schaffenwirdasArmin Fuhrer und Christian Nawrocki haben mehr als 20 Autoren gebeten, sich mit der aktuellen Herausforderung der Bewältigung der Flüchtlingskrise auseinanderzusetzen. Zwischen den Autoren findet man einige, die man kennt, wie z.B. Gregor Gysi, Ole von Beust oder Monty Arnold, aber auch viele, die mir bislang unbekannt waren. Aber das macht ja nix, sondern hilft idealerweise, den eigenen Horizont zu erweitern.

Schaffen wir das? Ein Plädoyer für mehr Offenheit in der Flüchtlingspolitik greift den beherzt trotzigen Satz „Wir schaffen das!“ der Bundeskanzlerin auf und diskutiert, was dies eigentlich bedeutet und wie es geschafft werden kann. Während die Kanzlerin Zustimmung für ihre Haltung erntet, so bekommt sie vor allem Kritik, weil ein Plan für die konkrete Umsetzung nur schemenhaft zu erkennen ist.

Was mir an dem Buch außerordentlich gefällt, sind die vielen Perspektiven, die unterschiedlichste Facetten der Debatte um die Flüchtlingspolitik aufzeigen – von dem Not und Elend in Flüchtlingsunterkünften im Libanon, über die Herausforderungen bei der Erstaufnahme der Flüchtlinge in deutschen Städten bis hin zur Frage der Integration in eine offene Gesellschaft wird eine breite Palette von Themen diskutiert.

Mir liegt das Thema sehr am Herzen und ich bin immer noch begeistert, wie viel Unterstützung wir für unsere Aktion Blogger für Flüchtlinge im letzten Herbst erfahren haben. Aber es zeigt leider auch, wie überfordert unsere Behörden sind und wie umständlich die Verfahren überall sind. Vor allem aber zeigt es, dass die Politik viel zu langsam handelt und dass durch eine Straffung der Abläufe viel weniger Probleme entstanden wären. Für die Menschen muss es fürchterlich sein, so lange im Ungewissen leben zu müssen, daher ist es nun super wichtig, dass die Integrationsbemühungen verstärkt werden, damit wir Potentiale aus der Zuwanderung nutzen und nicht einfach nur das Elend der Menschen etwas mildern.

Um die Frage des Buchtitels zu beantworten: ja,klar.

Schaffen wir das? Ein Plädoyer für mehr Offenheit in der Flüchtlingspolitik

o2 hat mich gefragt, was ich denn für die wichtigste Entwicklung bei der Digitalisierung halte. Ich glaube, es geht dabei vor allem um die Rolle des Menschen.

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Bis 2020 sollen mehr als 50 Milliarden Geräte am Netz sein und sich untereinander unterhalten, also Daten miteinander austauschen. Die Möglichkeiten sind faszinierend und atemberaubend, vor allem, weil das schon in 4 Jahren sein soll, aber bei aller Euphorie müssen wir immer auch einen durchaus wichtigen Aspekt mitdenken: was passiert mit uns? Wie verändert das Internet der Dinge unsere Gesellschaft?

Ich will jetzt keine technophobe Technologiefolgekostenabschätzungsdebatte heraufbeschwören, sondern einfach nur anmerken, dass das Internet der Dinge vor allem Auswirkungen auf uns Menschen haben wird. Denn es geht nicht nur um die Automatisierung von Fabriken und Veränderungen von Berufen, sondern eben auch um das ubiquitäre Netz in unserem privaten Umfeld. Beides zusammen wird fulminante Veränderungen nach sich ziehen.

Das Berufsleben vieler Menschen wird sich radikal verändern. Und zwar schneller, als viele vermuten. Ein kurzes Beispiel: es wird nur noch wenige Jahre dauern, bis selbstfahrende LKW Realität sind. Das wird eine zentrale Veränderung im Logistikgewerbe nach sich ziehen, denn der Fernfahrer wird kaum noch als Fahrer gebraucht werden, sondern nur noch die Abläufe überwachen. Diese selbstfahrenden LKW werden zu automatisierten Fabriken oder automatisierten Lagern fahren und auch dort werden die Menschen nur noch die Arbeit der Maschinen überwachen. Und auch für die Verwaltungen wird deutlich werden: Sachbearbeiter sind nicht mehr notwendig, denn die Prozesse werden automatisiert.

Wir werden also mehr Zeit haben. Wir werden aus unser Phase der niedringen Arbeitslosenquoten nahtlos übergehen in eine nie gekannte Massenarbeitslosigkeit, die bis tief in die Mittelschicht hereinreichen wird. Wir werden daher darüber nachdenken müssen, ob unsere bisherigen Sozialversicherungssysteme überhaupt noch funktionieren, wenn die klassische sozialversicherungspflichtige Erwerbstätigkeit immer mehr unter Druck gerät.

Aber auch zuhause wird das Internet der Dinge für Veränderungen sorgen und zwar nicht nur durch den smarten Kühlschrank, der automatisch Produkte bestellt, sondern vor allem durch viele neue Interaktionsmöglichkeiten. Ein aktuelles Beispiel ist Amazon Echo – ein einfaches Gerät, das auf Sprachbefehle lauscht und dann Dinge bestellt, Musik abspielt oder einfach nur die Nachrichten aufsagt. Das ist aber erst der Anfang, viele Geräte werden intelligenter werden und Dinge für uns erledigen.

Wir werden also mehr Zeit haben und diese mit der Interaktion mit Geräten verbringen.

Dabei wird eine der großen Herausforderungen der Zukunft sein, herauszufinden, was das für uns als Menschen bedeutet. Wie funktionieren die Algorithmen, die unser Umfeld bestimmen werden? Welche Auswirkungen hat die sog. Machine-to-Machine Communication auf mich und meine Familie? Wenn alles durchoptimiert wird, was verpasse ich? Wie nutze ich die Freiräume, die entstehen werden, oder sind diese Freiräume eher trügerisch, weil sie durch die Kommunikation mit Maschinen gestaltet wird?

Die Diskussion um eine Ethik für Algorithmen ist noch ganz am Anfang, aber wenn wir wollen, dass der Mensch im Internet der Dinge nicht untergeht, dann müssen wir diese Diskussion dringend führen und auch für mehr Transparenz sorgen. Vor allem aber müssen wir die Datensouveränität des Einzelnen stärken und jeden Bürger in die Lage versetzen, selber zu entscheiden, wie sehr die Digitalisierung das eigene Leben beeinflussen soll.

Wir müssen bei aller Euphorie über die Potentiale des Internet der Dinge den Mensch wieder in den Fokus rücken. Sonst wird unsere Gesellschaft noch mehr als bisher auseinanderdriften. Was es bedeutet, wenn viele Menschen unzufrieden sind und um ihre Rolle in der Gesellschaft fürchten, haben wir gerade erst bei den Landtagswahlen sehen müssen. Es wird also Zeit für eine Debatte und daraus resultierende neue Spielregeln.

adam_grant_originalsIch bin neulich über ein Zitat von Adam Grant gestolpert, bei dem es um
Erziehung ging, das Zitat habe ich vergessen, aber seinen Artikel How To Raise a Child. Step One: Back off in der New York Times gelesen und danach das Buch gekauft. Um es kurz zu machen: das Buch sollte man lesen, wenn man irgendetwas mit Führungsverantwortung oder der Entwicklung von Ideen zu tun hat. Denn in Originals – How Non-Conformists Move the World bietet Adam Grant viele Beispiele und die dazu passenden wissenschaftlichen Erläuterungen, warum die üblichen Herangehensweisen oftmals nicht zu den erwarteten Ergebnissen führen. Wenn man so will, dann ist das Buch von Grant ein willkommenes Gegengift zu der zunehmend von Controllern und MBA-Inhabern geprägten Businesswelt, die immer mehr Regeln für Abläufe in Unternehmen erlassen und damit die Verhaltensweisen prägen, die letztendlich zu Konformität und kreativer Ödnis führen. Grant fokussiert darauf, wie man Originalität fördern kann und wie dann die Ideen auch zur Umsetzung gebracht werden können.

Am Ende des Buches listet Adam Grant netterweise noch einmal die Haupterkenntnisse des Buches auf, damit man auch nach der Lektüre noch leicht den Überblick behalten kann. Dabei geht es um die Perspektive eines Kreativen, aber auch einer Führungskraft oder eben auch um Eltern. Ich fühlte mich quasi dreimal angesprochen.

Tipp Nr. 1 ist: Question the default. Ein Klassiker, aber immer noch die Ausgangslage für die kreativen Momente, insbesondere wenn man politisch etwas verändern will oder sich ein neues Startup ausdenkt.

Emphasize values over rules finde ich eine gute Einstellung bei der Erziehung und ich glaube, das war das Zitat, über das ich mal gestolpert war. An der Umsetzung arbeiten wir noch.

Das Buch ist super, das muss man selber gelesen haben, vor allem wenn man Dinge verändern will.

Adam Grant: Originals – How Non-Conformists Move the World

schwarze_republikDas Sujet des Buches ist leider mittlerweile ein Klassiker: der Niedergang der deutschen Sozialdemokratie. Bereits zu Beginn meines Studiums war das ein Thema und die damalige Pflichtlektüre von Lösche/Walter Die SPD : Klassenpartei – Volkspartei – Quotenpartei – zur Entwicklung der Sozialdemokratie von Weimar bis zur deutschen Vereinigung wies schon vor über 20 Jahren auf die Problemlagen hin. Albrecht von Lucke nimmt quasi den Ball auf und analysiert in Die schwarze Republik und das Versagen der deutschen Linken die Entwicklung der SPD sowie der PDS/Linkspartei/Die Linke seit der Wiedervereinigung.

Es geht von Lucke vor allem darum, zu zeigen, dass es eigentlich eine strukturelle linke Mehrheit in diesem Land gäbe, aber die Spaltung des linken Lagers dazu führe, dass andere Koalitionen auf Bundesebene regieren. Dabei macht er deutlich, dass Schröder und Lafontaine beide große Anteile an dieser Spaltung haben, die jetzt nur schwer überwunden werden kann. Auslöser wären die Arbeitsmarktreformen der Agenda 2010, weswegen Lafontaine Die Linke als Anti-SPD Partei formiert habe, aber besonders deutlich seien die Diskrepanzen in der Außen- und Sicherheitspolitik zu sehen.

Zum Ende hin empfiehlt von Lucke beiden Parteien, doch einfach die Spaltung zu überwinden, die er ein Buch lang beschreibt. Das wirkt auf mich wenig realistisch, was auch daran liegen mag, dass programmatische Übereinstimmungen des linken Lagers, zu dem man auch die Grünen noch zählen kann, kaum herausgearbeitet wurden. Wenn Gestaltungsanspruch und Fundamentalopposition aufeinander treffen, dann lässt sich dieser Gegensatz eben nicht einfach so mal überwinden. Aber es ist schon interessant zu sehen, dass die SPD als Feindbild innerhalb des linken Lagers taugt und eben weniger CDU/CSU dafür herhalten muss. Diese Lust daran, dass sich die Linke lieber selber zerfleischt, zeigt mir deutlich, dass nicht alle Menschen aus der Geschichte lernen wollen oder können.

Wenn man wissen will, warum die Linke derzeit dem Mantra der Alternativlosigkeit der Kanzlerin Merkel nichts entgegenzusetzen hat, der kann gerne zu diesem Buch greifen. Erwartet man, nach der Lektüre neue Chancen für ein Wiedererstarken des gemeinsamen linken Lagers zu sehen, so wird man leider enttäuscht. Vernünftig wäre es sicherlich, wenn die Linke Alternativen aufzeigen könnte, aber sowohl in der SPD als auch in Die Linke scheinen Egos, Kränkungen und Anspruchshaltung einer vernünftigen Arbeitsebene im Weg zu stehen.

Die schwarze Republik und das Versagen der deutschen Linken

roboterrevolutionEs gibt viele Bücher, bei denen ich mir nach spätestens 50 Seiten denke, dass ich die Grundidee jetzt verstanden habe und ich dann eher gelangweilt auf die restlichen 200 Seiten blicke, die nur noch dazu da sind, die Kernthese von links nach rechts zu ziehen und mit unzähligsten Beispielen zu belegen. Derartige Bücher hätten als Essay ihren Zweck voll erfüllt. Bei dem vorliegenden Buch von Karsten Wysk ist es genau andersrum. Die Roboter Revolution – wie Deutschland die zunehmende Automatisierung zur Weiterentwicklung des Kapitalismus nutzen sollte reisst viele Themen an, wird aber wenig konkret und bringt leider auch wenig praktische Beispiele.

Dabei packt Karsten Wysk eines der drängendsten Themen der Zeit an: was machen wir eigentlich, wenn durch die Digitalisierung die Arbeit für die Menschen weniger wird, aber die Produktivität hoch bleibt? Wie kann dann unser Gemeinwesen funktionieren, wo kommen die Steuern her, was machen die Menschen mit der vielen Freizeit?

Karsten (wir kennen uns seit vielen Jahren) schlägt u.a. vor, dass die Steuereinnahmen künftig anders realisiert werden sollen, nämlich über Unternehmensgewinne, die an den Staat abgeführt werden, da dieser durch das Eintreten des Erbfalles stiller Anteilseigner eines Unternehmens wird. Das finde ich einerseits charmant, aber andererseits wirft es sooo viele Fragen auf, denn es gibt ja auch Unternehmen, die noch nicht vererbt sind und riesige Gewinne machen, ohne viel Steuern zu zahlen, und und und. Ansonsten sagt Karsten viel Richtiges über die Verteilung von Vermögen in der Gesellschaft und versucht, die notwendige Umverteilung möglichst behutsam anzugehen, damit sich niemand entzieht. Sein Modell des Grundeinkommens mit einem Fähigkeits- und Reputationsfaktor wirkt mir allerdings viel zu bürokratisch, auch wenn es charmant ist, dass Menschen Geld bekommen sollen, weil sie sich sozial engagieren.

In Summe bin ich nicht so richtig überzeugt, da hätte etwas mehr Substanz dem Buch gut getan und vielleicht auch mehr als nur 78 Seiten. Was mich allerdings total genervt hat, das war der Verzicht auf ein Lektorat, was man leider nicht nur an den fehlenden Kommata gemerkt hat.

Die Roboter Revolution – wie Deutschland die zunehmende Automatisierung zur Weiterentwicklung des Kapitalismus nutzen sollte