Es gibt sie noch, die Momente, in denen man als Blogger als seltsames Wesen gilt, bestenfalls als Paradiesvogel durchgeht und keiner aber so genau weiss, wie man mit diesem seltsamen Blogger umgehen soll. “Du schreibst dann ja sowieso nur ein Verriss von dem, was ich sage.” – Selten konnte ein Blick auf mein Namensschild soviel Furcht auslösen wie heute beim Brands and Ideas Congress des Art Directors Club Deutschlands zum Thema “Leading Brands in Digital Times”. Und auch, weil Christoph Schuh von der ToFu AG dies leicht falsch verstanden hat, es ging um das Thema “Markenführung” und nicht um “führende Marken”, was ein dezenter Unterschied ist, aber die Interpretationsmöglichkeit des Themas fand ich schon bemerkenswert.
Wie dem auch sei, der Event war höchst unterhaltsam. Ich durfte gestern bereits zum Speakers’ Dinner auflaufen und im Münzclub viele gute Gespräche führen. Man merkte, dass das Thema digitale Markenkommunikation auch die Kreativen umtreibt und ein klein wenig erinnerte mich diese Mischung von Interesse und Bemühung stark an Diskussionen mit Verlagen vor 5 Jahren. Unter dem Motto “different echo chamber, same discussion” kamen die exponierten Vertreter der Werbebranche zusammen, um zu diskutieren, auzurütteln und Thesen zu entwickeln. Vieles war durchaus neu für die Anwesenden, aber die gefundenen Erkenntnisse werden bereits seit 5 Jahren von Protagonisten des Mitmach-Internets diskutiert. Überhaupt, es klang sehr viel sehr bekannt, machte Hoffnung auf mehr und wurde dann doch wieder durch real existierende Beispiele ad absurdum geführt.
Es wird ein Verständnis vom Netz, dem dortigen Diskurs, insbesondere in Social Networks eingefordert und darauf hingewiesen, dass Werbung eine Story erzählen sollte und relevant sein müsste. Gleichzeitig geht es um eine explizite digitale Strategie, quasi als Kontrast zur klassischen Werbung. Eine Schere im Kopf behindert beim Denken, das wurde sehr deutlich, denn eine einheitliche Kommunikationsstragie können sich die wenigsten vorstellen, zu seltsam ist dieses Internetz. Deutlich wurde dies insbesondere durch die anwesenden Vermarkter vorgeführt, die zwar über “Relevanzierung” geredet haben, Clickratensteigerungen von 0,01% auf 0,08% feierten, aber dennoch keinerlei Dialog anschieben konnten mit ihren Werbeformen.
Der Begriff Web 2.0 viel erst am späten Nachmittag, stand aber letztendlich unausgesprochen den ganzen Tag im Raum. Auch dies eher eine Randnotiz, aber durchaus eine, die ein wenig auf das Setting beim ADC hinweist.
Aber alle waren sie stolz auf ihre ersten Schritte im fremden Internetz und verkündeten vom Weg in eine neue bunte Werbewelt. Nur, es wurde nichts Neues erzählt und die ersten Schritte sind sehr zaghaft. Immerhin, es gibt erste Schritte. Mir kam das so vor:
Die Werber denken, sie haben das Licht gesehen, dabei stehen sie in einem dunklen Raum mit einer Taschenlampe ohne Batterien.
Die Tools sind vorhanden, nur die Anwendung ist noch eher unbedarft.
Was mich freuen würde: ADC meets Web 2.0 – ein Dialog über die Disziplinen hinweg. Ich helfe gerne.







Während hierzulande die Parteien nachwievor im Rundfunk-Paradigma gefangen sind und auch 2009 nicht verstehen werden, wie wenig Wähler sie mit den müden “Parteien zur Wahl”-Spots zum Urnengang motiviert bekommen, macht das Team von Barack Obama munter weiter mit seiner crossmedialen Kampagne. Neben dem Aufkauf von 30 Minuten Sendezeit bei CBS und NBC eine Woche vor der Wahl, werden auch Medien penetriert, von denen deutsche Parteien noch nie gehört haben, und wenn dann mit dem Hinweis “Jugendschutz! Müssen wir regulieren!” – nämlich den Konsolenspielen.




