Im Tagesspiegel wurde heute die Sichtweise vom Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, noch einmal erläutert, der Konjunkturprogramme derzeit nicht befürwortet. Die Sichtweise kann man teilen, insbesondere wenn man die lächerlichen Ideen wie Senkung der KFZ-Steuer zur Incentivierung von Neuwagenkäufen denkt. Allerdings finde ich diese Aussagen im Artikel DIW-Chef hält Abschwung für reinigend für sehr zynisch:

Die Rezession beschleunige überfällige Reformen und führe dazu, dass sich ganze Branchen besser aufstellten, sagte Zimmermann. „Ein Abschwung wirkt in gewisser Weise reinigend, nur gesunde Unternehmen überleben.“ Insgesamt werde es „nicht so dramatisch, wie viele befürchten“. So werde der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im neuen Jahr voraussichtlich weniger als drei Prozent betragen. Ab Mitte 2009 werde es wieder bergauf gehen, und 2010 werde sich die Besserung festigen. Allerdings werde es bis dahin „einige Hunderttausend Arbeitslose mehr“ geben.

Man kann nicht von einer „reinigenden Wirkung“ und „einigen Hunderttausend Arbeitslosen mehr“ in einem Atemzug sprechen, es sei denn, man sieht als Problemlösung vor allem den Abbau von Beschäftigungsverhältnissen vor.

Wenn dieser Abschwung eine reinigende Wirkung haben soll, dann muß neben den notwendigen Reformen in der Wirtschaftspolitik und in den Unternehmen jetzt tunlichst auch darüber nachgedacht werden, was wir mit Beschäftigten in Branchen anstellen sollen, die keine wirklich rosige Zukunft mehr haben. Einfach nur zu sagen, daß es dann eben „einige Hunderttausend Arbeitslose mehr“ geben wird, ist nicht genug. Wir leben in einer Konsumgesellschaft und können es uns nicht erlauben, daß dauerhaft Millionen von Mitbürgern in Arbeitslosigkeit leben müssen und eben auch nur eingeschränkt konsumieren können. Als Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung sollte man sich darüber im Klaren sein, dass „einige Hunderttausend Arbeitslose mehr“ gesellschaftliche Auswirkungen haben werden, die die Wirtschaft beeinflussen werden, denn hier geht es mehr als um nur die zynische Reduzierung des Headcounts.

Zwar ruft Robert das Jahr der Fachblogs aus, und dann muß das ja eigentlich auch eintreten, aber ich habe da irgendwie so meine Zweifel. Sicherlich haben sich die deutschen Blogosphären in den letzten 5 Jahren durchaus gewandelt, aber es gibt immer noch etliche limitierende Faktoren, die dafür sorgen werden, daß Fachblogs es sehr schwer haben werden.

1. Finanzierung: Google Adsense ist nicht nur wegen des Dollarkurses nicht die attraktivste Möglichkeit, sein Blog zu vermarkten. Adnation kommt auch nicht wirklich vom Fleck, hat aber mal die ein oder andere Kampagne, die dann manchmal auch hier zu bewundern ist. Man muß also schon massiv PageImpressions bolzen, will man mit Werbe-Vermarktung Geld verdienen. Fachblogs werden aber eher in einer Nische positioniert sein, also dürfte das ein Problem werden. Bleibt das Sponsoring, was von Thema zu Thema sicherlich unterschiedlich gut funktioniert. Man kann natürlich auch auf eine externe Finanzierungsquelle verzichten und das Fachblog betreiben, um ordentliches Selbstmarketing zu betreiben, aber das funktioniert auch nicht bei jedem Thema. Blog-Netzwerke wie Blogwerk sind leider immer noch die Ausnahme, die es den Autoren ermöglichen, sich weitesgehend auf die Inhalte zu konzentrieren.

2. Inhalte: Wer die Anfänge von Creative Weblogging mit den nur zaghaft umgeschriebenen PR-Meldungen erinnert, der weiß, was das größte Problem der sog. Fachblogs ist. Ordentliche Inhalte. Die kosten in aller Regel viel Zeit, jedenfalls auf diesem Fachblog hier. Die Zeit hat man nicht immer, wenn man nebenbei bloggt. Dann sind die Inhalte mager und die Leser bleiben aus. Es gibt sicherlich auch immer ein paar Ausnahmen, aber genuine Inhalte werden das Grundproblem von Fachblogs sein. Einfach nur bei amerikanischen Blogs abzuschreiben wird nicht gehen. Recherche wäre so eine Sache, die Fachblogs wirklich relevant machen könnte.
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Bei der Union geht es gerade drunter und drüber, mal abgesehen davon, daß der sog. Wirtschaftsminister völlig abgetaucht ist und so nicht noch zusätzlich Unheil anrichten kann. Bundeskanzlerin Merkel verkündet in ihrer Neujahrsansprache dem staunenden Volk, daß es Entgegen der bisherigen Marschroute der Koalition jetzt wohl doch Steuererleichterungen geben soll:

Wo immer es im Blick auf die nächste Generation verantwortbar ist, werden wir alle, die Steuern und Abgaben zahlen, entlasten.

Das ruft Ole von Beust auf den Plan, der anmahnt, nicht über Steuererleichterungen dem Staat nicht noch zusätzliche Schulden aufzubürden. Die CSU wiederum droht damit, das zweite Konjunkturpaket platzen zu lassen, wenn darin keine wesentlichen Steuererleichterungen für die Bürger enthalten sein werden. Und um das Wirrwarr innerhalb der Union noch zu komplettieren, fordert Christian Wulff jetzt, daß die Exportindustrie gestützt werden müsse, da es der Binnennachfrage gut gehe. Der Vorstoß von Christian Wulff als Ministerpräsident von Niedersachsen und CDU-Vize ist auch nur zu offensichtlich, schließlich wäre ein massives Wegbrechen von Jobs bei Volkswagen nicht gerade gut für seine Statistik.

Chaos in der Union, anders kann man das nicht beschreiben. Es wird gerade ziemlich deutlich, daß die CDU/CSU bei finanz- und wirtschaftspolitischen Fragen komplett blank ist. Letzten Endes geht es bei der Union nicht um Auswege aus der Krise, sondern um das rechtzeitige Verteilen von Steuergeschenken, damit man zum Wahltag besser darsteht. Finanzpolitische Vernunft sieht anders, ist aber bei der Union nicht zu finden und Ole von Beust soll mal ganz still sein mit seinem HSH Nordbank Fiasko und der Fehlplanung bei der Elbphilharmonie.

[ via: Abendblatt: Von Beust warnt Merkel vor Schuldenfalle ]

doyouwannahookup_logoDo You Wanna Hook Up? ist quasi eine Art Jupidi-style Matching-Tool gepaart mit Facebook Connect. Die Idee dahinter ist ziemlich einfach, und das macht den Dienst auch so interessant.

Man legt eine Liste an mit Leuten von Facebook, die man gerne Daten würde, was natürlich auch vorraussetzt, dass man bereits mit den Personen befreundet ist. Aber Freundschaft wird ja sicherlich auch etwas gedehnter definiert in Zeiten der Social Networks, so daß durchaus eine ordentliche Liste von Leuten zu Stande kommen wird. Nachdem man ein paar Personen ausgewählt hat, gibt man noch an, was für eine Art von Beziehung dabei herauskommen soll und wie ausgeprägt die Beziehung sein soll. Das war es auch schon. Sobald jetzt ein Matching auftritt, also eine Person, die man auf der Liste hat, im Gegenzug einen selbst auf die Liste setzt, bekommt man eine persönliche Nachricht mit dem Hinweis, mit wem man jetzt anbandeln könnte. Dabei findet alles völlig privat statt, keinerlei Newsfeed-Einträge werden erstellt oder Wall-Nachrichten abgesondert, nur die beiden Personen wissen von einander und können dann entsprechend reagieren.
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Nun ist das Chaos in der Unions-Spitze perfekt. Koalitionsaussagen: Rüttgers fordert Zusage an FDP:

Vor Rüttgers hatten sich bereits die stellvertretenden CDU-Vorsitzenden Roland Koch und Christian Wulff für eine Koalitionsaussage zugunsten der FDP ausgesprochen. CDU-Chefin Angela Merkel und die CSU-Spitze lehnen dagegen eine solche Festlegung ab.

Na, was denn nun, liebe Union? Soll die FDP nun doch wieder wie immer als Anhängsel der Union in den Wahlkampf gehen, oder muss die einstige Pünktchenpartei sich nun doch noch mitten im Wahlkampf ein eigenes Profil zulegen? Für die Unions-Spitze ist bei allem Dissens klar: das wird knapp mit dieser FDP.

Bei einigen in der Union hat sich wohl herumgesprochen, daß zum einen das Parteiensystem sich verändert hat, zum anderen aber die Erinnerungen an die ewige Kanzlerschaft unter Kohl/FDP nicht die allerbesten sind. Andere in der Union setzen auf „Altbewährtes“ und wollen die FDP durch eine frühe Koalitionsaussage stützen. Es ist deutlich zu sehen, dass die Unions-Spitze schon lange nicht mehr inhaltlich auf einer Welle schwimmt, sondern die einzige Klammer der Machterhalt mit Frau Merkel ist. Das wird noch ordentlich Krachen im Gebälk der Union, insbesondere wenn jeder der Protagonisten möglichst aufgeplustert in den Wahlkampf schreiten will.