Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat letzte Woche festgestellt, dass die Vorratsdatenspeicherung mit ihrer anlasslosen Speicherung von Telekommunikationsdaten weder mit dem Grundrecht auf Achtung des Privatlebens noch mit dem Grundrecht auf Datenschutz vereinbar ist.

Die Entscheidung des EuGH hat deutlich gemacht, dass die Vorratsdatenspeicherung weit über das Ziel hinausschiesst.  Gleichtzeitig ist festzustellen, dass trotz aller Forderungen nach der Einführung der Vorratsdatenspeicherung unsere Gesellschaft in den letzten Jahren auch sehr gut ohne die Vorratsdatenspeicherung ausgekommen ist. Jedenfalls wird in Zukunft das übliche FUD schlechter funktionieren, weil auch ohne Vorratsdatenspeicherung die digitale Gesellschaft nicht zu Sodom und Gomorrha geworden ist. Laut einem Bericht im Internet vom Wochenende wollen die Koalitionsparteien diese Legislaturperiode keinen neuen Versuch unternehmen, die Vorratsdatenspeicherung einzuführen. Ich glaube das nicht, sondern gehe von anderen Begrifftlichkeiten und anderen Bedrohungsszenarien aus, die von den Innenministern aus Bund und Ländern gemalt werden.

Aber auch wenn wirklich die Innenpolitiker jetzt nicht zum Zuge kommen sollten, werden wir allerdings nicht drumherum kommen, das Thema Vorratsdatenspeicherung in dieser Legislaturperiode zu diskutieren. Das Verhältnis von Freiheit und Überwachung ist von zentraler Bedeutung für die Digitalisierung der Gesellschaft und wir können jetzt nicht einfach mal 4 Jahre so tun, als ob das Thema gar nicht exisitiert.

Vor diesem Hintergrund und in Hinblick auf die Debatte um die Digitale Agenda fordere ich eine breite Diskussion über die Art und Weise, wie zum einen Strafverfolgungsbehörden in die Lage versetzt werden, auch im digitalen Zeitalter effizient Verbrechen bekämpfen können, zum anderen aber die Privatsphäre der Bürger geschützt werden kann. Denn es ist völlig klar, egal ob Terrorismusbekämpfung, Cybercrime, Urheberrechtsverletzungen, Cybermobbing oder was auch immer – die Bestrebungen seitens der Innenpolitiker und der Polizei wird immer sein, möglichst viele Daten möglichst schnell und über einen langen Zeitraum erheben zu können. Einiges davon ist legitim, vieles davon allerdings nicht, besonders wenn es anlasslos ist wie bei der Vorratsdatenspeicherung. Allerdings möchte ich auch mal darauf hinweisen, dass 100% Aufklärung bei Verbrechen zwar erstrebenswert, aber dies bei herkömmlichen Ermittlungen auch nicht der Fall ist und nur bei der Totalüberwachung aller Bürger möglich werden kann, was meines Erachtens ein zu hoher Preis wäre.

Bei der Diskussion über die Vorratsdatenspeicherung hat man allerdings auch einmal wieder gesehen, wie ein politisches Vorhaben durchgesetzt werden soll, damit vermeintliche Wähler-Interessen bedient werden können. Der Ruf nach Recht und Ordnung lässt zu viele Politiker zu vermeintlichen einfachen Lösungen greifen, die dann wie im Fall der Vorratsdatenspeicherung weit über das Ziel hinausschiessen und letztendlich auch nicht mehr vermittelbar sind. Wir sind bislang gut ohne anlasslose Vorratsdatenspeicherung ausgekommen, also möchte ich jetzt gerne mal erfahren, warum sie unser aller Leben sicherer machen würde. Das Pendel schlägt endlich wieder in Richtung Freiheit, wir sollten dies nutzen und eine positive Ausgestaltung der digitalen Gesellschaft vornehmen.

WLAN ist toll. Eine großartige Erfindung, die ich seit vielen Jahren nicht mehr missen möchte. Und ich weiss noch, wie es war, als man nie ohne LAN-Kabel aus dem Haus ging und zur Sicherheit noch einen kleinen Hub oder eine Switch dabei hatte. Ich weiss, Opa erzählt von der Zeit nach dem Krieg und so. Aber es kommt ja noch besser, mittlerweile gibt es öffentliche WLAN an vielen Ecken. Noch vor 10 Jahren war das total unüblich und als ich damals in Wien war zur BlogTalk, die erste Blogkonferenz damals 2003, da durfte ich ganz verzückt feststellen, dass im Museumsviertel öffentliches WLAN verfügbar war. In der Zeit gab es in Hamburg in einigen Cafés zwar bereits WLAN, aber insgesamt war es wenig verbreitet.

Mittlerweile wird mit WLAN geworben, es ist ein USP geworden für viele Cafés, Hotels und andere Plätze. Egal ob Starbucks oder Bahn, es wird mir ein WLAN zur Nutzung angeboten. Ich zahle fröhlich ein paar Euro mehr für meinen T-Mobile Vertrag, damit ich bundesweit die WLAN-Hotspots der Telekom nutzen kann.

So weit so gut. Aber was mich wirklich nervt, ist die extrem wechselhafte Qualität des WLAN-Angebots. Andersherum ausgedrückt: man kann sich nicht darauf verlassen, dass das WLAN nutzbar ist. Am ICE prangt ein dickes WLAN-Logo, aber das WLAN funktioniert nicht, niemand kann helfen. Im Starbucks sitzen so viele Leute mit Laptops, Smartphones und Tablets, dass man das WLAN zwar nutzen kann, aber alles so langsam ist, dass man kaum arbeiten kann. Anderswo kann man sich zwar einloggen, aber ansonsten funktioniert nichts. Ich denke, das geht nicht nur mir so, oder?

Ich verstehe das nicht. Warum schafft man ein Angebot und kümmert sich dann nicht darum? Für mich ist die WLAN-Nutzung zu einem reinen Glücksspiel geworden. Ich merke das immer daran wie schnell mein Datenpaket aufgebraucht ist, denn wenn das WLAN nicht funktioniert, arbeite ich eben über den Personal Hotspot meines iPhones. Ich arbeite viel von unterwegs und nutze die WLAN-Hotspots nicht nur aus Jux und Dollerei, sondern weil ich Dinge erledigen will oder muss. Zwar sind viele WLAN-Angebote mittlerweile kostenlos und liegen nicht mehr bei 24€ pro Tag wie noch vor einigen Jahren, aber es wäre doch sehr schön, wenn etwas mehr Wert auf die Qualitätssicherung gelegt werden könnte. Ich verstehe ja auch, dass im ICE die Nutzung des WLAN unter erschwerten Bedingungen passiert als im Café, aber für beide gilt: wenn man es anbietet, dann sollte es auch immer nutzbar sein und nicht nur manchmal. Sonst wird das nämlich alles nix mit dieser Breitband-Offensive in Deutschland, wenn wir noch nicht mal stabiles WLAN hinbekommen!

Aktuell erregt der Streik der Pilotengewerkschaft Cockpit die Gemüter, weil die Lufthansa 3 Tage lang bestreikt wird. Das ist für die Betroffenden in der Tat unschön und mit erheblichem Mehraufwand verbunden. Zumal die Piloten der Lufthansa eher Besitzstandswahrung auf sehr hohem Niveau betreiben und nicht so sehr um ihre finanzielle Existenz ringen müssen wie beispielsweise die untereren Lohngruppen im Öffentlichen Dienst.

Aber, wir haben in Deutschland ein Tarifrecht, das Streiks als Mittel im Arbeitskampf vorsieht und daran sollten wir festhalten, egal ob wir die Forderungen im Einzelnen gutheissen oder nicht. Natürlich wäre es für die beteiligten Tarifparteien einfacher, wenn man sich ohne Streiks, Aussperrungen und alles, was dazu gehört, auf einen neuen Tarifvertrag einigen könnte, aber das klappt eben nicht immer, da man sich oftmals eben von überzogenen Forderungen heranrobben muss an einen Kompromiss in der Mitte. Wir kennen das, die Dramaturgie erfordert dabei immer abgekämpft aussehende ältere Männer, die Mitten in der Nacht vor die Kameras treten und verkünden, dass ein Knoten durchschlagen wurde. Das sind tarifpolitische Rituale, die nur schwer zu ändern sind.

Wenn allerdings Wolfgang Steiger vom Wirtschaftsrat der CDU fordert, das Streikrecht zu ändern, dann platzt mir echt der Kragen!

„Die massive Erpressbarkeit der gesamten Wirtschaft durch Streiks an Schaltstellen der Infrastruktur ist so nicht mehr hinnehmbar“, sagte der Generalsekretär des Rats, Wolfgang Steiger, Handelsblatt Online. „Wenn kleinste Berufsgruppen ihre Sonderstellungen ausnutzen und bundesweit Transportsysteme stilllegen können, müssen die notwendigen Konsequenzen gezogen werden.“

Streiks, die keine Auswirkungen haben für die Arbeitgeber, sind nutzlos, das ist Herrn Steiger sicherlich bekannt und es ist daher nur noch die Frage, was alles als „Schaltstelle der Infrastruktur“ definiert werden kann. Wir sollten gar nicht erst auf die Idee kommen, Arbeitnehmern unterschiedliche Formen des Streikrechts zuzubilligen, es gibt schon die Ausnahmen für Beamte, das sollte reichen.

Mich regt es maßlos auf, wenn jedes Mal bei einem Streik so getan wird, als ob das öffentliche Leben in Deutschland zum Erliegen kommt. Ein Streik ist stets Ausdruck der Verhandlungen während der Friedenspflicht und daran haben grundsätzlich alle beteiligten Tarifparteien ihren Anteil. Natürlichen sollen Streiks verhältnismäßig sein, aber das ist eben auch eine Frage der Definition. Streiks sollten weiterhin in dieser Form für die Beschäftigten erhalten bleiben, denn gerade die öffentliche Stimmung sorgt für Druck auf die Tarifparteien, sich zügig zu einigen.

Agiles PublishingVor ein paar Monaten stolperte ich irgendwie über einen Hinweis auf das Buch Agiles Publishing und fand das spontan interessant. Einer der Autoren kontaktierte mich und liess mir ein Rezensions-Exemplar zukommen. Das Buch ist umfangreich, um es gleich mal vorweg zu nehmen. Auf 400 Seiten kommt einiges zusammen, von Organisation über Kreation bishin zur Technolgie. Die Autoren meinen es ziemlich ernst mit dem Untertitel „Fokus auf den Nutzer, das Silo-Denken beenden: Neue Wege des Publizierens für Print, Web und Apps.“ – und spannenderweise sind sie selber bei der Entstehung dieses Buchs neue Wege gegangen. Über eine Kickstarter-Aktion wurde genügend Geld eingesammelt, um das Buch vorzufinanzieren.

Vorraussetzung für Agiles Publishing ist natürlich ein Verständnis von agilen Arbeitsprozessen, die gleich zu Beginn des Buches erläutert werden. Hier wird derutlich, wie die Denke hinter Konzepten wie Kanban nicht nur für eine neue Art des Projektmanagements, sondern vor allem für mehr Offenheit bei den Mitarbeitern für neue oder andere Themen führen kann, weil das Miteinander neu definiert wird. Ich bin von agilen Entwicklungsprozessen fasziniert, seit ich vor über 10 Jahren mal ein Buch zum Thema Pair Programming in der Hand hielt. Die Übertragung dieser Ideen auf den gesamten Bereich des Publizierens finde ich nachgerade sinnvoll und auch zeitgemäß.

Natürlich wartet das Buch mit allen gängigen Schlagworten aus der Wunderwelt des Publishings auf, von Story first über Storytelling bis hin zu Data-driven Design, das tut dem Buch allerdings keinen Abbruch, sondern zeigt, wie aktuell es ist und wie sehr die Themen aktuell die Branche umtreiben. Ich finde es wohltuend, dass die Autoren einen technischen Hintergrund haben und sich so den Herausforderungen der Medienbranche nähern, die eben ganz oft auch erstmal technischer Natur sind und natürlich steten Veränderungen unterliegen.

Ich habe das Buch an den meisten Stellen mit einem deutlich vernehmbaren Nicken gelesen, denn vieles von dem, was die Autoren schreiben, macht nicht nur Sinn und sollte Best-Practice sein, aber ebenso deutlich wird dann auch beim Blick auf die deutsche Medienlandschaft, dass noch nicht zu viele Verantwortliche dieses Buch und die dahinterliegenden Konzepte verstanden und verinnerlicht haben. Dabei wünschen sich alle, schneller agieren zu können, handlungsfähiger zu sein und die Nutzer besser zu erreichen. Der Weg dahin ist in Agiles Publishing beschrieben. Natürlich gibt es auch eine Website zum Buch mit mehr Infos zum Thema.

Die Sache mit Protonet

Nico —  24.03.2014

Auf Startups aus Hamburg habe ich in aller Regel ein besonderes Augenmerk, aber als Protonet an den Start ging, liess mich das Thema ziemlich kalt, ebenso als sie eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne starteten. Als ehemaliger SysAdmin habe ich irgendwann eine gewisse Abneigung gegen Hardware entwickelt und finde vor allem deswegen die Cloud so faszinierend und praktisch. In der Cloud geht keine Netzwerkkarte mal eben kaputt, jedenfalls nicht so, dass man es mitbekommt als Anwender. Daher fand ich die Idee von Protonet, einen eigenen Server zu vertreiben, mit dem Firmen ihr Intranet organisieren können, ziemlich anachronistisch und egal. Für mich ist das Thema Kollaboration für Firmen ein Software-Thema, die Hardware ist nur nachgelagert.

protonetbox-450x600Nichtsdestowenigertrotz sah ich mir dann letzten Sommer auf Einladung von Philipp Baumgärtel die Firma in Hamburg Altona mal näher an. Durch die Enthüllungen von Edward Snowden war plötzlich Bewegung in das Thema Datensicherheit und Wirtschaftsspionage gekommen. Abgesehen davon, dass ich die Firma Protonet und ihre Verankerung in der Hamburger Maker-Szene ziemlich sympathisch finde, war nun auf einmal auch aus meiner Sicht ein praktischer Use-Case für eine eigene Serverbox unter dem Schreibtisch vorhanden. Es macht natürlich Sinn für Anwälte, Ärzte und andere, direkt auf einer Box in der Firma zu arbeiten und nicht immer alle Daten durch die Gegend zu pusten.

Ende letzten Jahres habe ich dann mal die Protonet Box, die in Altona handgeklöppelt wird, für ein paar Wochen zum Testen zuhause gehabt. Man hört nichts, nur ein blaues LED blinkt ab und zu mal etwas. Das Setup ist quasi nicht vorhanden, die Box ist ratzfatz konfiguriert und hängt dann im lokalen Netzwerk und ist per WLAN erreichbar. Danach ist die eigene Protonet-Instanz auch von Außen erreichbar und man kann Mitarbeiter anlegen und zur Mitarbeit einladen. Die Protonet Software ist ziemlich klasse für die Zusammenarbeit in Teams und auf Projekten, die Nutzeroberfäche ist angenehm aufgeräumt und präsentiert sich angenehm modern. Das war es auch schon. Ehrlich gesagt ist die Protonet Box total unspektakulär, denn einmal angeschafft, nimmt man sie nicht mehr wahr und kann ganz normal damit arbeiten, so wie man es erwartet. Naja, abgesehen von der mobilen Nutzung, da hat Protonet noch sehr viel Entwicklungspotential, um es mal freundlich auszudrücken.

Mittlerweile finde ich bei längerem Nachdenken das Konzept hinter Protonet und die Möglichkeiten ziemlich spektakulär, gerade in der Zeit nach dem Bekanntwerden der massiven Überwachungen durch NSA und GCHQ. Es ist aus guten Gründen gerade ziemlich en vogue, deutsche oder europäische Lösungen zu fordern, die sich an hiesige Standards halten und nicht auf amerikanischen Servern zuhause sind. Genauso so etwas liefert Protonet bereits schon jetzt. Nur glaube ich nicht, dass das Konzept „handgeklöppelter Server aus Altona“ dauerhaft fliegen und gut skalieren wird. Stattdessen ist Protonet eigentlich eine Software-Firma, die eine moderne Collaboration Software vertreibt, die ähnlich wie Basecamp, Trello oder Asana um Firmenkunden bemüht ist. Dabei mag die Protonet Box das trojanische Pferd in die Herzen der Datenschutz-interessierten Entscheider sein, aber die wirkliche Skalierung kann nur durch den Verkauf von Software-Lizenzen erfolgen. Ich glaube, dass es derzeit ein massives Potential gibt für eine web-basierte Collaboration-Software aus Europa, die in der Cloud oder auf einer eigenen Box funktionieren kann. Dazu benötigt Protonet dann noch eine vernünftige API, damit Unternehmen, Vereine und Verbände sich die Plattform noch customizen können. Dann allerdings kann der amerikanischen Konkurrenz wirklich die Stirn geboten werden und aus Protonet entstünde so etwas wie der europäische Gold Standard für Collaboration Software. Ich würde also konsequent auf die Entwicklung der Software setzen und sie als kostenpflichtige Cloud-Anwendung Teams zur Verfügung stellen, dabei aber einen Migrationspfad hin zur eigenen Box mitsamt Subventionsmodell über Laufzeit bzw. Anzahl der kostenpflichtigen Nutzer nicht vernachlässigen. Eigentlich müssten Investoren gerade Schlange stehen in Altona, um aus Protonet eine große pan-europäisch agierende Firma zu machen. Das Potential wäre da.

Zurück zur Protonet Box: wer eine Team-Software sucht, die elegant aussieht, einfach zu nutzen ist, und bequem im Büro funktionieren soll, liegt mit der Protonet Box genau richtig.