Zwei Spitzenpolitiker des Kanzleramtes haben gerade einen Schritt gemacht und ihre politische Karriere gegen eine Karriere in der Wirtschaft eingetauscht, bzw. befinden sich gerade in diesem Prozess. Dafür gibt es Kritik, Teile davon durchaus berechtigt. Allerdings finde ich, dass wir generell einmal darüber diskutieren sollten, wie das Verhältnis von Politik und Wirtschaft aussehen könnte. Ich finde es eigentlich sehr wünschenswert, dass Politiker ihr Amt als etwas wahrnehmen, was eine zeitliche Begrenzung hat und dass sie es schaffen, selber einen Schnitt vorzunehmen, bevor der Wähler sie nicht mehr sehen kann. Ich finde es auch wünschenswert, dass wir Politiker haben, die nach ihrer aktiven Laufbahn noch in der Lage sind, eine neue Herausforderung anzunehmen. Und ich finde übrigens auch, dass in aller Regel Abgeordnete und Minister durchaus als Führungskräfte anzusehen sind, egal wie wenig man politisch mit ihnen einer Meinung sein mag.

Allerdings wird bei den Fällen von Klaeden und Pofalla, genauso wie damals bei Gerd Schröder oder Martin Bangemann übrigens auch, sehr deutlich, dass der direkte Übergang von der Regierung in die Wirtschaft immer einen schlechten Beigeschmack hat. Leicht kann man den Eindruck bekommen, dass der neue Job ein Dankeschön für vergangene Entscheidungen sein könnte. Hier ist eine Karenzregelung schon lange überfällig, nur weiss ich ehrlich gesagt nicht, wie die aussehen soll. Wer entscheidet denn, ob ein Wechsel zu Daimler einen schlechten Beigeschmack hat, oder ob ein Wechsel an die gut dotierte Spitze eines Verbandes sofort ohne Probleme möglich ist? Es ist im Sinne aller Beteiligten, hier eine angemessene Anzahl von Monaten oder Jahren zu finden, die dazu führt, dass der Vorwurf der Mauschelei ausgeräumt werden kann. Gleichwohl kann ich auch die Argumente nachvollziehen, die sich gegen lange Karenzzeiten aussprechen, schliesslich ist es zwar leicht zu fordern, dass Politiker nach Ende ihrer Amtszeit wieder in ihren angestammten Beruf rückkehren sollen, aber ist das mit freier Berufswahl wirklich vereinbar? Idealerweise bleibt man ja nicht stehen in seiner Entwicklung und macht eventuell nicht da beruflich weiter, wo man vor der Politik aufgehört hat, sondern findet etwas, was den mittlerweile erlangten Fähigkeiten entspricht und diese auch entsprechend bezahlen lässt. Zumal die Forderung nach der Rückkehr in einen Beruf ja auch davon ausgeht, dass der Job noch in einer Wartepostion schlummert und nur noch reaktiviert werden muss. Die 70er sind allerdings auch in der Wirtschaft länger schon vorbei.

Es ist allerdings generell weitverbreitet, die Wirtschaft an sich als den bösen Pol darzustellen, im Vergleich zu allem, was wiederum per Definition gut zu sein scheint. Da haben sich Antipoden herausgebildet, die keinen oder wenig Sinn machen. Es geht immer um Einflußsphären, um das Festigen oder das Ausbauen der eigenen Position, um das Vertreten der eigenen Interessen. Das ist per se nichts Schlechtes, das macht unseren Staat und die Gesellschaft aus und ist keineswegs beschränkt auf das Zusammenspiel von Politik und Wirtschaft. Daher würde ich empfehlen, mal mit weniger Schaum vor dem Mund auf das Zusammenspiel von Wirtschaft und Politik zu schauen, sondern eher einmal zu überlegen, warum es zwar für Politiker interessant und lukrativ erscheint, in die Wirtschaft zu wechseln, erfolgreiche Unternehmer oder Manager aber äußerst selten in die Politik wechseln wollen. Das hat sicherlich nicht nur mit den Einkommensunterschieden zu tun, sondern auch mit der Wahrnehmnung der vorhandenen Einfluß- und Gestaltungsmöglichkeiten nach einem Wechsel in die Politik. Wenn Gert Billen vom Bundesverband der Verbraucherzentralen künftig als Staatssekretär im Justizministerium Verbraucherschutzpolitik zu gestalten hat, dann gibt es keine Kritik an dem Einzug eines Lobbyisten in die Regierung, aber auch hier geht es vor allem um die Kombination von Kenntnissen, Netzwerken und Einflußsphären. Wäre an dieselbe Stelle jemand von Nestlé gewechselt, hätte es eine lange anhaltende Diskussion gegeben, egal wie fachlich geeignet die Person auch hätte sein können. Wir neigen dazu, diese Diskussion sehr aufgeregt zu führen und Sippenhaft generell als Normalität anzusehen.

Ich finde allerdings, dass wir Politikern durchaus zugestehen sollten, dass sie nach der aktiven Laufbahn in der Politik weiter Karriere machen können, natürlich unter Zuhilfenahme ihrer bislang erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten und natürlich auch ihres Netzwerkes. Ich halte es für weltfremd, darauf zu pochen, dass eine Person über einen gewissen Zeitraum nicht politisch mit der Materie befasst sein darf, damit sie dann wechseln kann. Ich weiss allerdings auch nicht, wie Unternehmen und die betreffenden Politiker belegen können, dass eine Einstellung nicht als Zeichen von Dankbarkeit für vergangene Entscheidungen gewertet wird. Denn darum geht es uns doch im Kern. Wir wollen nicht, dass ein Politiker oder eine Politikerin sich eine Entscheidung nachträglich von einem Unternehmen durch einen gut dotierten Job honorieren lässt. Dennoch halte ich es für besser, so wie bei von Klaeden, dass klar gesagt wird, wer wohin wechselt und welche Rolle dort zukünftig eingenommen werden wird, denn die Alternative wäre so wie bei Otto Schily und anderen, die als Anwälte Mandanten beraten, die sie über ihre politische Tätigkeit akquirieren konnten und dafür ordentliche Honorare kassieren, aber in aller Regel sehr intransparent vorgehen. Dann möchte ich doch lieber schwarz auf weiss sehen können, wer wohin wechselt und mir selber eine Meinung dazu bilden. Nur, wie kann eine ideale Lösung aussehen?

Jochen Mai hat kürzlich eine Studie zu Unternehmensblogs in Deutschland vorgestellt und dabei eine geringe Interaktionsrate festgestellt. Tja, das hätte ich auch ohne Studie attestieren können. Überhaupt halte ich Unternehmensblogs für eines der größten Irrtümer der Kommunikationsbranche der letzten 10 Jahre.

Niemanden interessiert ein Unternehmensblog. Von einigen Ausnahmen mal abgesehen. Ein paar Journalisten lesen sie, ein paar Kunden, ein paar Marktbegleiter. Noch nicht einmal das Unternehmen selber interessiert das Unternehmensblog. Weil nahezu alle Unternehmensblogs von falschen Prämissen ausgehen. Weil nahezu alle Unternehmensblogs auf irregeleiteten Hoffnungen basieren. In der Regel kommt ein Kommunikationsberater vorbei, erzählt was von Storytelling, von Silos, die man einreissen muss, von direktem Austausch zwischen Kunden und Mitarbeitern, von besseren Produkten, die dadurch entstehen und einer daraus resultierenden besseren Kundenbindung, mehr Umsatz, besseres Image, mehr Sex für die Führungskräfte und Weltfrieden für alle. Klingt super, machen wir.

Das ist alles gut und schön, hat aber mit der Realität nichts zu tun. Die Realität sieht so aus, dass Unternehmensblogs strunzend langweilig sind. Sie sind genauso rundgeschliffen wie die Pressemitteilungen, was daran liegt, dass sie meistens aus derselben Abteilung kommen. Der Austausch zwischen Kunden und Unternehmen bleibt aus, weil die Mitarbeiter schon mit ihren Kollegen genug zu tun haben und nicht auch noch irgendwelche Schlauberger benötigen, die zwar keine Detailkenntnisse der Abläufe im Unternehmen, dafür aber jede Menge lautstark formulierte Meinung haben. Herauskommen Blogs, die vor lauter Langeweile nur so strotzen, die Jubelmeldungen schreiben, die langweiligste Blicke hinter die Kulissen bieten ohne etwas zu verraten, die wirken wie das Neue Deutschland zu Honeckers Zeiten.

Warum das alles? Was ist aus der Idee geworden, den Blickwinkel des Nutzers einzunehmen? Will der Kunde wirklich noch mehr Infos haben, will der wirklich wissen, wie die zuständige Produktmanagerin aussieht und welche Hobbies sie hat? Will der Kunde wirklich vorgegaukelt bekommen, dass durch sein Kommentar das Unternehmen noch besser wird? Will der Kunde seine Zeit einem Unternehmen schenken, dem er eh schon mit Geld seine Produkte abgekauft hat?

Nein. Die Verbraucher interessiert das alles herzlich wenig, es sei denn, jemand springt kurz vorm Mond mit einem Fallschirm ab, es sei denn, es gibt Gutscheine, es sei denn, es gibt etwas zu gewinnen. Oder, es sei denn, es werden wirklich coole Stories erzählt. Aber das geht eben nicht mit einem Video, dass der Praktikant vom Produktmanager dreht, in dem dieser im tiefsten Detail erklärt, warum sich die neuen Schrauben so schön in den Dübel drehen lassen. Da muss es fetzen, da müssen Dinge passieren, die man nicht erwartet, da muss eine Inszenierung erfolgen, da muss es krachen, da müssen Emotionen geweckt werden, da müssen Bilder entstehen, die im Kopf weiter gehen. Also so wie gut gemachte Werbung, nur eben nicht in 30 Sekunden, sondern etwas länger. Dafür benötigt man Mut, Geld und Haltung. Deutsche Unternehmensblogs sind hingegen stiefkindlich betreute Resterampen für mässig interessante Pressemeldungen. Fachlich orienterte Unternehmensblogs, die eher ein Fachpublikum oder mögliche Geschäftspartner ansprechen, nehme ich übrigens ausdrücklich aus, mir geht es um Unternehmensblogs mit Verbrauchern als überwiegende Leserschaft.

Unternehmensblogs haben ein irres Potential, da Unternehmen mit Unternehmensblogs selber die Geschichten erzählen können, die sie erzählen wollen, ohne dafür Journalisten und andere Intermediäre zu benötigen. Unternehmensblogs können faszinieren, Unternehmensblogs können inspirieren, aber insbesondere deutsche Unternehmensblogs strotzen vor Langeweile.

Lassen Sie uns zu Jahresbeginn Kaffeeröstgeruch um die Nase wehen. Was vielleicht wenige wissen: In Hamburg steht unsere größte Kaffeerösterei.

Detroit, “Motor City”! In diesen Tagen sorgt die alte Autostadt der USA mal wieder für positive Schlagzeilen. Die NAIAS, die Internationale Automobilausstellung, ist aktuell dort zu Gast.

Auch wenn in den Medien über eine Fristverlängerung für die Umstellung auf SEPA berichtet wird, geht es im SEPA-Fahrplan weiter. Am 18.01.2014 werden bestehende Daueraufträge automatisch in das SEPA-Format umgewandelt.

Na, das ist ja aufregend, bitte erzählt mir mehr! Ich lese das sofort und dann rede ich mit allen, die ich kenne darüber.

Unternehmensblogs können Teil der Kommunikationsstrategie sein, aber nicht als Selbstzweck. Es ist noch nicht die Idee, zu sagen: „Hey, ich hab’s! Wir machen ein Unternehmensblog!“ – sondern man sollte sich schon sehr genau überlegen, ob man etwas zu erzählen hat, was für die Nutzer nicht nur theoretisch interessant sein könnte, sondern auch tatsächlich gelesen, kommentiert und geteilt wird. Sonst kann man sich den Aufwand nämlich getrost sparen, denn die Aufmerksamkeitsökonomie lässt sehr stark die Deutung zu, dass der Aufwand eher vermeidbar gewesen wäre.

So, und jetzt ihr: Welches Unternehmensblog lest ihr regelmässig und wieso? Die Antwort “weil ich es schreibe” lasse ich nicht gelten.

Am Wochenende hat Sascha Lobo im Feuilleton der FAS einen vielbeachteten Artikel geschrieben, der mit dem Titel Die digitale Kränkung des Menschen auch gleich den Tenor des Textes vorgeben sollte:

Ich spüre eine Kränkung. Sie hängt mit meinem Irrtum zusammen, der Spähskandal zwang mich zu erkennen: Das Internet ist nicht das, wofür ich es gehalten habe. Nicht das, wofür ich es halten wollte. Auf eine Art hat es sich gegen mich gewendet und mich verletzt.

Nun denn. Ich finde es gut, dass Sascha Lobo versucht, eine Debatte anzuschieben über den Zustand des Internet nach den Enthüllungen durch Edward Snowden und ich finde es gut, dass er am Ende eines langen, schwurbeligen Textes noch den Blick nach Vorne wagt:

Nach dieser Kränkung muss ein neuer Internetoptimismus entwickelt werden. Eine positive Digitalerzählung, die auch unter erschwerten Bedingungen in feindlicher Umgebung funktioniert, denn der dauernde Bruch sicher geglaubter Grundrechte hält an. Das große Ausspähen ist nicht vorbei. Und wird es vielleicht niemals sein.

Ich bin seit 1995 im Netz. Das Internet war eigentlich schon damals kaputt, wenn man so will. Es basiert auf digitaler Paketvermittlung und aufgrund der Beschaffenheit des Netzes gibt es unzählige Möglichkeiten, diese Datenpakete abzugreifen und ggf. zu verändern.

Eine Email ist so sicher wie ein Gespräch im Bus. Unter dieser Maxime nutze ich das Netz. Sicherlich war auch ich schockiert, als die ersten Berichte über die Breite des Abgreifens der Daten durch die NSA aufkamen, aber ich habe das Netz immer mit der Vermutung genutzt, dass jemand anders an meine Daten herankommen und sie ggf. manipulieren kann. Als ehemaliger SysAdmin weiss ich, wie Netze beschaffen sind, wie die Protokolle funktionieren und wie die Daten von Netzknoten zu Netznoten transportiert werden. Dabei ist das Netz gar nicht kaputt, sondern basiert auf einer Entwicklung, die gegenseitiges Vertrauen als Grundlage des Datenaustauschs annehmen konnte.

Das Internet ist nicht kaputt, es hat nur den nächsten Evolutionsschritt vor sich. Dieser Schritt ist nicht in erster Linie technischer Natur, sondern wird aus dem Blickwinkel der Nutzer erfolgen und die Supranationalität des Netzes im Blick haben. Je mehr der Alltag digitalisiert wird, je mehr Datenpunkte wir alle fröhlich erschaffen, verknüpfen und nutzbar machen, desto wichtiger wird es, diese Daten nicht nur zu schützen, sondern für den einzelnen Nutzer transparent und damit verständlich zu machen. Aktuell reden wir immer noch von Medienkompetenzvermittlung, aber eigentlich müssen wir in der Tat verstärkt über Digital Literacy reden, damit mehr Verständnis für die Abläufe im digitalen Alltag geschaffen wird.

Die Stärkung der Rolle des Verbrauchers und der Schutz des Verbrauchers sind die Themen für die Zukunft des Internets. Wir kommen zwangsläufig um die Frage nicht herum, warum das klassische Briefgeheimnis bei digitaler Kommunikation keine Anwendung findet. Ich glaube, dass der anfangs eher gering ausgeprägte rechtliche Rahmen des Netzes in den letzten zwei Jahrzehnten enorm dabei geholfen hat, das Wachstum und die Akzeptanz zu schaffen, weil es immer wieder wenig regulierte Bereiche gab, in denen sich Nutzer und Anbieter austoben konnten. Aber diese Phase wird nach den Snowden-Enthüllungen jetzt vorbei sein, da die Nutzer nachhaltig verunsichert sind und sich nach mehr staatlichen Rahmenbedingungen sehnen werden. Eigentlich paradox, aber durch das Handeln von staatlichen Einrichtungen wie NSA und GCHQ wird jetzt der Gesetzgeber dafür sorgen müssen, dass Vertrauen in das Netz wieder hergestellt werden kann.

Ich will die systematische Überwachung des Netzes gar nicht kleinreden, aber jetzt wo es alle wissen, können wir entsprechend damit umgehen. Seit PGP und GPG gibt es Möglichkeiten, die Emails zu verschlüsseln oder zu signieren, es nutzt kaum jemand, weil es zu umständlich ist und die Vorteile nicht allen klar sind. Für die deutsche Wirtschaft gibt es eine wunderbare Möglichkeit, sich auf einem neu belebten Markt auszutoben, indem garantiert wird, dass es keine Backdoors aus den USA oder China in relevanten Systemen gibt. OpenSource wird wichtiger denn je zuvor, da die gebotene Transparenz dazu führt, dass mehr Vertrauen in Software und Systeme aufgebaut werden kann. Für Europa gibt es die Chance, als Wertegemeinschaft Standards beim Schutz der Privatsphäre des Einzelnen zu setzen, die sich deutlich vom aktuellen Vorgehen der USA absetzt, wobei sich Großbritannien dann mal entscheiden muss, welcher Wertegemeinschaft sie angehören wollen.

Ich bin nicht enttäuscht vom Internet, auch nicht gekränkt. Ich sehe nachwievor das enorme Potential, das sich durch die vernetzte Gesellschaft bietet. Für mich ist das Internet ein gigantisches Projekt, dass Zugang zu Informationen bietet und Teilhabe an gesellschaftlichem, kulturellem und wirtschaftlichem Leben ermöglicht. Wenn wir weiterhin das Internet nutzen, um zu gestalten, um Meinung zu bilden und uns auszutauschen, dann werden wir weiter die positiven Aspekte der Vernetzung nutzen und dabei auch immer wieder Mißstände anprangern und für ihre Abschaffung sorgen. Trotz der Überwachung ist das Internet eine gigantische Bastion im derzeitig in Schieflage geratenen System der Checks and Balances.

Kaputt ist das Internet nur, wenn man in 0 und 1 denkt, insofern ist der Lobosche Ausspruch bezeichnend für die netzpolitische Diskussion in Deutschland der letzten Jahre, die geprägt ist von Maximalforderungen und wenig Kompromissbereitschaft. Im Internet post-snowdenscher Prägung wird es mehr um Nuancen gehen müssen, um kleine Schritte der Verbesserung, anstatt weiterhin immer nur den großen Wurf jetzt gleich zu fordern. Vor allem wird es Aufgabe der Politik und den Interneterklärern sein, die gemeinen Nutzerinnen und Nutzer an sich mit zu nehmen auf dem Weg zum besseren Internet. Da hapert es gerade noch gewaltig und dem allgegenwärtigen Achselzucken müssen Handlungsempfehlungen entgegenstellt werden, die allgemeinverständlich erklären, wie man die Vorteile der vernetzten Gesellschaft für sich nutzen kann.

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Nachdem die Politik nahezu eine Dekade lang versäumt hat, Impulse für einen zukunftsträchtigen Breitband-Ausbau in Deutschland zu setzen, soll es jetzt aber sowas von losgehen. Sagt der Verkehrsminister Dobrindt.

“Ich werde eine Netzallianz Digitales Deutschland ins Leben rufen. Die großen Telekommunikations- und Netzunternehmen unseres Landes müssen an einen Tisch”, sagt Dobrindt im Interview der “Welt am Sonntag”. “Deutschland und Europa müssen eine Aufholjagd starten und an die Spitze des Fortschritts gelangen. Wir brauchen einen gemeinsamen Kraftakt von Industrieunternehmen und Politik.”

Ach, das ist dann ja einfach, warum ist da noch nie jemand drauf gekommen? Einfach mal an die großen Firmen der Branche appellieren und dann klappt das schon?

Mitnichten. Global agierende börsen-notierte Aktiengesellschaften kümmern sich genau dann um den Breitband-Ausbau, wenn es für sie wirtschaftlich interessant wird. Mit Ausnahme der Telekom ist eine Einflussnahme nur möglich, indem der Staat den Ausbau massiv subventioniert. Mir widerstrebt es sehr, gerade der Branche, über intransparente Tarifmodelle ihre Kunden seite Jahren schröpft, deren Kundenzufriedenheit miserabel und deren Innovationsgrad überschaubar ist, auch noch Geld hinterherzuwerfen, damit sie ihre Kundenbasis weiter ausbauen.

Es gibt meines Erachtens zwei Wege zum ädequaten Breitband-Ausbau in Deutschland, die man gleichzeitig verfolgen sollte. Dobrindts Breitband-Gipfel wird nur Bilder von frôhlichem Händegeschüttel produzieren.

1. Einrichtung einer nationalen Breitband-AG, in die bestehende Provider ihre Netze einbringen und dementsprend Anteile erhalten, wobei der Staat grundsätzlich 50,1% der Anteile an der Breitband AG hält. Der Staat investiert in diese AG, um den Ausbau zu fördern. Alle Anbieter können ihre Dienste auf dem Netz nutzen und durch die daraus resultierenden Gebühren wird das Net gewartet und Instand gehalten. Der Wettbewerb in Deutschland wird neu entfacht, weil alle Marktteilnehmer die gleiche Ausgangslage und denselben Zugang zu Kunden erhalten. Von einem Netzausbau und mehr Nutzern profitieren alle.

2. Konsequente Neu-Ausrichtung der kommunalen Versorgungsbetriebe, die vorhandene Leitungswege durch Glasfaser erweitern und somit im kommunalen Bereich für das Schliessen von Lücken sorgen, analog zu dem, was sie bislang schon als Versorger leisten. Dadurch erhält das Netz einen wichtigen kommunalen Stellenwert und kann viel flexibler ausgerichtet an den örtlichen Erfordernissen. Natürlich werden die lokalen Netze dann auch durch nationale Anbieter genutzt. Investitionen in die lokalen Netze verpuffen so nicht in Bürokratien, sondern kommen direkt den lojalen Akteuren zu Gute.

Wir sollten uns generell beim Breitband-Ausbau nicht an dem jetzt Möglichen orientieren, sondern daran, was für die Nutzer, egal ob privat oder gewerblich, erstrebenswert ist. Die großen Akteure haben bislang gezeigt, das sie dazu nicht in der Lage sind. Also sollte die Politik handeln und neue Modelle entwickeln, die für neue Impulse sorgen können.

Manuela Schwesig, Mutter und Ministerin, hat einen interessanten Vorstoß gemacht. Sie hat gefordert, dass Eltern mit kleinen Kindern Vollzeit mit 32 Wochenstunden arbeiten können sollten.

Die Reaktion aus der Wirtschaft und von der Union war wie erwartet.
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Das bedeutet also, dass Manuela Schwesig auf dem richtigen Weg ist, wenn die üblichen Verdächtigen getroffen aufheulen.

Lasst uns mal ganz kurz innehalten mit all den Herausforderungen, die man so sieht, wenn man an 32 Stunden Arbeit denkt, die dann auch noch Vollzeit bezahlt werden sollen. Sondern lasst uns mal ganz kurz überlegen, wie das Leben mit kleinen Kindern so ist. Ich habe da auch ein klein wenig Erfahrung. Für Eltern mit kleinen Kindern gilt es, die Woche möglichst gut organisiert zu bekommen und darauf zu hoffen, dass nichts unerwartetes passiert, was alles über den Haufen wirft. Flexibilität wird groß geschrieben, sorgt aber für einen ziemlichen Husarenritt durch die Woche. Aber es gibt doch die Kinderbetreuung, werden jetzt viele denken, was soll denn das mit den 32 Stunden noch? Es gibt die Kinderbetreuung, aber es gibt eben auch Zeit, die man mit den Kindern verbringen will, es gibt die Zeit, die man benötigt, um mit den Kindern zu Nachmittagsterminen zu fahren, es gibt auch Zeit, die man für Besorgungen benötigt. Es gibt die berühmten Aufführungen, Elterngespräche und Verabredungen mit anderen Kindern, all das müssen die Eltern irgendwie organisieren, das schafft keine Betreuungseinrichtung und dafür ist diese auch nicht da.

Nun kann man entweder mit dem Arbeitgeber verhandeln und darauf hinweisen, dass flexible Arbeitszeiten nicht nur bedeuten, dass man mal länger macht, wenn es darauf ankommt, sondern auch, dass man den Start in den Arbeitstag und auch die Beendigung flexibel gestaltet und auch mal früher geht, um dann an einem anderen Tag länger zu bleiben. Wer das aber nicht kann, der hat kaum eine Möglichkeit, aus dem Hamsterrad Familie & Beruf kurz zu entfliehen, als sich krank zu melden oder Urlaubstage zu nehmen. Das halte ich für nicht so förderlich für die tägliche Motivation, ganz zu schweigen von der Produktivität.

Dann ist es doch besser, mal darüber nachzudenken, wie eine gesetzliche Regelung aussehen kann, die Eltern mit kleinen Kindern entlastet, die ihnen die Sorge nimmt, dass die eigene Karriereplanung durch Kinder komplett über den Haufen geworfen wird, die es ihnen erleichtert, durch die Woche zu kommen. Dabei muss man natürlich bedenken, dass insbesondere kleinere Unternehmen vor besonderen Herausforderungen stehen, wenn Mitarbeiter weniger arbeiten wollen, es aber nicht möglich ist, diese wegfallende Arbeit durch die Schaffung neuer Stellen zu kompensieren. Auch bei der Elternzeit gab es erst viel Gemotze, dass das die Wirtschaft schädigt, aber nun stellen wir fest, dass es immer normaler wird und die Wirtschaft auch trotz Elternzeit weiterhin wächst. Das Tolle am kapitalistischen System ist ja übrigens, dass es einen vorgegebenen Rahmen nutzen kann und wird, es muss nur klar sein, wie der Rahmen aussieht. Dieser Rahmen wird sich natürlich verändern und darauf müssen sich Unternehmen einstellen können, das ist eine unternehmerische Herausforderung wie viele andere auch.

Ich habe als Vollzeit arbeitender Vater immer das Gefühl gehabt, nicht genug für die Familie da sein zu können und wenn ich mir die Zeit organisiert habe, hatte ich immer das schlechte Gewissen, nicht genug für die Firma da sein zu können. Wenn man dieses Dilemma mit einer 32-Stunden Woche ändern kann, dann wird vielen Familien geholfen sein, und das wird nicht zu Lasten der Produktivität gehen in diesem Land, ganz im Gegenteil.

Ach und noch was. Ja, früher ging es ja irgendwie auch und wir sind auch alle ganz prächtig geraten. Ja, früher hatten wir auch einen Kaiser, das interessiert mich überhaupt nicht. Wir haben in Deutschland eine beschissene Geburtenrate und sollten alles dafür tun, dass dieses Land Familienfreundlicher wird.