komplex für Politiker, da ist die Sorge um den Gartenzaun greifbarer und leichter politisch zu nutzen.

11. August 2010

Pro Netzneutralität!

Netzneutralität ist der Schlüssel zur Wahrung des
freien Internets!

Wir wollen ein freies und offenes Internet sicherstellen.

Ein freies Internet ohne staatliche oder wirtschaftliche Eingriffe ist Garant für freien Meinungsaustausch weltweit und damit die direkte Ableitung des Rechts auf Meinungsfreiheit. Netzneutralität ist elementar für unsere Demokratie.

Daher haben wir eine unabhängige und überparteiliche Initiative gestartet und brauchen Deine Unterstützung!

Erklärung Pro Netzneutralität und Erstunterzeichner

Jetzt mitmachen!

10. August 2010

Google/Verizon vs. Google Streetview: 1000:1

Herrlich, wie zwei Meldungen von den deutschen Medien aufgegriffen werden. Zum einen schließt Google einen Deal mit Verizon, der die Tür öffnet zu einem Zwei-Klassen-Internet und einen Großangriff auf die Netzneutralität darstellt, zum anderen wird von Google verkündet, daß noch dieses Jahr Google Streetview in Deutschland gestartet werden soll. Schon stehen wieder alle parat, vom Hamburger Datenschutzkasper über die üblichen Verdächtigen, die von Bewegungsprofilen über sonstige Eingriffe in die Privatsphäre irgendwas befürchten, anstatt zu erkennen, daß Google lediglich einen Dienst bietet mit Streetview, der längst überfällig war und letztendlich nichts neues über die Nachbarschaften verraten wird.

Das ist so typisch. Weil es zu kompliziert erscheint, ein Thema wie Netzneutralität zu erklären, wird lieber auf Ressentiments gezielt und suggeriert, daß der Gartenzwerg in Gefahr sei, nur weil das Google-Auto vorbeifährt. Ohne Netzneutralität geht das Konstrukt des freien Internets den Bach runter, damit ist die Meinungsvielfalt gefährdet und die Möglichkeiten für die wirtschaftliche Entfaltung werden zu Gunsten der Big Player wie Google limitiert. Wäre ich ein Einzelhandelsverbandsvertreter oder ähnliches, würde ich sagen, daß durch die Aufgabe der Netzneutralität jährliche Hunderttausende Arbeitsplätze in Gefahr seien. Aber so bleibt das Thema Netzneutralität weiterhin ein Techiethema, dem sich die herkömmlichen Medien höchstens in einer Fußnote nähern.

Streetview in den Hauptnachrichten, Netzneutralität bzw. Google/Verizon nur irgendwo in den Online-Medien. Und wir wundern uns, daß Deutschland bei Internet-Themen immer weiter ins Hintertreffen gerät.

Der Google/Verizon-Deal ist der Anfang vom Ende der Netzneutralität und wird das Internet massiv zu Ungunsten der User verändern.

05. August 2010

Was würde Google tun, um sich neu zu erfinden?

Länger schon stellen sich viele Beobachter des Online-Marktes die Frage, wie und wann Google auf das massive Wachstum und die hohe Nutzungszeit von Facebook reagieren würde. Nun berichtete Techcrunch unlängst, daß Vic Gundotra, VP Engineering und bislang für Android verantwortlich, sich um die Social-Themen des als Suchmaschine gestarteten Google kümmern wird. Ebenfalls wurde bekannt, daß Google für $182 mio Slide.com kaufen werde, die eine enorme Reichweite in den Zeiten aufgebaut hatte, als MySpace noch die große neue Sache am Internet-Himmel war. Anfang Juli wurde von einem $100 Mio Investment in die Social Games Plattform Zynga berichtet. Man könnte also glatt meinen, Google macht jetzt Druck. Gleichzeitig allerdings wird die Eigenentwicklung Google Wave nicht mehr weiterentwickelt, die wahrscheinlich ewig unterschätze Plattform für kollaboratives Arbeiten.

Google steht unter einem enormen Druck, sich jetzt mal eben neu zu erfinden. Facebook verknüpft User-Beziehungen mit Inhalten, während Google die Inhalte bereits im Index hat, aber die sozialen Beziehungen der User untereinander fehlen, die diese Inhalte sinnvoll anreichern würden. Beide Unternehmen nähern sich also dem Thema Relevanz von unterschiedlichen Enden, wobei es Google deutlich schwerfällt, die sozialen Beziehungen der User untereinander greifbar zu machen.

Kann sich Google neu erfinden? Kann das Unternehmen die DNA verändern und den Fokus verschieben von einer Fokussierung auf Programmierung und Entwicklung hin zu den Usern und ihren Beziehungen untereinander? Kann Google das Thema Social in seinen Kern aufnehmen? Oder werden wir sehen, wie Google seine schiere Größe zum Verhängnis wird, weil man einfach nicht mehr ordentlich auf Anforderungen des Marktes reagieren kann? Google hat unglaublich viele smarte Menschen, aber sind dies die richtigen? Wenn ich mir die aktuellen Nielsen-Zahlen zur Internet-Nutzung in den USA angucke, dann sieht man deutlich, was für ein riesiger Markt im Bereich Social Networks entsteht, den Google mit all seinen Versuchen nicht wirklich erreicht hat. Google ist bei allem, was es tut, sehr technisch-fokussiert, sehr klar und kühl sind die Angebote gestaltet, und gerade bei den Google Profilen merkt man, daß für den Umgang mit Social Media das Verständnis für die Belange der User fehlt. Da hilft es nicht, einfach nur ein Produkt anders zu gestalten, der Kern der Produkt muß mit einem Ansatz aufgebaut werden, sonst klappt das Thema Social nicht.

Was würde Google tun, um sich neu zu erfinden?