Wenn es nach Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach geht, dann sieht man jetzt schon die Anzeichen für das bevorstehende Ende von Facebook und wir werden eine Implosion miterleben. Für Wolfgang ist dies der Internettrend 2014 und er macht dies an drei historischen Erfahrungen fest. Erstens schichten mittlerweile auch die langsameren Firmen ihre Mediabudgets in Richtung Facebook ist, was ein Anzeichen dafür sei, dass Facebook zum AOL werde. Außerdem verändere sich die Nutzung von Facebook, was zur Implosion führen werde. Und der älteste Sohn von Wolfgang nutzt Facebook nicht. Nee, ist klar, dann hat Facebook ja wirklich ein Problem. Ich haue ja auch gerne mal eine steile These raus, aber so wird das nix, Wolfgang.

1693257-the-facebook-drama-the-social-network-wont-show-you---rotator_jpgFacebook ist jetzt 10 Jahre alt und ist natürlich nicht mehr das kleine Startup, das als Herausforderer sich mit den Großen der Branche anlegt, sondern ist einer der Platzhirschen. Aber, und das sieht man immer wieder, dennoch schafft es Facebook weiterhin, sich eine Kultur zu bewahren, die dafür sorgt, dass neue Dinge ausprobiert werden und dass mutig steinige Wege beschritten werden. Die Beispiele sind zahlreich, bei denen Facebook etwas versucht hat, was dann nicht geklappt hat, weil die Nutzer es nicht gut fanden oder nicht verstehen wollten, und was daraufhin wieder eingestellt wurde. Das war nicht erst bei Beacon so und die Einstellung der Facebook Mail-Adressen wird auch nicht der letzte Versuch gewesen sein, der daneben gegangen ist. Ich will jetzt gar nicht erst großartig auf die Whatsapp-Akquisition verweisen, auch weil Wolfgangs Text wohl vorher entstanden ist, aber der Whatsapp Share-Button sorgt in den USA schon jetzt für mehr Traffic als der vergleichbare Twitter-Button.

Was mich allerdings ärgert, das ist dieser dämliche Vergleich mit AOL. Ja, AOL war auch mal richtig groß und für Werbekunden attraktiv, aber wann war das bitte? Das war in grauer Vorzeit. Was hat sich seitdem nicht alles verändert, was einen historischen Vergleich eher absurd wirken lässt? Wir erinnern uns: AOL hat Internet-Zugänge angeboten und dann versucht, den dadurch entstehenden Traffic möglichst lange auf der eigenen Plattform zu halten, was eine zeitlang durch eine Walled Garden Infrastruktur auch gut funktionierte. Mit dem Aufkommen von unzähligen DSL- und Kabelanbietern, die „das reine“ Internet verkauften, wurde dieses Modell irgendwann obsolet. Ja, das war ein Silo, aber wo ist da der Bezug zu Facebook? Facebook ist ja nicht einfach nur eine Plattform, bei der Werbekunden Geld ausgeben, um ihre Nutzer zu erreichen. Facebook ist eine Plattform, auf der die Nutzer untereinander kommunizieren können. Sie tun dies, indem sie Photos hochladen, Status-Updates teilen, Games daddeln oder was auch immer. Facebook ist ein Ökosystem, von dem Drittanbieter partizipieren, die irgendwelche Dienste bereitstellen, die mit Facebook funktionieren. Unzählige Verknüpfungen bestehen mit dieser Plattform und für die Nutzer entwickelt sich dadurch eine Stickyness, die für regelmässig wiederkehrende Nutzer sorgt.

Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich, das dürfte bei AOL vs. Facebook schnell deutlich werden. Facebook beeindruckt mich immer wieder durch eine Agilität, die bei einer derartig komplexen Plattform nicht leicht umzusetzen ist in der Praxis. Facebook ist in der Lage, veränderte Nutzungsmuster zu erkennen und entsprechend das Angebot zu modifizieren, wie wir zuletzt eindrucksvoll an der Monetarisierung der mobilen Nutzung durch App-Installs gesehen haben.

Facebook wird nicht implodieren, denn Facebook erfindet sich täglich immer wieder ein Stück weit neu. Das können nicht viele Firmen dieser Größenordnung, aber mit Zuckerberg und der Einstellung „move fast and break things“ wird Facebook noch lange gleichzeitig die Börsen-Analysten und die Nutzer zufriedenstellen.

Die Privatheit ist auch nicht das, was es mal war. Jedenfalls würde ich dies einfach mal so behaupten, ohne das Verhältnis zwischen Privatheit und Öffentlichkeit, oder das Verhältnis von Verbraucher zu Wirtschaft oder gar das Verhältnis von Bürger zu Staat in diesem Kontext vor dem Hintergrund der Veränderungen durch die Digitalisierung der Gesellschaft auch nur ansatzweise diskutiert zu haben. Wir alle spüren die Veränderungen, wir alle merken, dass sich die Rahmenbedingungen verschieben und dass mittlerweile die Privatheit einen anderen Stellenwert bekommen hat. Es ist schon erstaunlich, wie sich der Umgang mit Privatheit in den letzten Jahren verändert hat. Es gibt viele Punkte, die immensen Umwälzungen ausgesetzt sind: das Einkaufsverhalten, die Freunde und Bekannten in sozialen Netzwerken, die Gespräche, die Bewegungen – alles kann mittlerweile digital erfasst, gespeichert und ausgewertet werden. Diese Entwicklung wird nicht aufzuhalten sein, daher wird es immer wichtiger sein, die Veränderungen der Privatheit der Bürger zu diskutieren und dafür zu sorgen, dass die mündigen Bürger verstehen, was gerade passiert. Das klingt einfach und nachvollziehbar, ist aber aus Sicht des Einzelnen eher unpraktisch und kompliziert.

Im Zeitalter des Web 2.0 sind die Nutzerinnen und Nutzer des Netzes in die Lage versetzt worden, auf einfachstem Wege Inhalte zu erstellen und diese auch gleich mit Familie, Freunde, Bekannten oder direkt dem Rest der Welt zu teilen. Unzählige Fotos von Abendessen, Konzerten, Katzen oder auch die berühmt-berüchtigten Selfies, also Schnappschnüsse als Selbstportraits, lassen Facebook zur größten Photosammlung der Welt werden, mit 350 Millionen neuen Photos am Tag. Viele dieser Photos sind mit Geo-Informationen versehen und zeigen somit an, wo sie aufgenommen wurden. Im Vergleich dazu wirkt der Dia-Abend mit Freunden und Bekannten, wie er in den 70er und 80er Jahren üblich war, wie eine sehr intime Veranstaltung. Neben Photos werden natürlich noch viele weitere Aspekte des täglichen Lebens mit anderen über digitale Wege geteilt. Man drückt seinen aktuellen Status aus und damit die derzeitige Befindlichkeit, verbreitet Musik, die man gerne hört, diskutiert Filme, Konzerte, Bücher und verteilt munter Links zu interessanten Artikeln. Das ist ein immer wichtiger werdender Bestandteil von dem, was wir in der digitalen Gesellschaft aktiv machen, denn nur so erfährt unser Umfeld, was uns umtreibt. Dieser Stream von Daten, die wir selber generieren, definiert unsere Einstellung zur Privatheit. Wir sorgen dabei für die eigene Inszenierung unseres digitalen Ichs. Dadurch, dass die weit verbreitete Kultur des Teilens dazu führt, dass man mehr Offenheit zeigt, verzichtet man entsprechend auf Privatheit.
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Es ist so sicher wie das Amen in der Kirche: sobald sich bei Google, Facebook, Apple oder Amazon eine neue Konstellation ergibt, treten Deutschlands Datenschützer auf den Plan und formulieren in drastischen Worten Endzeitszenarien. So natürlich auch nach der Übernahme von Whatsapp durch Facebook. Besonderen Eifer legt wie immer Thilo Weichert vom ULD in Kiel an den Tag, für den einerseits eine dritte Amtszeit per Lex Weichert geschaffen werden soll, was an sich schon ein Unding ist, der aber mit zunehmender Amtsdauer auch immer verbitterter und verbohrter wirkt und so langsam Züge eines Don Quixote von der Waterkant annimmt:

Damit werden nicht nur diese beiden US-Unternehmen, sondern potenziell die dort vorhandenen personenbezogenen Datenbestände verschmolzen. Dies ist insofern von höchster Datenschutzrelevanz, weil viele Menschen bei der Individualkommunikation von Facebook, um diesem Datenmoloch zu entgehen, zu WhatsApp gewechselt sind. Die Kommunikationsmetadaten wie auch die -inhalte beider Dienste stehen dem Betreiber lesbar zur Verfügung und können nun zusammengeführt, zur Profilbildung ausgewertet und für Werbezwecke kommerziell ausgebeutet werden.

250px-DataTNGEs ist schon interessant, wenn eine Terminologie wie “Datenmoloch” genutzt wird und dann die Nutzer aufgefordert werden, zu anderen Diensten zu wechseln. Dagegen wirkt sein Kollege aus Hamburg, der in der Vergangenheit ja auch den ein oder anderen Irrlauf hingelegt hat, geradezu euphorisch, wenn er darauf hinweist, dass mit der Übernahme die Datenschutzstandards bei Whatsapp eher steigen könnten.

Was Weichert in seinem Eifer verkennt, ist allerdings eine simple Tatsache: die Nutzer interessiert der Umgang mit ihren Daten entweder herzlich wenig oder sie nehmen vermeintliche Nachteile billigend in Kauf. Und es gibt dafür auch zwei ganz einfache Gründe:
1. Die Nutzer nutzen den Dienst, die ihre Freunde und Bekannten auch nutzen. Warum? Weil man nur dann kommunizieren kann, wenn auch die Kommunikationspartner den Dienst nutzen. Durch die Kommerzialisierung des Netzes und das Aufkommen der Ökosysteme wurde es leider nicht geschafft, für Chat und Messaging analog zu Email einen Standard zu definieren und auch zu nutzen. Japper/XMPP wurde zwar vom IETF ratifiziert, wird aber aufgrund der Inseldenke der Anbieter nicht als offenes Protokoll zum Austausch von Daten zwischen den Diensten angeboten. Also nutzen die Nutzer den Dienst, bei dem auch ihre Freunde und Bekannten sind. Etwaige Vorbehalte werden beiseite geräumt, weil der Kommunikationsanlass wichtiger ist.
2. Die Popularität eines Dienstes macht sich an anderen Faktoren fest als deutsche Datenschützer es gerne hätten. Das verhält sich in etwa so wie das Aufkommen der Beatmusik mit den Vorstellungen des Establishments in den 60er Jahren. Da prallten unterschiedliche Wert- und Moralvorstellungen aufeinander, aber die Entwicklung der populären Musik wurde dadurch nicht aufgehalten und es wurden in den Folgejahren viele gesellschaftliche Tabus gebrochen. Soziale Netzwerke basieren auf den Daten der Nutzer und Konzepte wie Datensparsamkeit sind dabei in der täglichen Nutzung kaum anwendbar, denn bei der Kommunikation fallen nun einmal Daten an und oftmals ergibt sich erst aus der Verknüpfung dieser Daten mit anderen Daten des Nutzers oder anderen Nutzern der Produktvorteil, den sich der Nutzer wünscht.

Die gesamte Hilflosigkeit des Thilo Weichert, der als oberster Datenschützer des Landes Schleswig-Holstein einfach nicht wahrhaben will, dass er eine Minderheitenposition einnimmt, die von den Nutzern in der Praxis noch nicht einmal ignoriert wird, manifestiert sich in seinem abschliessenden Zitat in der Pressemeldung zur Übernahme von Whatsapp:

Wem die Vertraulichkeit der eigenen Kommunikation etwas wert ist, der sollte auf vertrauenswürdige Dienste zurückgreifen. Dies können nur Unternehmen sein, die einem wirksamen Datenschutzregime unterliegen und die transparente technische Sicherungen vorsehen, etwa eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, so wie dies bei den schweizer Anbietern Threema oder myEnigma nach deren eigener Darstellung der Fall zu sein scheint.

Vertrauenswürdig ist also, wenn schweizer Unternehmen sagen, dass sie es sind. Ah ja. Hauptsache, nicht irgendwelche bösen Amis, sondern ordentliche Schweizer, die sich natürlich an Recht und Gesetz halten. Das Leben kann so einfach sein, wenn man sein eigenes Koordinatensystem fein säuberlich in gut und böse aufgeteilt hat.

Für mich ist immer wieder erstaunlich, wie freudlos diese Datenschutzhysterie doch ist. Das erinnert mich immer wieder an den Pietismus, bei dem ich auch immer den Eindruck habe, dass das eine sehr freudlose Veranstaltung (gewesen) sein muss, wenn die eigene Frömmigkeit und die damit verbundene reine Lehre überhöht wird. Bei der aktuellen Datenschutzdebatte treten einige Protagonisten für eine reine Lehre ein, verkennen aber völlig, dass ihre Schäfchen damit nichts mehr anfangen können, weil es nicht mehr ihren Erfahrungen und Nutzungsszenarien entspricht. Um überhaupt noch Gehör zu finden, werden Weltuntergangsszenarien bedient sowie Ressentiments geschürt und es werden unpraktikable Lösungen empfohlen, die niemand nutzen wird. Aber es ändert nichts an der Tatsache, dass die Nutzer weiterhin Facebook, Amazon, Google, Apple und andere Anbieter nutzen werden.

Bei der modernen Kommunikation fallen Daten an, die verarbeitet werden. Nutzer müssen den Anbietern vertrauen und es wird sicherlich immer ein gewisses Unbehagen bleiben. Für die meisten Nutzer internetbasierter Kommunikationsdienste stellt sich die Frage nach einer Enthaltsamkeit oder nach einer Datensparsamkeit schlichtweg nicht. Hinzu kommt, dass viele Nutzer sich der Banalität der eigenen Gespräche durchaus bewusst sind und daher vermutlich eher mit den Schultern zucken und sich über Whatsapp verabreden als auf verschlüsselte Dienste zurückzugreifen.

Ich halte Datenschutz für absolut wichtig, aber die Hysterie in der Debatte um Whatsapp und Facebook hilft nicht ansatzweise weiter. Vor allem klafft eine riesige Lücke zwischen dem Datenschutzverständnis vieler Datenschützer und der von den Nutzern tolerierten Praxis, die im Zweifel immer einen populären Dienst nutzen werden, egal wie sehr sich dieser an die Sichtweise des Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein hält. Wenn man allerdings in der Schmollecke steht, wird man den Großteil der Nutzer nicht erreichen können, sondern eher wie ein wirrer Kauz wirken, der den Anschluss verpasst hat. Ich will durchaus, dass der einzelne Nutzer versteht, was mit den Daten aktuell passiert, ich will auch, dass der einzelne Nutzer eingreifen kann und bestimmen kann, was mit den Daten geschehen darf, daher finde ich, dass wir diskutieren sollten, wie Datenschutz im Zeitalter digitaler Ökosysteme aussehen kann und welche Regulierungsmöglichkeiten überhaupt noch bestehen. Ein Appell zur Nutzung anderer Dienste ist dabei nicht die Lösung, sondern offenbart nur die eigene Hilflosigkeit.

WhatsApp-LogoDaten sind sowas von das neue Gold, das dürfte nach der Übernahme von Whatsapp durch Facebook für die unglaubliche Summe von 19 Milliarden Dollar nun aber auch jedem einmal klar geworden sein. Dabei hat Whatsapp nicht einfach nur 450 Millionen Nutzer, sondern es sind Nutzer, die einen mobilen Dienst nutzen, der einzig und allein auf Kommunikation ausgerichtet ist. Diese Kommunikation ist einfach und dabei eben elementar wichtig für die Nutzer. Whatsapp hat sich in der Vergangenheit nicht wirklich dadurch hervorgetan, dass sie die Privatsphäre der Nutzer großartig hoch gehalten haben, sondern sie haben alles getan, was eine schnell wachsende Firma eben so tut, um sich einen Marktvorteil zu verschaffen. Adressbücher wurden einfach hochgeladen ohne die Nutzer zu fragen und auf Datensicherheit oder gar Verschlüsselung wurde auch nur wenig Wert gelegt. Weil es die Nutzer vor allem null interessiert. Die Nutzer sind von der Einfachheit der Nutzung des Dienstes fasziniert und haben entweder die App gekauft oder auf den Moment gewartet, in dem Whatsapp wieder einmal kostenlos zu bekommen war. Den Nutzern war aber vor allem klar, dass sie ihre Freunde bei Whatsapp finden und dass sie dort nur eines machen können: mit ihren Freunden chatten. Denn mehr wollen sie gar nicht. Unsere 10-jährige Tochter hat auf dem iPhone genau eine App, die sie andauernd nutzt: Whatsapp. Sie ist dort in einem Groupchat mit ihren Freundinnen und kann so den ganzen Tag über mit ihnen quatschen. Ich vermute mal, dass die Nutzungsgewohnheiten bei vielen anderen Nutzern nicht großartig anders aussehen.

Warum hat Facebook nun Whatsapp gekauft?

450 Millionen Nutzer, die einen mobilen Messaging-Dienst nutzen. Messaging ist eine Kernkomponente von Facebook und da macht es natürlich Sinn, dafür zu sorgen, dass diese 450 Millionen Nutzer nicht zu einem anderen Ökosystem wandern, sondern dauerhaft an Facebook gebunden werden. Facebook fokussiert auf die mobile Nutzung, weil es verstanden hat, dass sich die Nutzung immer mehr dorthin verlagert. Facebook ist aber mittlerweile auch in der Lage, die mobile Nutzung zu monetarisieren. Das wird Facebook nun also auch bei Whatsapp hinbekommen, da bin ich mir sehr sicher. Mit der Akquisition hat Facebook quasi auf einen Schlag den größten mobilen App-Store und kann so für mobile Installs sorgen. Für den Wettbewerb wird es natürlich noch einmal um so schwieriger, schnell signifikante mobile Nutzungszahlen zu erreichen, denn zum einen hat Facebook den Kaufpreis für Messaging-Apps in die Höhe getrieben, zum anderen aber auch gleich den Markt dicht gemacht, weil es nun noch schwieriger ist, gegen die Dominanz von Facebook/Whatsapp im Messaging-Segment gegen anzustinken.

Für die Nutzer wird sich nicht viel ändern werden, abgesehen vielleicht davon, dass nun nicht mehr irgendeine Firma, die niemand kennt, irgendwas mit den Daten macht, was die Nutzer nicht großartig zu stören scheint, sondern dass nun Facebook sicherlich dafür sorgen wird, dass Datensicherheit einen größeren Stellenwert bekommen wird und dass Datenschutzauflagen besser erfüllt werden.

Den Kaufpreis kann ein hanseatischer Kaufmann sicherlich nur schwer nachvollziehen, aber für Facebook macht diese Akquisition auch in der Höhe Sinn. Es wird in den nächsten Jahren das Geld im mobilen Bereich wieder reinholen, es macht den Markt dicht für die Konkurrenz, es stärkt das eigene Ökosystem und es sorgt natürlich für etliche glückliche Menschen im erweiterten Netzwerk im Silicon Valley. Whatsapp ist der vielbeschworene SMS-Killer und nun gehört dieser Dienst zum Ökosystem von Facebook. Alles richtig gemacht, Mark Zuckerberg!

Es ist richtig und wichtig, dass die Presse die Politik kontrolliert und ganz genau hinsieht, was die gewählten Volksvertreter so treiben. Aber es nervt mich wahnsinnig, wenn immer wieder so getan wird, als ob Politikerinnen und Politiker nur in der Politik sind, um sich selber zu bereichern. In unzähligen Artikeln sind große und kleine Spitzen und Unterstellungen zu finden, bei denen es nur darum geht, Vorurteile zu schüren und damit Politikerinnen und Politiker zu diskreditieren.

– Vorurteil Nr. 1: Politikerinnen und Politiker sind nur des Geldes wegen in der Politik.
Bei jeder Diätenerhöhung wird wieder vom Selbstbedienungsladen gesprochen und suggeriert, dass der Politiker an sich zu viel verdient. Das Gegenteil ist der Fall. Für einen befristeten Job mit Führungsverantwortung und einem Pensum, das weit jenseits der 38-Stunden Woche liegt, sind die gezahlten Bezüge noch viel zu gering, um das Geld zum einzigen Motivationsgrund zu machen.

– Vorurteil Nr. 2: Politikerinnen und Politiker haben gar keine Ahnung von dem, was sie tun.
Das ist so ungefähr die billigste und dümmlichste Auseinandersetzung mit dem, was Politiker so leisten. Es wird oft kritisiert, dass eine fachliche Eignung, beispielsweise ein abgeschlossenes Studium in einem bestimmten Fachgebiet, fehle. Natürlich kann jemand Verteidigungsministerin werden, ohne vorher gedient zu haben und natürlich muss man kein Arzt sein, um Gesundheitsminister zu werden. Dafür haben Ministerien eine umfangreiche Bürokratie, die gespickt ist mit Fachleuten, gemeinhin Referenten genannt. Die Ministerien werden von Ministerinnen und Ministern geleitet, die den politischen Rahmen vorgeben und sich dabei auf die Ratschläge und Hinweise von Fachleuten verlassen.

– Vorurteil Nr. 3: Politiker haben nie richtig gearbeitet, sondern direkt eine Politiklaufbahn durchlaufen.
Was ist denn „richtiges Arbeiten“? Ist das nur Handwerk, oder auch Verwaltung? Was ist mit jemandem, der eine Firma erbt, diese leitet und dann in die Politik geht? Hat diese Person jemals „richtig“ gearbeitet? Es ist anmassend, über andere zu urteilen, dass sie nie richtig gearbeitet haben, nur weil sie einen Job machen, den man selber vielleicht nicht in seiner vollumfänglichen Komplexität durchschaut. Wer es schafft, Politik so zu organisieren, dass daraus eine Karriere wird, hat in aller Regel extrem viel Zeit dafür aufgewendet und sich professionelle Strukturen erarbeitet. Das ist anders als das, was man in der Fabrik oder der Zeitungsredaktion tagtäglich macht, aber es ist auch richtige Arbeit.

– Vorurteil Nr. 4: Politikerinnen und Politiker sind faul.
Der Klassiker. Schliesslich dauert alles in der Politik immer viel zu lange und das Ergebnis ist auch selten das, was man sich erhofft hat. Also sind die Politiker wohl faul, inkompetent sind sie ja sowieso. Na klar, es gibt immer mal wieder einen Calle von Bismarck, der nicht genau weiss, warum er eigentlich in der Politik ist, aber im Großen und Ganzen haben Politiker jeglicher Coleur die Hucke voll zu tun mit ihrem Job, und zwar 7 Tage die Woche rund um die Uhr. Als Politiker kann man nie sagen „geh weg, ich habe jetzt Feierabend, Du störst!“ und dessen sollte man sich stets bewusst sein. Denn zu den reinen Präsenzterminen im Wahlkreis, im Parlament, in den Arbeitsgruppen, bei Dienstreisen, in der Partei, bei Veranstaltungen, etc., kommt immer noch das Studieren von Akten, schreiben von Vermerken, und so weiter, und so fort. Ach so, und natürlich ist das Parlament nicht bei jeder Debatte knüllevoll auf den letzten Platz besetzt, denn der Deutsche Bundestag ist ein Arbeitsparlament und diese Arbeit findet in Ausschüssen, Arbeitsgruppen und Anhörungen statt, oftmals zeitgleich mit den Sitzungen des Bundestags. Wer mal im Reichstag war, der wird schnell merken, dass es dort wie im Bienenstock zugeht und Politikerinnen und Politiker wahnsinnig schnell zwischen den unterschiedlichen Themen hin- und herschalten müssen.

– Vorurteil Nr. 5: Politikerinnen und Politiker sind machtgeil.
Die allermeisten Politikerinnen und Politiker gehen nicht in die Politik, um im Alter gut versorgt zu sein. Sie gehen auch nicht in die Politik wegen der Diäten oder der Schnittchen bei Terminen. Sie gehen in die Politik, weil sie politisch etwas verändern, gestalten oder bewahren wollen. Das geht allerdings nur, wenn sie Macht besitzen und diese auch ausüben wollen. Einem Politiker oder einer Politikerin Machtgeilheit vorzuwerfen macht ungefähr so viel Sinn, wie einem Fußball-Stürmer dem Drang zum Tor übel zu nehmen. Wenn man keine Macht anstrebt, wird man auch seine politischen Positionen nicht durchsetzen können. So einfach ist das. Eine Politikerin oder einen Politiker ohne Willen zur Macht würde niemand wählen, wozu auch?

Es nervt mich wahnsinnig, wenn immer und immer unterstellt wird, dass unsere Politikerinnen und Politiker eigentlich ein Haufen fauler und inkompetenter Stümper sind, die keine Ahnung haben von dem, was sie tun und sich dabei auch noch hemmungslos bereichern. Das Gegenteil ist der Fall. Mir missfällt dabei durchaus die politische Meinung von vielen Politikerinnen und Politikern, aber so ist das nunmal mit der Demokratie. Man kann sich gerne über das politische Personal aufregen, sollte sich aber auch die Frage stellen, wer denn eigentlich noch so politisch motiviert ist, dass er oder sie Lust hat, diesen Job ausüben zu wollen. Auch wenn die Diäten über dem Durchschnittseinkommen in Deutschland liegen, so bedeuten sie dennoch noch kein Leben in Saus und Braus. Vergleichbare Führungskräfte in der Wirtschaft verdienen um einiges mehr und werden in aller Regel nicht am Wochenende auch noch angemeckert, weil die Ampelschaltung immer noch nicht verbessert wurde oder die Energiewende immer noch nicht vollendet ist.

Ich finde es überhaupt nicht mehr erstrebenswert, Politiker werden zu wollen, denn das ist ein verdammt undankbarer Job, der zudem auch noch von Journalisten auf Stammtisch-Niveau immer wieder in den Dreck gezogen wird. Bei jedem Furz wird Neid und Missgunst geschürt, ohne überhaupt mal zu reflektieren, ob der entstehende Schaden durch den möglichen Ansehensverlust wirklich diese Skandalisierung wert ist. Anders ausgedruckt: wenn Ministerinnen und Minister in ihrem Ministerien übernachten, dann tun mir diese Personen leid, weil sie augenscheinlich ein Arbeitspensum haben, dass dazu führt, dass man ganz auf eine Wohnung verzichten kann. Dann ist der Skandal eher, dass wir von unseren Politikerinnen und Politikern zu viel erwarten und es für sie immer schwieriger wird, Freizeit, und damit Zeit zur Entspannung, zu bekommen.