Die Zeit zwischen den Jahren ist vorbei, nun geht es volle Pulle los mit dem neuen Jahr! Ich glaube, das wird spannend, und zwar auf den verschiedensten Ebenen.

Für mich persönlich war 2014 das Jahr, in dem ich meine Selbständigkeit weiter verfestigen konnte und neue Kunden gewonnen habe. Dabei habe ich einen Shift vollzogen vom Kernthema Social Media hin zum generellen Thema der Digitalen Transformation, weil ich glaube, dass für viele Unternehmen nicht mehr nur die Frage im Raum steht, wie sich die Kommunikation verändert, sondern was sich eben noch alles verändert, oder verändern muss in den Unternehmen. Wer mich also für Vorträge, Workshops oder Beratungsmandate zum Thema Digitale Transformation buchen will: noch habe ich in 2015 ein paar Slots frei!

2015 wird aber auch das Jahr sein, in dem wir immer deutlicher diskutieren müssen, was die Digitalisierung der Gesellschaft für uns bedeutet und wie wir damit umgehen wollen. Verdi-Chef Frank Bsirske hat bereits angekündigt, dieses Jahr die Herausforderungen der Digitalisierungen für den Arbeitsmarkt thematisieren zu wollen und das ist gut so, denn wir benötigen hier dringend eine Verbreiterung der Debatte! Gut ist auch, dass junge MdB der SPD ein Positionspapier vorgelegt haben und fordern, dass mehr für die Breitband-Infrastruktur getan werden muss und 100 mbit/s flächendeckend in den Blick genommen werden müssen. Rheinland-Pfalz ist mit einer Machbarkeitsstudie für 300 mbit/s da schon weiter, aber wenn man sich anguckt, dass im US-Staat Connecticut sich 46 Städte zusammenschliessen, um den ersten „Gigabit-State“ zu ermöglichen, dann merkt man wieder, wie popelig die 50 mbit/s der digitalen Agenda der Bundesregierung sind.

2015 will ich auf diesem Blog auch wieder regelmässiger schreiben, was ich mir ja eigentlich jedes Jahr vornehme. Ebenso versuche ich, die Frequenz der Artikel auf Neueszeugs hochzuhalten, damit auch in der bunten Produktwelt für Männer keine Langeweile aufkommt. Hier stelle ich täglich Dinge vor, die ich mir auch kaufen würde oder gekauft habe. Die Zugriffszahlen entwickeln sich prächtig und ich freue mich auf viele Likes bei Neueszeugs auf Facebook!

Natürlich schreibe auch die Netzkolumne für Bild.de weiter, was mir großen Spaß bringt, auch weil die Kommentare oftmals herausfordernd sind, aber eben auch viel Zustimmung kommt. Da ich immer wieder gefragt werde: ich schreibe die Kolumne selber und sie wird so, wie ich sie anliefere, auch veröffentlicht, von etwaigen Tippfehlern mal abgesehen. Und weil ich auch immer wieder darauf hingewiesen werde, dass ich nicht in jeder Kolumne jeden Aspekt eines Themas diskutiere: es ist eine Kolumne bei BILD.de und keine wissenschaftliche Abhandlung, sondern der Versuch, das wichtige Thema der Digitalisierung der Gesellschaft massentauglich zu erläutern. Natürlich ist die Netzkolumne bei Bild.de in meiner Filterblase rauf und runter kritisiert worden und wird auch wenig verlinkt, egal wie richtig die Sachen gefunden werden, die ich so schreibe. Das war zu erwarten und ich finde es schade, aber andererseits ist es auch spannend, mal eine ganz andere Zielgruppe mit Texten zu bedienen.

Besonders freue ich mich auf die kommenden Veranstaltungen mit D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt e.V. zum Thema „Prinzip Freiheit – auch in der digitalen Welt“ – denn wir laden immer nur einen Gast ein, mit dem wir im Townhall-Style das Thema diskutieren. Angefangen hatten wir mit einer Runde unseres Beirats und dann mit Ralf Jäger (SPD), Innenminister von Nordrhein-Westfalen als ersten Gast. Dieses Jahr wird es munter weiter gehen, u.a. mit FDP-Chef Christian Lindner am 26.1. in Hamburg, der parlamentarischen Staatssekretärin im Verkehrsministerium Dorothee Bär (CSU) am 3.2. in Berlin und dem Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) am 10.2. in Hamburg. Ich glaube, dass das Thema der Freiheit das Kernthema bei der Digitalisierung der Gesellschaft ist und freue mich daher sehr, dass wir mit D64 dieses Thema umfassend diskutieren werden bis zum Sommer.

Ausserdem habe ich mir in den Kopf gesetzt, ein Buch zur Digitalisierung zu schreiben und bin eigentlich schon mittendrin und schreibe es auch nicht alleine, aber es soll im Frühjahr rauskommen und Schlaf ist eh überbewertet. Mehr verrate ich später, aber ich wollte schon mal durch die Ankündigung mehr sozialen Druck aufbauen, damit ich schneller schreibe.

Schließlich möchte ich noch mal darauf hinweisen, dass D64 wochentäglich einen wundervollen kostenlosen Newsletter versendet, in dem die wichtigsten Artikel zur Digitalpolitik verlinkt sind. Besser kann man gar nicht in den Tag starten als mit dem D64-Ticker! Natürlich darf man auch gerne bei D64 Mitglied werden und mithelfen, dass Digitalpolitik in Deutschland fortschrittlicher wird!

Aus irgendwelchen Gründen wollte ich „mal eben“ rausfinden, was ein VW Bus mit Panoramadach, ordentlicher Motorisierung, Automatik, Navi, Einparkdingsbums und vernünftigen Getränkehaltern kostet. Aber mit „mal eben“ läuft das nicht, weil der Konfigurator von VW zur Aufgabe hat, die Komplexität eines Autos auch in vollem Umfang dem möglichen Kunden darzustellen.

Zum Start des Konfigurators gibt es die Auswahl zwischen folgenden Modellen: Startline, Comfortline, PanAmericana, Highline, BlueMotion, Sondermodelle „CUP“, „Edition 25″ und „Special“, Business, Comfortline mit langem Radstand und Sondermodell „CUP“ mit langem Radstand. Alles klar? Wenn man mit der Maus über die Links geht, ändert sich die Farbe des VW Bus. Also muss man sich theoretisch jedes Modell angucken, um zu wissen, welche Ausgangsbasis man haben will. Will ich gar nicht. Was ich will, steht oben. Ich scheitere übrigens dann auch gleich im nächsten Schritt. Was bitte bedeutet „2.0 TDI BMT 103 kW 7-Gang-DSG“? Ich habe noch nie jemanden getroffen, der wusste, wieviel kW ein Motor hat, aber alle kennen die PS-Zahl ziemlich genau. Warum schreibt man DSG, anstatt Automatik? Ich habe kein Ingenieur-Studium hinter mir und habe auch nicht im Produktmanagement eines Autobauers gearbeitet. Was soll sowas? Mich als Konsumenten verunsichert das maximal. Ich bin eben auch kein Autonarr, vor allem nicht, wenn es um eine Familienkiste geht. Jedes Mal, wenn ich ein Ausstattungspaket anclicke, soll ich irgendwelche anderen Optionen wieder abwählen aufgrund irgendwelcher Konflikte. Ja, was weiss ich denn, denkt ihr, ich kann mir den ganzen Krempel merken? Toll ist auch bei Mercedes Benz die Auswahl am Beginn des Konfigurators. Da soll ich eine Länge auswählen. Es gibt aber nur eine Option. Aber ich muss sie anclicken. Also wähle ich „lang 5140 mm“ aus, weil ich ja niemals sagen würde, dass ein Auto 5,14 m lang ist, sondern immer alles in Milimeter kalkuliere.

Ich weiss, dass Autos komplex sind, aber moderne Nutzeroberflächen sollten doch dafür sorgen, dass die Konsumenten schnell zum Ziel kommen und nicht mit Featureritis erschlagen werden. Nur weil ein Produkt komplex ist, darf es noch lange nicht umständlich für den Konsumenten sein, schnell das gewünschte Produkt zusammenstellen zu können. Man hat das Gefühl, dass die Erkenntnisse, die im Bereich User Experience und User Interface in den letzten 10 Jahren gesammelt wurden, von den Konfiguratorverantwortlichen komplett ignoriert werden. Das gilt übrigens nicht nur für VW und Mercedes, sondern für die gesamte Branche.

Meine Frau sagt dann immer: „lass uns doch mal zum Händler gehen!“ – aber genau das will ich nicht. Der erzählt mir auch wieder einen vom Pferd und sabbelt mich mit Spezifikationen voll, die mich nicht die Bohne interessieren. Ich will 3 Kinder mit Kindersitzen und einen Hund mitsamt Kinderwagen und Hundebox plus Gepäck ins Auto bekommen, dazu will ich ordentliche Getränkehalter und nicht irgendwelche wackeligen Alibidinger, bei denen immer alles überwaschappt, dazu brauche ich USB-Anschlüsse zum Laden der Devices und idealerweise einen Navi, deren Nutzeroberfläche nicht mit demselben Verständnis entwickelt wurde wie die der Konfiguratoren. Ach ja, und Automatik brauche ich auch, egal ob das Dingens DSG heisst oder sonstwie, ich bin aus dem Alter raus, in dem ich unbedingt Walter Röhrl spielen muss.

Für Familien mit mehr als einem Kind ist es übrigens sehr interessant zu wissen, ob die gängigen Kinderwagenmodelle ohne große Verrenkungen in den Kofferraum passen. Kinderwagenkonfiguratoren sind übrigens ähnlich komplex wie die der Automobilhersteller, hat vermutlich mit den Rädern zu tun. Wenn man drei Kinder hat, dann ist es übrigens wichtig zu wissen, ob 3 Kindersitze auf die Rückbank passen. Diese Information findet man aber bestenfalls in irgendwelchen Foren heraus, die Hersteller geizen mit den Infos oder verstecken sie gut.

Übrigens, wenn ich dann wieder mal frustriert den Konfigurator abgebrochen habe, und doch wieder komme und noch mal gucke, da kommt natürlich kein Hinweis a la „ah, unbekannter, möglicherweise interessierter, aber irgendwie auch überforderter Nutzer, wie können wir Ihnen helfen?“, sondern ich muss stumpf wieder von Vorne anfangen. Das Konzept Targeting oder gar Retargeting wäre hier extrem hilfreich.

Liebe Automobilhersteller, ihr redet immer so herrlich von Emotionen, die Eure Kisten auslösen sollen. Bei der Nutzung der Konfiguratoren entstehen auch Emotionen, aber die sind nicht gerade abverkaufsförderlich.

Das Panoramadach habe ich übrigens immer noch nicht gefunden. Aber ich laufe jeden Tag an einem VW Bus vorbei, das eines hat. Vielleicht frage ich den Besitzer einfach mal, wie er das hinbekommen hat.

Zuguterletzt möchte ich noch anmerken, dass das Ansiedeln der Familien-Autos unter Nutzfahrzeugen auch nicht für positive Emotionen bei der Auswahl des geeigneten Gefährts sorgt. Reden Autohersteller eigentlich auch mal mit ihren Kunden, oder machen die nur Marktforschung, die bestätigt, was sich das Marketing ausgedacht hat? Ansonsten wäre das ja mal eine innovative Idee.

Ich kann es nicht mehr hören. Google hier, Google da, Google ist böse, Google zwingt Leute, es zu nutzen, Google strebt die Weltherrschaft an, Google tötet unschuldige Hundewelpen, und so weiter und so fort.

Ich nutze Google seit Ende der 90er. Ich nutze es, weil es funktioniert. Es bietet mir Dienste, die ich praktisch finde. Und auch welche, die ich nicht benötige und nicht nutze. Google ist eine Plattform, Google ist ein Ökosystem und hat dadurch besondere Bindungseffekte für die Nutzerinnen und Nutzer, ähnlich wie Amazon, Facebook, Apple und andere auch. Jetzt wo wir wissen, wie diese Ökosysteme funktionieren, sollten wir darüber nachdenken, wie wir die Lock-in Effekte zu Gunsten der Verbraucher regulatorisch korrigieren. Das wäre ein interessanter Diskurs, der lange schon hätte geführt werden müssen.

Aber wisst ihr was? Zerschlagt Google doch einfach! Macht es doch endlich! Geht los, ändert die Gesetze und zerschlagt endlich diese Firma. Sie ist zu groß geworden, zerschlagt sie! Die Firma versteht, wie die digitale Wirtschaft funktioniert, also zerschlagt sie! Google ist 16 Jahre alt, also zerschlagt den Laden, das kann nicht mit rechten Dingen zu gehen!

Es ist mir egal. Zerschlagt Google. Ich bin da leidenschaftslos. Hotmail soll ja auch toll sein und Microsoft als Underdog sollte unsere Sympathien haben.

Aber dann hört bitte auf mit dem Gejaule, dass Deutschland und Europa digital nicht vorankommen. Das Böse ist dann ja zerschlagen worden, dann muss es ja besser werden!

Nur tut mir bitte mal einen Gefallen, wenn Ihr Eure Zerschlagungsphantasien in den Zeitungen Europas publiziert, wenn ihr in den Parlamenten wettert und in den Hinterzimmern der Republik geheimnisvoll tuschelt. Tut mir bitte mal einen Gefallen. Denkt mal darüber nach, wie es passieren konnte, dass eine Firma, gegründet von zwei Doktoranden vor 16 Jahren so schnell so groß und so wichtig werden konnte für die Nutzer auf dieser Welt, dass ihr sie zerschlagen wollt! Und dann stellt Euch mal ein paar einfache Fragen: warum ist keine deutsche Firma so groß wie Google? Warum ist keine französische Firma so groß wie Google? Warum kommt abgesehen von MP3 kein Standard der digitalen Welt aus Deutschland? Warum kommt keine nennenswerte digitale Technologie aus Deutschland? Warum haben wir so wenig Glasfaserausbau in Deutschland, dass wir noch nicht mal auf den europäischen Vergleichsstastiken verzeichnet werden? Warum sind unsere Schulen immer noch ein Hort der Technologiefeindlichkeit? Warum haben junge Leute kaum Interesse an der digitalen Wirtschaft? Wo Ihr doch neuerdings immer erzählt, dass das Digitale so wichtig sei und dass dort die Jobs der Zukunft entstünden!

Vielleicht gibt es dann ja, in diesem vermutlich seltendem Moment der Reflexion, bei Euch Silberrücken dieses Landes, die einfache und brutale Erkenntnis, dass Ihr es mit Ansage absolut verkackt habt, auch nur annähernd die richtigen Schritte in den letzten 20 Jahren umzusetzen! Stattdessen wartet Ihr immer noch auf den einen, optimalen Moment, um den Hebel umzulegen und dann eine digitale Denke an den Tag zu legen. Stattdessen zögert ihr immer noch, endlich zu investieren! Stattdessen wollt ihr immer noch nur kleine Änderungen, damit ja niemand überfordert wird! Stattdessen murmelt ihr immer noch „das ist doch alles nicht vergleichbar“ und macht weiter wie bisher. Während sich die Welt verändert. Während sich die Welt immer schneller verändert. Und immer digitaler wird. Und Ihr immer weniger versteht, was eigentlich passiert.

Weil Ihr alten Männer der Nation seit 20 Jahren an der Seitenlinie der Ereignisse steht und nicht mehr wisst, was ihr machen sollt, weil die Denkmuster der 70er und 80er Jahre nicht mehr funktionieren!

Zerschlagt Google, los macht es! Und zeigt damit allen, dass Ihr die Zukunft dieses Landes, dass Ihr die Zukunft Europas in den letzten Jahren fahrlässig aus der Hand gegeben habt, weil ihr Euch nicht darum gekümmert habt, wie sich die Digitalisierung der Gesellschaft, wie sich die Digitalisierung der Wirtschaft, wie sich die Digitalisierung aller Lebensbereiche immer rasanter entwickelt! Zeigt, dass Ihr Angst habt vor Veränderungen und Euer Heil in der Besitzstandswahrung sucht!

Aber los, zerschlagt Google, zündet die ultimative Nebelkerze, kämpft den Kampf des vermeintlich Gerechten, zeigt allen, dass ihr mit den Herausforderungen der Zukunft nicht mehr klar kommt!

Es ist ein Trauerspiel und alle sollen es wissen!

Als ich hörte, dass Christoph Keese ein Buch über das Silicon Valley geschrieben hatte, war ich, freundlich ausgedrückt, eher skeptisch. War es doch Keese, der als Quasi-Außenminister von Springer das Leistungsschutzrecht für Presseverlage auf die Agenda der letzten schwarz-gelben Bundesregierung gesetzt hatte. Das Leistungsschutzrecht hat vor allem zu Rechtsunsicherheit geführt, zu sonst aber nichts, wenn man mal von der Debatte über die Länge und damit verbundenen Schöpfungshöhe von Snippets bei Google News absieht.

51qXAyFWQGLDieser Christoph Keese also wurde im Rahmen der Neulandverschickung des Medienhauses Axel Springer für ein halbes Jahr zusammen mit anderen Führungskräften nach Palo Alto ins Herz des Silicon Valley geschickt. Dieses Buch handelt von seinen Eindrücken aus dieser Zeit.

Und ganz ehrlich: das Buch ist verdammt gut geworden und sehr lesenswert. Das schreibe ich nicht, weil ich seit einigen Wochen eine Kolumne bei Bild.de schreibe, sondern weil das Buch wirklich lesenswert geworden ist.

Keese unternimmt den Versuch, das Silicon Valley zu erklären, seine Arbeitsweisen, die Fokussierung auf Technologie, die Schnelligkeit und die mangelnde Rücksicht auf Verluste. Selten habe ich einen so präzisen Text über die digitale Wirtschaft im Silicon Valley gelesen wie in diesem Buch. Die Mischung von Disruption und Hochgeschwindigkeitsökonomie, wie Keese es nennt, sorgt für den explosiven Antrieb vieler kleiner Startups, die sehr schnell wachsen.

Wer die Gesellschaft verändern will, wird Programmierer, sehr im Unterschied zu Deutschland, wo gesellschaftlich engagierte Menschen lieber in die Politik gehen.

Sehr gefreut habe ich über Keeses Ausführungen über Berkeley als Korrektiv zum Silicon Valley: „Schon immer war Berkeley eine ausgewiesene Hochburg der Romantiker und Poeten.“ Das freut mich natürlich sehr, auch wenn ich vor knapp 20 Jahren an der School of Information Management & Systems studiert hatte, deren Dekan damals Hal Varian war. Laut Keese lieferte Varian die Blaupause für die rasante Entwicklung von Google. Mittlerweile ist er folgerichtig auch Chefökonom von Google.

Das Kapitel über die Veränderung der Arbeitswelt klingt so, als ob es eine digitale Variante von Andrea Nahles geschrieben hat. Die Herausforderungen bei der künftigen weitergehenden Flexibilisierung und der damit verbundenen Perversionen zu Lasten der Arbeitnehmer hat Keese vortrefflich herausgearbeitet und sich damit eigentlich einen Platz auf den Gewerkschaftspodien der kommenden Jahre erschrieben.

Mir haben zwei Dinge an diesem Buch nicht gefallen. Erstens die zu starke, fast schon paranoid wirkende Fokussierung auf Google. Denn auch Facebook, Apple und Amazon sorgen mit ihren Plattformen für immense Machtverschiebungen und verändern die Wirtschaft nachhaltig, auch über ihr eigentliches Unternehmen hinaus. Zweitens formuliert Keese zu wenig konkrete Handlungsempfehlungen für Deutschland und Europa, um von den Firmen des Silicon Valley nicht überrollt zu werden. Vielleicht ist das nach seiner Idee mit dem Leistungsschutzrecht aber auch ganz gut so…

Am Ende des Buches sitzt man da und hofft, dass alles nicht so schnell so kommt, wie Keese es skizziert. Auch wenn mir seine Handlungsempfehlungen am Ende des Buches nicht konkret genug sind, so schafft es Keese dennoch, keine dystopische Grundstimmung aufkommen zu lassen, sondern lässt immer wieder ein paar Hoffnungsschimmer aufblitzen.

Das Buch Silicon Valley von Christoph Keese ist ein Kauftipp für Unternehmer und Manager des deutschen Mittelstands, aber auch für Politiker, die den Anspruch haben, die Zukunft gestalten zu wollen.

Am 10. Oktober 2014 habe ich im Saal 1 des Cinemaxx Hamburg Dammtor einen Vortrag gehalten. Dabei ging es vor allem darum, Entwicklern aufzuzeigen, dass es sich lohnt, sich bei den digitalen Transformationsprozessen der Gesellschaft einzubringen.