In jungen Jahren habe ich mal studiert und hatte einen ziemlichen Fokus auf nordamerikanischer Kolonialgeschichte, insbesondere weil ich es ziemlich spannend finde, wie eine Gesellschaft mit ihren Regeln, Konventionen und Traditionen entstanden ist. Allerdings fingen die meisten Werke zum Thema bei Jamestown oder Plymouth Rock an und nur in Nebensätzen erfuhr man von Spaniern und Franzosen, die schon viel früher versucht hatten, das Land zu erkunden und zu besiedeln. Von den Wikingern mal ganz zu schweigen, die spielten in der Geschichtsschreibung keine Rolle, jedenfalls nicht in der, die ich in den Händen hatte. Letzens bin ich dann über eine kurze Rezension zu A Voyage Long and Strange gestolpert, irgendwo im Feuilleton der Zeit oder der FAS, was ich normalerweise nur unter Androhung von Waffengewalt lesen würde, aber das ist eine andere Geschichte.

Tony Horwitz versucht in dem Buch, die Geschichte Nordamerikas bereits mit den Wikingern beginnen zu lassen, geht ausführlich auf spanische Conquistadores wie Ponce de Leon oder Hernand de Soto ein, um sich schliesslich den Siedlungsbemühungen in Jamestown und Plymouth zu widmen. Erstaunlich, wie weit die Spanier in das Landesinnere vorgedrungen sind, insbesondere, wenn man sich vorstellt, was das für Leiden bedeutet haben muß, bei den Spaniern und bei den Indianern. Schön fand ich die Anekdote, daß der Indianerhäuptling Powhatan als seine Tochter Pocahontas mit ihrem Mann John Rolfe und deren Sohn Thomas im Jahr 1616 nach England den Vertrauten Tomocomo mitschickte, um etwas mehr über die Engländer herauszufinden. Tomocomo sollte “notches on a stick” machen für jeden Engländer, den er sah. Diese Art des Zensus erwies sich als eher unpraktisch, aber zeigt eben auch, wie seltsam dieses Aufeinandertreffen der Kulturen gewesen sein muß.

Interessant an der Erzählung, die in die Teile Discovery, Conquest und Settlement aufgeteilt ist, sind Horwitz Reisen zu den wichtigsten Orten der Geschichte und der Schilderung von Land und Leute in der heutigen Zeit. Die Trostlosigkeit der meisten Landstriche, die einst zur Siedlung ausgewählt wurden, war eigentlich am beeindruckendsten. Nach der Lektüre des Buches werde ich das Gefühl nicht los, dass eine Lücke in meinem Wissen über die Geschichte Nordamerikas geschlossen wurde, das alles in gut geschriebener Prosa und nicht wissenschaftlichem Fußnotensalat.

Die Frankfurter Rundschau berichtet von einem Skandal bei der LBB: Gigantisches Datenleck:

So liegen der FR detaillierte Kreditkartenabrechnungen Zehntausender Kunden verschiedener Geldinstitute quer durch die Republik vor. Lesbar sind Vor- und Nachname der Kunden, Adresse, Kreditkartennummer, Kontonummer und jede einzelne Bezahl-Aktion mit dazugehörigem Betrag.

Auch Auslandsbuchungen, Rücküberweisungen und die kompletten Zahlungsabwicklungen zwischen Firmen und Banken sind nachvollziehbar. Die Daten stammen aus diesem Jahr, viele Auflistungen bilden die Einkäufe der Kunden im August 2008 ab.

Die LBB gibt auch Kreditkarten für andere Banken aus. Die Bankleitzahlen der Institute liegen der FR ebenfalls vor. Da es sich um eine Art Hyper-Datensatz der Landesbank handelt, sind verschiedenste Kreditkartentypen betroffen.

Unter anderem die Karten ADAC Gold-Mobil-Doppel, Amazon Visa, White Lable Premium, ADAC Classic Mobile Master, ADAC Classic mobile Visa, Schmetterling Premium, Visa Geschenkkarte, ADAC Gold Mobile Master ADAC Gold Doppel, LBB Classic Eurocard, LBB WBI Classic Card, Xbox Classic Card, ADAC Einstieg Visa.

Interessant an diesem Vorfall ist nicht nur, dass es dieses fette Datenleck gegeben hat, sondern wie aktuell die Daten anscheinend sind. Ich vermute mal, dass wir uns an derartige Meldungen ein Stück weit gewöhnen werden, bzw. schon haben, denn es sind so viele Daten von uns gespeichert, dass derartige Vorfälle irgendwie gefühlt immer häufiger passieren, oder wenigstens aufgedeckt werden. Für das Abendblatt war diese Nachricht nur eine kleine Meldung am Rande wert, was ich bei dem Ausmaß dieses Vorfalls erschreckend ignorant finde.

Der Beitrag wäre sicherlich noch besser, wenn man auch die Slides sehen könnte und Kajo Wasserhövel ins Mikro gesprochen hätte, aber dennoch ist das ein recht intereressanter Einblick in das Thema Digital Campaigning aus der Sicht einer Partei.

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DotComTod 2.0

Nico —  13.12.2008 — 2 Comments

dotcomtod 2.0Unter dem Motto “Geschichte wiederholt sich manchmal” ist jetzt DotComTod 2.0 gestartet.

Ich habe ja schon damals das alte DotComTod nie gelesen, weil ich einfach wenig Anknüpfungspunkte hatte, daher kann ich mir jetzt kaum vorstellen, wie ein DotComTod 2.0 werden kann. Zumal die Lage derzeit nicht vergleichbar ist mit der Lage 2000/20001. Es gibt keine größenwahnsinnig bewertete Nullnummern mit IPO-Aspirationen, es gibt einen kleinen M&A-Markt, es gibt zwar viele kleine Startups und nicht alle schaffen es, aber die großen wilden Dinger wie vor 8 Jahren gibt es nicht zu beobachten. Oder ich bin zu sehr Teil der Branche, dass ich das nicht merke…

Aber nun gut, mit dem Namen DotComTod 2.0 legt Matthias Süss die Latte ordentlich hoch, mal sehen, was nach der Ankündigung jetzt folgen wird.

20 Pfg

Nico —  11.12.2008 — Leave a comment

Toillette im Hansa-Theater.