Paul Marsden über WOMEs gibt sie noch, die Momente, in denen man als Blogger als seltsames Wesen gilt, bestenfalls als Paradiesvogel durchgeht und keiner aber so genau weiss, wie man mit diesem seltsamen Blogger umgehen soll. “Du schreibst dann ja sowieso nur ein Verriss von dem, was ich sage.” – Selten konnte ein Blick auf mein Namensschild soviel Furcht auslösen wie heute beim Brands and Ideas Congress des Art Directors Club Deutschlands zum Thema “Leading Brands in Digital Times”. Und auch, weil Christoph Schuh von der ToFu AG dies leicht falsch verstanden hat, es ging um das Thema “Markenführung” und nicht um “führende Marken”, was ein dezenter Unterschied ist, aber die Interpretationsmöglichkeit des Themas fand ich schon bemerkenswert.

Wie dem auch sei, der Event war höchst unterhaltsam. Ich durfte gestern bereits zum Speakers’ Dinner auflaufen und im Münzclub viele gute Gespräche führen. Man merkte, dass das Thema digitale Markenkommunikation auch die Kreativen umtreibt und ein klein wenig erinnerte mich diese Mischung von Interesse und Bemühung stark an Diskussionen mit Verlagen vor 5 Jahren. Unter dem Motto “different echo chamber, same discussion” kamen die exponierten Vertreter der Werbebranche zusammen, um zu diskutieren, auzurütteln und Thesen zu entwickeln. Vieles war durchaus neu für die Anwesenden, aber die gefundenen Erkenntnisse werden bereits seit 5 Jahren von Protagonisten des Mitmach-Internets diskutiert. Überhaupt, es klang sehr viel sehr bekannt, machte Hoffnung auf mehr und wurde dann doch wieder durch real existierende Beispiele ad absurdum geführt.

Es wird ein Verständnis vom Netz, dem dortigen Diskurs, insbesondere in Social Networks eingefordert und darauf hingewiesen, dass Werbung eine Story erzählen sollte und relevant sein müsste. Gleichzeitig geht es um eine explizite digitale Strategie, quasi als Kontrast zur klassischen Werbung. Eine Schere im Kopf behindert beim Denken, das wurde sehr deutlich, denn eine einheitliche Kommunikationsstragie können sich die wenigsten vorstellen, zu seltsam ist dieses Internetz. Deutlich wurde dies insbesondere durch die anwesenden Vermarkter vorgeführt, die zwar über “Relevanzierung” geredet haben, Clickratensteigerungen von 0,01% auf 0,08% feierten, aber dennoch keinerlei Dialog anschieben konnten mit ihren Werbeformen.

Der Begriff Web 2.0 viel erst am späten Nachmittag, stand aber letztendlich unausgesprochen den ganzen Tag im Raum. Auch dies eher eine Randnotiz, aber durchaus eine, die ein wenig auf das Setting beim ADC hinweist.

Aber alle waren sie stolz auf ihre ersten Schritte im fremden Internetz und verkündeten vom Weg in eine neue bunte Werbewelt. Nur, es wurde nichts Neues erzählt und die ersten Schritte sind sehr zaghaft. Immerhin, es gibt erste Schritte. Mir kam das so vor:

Die Werber denken, sie haben das Licht gesehen, dabei stehen sie in einem dunklen Raum mit einer Taschenlampe ohne Batterien.

Die Tools sind vorhanden, nur die Anwendung ist noch eher unbedarft.

Was mich freuen würde: ADC meets Web 2.0 – ein Dialog über die Disziplinen hinweg. Ich helfe gerne.

Am 21. Oktober findet im Rahmen der Web 2.0 Expo das Pitchcamp x.0 statt, bei dem es um das Thema Venture Capital gehen wird. Für Startups ist die Finanzierung ein wesentliches Thema, daher soll dieser Workshop Gründern dabei helfen, rechtzeitig die richtigen Schritte einzuleiten und bei der Beschaffung vn Kapital nicht zu viele Fehler zu begehen. Eine illustre Runde wird diesen Workshop begleiten:

Robert Goldberg (Crossroads Ventures), Ted Shelton (The Conversation Group), Mike Butcher (TechCrunch), Toby Coppel (Yahoo! Europe and Canada), Olivier Creiche (Six Apart), Simon Levene (Accel Partners), Patrick Liechti (Xing.com), Matt Marshall (VentureBeat), Maximilian Niederhofer (Atlas Ventures), Mehrdad Piroozram (iSteps Widget Ventures), Jens Redmer (Google), Carsten Rudolph (Microsoft), Rob Schiller, Reshma Sohoni (Seedcamp), Adam Valkin (Endemol), Yossi Vardi (International Technologies)

8-12 Firmen werden im Vorfeld ausgewählt und bekommen ein quasi exklusives Coaching – damit das mit dem Präsentieren und Geldeintreiben dann auch besser klappt. Für alle anderen Teilnehmer des Workshops gilt: auf die Pitch-Party kommt man kostenlos. Also, schnell anmelden, man sieht sich in Raum B8-9 im BCC am Dienstag.

Obama wirbt In-Game

Nico —  14.10.2008 — 4 Comments

Während hierzulande die Parteien nachwievor im Rundfunk-Paradigma gefangen sind und auch 2009 nicht verstehen werden, wie wenig Wähler sie mit den müden “Parteien zur Wahl”-Spots zum Urnengang motiviert bekommen, macht das Team von Barack Obama munter weiter mit seiner crossmedialen Kampagne. Neben dem Aufkauf von 30 Minuten Sendezeit bei CBS und NBC eine Woche vor der Wahl, werden auch Medien penetriert, von denen deutsche Parteien noch nie gehört haben, und wenn dann mit dem Hinweis “Jugendschutz! Müssen wir regulieren!” – nämlich den Konsolenspielen.

Obama wirbt jetzt auf der Xbox 360 im Spiel Burnout Paradise. Damit ist er der erste Politiker, der In-Game-Advertising für seine Kampagne nutzt. Neben den Werbe-Effekten im Spiel ist sicherlich die Meta-Ebene dieser Maßnahme der Hauptgrund für das Plakat in Burnout Paradise. In-Game-Advertising für politische Kampagnen ist bislang nicht üblich, daher werden viele über Obama schreiben und es wird wiederum deutlich werden, dass Obama und sein Wahlkampf für jugendliche Frische stehen werden, ganz im Vergleich zu John McCain.

Mal sehen, ob 2009 jemand für sozialen Aufstieg innerhalb von Pennergame wirbt, thematisch passen würde es ja…

[ via: Confirmed: Obama Is Campaigning on Xbox 360! - GigaOM ]

Oh ja, das war ja so klar. Trotz Demütigung: Özdemir kandidiert für Grünen-Vorsitz – und wieder einmal ist jemand so beseelt von dem Gedanken an die Macht, dass er die Zeichen nicht erkennt. Vom eigenen Landesverband abgestraft, was dann als naives “wir wollen eben gerne eine Trennung von Amt und Mandat” dargestellt wird, will Özdemir jetzt trotz allem Bundesvorsitzender werden.

“Jetzt erst recht!” ist immer eine ganz tolle Motivation für Politiker, in aller Regel genau dann, wenn sie versäumt haben zu erkennen, dass ihre Zeit abgelaufen ist. Özdemir wird als Bundesvorsitzender nur die zweite Geige spielen, wenn überhaupt, denn es gibt viel zu viele Leute, die aufgrund ihrer Tätigkeit als Mandatsträger Macht und Einfluß um sich gruppieren können.

Die Grünen in Baden-Würtemberg haben den designierten Vorsitzenden abgeschossen und jetzt versuchen sich alle in Schadensbegrenzung. Passender wäre es gewesen, vorher mal das geeignte Setup zu erörtern. Peinlich auch für Özdemir, dass er noch nicht einmal so weit seine Strippen ziehen kann, dass er seinen eigenen Landesverband hinter sich weiss. So jemand will Bundesvorsitzender werden?

Özdemir wird als lahme Ente starten und sich nach ein paar Anstandsjahren dahin verabschieden, wo auch andere Grüne schon länger sind, irgendwo jenseits der Politik, herausgemobbt von der eigenen Partei. Der Aufbau nachwachsender Generationen wird durch so ein Verhalten natürlich nicht forciert, was die Partei auch nicht wirklich attraktiver macht.

Meine Güte, man kann das auch alles sehr pessimistisch sehen. Allerdings sind die Vorraussetzungen für das Survival auf Slide 46 ehrlich gesagt sowieso schon seit Jahren jedenfalls in Deutschland eher Standard.

[ via: Sequoia Capital on startups and the economic downturn ]