Es ist so sicher wie das Amen in der Kirche: sobald sich bei Google, Facebook, Apple oder Amazon eine neue Konstellation ergibt, treten Deutschlands Datenschützer auf den Plan und formulieren in drastischen Worten Endzeitszenarien. So natürlich auch nach der Übernahme von Whatsapp durch Facebook. Besonderen Eifer legt wie immer Thilo Weichert vom ULD in Kiel an den Tag, für den einerseits eine dritte Amtszeit per Lex Weichert geschaffen werden soll, was an sich schon ein Unding ist, der aber mit zunehmender Amtsdauer auch immer verbitterter und verbohrter wirkt und so langsam Züge eines Don Quixote von der Waterkant annimmt:

Damit werden nicht nur diese beiden US-Unternehmen, sondern potenziell die dort vorhandenen personenbezogenen Datenbestände verschmolzen. Dies ist insofern von höchster Datenschutzrelevanz, weil viele Menschen bei der Individualkommunikation von Facebook, um diesem Datenmoloch zu entgehen, zu WhatsApp gewechselt sind. Die Kommunikationsmetadaten wie auch die -inhalte beider Dienste stehen dem Betreiber lesbar zur Verfügung und können nun zusammengeführt, zur Profilbildung ausgewertet und für Werbezwecke kommerziell ausgebeutet werden.

250px-DataTNGEs ist schon interessant, wenn eine Terminologie wie “Datenmoloch” genutzt wird und dann die Nutzer aufgefordert werden, zu anderen Diensten zu wechseln. Dagegen wirkt sein Kollege aus Hamburg, der in der Vergangenheit ja auch den ein oder anderen Irrlauf hingelegt hat, geradezu euphorisch, wenn er darauf hinweist, dass mit der Übernahme die Datenschutzstandards bei Whatsapp eher steigen könnten.

Was Weichert in seinem Eifer verkennt, ist allerdings eine simple Tatsache: die Nutzer interessiert der Umgang mit ihren Daten entweder herzlich wenig oder sie nehmen vermeintliche Nachteile billigend in Kauf. Und es gibt dafür auch zwei ganz einfache Gründe:
1. Die Nutzer nutzen den Dienst, die ihre Freunde und Bekannten auch nutzen. Warum? Weil man nur dann kommunizieren kann, wenn auch die Kommunikationspartner den Dienst nutzen. Durch die Kommerzialisierung des Netzes und das Aufkommen der Ökosysteme wurde es leider nicht geschafft, für Chat und Messaging analog zu Email einen Standard zu definieren und auch zu nutzen. Japper/XMPP wurde zwar vom IETF ratifiziert, wird aber aufgrund der Inseldenke der Anbieter nicht als offenes Protokoll zum Austausch von Daten zwischen den Diensten angeboten. Also nutzen die Nutzer den Dienst, bei dem auch ihre Freunde und Bekannten sind. Etwaige Vorbehalte werden beiseite geräumt, weil der Kommunikationsanlass wichtiger ist.
2. Die Popularität eines Dienstes macht sich an anderen Faktoren fest als deutsche Datenschützer es gerne hätten. Das verhält sich in etwa so wie das Aufkommen der Beatmusik mit den Vorstellungen des Establishments in den 60er Jahren. Da prallten unterschiedliche Wert- und Moralvorstellungen aufeinander, aber die Entwicklung der populären Musik wurde dadurch nicht aufgehalten und es wurden in den Folgejahren viele gesellschaftliche Tabus gebrochen. Soziale Netzwerke basieren auf den Daten der Nutzer und Konzepte wie Datensparsamkeit sind dabei in der täglichen Nutzung kaum anwendbar, denn bei der Kommunikation fallen nun einmal Daten an und oftmals ergibt sich erst aus der Verknüpfung dieser Daten mit anderen Daten des Nutzers oder anderen Nutzern der Produktvorteil, den sich der Nutzer wünscht.

Die gesamte Hilflosigkeit des Thilo Weichert, der als oberster Datenschützer des Landes Schleswig-Holstein einfach nicht wahrhaben will, dass er eine Minderheitenposition einnimmt, die von den Nutzern in der Praxis noch nicht einmal ignoriert wird, manifestiert sich in seinem abschliessenden Zitat in der Pressemeldung zur Übernahme von Whatsapp:

Wem die Vertraulichkeit der eigenen Kommunikation etwas wert ist, der sollte auf vertrauenswürdige Dienste zurückgreifen. Dies können nur Unternehmen sein, die einem wirksamen Datenschutzregime unterliegen und die transparente technische Sicherungen vorsehen, etwa eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, so wie dies bei den schweizer Anbietern Threema oder myEnigma nach deren eigener Darstellung der Fall zu sein scheint.

Vertrauenswürdig ist also, wenn schweizer Unternehmen sagen, dass sie es sind. Ah ja. Hauptsache, nicht irgendwelche bösen Amis, sondern ordentliche Schweizer, die sich natürlich an Recht und Gesetz halten. Das Leben kann so einfach sein, wenn man sein eigenes Koordinatensystem fein säuberlich in gut und böse aufgeteilt hat.

Für mich ist immer wieder erstaunlich, wie freudlos diese Datenschutzhysterie doch ist. Das erinnert mich immer wieder an den Pietismus, bei dem ich auch immer den Eindruck habe, dass das eine sehr freudlose Veranstaltung (gewesen) sein muss, wenn die eigene Frömmigkeit und die damit verbundene reine Lehre überhöht wird. Bei der aktuellen Datenschutzdebatte treten einige Protagonisten für eine reine Lehre ein, verkennen aber völlig, dass ihre Schäfchen damit nichts mehr anfangen können, weil es nicht mehr ihren Erfahrungen und Nutzungsszenarien entspricht. Um überhaupt noch Gehör zu finden, werden Weltuntergangsszenarien bedient sowie Ressentiments geschürt und es werden unpraktikable Lösungen empfohlen, die niemand nutzen wird. Aber es ändert nichts an der Tatsache, dass die Nutzer weiterhin Facebook, Amazon, Google, Apple und andere Anbieter nutzen werden.

Bei der modernen Kommunikation fallen Daten an, die verarbeitet werden. Nutzer müssen den Anbietern vertrauen und es wird sicherlich immer ein gewisses Unbehagen bleiben. Für die meisten Nutzer internetbasierter Kommunikationsdienste stellt sich die Frage nach einer Enthaltsamkeit oder nach einer Datensparsamkeit schlichtweg nicht. Hinzu kommt, dass viele Nutzer sich der Banalität der eigenen Gespräche durchaus bewusst sind und daher vermutlich eher mit den Schultern zucken und sich über Whatsapp verabreden als auf verschlüsselte Dienste zurückzugreifen.

Ich halte Datenschutz für absolut wichtig, aber die Hysterie in der Debatte um Whatsapp und Facebook hilft nicht ansatzweise weiter. Vor allem klafft eine riesige Lücke zwischen dem Datenschutzverständnis vieler Datenschützer und der von den Nutzern tolerierten Praxis, die im Zweifel immer einen populären Dienst nutzen werden, egal wie sehr sich dieser an die Sichtweise des Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein hält. Wenn man allerdings in der Schmollecke steht, wird man den Großteil der Nutzer nicht erreichen können, sondern eher wie ein wirrer Kauz wirken, der den Anschluss verpasst hat. Ich will durchaus, dass der einzelne Nutzer versteht, was mit den Daten aktuell passiert, ich will auch, dass der einzelne Nutzer eingreifen kann und bestimmen kann, was mit den Daten geschehen darf, daher finde ich, dass wir diskutieren sollten, wie Datenschutz im Zeitalter digitaler Ökosysteme aussehen kann und welche Regulierungsmöglichkeiten überhaupt noch bestehen. Ein Appell zur Nutzung anderer Dienste ist dabei nicht die Lösung, sondern offenbart nur die eigene Hilflosigkeit.

WhatsApp-LogoDaten sind sowas von das neue Gold, das dürfte nach der Übernahme von Whatsapp durch Facebook für die unglaubliche Summe von 19 Milliarden Dollar nun aber auch jedem einmal klar geworden sein. Dabei hat Whatsapp nicht einfach nur 450 Millionen Nutzer, sondern es sind Nutzer, die einen mobilen Dienst nutzen, der einzig und allein auf Kommunikation ausgerichtet ist. Diese Kommunikation ist einfach und dabei eben elementar wichtig für die Nutzer. Whatsapp hat sich in der Vergangenheit nicht wirklich dadurch hervorgetan, dass sie die Privatsphäre der Nutzer großartig hoch gehalten haben, sondern sie haben alles getan, was eine schnell wachsende Firma eben so tut, um sich einen Marktvorteil zu verschaffen. Adressbücher wurden einfach hochgeladen ohne die Nutzer zu fragen und auf Datensicherheit oder gar Verschlüsselung wurde auch nur wenig Wert gelegt. Weil es die Nutzer vor allem null interessiert. Die Nutzer sind von der Einfachheit der Nutzung des Dienstes fasziniert und haben entweder die App gekauft oder auf den Moment gewartet, in dem Whatsapp wieder einmal kostenlos zu bekommen war. Den Nutzern war aber vor allem klar, dass sie ihre Freunde bei Whatsapp finden und dass sie dort nur eines machen können: mit ihren Freunden chatten. Denn mehr wollen sie gar nicht. Unsere 10-jährige Tochter hat auf dem iPhone genau eine App, die sie andauernd nutzt: Whatsapp. Sie ist dort in einem Groupchat mit ihren Freundinnen und kann so den ganzen Tag über mit ihnen quatschen. Ich vermute mal, dass die Nutzungsgewohnheiten bei vielen anderen Nutzern nicht großartig anders aussehen.

Warum hat Facebook nun Whatsapp gekauft?

450 Millionen Nutzer, die einen mobilen Messaging-Dienst nutzen. Messaging ist eine Kernkomponente von Facebook und da macht es natürlich Sinn, dafür zu sorgen, dass diese 450 Millionen Nutzer nicht zu einem anderen Ökosystem wandern, sondern dauerhaft an Facebook gebunden werden. Facebook fokussiert auf die mobile Nutzung, weil es verstanden hat, dass sich die Nutzung immer mehr dorthin verlagert. Facebook ist aber mittlerweile auch in der Lage, die mobile Nutzung zu monetarisieren. Das wird Facebook nun also auch bei Whatsapp hinbekommen, da bin ich mir sehr sicher. Mit der Akquisition hat Facebook quasi auf einen Schlag den größten mobilen App-Store und kann so für mobile Installs sorgen. Für den Wettbewerb wird es natürlich noch einmal um so schwieriger, schnell signifikante mobile Nutzungszahlen zu erreichen, denn zum einen hat Facebook den Kaufpreis für Messaging-Apps in die Höhe getrieben, zum anderen aber auch gleich den Markt dicht gemacht, weil es nun noch schwieriger ist, gegen die Dominanz von Facebook/Whatsapp im Messaging-Segment gegen anzustinken.

Für die Nutzer wird sich nicht viel ändern werden, abgesehen vielleicht davon, dass nun nicht mehr irgendeine Firma, die niemand kennt, irgendwas mit den Daten macht, was die Nutzer nicht großartig zu stören scheint, sondern dass nun Facebook sicherlich dafür sorgen wird, dass Datensicherheit einen größeren Stellenwert bekommen wird und dass Datenschutzauflagen besser erfüllt werden.

Den Kaufpreis kann ein hanseatischer Kaufmann sicherlich nur schwer nachvollziehen, aber für Facebook macht diese Akquisition auch in der Höhe Sinn. Es wird in den nächsten Jahren das Geld im mobilen Bereich wieder reinholen, es macht den Markt dicht für die Konkurrenz, es stärkt das eigene Ökosystem und es sorgt natürlich für etliche glückliche Menschen im erweiterten Netzwerk im Silicon Valley. Whatsapp ist der vielbeschworene SMS-Killer und nun gehört dieser Dienst zum Ökosystem von Facebook. Alles richtig gemacht, Mark Zuckerberg!

Es ist richtig und wichtig, dass die Presse die Politik kontrolliert und ganz genau hinsieht, was die gewählten Volksvertreter so treiben. Aber es nervt mich wahnsinnig, wenn immer wieder so getan wird, als ob Politikerinnen und Politiker nur in der Politik sind, um sich selber zu bereichern. In unzähligen Artikeln sind große und kleine Spitzen und Unterstellungen zu finden, bei denen es nur darum geht, Vorurteile zu schüren und damit Politikerinnen und Politiker zu diskreditieren.

– Vorurteil Nr. 1: Politikerinnen und Politiker sind nur des Geldes wegen in der Politik.
Bei jeder Diätenerhöhung wird wieder vom Selbstbedienungsladen gesprochen und suggeriert, dass der Politiker an sich zu viel verdient. Das Gegenteil ist der Fall. Für einen befristeten Job mit Führungsverantwortung und einem Pensum, das weit jenseits der 38-Stunden Woche liegt, sind die gezahlten Bezüge noch viel zu gering, um das Geld zum einzigen Motivationsgrund zu machen.

– Vorurteil Nr. 2: Politikerinnen und Politiker haben gar keine Ahnung von dem, was sie tun.
Das ist so ungefähr die billigste und dümmlichste Auseinandersetzung mit dem, was Politiker so leisten. Es wird oft kritisiert, dass eine fachliche Eignung, beispielsweise ein abgeschlossenes Studium in einem bestimmten Fachgebiet, fehle. Natürlich kann jemand Verteidigungsministerin werden, ohne vorher gedient zu haben und natürlich muss man kein Arzt sein, um Gesundheitsminister zu werden. Dafür haben Ministerien eine umfangreiche Bürokratie, die gespickt ist mit Fachleuten, gemeinhin Referenten genannt. Die Ministerien werden von Ministerinnen und Ministern geleitet, die den politischen Rahmen vorgeben und sich dabei auf die Ratschläge und Hinweise von Fachleuten verlassen.

– Vorurteil Nr. 3: Politiker haben nie richtig gearbeitet, sondern direkt eine Politiklaufbahn durchlaufen.
Was ist denn „richtiges Arbeiten“? Ist das nur Handwerk, oder auch Verwaltung? Was ist mit jemandem, der eine Firma erbt, diese leitet und dann in die Politik geht? Hat diese Person jemals „richtig“ gearbeitet? Es ist anmassend, über andere zu urteilen, dass sie nie richtig gearbeitet haben, nur weil sie einen Job machen, den man selber vielleicht nicht in seiner vollumfänglichen Komplexität durchschaut. Wer es schafft, Politik so zu organisieren, dass daraus eine Karriere wird, hat in aller Regel extrem viel Zeit dafür aufgewendet und sich professionelle Strukturen erarbeitet. Das ist anders als das, was man in der Fabrik oder der Zeitungsredaktion tagtäglich macht, aber es ist auch richtige Arbeit.

– Vorurteil Nr. 4: Politikerinnen und Politiker sind faul.
Der Klassiker. Schliesslich dauert alles in der Politik immer viel zu lange und das Ergebnis ist auch selten das, was man sich erhofft hat. Also sind die Politiker wohl faul, inkompetent sind sie ja sowieso. Na klar, es gibt immer mal wieder einen Calle von Bismarck, der nicht genau weiss, warum er eigentlich in der Politik ist, aber im Großen und Ganzen haben Politiker jeglicher Coleur die Hucke voll zu tun mit ihrem Job, und zwar 7 Tage die Woche rund um die Uhr. Als Politiker kann man nie sagen „geh weg, ich habe jetzt Feierabend, Du störst!“ und dessen sollte man sich stets bewusst sein. Denn zu den reinen Präsenzterminen im Wahlkreis, im Parlament, in den Arbeitsgruppen, bei Dienstreisen, in der Partei, bei Veranstaltungen, etc., kommt immer noch das Studieren von Akten, schreiben von Vermerken, und so weiter, und so fort. Ach so, und natürlich ist das Parlament nicht bei jeder Debatte knüllevoll auf den letzten Platz besetzt, denn der Deutsche Bundestag ist ein Arbeitsparlament und diese Arbeit findet in Ausschüssen, Arbeitsgruppen und Anhörungen statt, oftmals zeitgleich mit den Sitzungen des Bundestags. Wer mal im Reichstag war, der wird schnell merken, dass es dort wie im Bienenstock zugeht und Politikerinnen und Politiker wahnsinnig schnell zwischen den unterschiedlichen Themen hin- und herschalten müssen.

– Vorurteil Nr. 5: Politikerinnen und Politiker sind machtgeil.
Die allermeisten Politikerinnen und Politiker gehen nicht in die Politik, um im Alter gut versorgt zu sein. Sie gehen auch nicht in die Politik wegen der Diäten oder der Schnittchen bei Terminen. Sie gehen in die Politik, weil sie politisch etwas verändern, gestalten oder bewahren wollen. Das geht allerdings nur, wenn sie Macht besitzen und diese auch ausüben wollen. Einem Politiker oder einer Politikerin Machtgeilheit vorzuwerfen macht ungefähr so viel Sinn, wie einem Fußball-Stürmer dem Drang zum Tor übel zu nehmen. Wenn man keine Macht anstrebt, wird man auch seine politischen Positionen nicht durchsetzen können. So einfach ist das. Eine Politikerin oder einen Politiker ohne Willen zur Macht würde niemand wählen, wozu auch?

Es nervt mich wahnsinnig, wenn immer und immer unterstellt wird, dass unsere Politikerinnen und Politiker eigentlich ein Haufen fauler und inkompetenter Stümper sind, die keine Ahnung haben von dem, was sie tun und sich dabei auch noch hemmungslos bereichern. Das Gegenteil ist der Fall. Mir missfällt dabei durchaus die politische Meinung von vielen Politikerinnen und Politikern, aber so ist das nunmal mit der Demokratie. Man kann sich gerne über das politische Personal aufregen, sollte sich aber auch die Frage stellen, wer denn eigentlich noch so politisch motiviert ist, dass er oder sie Lust hat, diesen Job ausüben zu wollen. Auch wenn die Diäten über dem Durchschnittseinkommen in Deutschland liegen, so bedeuten sie dennoch noch kein Leben in Saus und Braus. Vergleichbare Führungskräfte in der Wirtschaft verdienen um einiges mehr und werden in aller Regel nicht am Wochenende auch noch angemeckert, weil die Ampelschaltung immer noch nicht verbessert wurde oder die Energiewende immer noch nicht vollendet ist.

Ich finde es überhaupt nicht mehr erstrebenswert, Politiker werden zu wollen, denn das ist ein verdammt undankbarer Job, der zudem auch noch von Journalisten auf Stammtisch-Niveau immer wieder in den Dreck gezogen wird. Bei jedem Furz wird Neid und Missgunst geschürt, ohne überhaupt mal zu reflektieren, ob der entstehende Schaden durch den möglichen Ansehensverlust wirklich diese Skandalisierung wert ist. Anders ausgedruckt: wenn Ministerinnen und Minister in ihrem Ministerien übernachten, dann tun mir diese Personen leid, weil sie augenscheinlich ein Arbeitspensum haben, dass dazu führt, dass man ganz auf eine Wohnung verzichten kann. Dann ist der Skandal eher, dass wir von unseren Politikerinnen und Politikern zu viel erwarten und es für sie immer schwieriger wird, Freizeit, und damit Zeit zur Entspannung, zu bekommen.

Vor zwei Wochen erhielt ich einen Anruf eines alten Bekannten, ob ich der Tochter eines gemeinsamen Bekannten behilflich sein könnte bei der Bewerbung um einen Praktikumsplatz in der Agenturbranche. Natürlich, so etwas mache ich gerne und ich habe in der Vergangenheit immer wieder Praktikanntinnen und Praktikanten eingestellt, mit denen ich sehr gerne zusammengearbeitet habe und die ich jederzeit wieder einstellen würde. Ich finde Praktika extrem nützlich, eigentlich.

Ich glaube, dass Praktika in der Tat nur ein Reinschnuppern in einen Job darstellen sollten und eben nicht als Beschaffung für billige Arbeitskräfte seitens der Unternehmen genutzt werden dürfen. Allein schon die Tatsache, dass es den stehenden Begriff Generation Praktikum gibt, zeigt mir, dass da etwas im Argen liegt. Weiterhin finde ich es fatal, dass insbesondere bei Praktika ohne Beziehungen kaum etwas geht. Da ist es offensichtlich, dass Jugendliche und junge Erwachsene benachteiligt sind, deren Eltern nicht über ein ordentliches Netzwerk in der gewünschten Branche verfügen. Wer in einer Agentur mal mit dem zahlreich verfügbaren unvermögenden Nachwuchs der Kunden zusammenarbeiten durfte, gegen den man sich als unterwürfiger Dienstleister nicht wehren kann, hat eine Vorstellung davon, wie sich diese Schieflage bei den Bewerbungen auf die Qualität der Praktika auswirkt. Dabei ist weder dem Unternehmen, noch den Praktikanten wirklich geholfen, wenn die eigentlichen Interessen oder das vorhandene Wissen ganz woanders liegen.

Ich habe nie ein Praktikum gemacht, abgesehen von einem einwöchigen Schülerpraktikum in einem Anzeigenblatt in Hamburg Bergedorf. Den Praktikumsplatz hat mir mein Stiefvater verschafft. Wie auch meinen ersten Sommerjob als Plakatkleber bei der SPD Hamburg. Ohne ihn hätte ich in den 90ern sicherlich nicht in den Semesterferien in der Landesorganisation Hamburg bei unzähligen Wahlkämpfen mitgeholfen, denn er hat mir den Einstieg verschafft, über den ich dann mein eigenes Netzwerk langsam aufgebaut habe. Ehrlich gesagt hatte ich aber auch das große Glück, dass Mitte der 90er dieses Internetdingens langsam losging in Deutschland und ich auch deshalb keine Praktika machen musste, weil ich stattdessen lieber gut bezahlte Jobs als Webdesigner, so nannte ich mich damals, man möge mir verzeihen und keine Frühwerke mehr im Internet finden, in den Semesterferien machte, da hatten es viele Kommilitionen um einiges schwerer, die Pflichtpraktika machen mussten und bei Firmen Klinken putzen durften.

Für mich sieht ein erfolgreiches Praktikum idealtypisch so aus, dass eine Praktikantin oder ein Praktikant in ein Unternehmen kommt, die Abläufe und Themen kennenlernt, eine eigene Nische für die Betätigung findet und sich dann so unentbehrlich macht, dass man alles daran setzt, diese Person nach Beendigung der Ausbildung oder des Studiums an sich zu binden. Mir ist das als Chef ein paar Mal gelungen und darauf bin ich dann immer ein klein wenig stolz, weil es eben so schön passt und für beide Seiten sinnvoll ist.

Es gibt es nun die YPD-Challenge, eine Plattform, bei der es um die Vermittlung von Praktikumsplätze geht. Beginnen wird die YPD-Challenge mit einer mehrtägigen Online-Challenge. Kann man sich hier beweisen, tritt man bei der Zertifizierung an, ein Offline-Event, wo man sich als Gewinner bereits einen von rund 120 Praktikumsstellen aussuchen kann. Und quasi als Icing on the cake können die Kandidaten in der TV-Show bei ServusTV mitmachen und um den Hauptgewinn kämpfen. Als mir das Format präsentiert wurde, war ich ja eher skeptisch. Aber es gibt einen Punkt, den ich an diesem Format gut finde: es können sich alle bewerben und es geht um die Fähigkeiten der einzelnen Person, nicht um die Ausprägung des jeweiligen Beziehungsnetzwerkes. Also es geht um können und nicht um kennen. Das finde ich gut und richtig, denn es bietet allen Bewerberinnen und Bewerbern die gleiche Ausgangslage. Die YPD-Challenge, das YPD steht für Young, Powerful und dynamic, lädt zu guter Letzt auch zur Karrieremesse ein, wo sich (Ex)-Kandidaten und Unternehmer treffen und austauschen können. Viele nennenswerte Unternehmen bieten über die YPD-Challenge Praktikumsplätze an, so daß ich davon ausgehe, dass wirklich für viele junge Leute einen prima Einstieg in das Berufsleben darstellen kann. Für die Teilnehmer an der TV-Show winkt als Hauptgewinn ein Sommer mit Karrierestationen in Top-Unternehmen weltweit. Die Zuschauer können während der Sendung ebenfalls teilnehmen und sich per SecondScreen den Herausforderungen stellen.

Macht mit! – der Anmeldeschluß ist der 24. Februar 2014!

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Irre, oder? Es kommt mir noch wie gestern vor, als ich staunend von dem schnell wachsenden sozialen Netzwerk las, das nur Leute mit der Email-Adresse einer amerikanischen Uni aufnahm und trotzdem, oder gerade deshalb, stetig populärer wurde. Ich bin daher auch erst seit knapp 7 Jahren bei Facebook, genauer gesagt seit dem 16. Februar 2007. Mittlerweile kenne ich nur noch eine Handvoll Facebook-Verweigerer, die aber allesamt wirre Aluhüte tragen und grundsätzlich meinen, wortreich erklären zu müssen, warum sie nicht bei Facebook sind und wirken dabei immer angestrengt und unentspannt. Alle anderen sind bei Facebook, vor allem, weil alle da sind.

Und ich? Ich finde Facebook toll! Gleichzeitig finde ich es aber auch nicht so toll. Aber toll überwiegt. Toll überwiegt vor allem deshalb, weil Facebook mir Menschen näher bringt, die mir wichtig sind. Man kann Facebook den ganzen Tag lang für irgendetwas kritisieren, vor allem dafür, dass es ein Ökosystem ist, dass natürlich zentralisierend wirkt und damit den dezentralen Tugenden des Netzes widerspricht. Aber, wie so oft im Leben, ist es einfach so, dass die Menschen das nutzen, was einfach ist und was sie verstehen, nicht dass, was versucht, dem Idealbild am nächsten zu kommen. Das ist ein bisschen so wie die Debatte um Linux auf dem Desktop, da war ich auch immer dafür, aber OS X ist einfach nutzbarer, also stirbt man den einen Tod und freut sich über unzählige Erleichterungen im Alltag.

Für mich ist Facebook vor allem eine Plattform, die viele Probleme gelöst hat, die mir irgendwann mal wichtig waren. Beispielsweise Facebook Connect, also die Möglichkeit, sich mit seinem Facebook Konto irgendwo anmelden zu können. Na klar, OAuth ist viel toller, aber eben auch viel umständlicher. Ich habe vor knapp 10 Jahren gemeinsam mit den Jungs von Knallgrau mal versucht, bei Blogs die gegenseitige Anmeldung bei Kommentaren hinzubekommen, damit man mehr Gewissheit hat, wer kommentiert. Das war ein netter Versuch, aber Facebook hat es auf einem globalen Maßstab richtig gemacht. Facebook macht vor allem das Messaging richtig, total nahtlos zwischen Web und mobile. Das habe ich mit Mabber bereits 2005 versucht, mit äußerst bescheidenem Erfolg, auch hier hat Facebook wieder alles so gemacht, wie es sein soll. Und natürlich gilt das auch für den Umgang mit Fotos. 550 Millionen Fotos werden jeden Tag bei Facebook hochgeladen, eine schier unvorstellbare Menge, die aber vor allem deswegen hochgeladen wird, weil es so einfach ist. Letztendlich hat Facebook über die umfangreiche API und den daraus resultierenden Markt für Apps dafür gesorgt, dass das Ökosystem Facebook weiter wächst und durch Dritte interessant gehalten wird.

Facebook hat natürlich bei dieser Entwicklung nicht alles richtig gemacht, ganz entsprechend dem eigenen Motto „move fast and break things“, aber Facebook schafft es immer wieder, sehr schnell aus Fehlern zu lernen und diese unzähligen Iterationen bei der Entwicklung machen Facebook so kraftvoll. Ich finde es bewundernswert, dass Mark Zuckerberg es geschafft hat, seine Vision von der Vernetzung der Menschen so groß skalieren zu lassen, denn man darf nicht vergessen, was das vor allem für eine technologische Herausforderung bedeutet, den ganzen Laden tagtäglich am Laufen zu halten. Ich hatte mal vor ein paar Jahren das Vergnügen, Mark Zuckerberg in Berlin treffen zu dürfen. Er tat mir ein wenig leid, am Abend im Hotel noch eine Handvoll Startup-Heiopeios treffen zu müssen, die ihm alle eher nichtssagend waren, aber er nahm diesen Abend sehr routiniert wahr und erläuterte im kurzen Zwiegespräch seine Vorstellungen von Facebook und den kommenden Entwicklungen. Für mich war klar: der Typ brennt für sein Produkt, der hat noch viel vor.

Seit 7 Jahren stopfe ich jede Menge Daten bei Facebook rein und bin alles andere als datensparsam. Auch wenn Facebook gerne als Datenkrake dargestellt wird und sicherlich viele, viele Datenpunkte über mich hat, so konnte ich bislang noch nicht feststellen, dass dies auch nur ansatzweise negative Auswirkungen auf mich oder meine Person hatte. „Na klar, die wollen Dich in Sicherheit wiegen!“ denken jetzt die Aluhüte, aber ich glaube ja vielmehr, dass Facebook bewusst ist, wie wichtig der sorgsame Umgang mit den persönlichen Daten ist. Journalisten tun gerne so, als ob Facebook die persönlichen Daten der Nutzer an Werbetreibende verkaufen würde, ich stelle mir dann immer die Übergabe eines Koffers voller Geld gegen einen Koffer voller Datensätze vor, aber natürlich tut Facebook gerade dies nicht, sondern versucht, die Werbung passend zu den jeweiligen Interessen der Nutzer auszuspielen. Wie gut das klappt, mag jeder selber beurteilen, ich jedenfalls sehe bei dem Algorithmus noch viel Potential.

Bin ich zu blauäugig? Das mag sein, aber was ist denn das schlimmste anzunehmende Szenario? Jemand mag meine politische Meinung nicht und stellt mich deswegen nicht ein, bzw. gibt mir keinen Auftrag. Tja, wenn so wenig Toleranz besteht, hätten wir sicherlich auch ohne Facebook nicht zusammengepasst. Jemand findet bescheuert, was ich so poste, meine Fotos, die Links, was auch immer. Ja, das mag sein, dann soll er oder sie eben etwas anderes im Web lesen, es ist ja genug da. Jemand nervt rum und trollt. Die Person wird geblockt und die Kommentare werden gelöscht. Das geht einfacher als mit irgendwelchen Hirnis in der Kneipe. Ja, ich weiss, ich bin seltsam exponiert auf Facebook und anderswo im Netz und meine Netznutzung gilt auf keinen Fall als pars pro toto für alle Nutzer im Netz – vor allem kann ich nachvollziehen, dass andere Leute ihre Privatsphähreneinstellungen anders handhaben als ich. Aber genau dafür bietet Facebook ja nun auch genügend Knöpfe, auf die man drücken kann.

Was mich wirklich an Facebook nervt, ist die Tatsache, dass Facebook als Ökosystem die unterschiedlichsten Inhalte aufsaugt, aber sehr zurückhaltend ist, was das Herausziehen der Inhalte angeht. Facebook wird sicherlich noch viele Dinge ausprobieren und ich bin gespannt, wie es weiter geht.