04. Oktober 2005

Social Software Baukasten

Ning war lange im Stealthmode und ist nun gestartet, gerade rechtzeitig zur Web 2.0 Konferenz. Ich habe noch nichts getestet, aber Ning sieht sehr vielversprechend aus. Es stellt einen Baukasten zur Verfügung, um “mal eben” bestehende Social Apps zu modifizieren und eigene daraus zu basteln. Ein Blog gibt es auch, muss also gut sein, die Firma.

Was versuche ich denn mal als Erstes?

04. Oktober 2005

Attenuation

Eines der tollen neuen Wörter, die ich in den letzten Wochen gelernt habe, ist Attenuation. Das Thema wird auch künftig sehr präsent sein, wenn man sich mit den neu entstehenden Web-Technologien auseinandersetzt. Es geht letztendlich darum:

Any time you have to make a choice about anything is a time when you need to attenuate, and maybe you could externalise that method of choice into the system itself; any time there’s too much complexity to be understood immediately is a time when time-based attenuation can help (sometimes we call this “teaching”). Maps are a wonderful form of attenuation, for pre-existing information. Another is the taking of a position in a landscape of information flow: You place yourself where peer- or authority-selected information will come by–we do this by choosing to read such-and-such a newspaper instead of a different one. Being concerned with attenuation is being concerned with the algorithms, the co-production of the algorithms with the people who sit in the information flows, the design factors (so that some information flows automatically hit your brain at a higher interrupt level)… It’s a big topic.

Beim O’Reilly Radar wurden schon mal einige Tools vorgestellt, die dieses Thema aufgreifen.

Durch die User-Zentrierung bei den aufkommenden neuen Web-Applikationen wird es leichter, die Informationen zu filtern, denn man selber kann entscheiden, wie es passieren soll. Die wunderbaren Mashups sind erst ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, wir werden noch viele weitere Konzepte sehen, die mit Weblogs, Folksonomies und dem ganzen anderen neumodischen Krempel zu tun haben werden, letztendlich aber dem User erlauben, sich selber zu verorten, in dem er eine Anzahl von Web-Applikationen zur Hilfe nimmt. Durch diese Verortung wird die Informationsaufbereitung leichter sein.

03. Oktober 2005

Anonymität und Qualität

Russel Beattie erläutert in einem längeren Artikel das Konzept hinter der japanischen Foren-Site 2ch, auf die er über einen Wikipedia-Artikel gestolpert ist. Das Konzept ist spannend, um es mal positiv auszudrücken. Schreiben kann jeder, Anonymität wird vorausgesetzt, Zuwiderhandlungen werden mit IP-Sperrungen sanktioniert. Angeblich hat 2ch täglich 10 Mio Visitors, was mehr als nur ganz ordentlich ist.

Da mein japanisch recht rudimentär ist und über das obligatorische Sushi-Bestellen nicht herausgeht, überlasse ich die Qualitäts-Diskussion anderen. Bemerkenswert ist allerdings die Philosophie hinter dieser Art Forum, die davon ausgeht, dass eine Registrierung gute Inhalte verhindert und Trolle erst möglich macht. Ich kann mir vorstellen, wie schnell ein derartiges Forum in Deutschland zu einem nicht mehr lesbaren Wortmüll verkommt.

Ich fühle mich wohler, wenn User kommentieren und dabei Vorname/Nachname sowie Email-Adresse hinterlassen. Ich hoffe natürlich, dass hier niemand mit verschiedenen Identitäten rumtrollt. Aber mehr Aufwand möchte ich bei mir nicht betreiben wollen, vorerst nicht. Für politische Weblogs wie das Wahlblog hätte ich allerdings gerne eine bessere Lösung, die die Trolle draussen hält und dennoch eine Diskussion zulässt.

Manchmal denke ich, dass ein reiner Backlink immer noch das einfachste wäre, also keine Kommentare, kein Trackback. Soll doch jeder bloggen, was er meint, das kann dann unterhalb des Artikels zusammengeführt werden.

03. Oktober 2005

Tag der deutschen Einheit

Heute auch in Feierstimmung? Trunken vor Freude sieht man überall, Land auf Land ab, glückliche Bundesbürger diesen Tag der deutschen Einheit feiern. Oder doch nicht?

Irgendwie ist dieser Feiertag typisch deutsch, deutscher geht es schon gar nicht mehr. Wir feiern nicht den Fall der Mauer, wie feiern eine Vertragsunterzeichnung. Oder auch nicht. Ich stehe diesem Feiertag ziemlich emotionslos gegenüber, freue mich aber, dass er dieses Jahr an einem sonnigen Montag nach einem Sonntag stattfand. Sicher, die Wiedervereinigung war klasse, gar keine Frage. Aber irgendwie schafft es dieser Feiertag nicht, mich zum Feiern zu bringen.

Den Mauerfall und die Monate danach habe ich aus sicherer Entfernung verfolgt, aber der Enthusiasmus, die Aufbruchstimmung, die zahlreichen Umwälzungen, all das kam auch bei mir an und hat mich ein Stück weit euphorisiert. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass mit den Unterschriften unter dem Einheitsvertrag all dieses dann einschlief und fortan nur noch verteilt wurde, was es gab.

Für mich ist der Tag der deutschen Einheit eher der Tag der verpassten Chancen, weil es ein kurzes Zeitfenster gab, in dem viel möglich gewesen wäre in diesem Staat. Leider wurde das Fenster nicht genutzt und danach wurde das Dahindümpeln zum Feature erklärt, neben dem allgegenwärtigen Rummäkeln.

Dieses Feature-Set ist auch 2005 noch das Alleinstellungsmerkmal der Republik.

03. Oktober 2005

Lesetipp: The Search

The Search ist ein sehr empfehlenswertes Buch. Gut, man sollte an Web-Suche und Firmen-Geschichte interessiert sein, ansonsten ist das Buch sicherlich nicht wirklich packend. John Battelle, bekannt von seinem Searchblog und als einer der Wired-Gründer, stellt in seinem Buch die Entwicklung von Google dar, nimmt dabei aber auch den einen oder anderen Exkurs, um Google im Zusammenhang mit anderen Firmen oder Technologie einordnen zu können. The Search zeigt aber auch, wie sehr sich die Nutzung des Webs in den letzten zehn Jahren geändert hat und wie sehr wir mittlerweile von der Suche im Web abhängig geworden sind, obwohl es immer noch keine perfekte Suche gibt.

In Deutschland scheint Such-Technologie keine Rolle mehr zu spielen, jedenfalls habe ich nach den Ankündigungen nichts mehr von der nächsten Generation der Suchmaschinen aus Dortmund gehört.