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Gestern wurde bekannt gegeben, dass Goodreads an Amazon verkauft wurde. Goodreads ist eine Plattform für Menschen, die gerne lesen und sich über Bücher austauschen wollen. Man ist auf Goodreads mit anderen Leuten verknüpft, idealerweise natürlich mit seinen Facebook-Freunden, und kann dann sehen, was diese Freunde lesen oder lesen wollen. Ich bin vor ein paar Monaten auf Goodreads gestossen, allerdings nur, weil ich immer mehr Freundes-Anfragen bekommen habe und mir das dann selber mal angucken wollte.

wanttoreadGoodreads ist sehr mächtig, nicht nur weil mittlerweile 16 Millionen Nutzer dort sind, sondern weil sehr einfach Lesetipps verbreitet werden, die sich dann doch von dem unterscheiden, was man in Buchhandlungen so findet oder was Amazon vorschlägt. Eigentlich ist Goodreads auch ganz einfach, man sagt einfach, was man gerade liest und wenn man damit durch ist, verteilt man ein paar Sternchen und sagt, wie einem das Buch gefallen hat. Man kann auch angeben, was man gerne lesen will. Goodreads verfügt auch über eine mobile App, die es ermöglicht, mal eben den Barcode zu scannen und dann zu sehen, was andere Leute so zu diesem Buch schreiben. Die Community bei Goodreads ist dann doch anders als bei Amazon selber, denn bei Goodreads kann ich erkennen, was meine Freunde zu Büchern sagen, was natürlich bei der eigenen Kaufentscheidung eine entscheidene Rolle spielt.

Bislang war Goodreads unabhängig, aber nun wird es zu Amazon gehören, was laut einem Blogpost der Gründer natürlich nur positive Effekte haben wird:

1. With the reach and resources of Amazon, Goodreads can introduce more readers to our vibrant community of book lovers and create an even better experience for our members.
2. Our members have been asking us to bring the Goodreads experience to an e-reader for a long time. Now we’re looking forward to bringing Goodreads to the most popular e-reader in the world, Kindle, and further reinventing what reading can be.
3. Amazon supports us continuing to grow our vision as an independent entity, under the Goodreads brand and with our unique culture.

Ja, das hört sich doch klasse an für Leute wie mich, die Goodreads vielleicht mal etwas mehr nutzen könnten und die einen Kindle besitzen, auf dem sie vielleicht auch noch mehr lesen könnten. Natürlich macht es Sinn, mir auf dem Kindle direkt anzuzeigen, was in meinem Umfeld gerade so gelesen wird, denn ich kann dort auch gleich den Impulskauf tätigen. So kann ich noch mehr lesen, natürlich auf meinem Kindle. Und mehr Geld ausgeben für Bücher bei Amazon.

Amazon zeigt mit der Übernahme von Goodreads, dass sie verdammt clever sind. Das ist keine Übernahme, die dazu führen wird, dass Goodreads schlechter wird für die Nutzer, sondern da die Kindle eReader eh schon weit verbreitet sind, wird es für die Nutzer mit Kindle einfach noch besser werden, und zwar für andere Lese-Communities unerreichbar besser. Amazon bekommt dafür den Zugriff auf die Database of Intentions im Bereich Bücher, denn bei Goodreads erfährt man nicht nur, was andere lesen, sondern auch, was sie lesen wollen. Das ist natürlich ein wichtiges Asset für Amazon, es wird ihnen helfen, noch mehr Bücher zu verkaufen und die Kunden noch besser zu binden. Sicherlich können wir auch jetzt schon im Buchladen den Barcode scannen und direkt bei Amazon das eBook bestellen, aber über Goodreads können wir sehen, was unsere Freunde zu dem Buch sagen und dann den Kauf tätigen, basierend auf den Empfehlungen unserer Peergroup. Das geht noch mehr zu Lasten des lokalen Buchhandels, das geht noch mehr zu Lasten anderer Plattformen und anderer eReader, aber wenn man, so wie ich, bereits Kindle Nutzer ist, dann wird es künftig noch einfacher sein, gute Bücher zu finden.

Amazon ist nicht erst seit gestern mächtig und weiss viel über uns Nutzer, aber diese Position wurde durch die Übernahme von Goodreads noch weiter ausgebaut und verfestigt. Das macht Sinn für Amazon, das ist toll für Kindle-Nutzer, aber es ist großer Mist für Verlage und Buchhändler. So langsam sollte man beginnen darüber nachzudenken, ob regulatorische Eingriffe notwendig werden, um weiterhin eine Vielfalt auf dem Buchmarkt zu gewährleisten.

Nachdem ich des Öfteren gefragt, warum ich sowohl ein Google Nexus 7 als auch ein Kindle Fire HD nutze, wo doch beide Tablets denselben Formfaktor haben und auch preislich recht gleich sind, dachte ich mir, ich schreibe das mal auf.

Google Nexus 7Ich glaube, der wesentliche Unterschied bei beiden Geräten liegt an den jeweiligen Ökosystemen, die zu den Tablets gehören. Auf dem Google Nexus 7 ist ein “reines” Android vorhanden, mit all den Vor- und Nachteilen der Flexibilität des Systems, während auf dem Kindle Fire HD ein abgespecktes Android zum Zuge kommt.

Im Google Play Store finden sich zwar tonnenweise Apps, aber bei Musik und Videos sieht es nicht ganz so prall aus. Dafür funktioniert natürlich die Nutzung von Gmail, Google Drive, Google+ und anderen Dienste aus dem Google-Universum ganz hervorragend. Der Browser Chrome ist super, da kann man nicht meckern, auch bei der Nutzung auf dem Tablet nicht. Youtube ist natürlich vorhanden, ebenso wie alle Klassiker des Google Play Stores.

Kindle Fire HD

Anders sieht es auf dem Kindle aus. Hier gibt es nur vergleichsweise wenig Apps, dafür aber ein ordentliches Musik-Angebot und mit Lovefilm auch die Möglichkeit, für 6,99€ im Monat unlimitiert viele Videos gucken zu können. Noch dazu bietet das Kindle Fire HD einen Micro-HDMI-Ausgang, um direkt die Videos am Fernseher gucken zu können. Natürlich kann man auf dem Kindle Fire HD auch die Kindle eBooks lesen, was über die Kindle App natürlich auch auf dem Google Nexus 7 wunderbar klappt. Ganz fürchterlich ist der Amazon Browser, genannt Silk, der eigentlich durch supersmartes Caching für schnelleres Browsen sorgen sollte, in der Praxis aber schnarchend lahm ist. Überhaupt wirkt das Amazon Kindle Fire HD eher wie der digitale Eingang zur Amazon Shoppingwelt, man soll vor allem Inhalte konsumieren, die vorher bei Amazon gekauft wurden. Richtig genervt bin ich beim Kindle Fire HD allerdings von der Lage der Lautstärke-Buttons und des Ein-/Ausschaltknopfes. Die finde ich nämlich nie auf Anhiebt und komme mir immer vor wie der letzte Computer-Illiterate, der zu doof ist, das Tablet anzuknipsen.

Zusammengefasst würde ich sagen, dass das Amazon Kindle Fire HD ein tolles Entertainment-Device ist, was durchaus zu mehr Einkäufen bei Amazon führen wird. Das Google Nexus 7 ist flexibler, aber eben nicht idiotensicher. Empfehlen kann ich beide, man sollte sich nur über die möglichen Anwendungsszenarien im Klaren sein. Die Größe finde ich persönlich super, denn 7 Zoll ist weit mehr als ein Smartphone bieten kann, aber es ist auch nicht so klobig wie ein normales iPad. Bei uns zuhause ist das Google Nexus 7 nur noch “das Tablet” und wird am Häufigsten genutzt.

Der Ton wird rauher im Tablet-Markt nach der Einführung des iPad Mini letzte Woche. Amazon berichtet in einem Gespräch mit AllthingsD, dass der Amazon Kindle Fire HD aufgrund der Einführung des Apple iPad Mini gerade verkauft wird wie warme Semmeln:

“Wednesday was the $199 Kindle Fire HD’s biggest day of sales since launch and up 3x week over week.”

Amazon Kindle Fire HD vs. Apple iPad MiniAber es reicht Amazon nicht, sich über diesen Erfolg zu freuen und das Kindle Fire HD auf amazon.com kräftig zu bewerben, sondern Amazon geht aggressiv einen Schritt weiter und sorgt unter der fetten Überschrift “Much More for Much Less.” für einen direkten Vergleich mit dem Apple iPad Mini direkt auf der Startseite von Amazon.com. Das Kalkül ist klar, es geht um die Vorherschaft im Einsteiger-Segment der Tablets, um die 7″ Geräte, die den wirklichen Massenmarkt ermöglichen werden. Da weder Amazon noch Apple einfach Geräte verkaufen, sondern dazu auch ein Ökosystem vorhalten, an das die Nutzer möglichst eng und lange gebunden werden sollen, versucht Amazon alles, um die Kunden davon zu überzeugen, das Amazon Kindle Fire HD zu wählen. Potentielle Käufer, wohlgemerkt, die sich bereits auf Amazon.com befinden, also wahrscheinlich schon Erfahrungen mit Amazon gemacht haben, oder gar über den Erwerb von Kindle eBooks bereits das Ökosystem nutzen. Die Preisdifferenz von $130 mitsamt dem Zitat von Gizmodo zur besseren Auflösung des Amazon Kindle Fire HD zeigen deutlich, dass hier die Kunden angesprechen werden sollen, die eher über Preis und Spezifikationen entscheiden wollen.

Ob die Kunden es dauerhaft toll finden, dass der oberste Menüpunkt beim Kindle Fire HD “Einkaufen” ist, wird sich in den nächsten Monaten auch in Deutschland zeigen. Erst einmal ist die neu entdeckte Einarmigkeit der Tablets für die Kunden von Vorteil, weil sie mehrere Optionen haben, langfristig stellt sich aber die Frage, ob die enge Verknüpfung mit einem Ökosystem den einzelnen Kunden nicht zu sehr in seiner Wahlmöglichkeit einschränkt.

Mit viel Tamtam hat Apple diese Woche das iPad Mini vorgestellt, die kleinere Version des iPads, die Steve Jobs angeblich niemals haben wollte. Apple zieht damit nach und bietet neben dem Google Nexus 7 Tablet und dem Amazon Kindle Fire nun das dritte Tablet im 7 Zoll Formfaktor an.

Amazon Kindle Fire HDWas ist dran an den kleineren Tablets? Der größte Unterschied ist, dass man 7 Zoll Tablets einfach mit einer Hand halten und bedienen kann. Das mag trivial klingen, ist aber entscheidend, wenn die Nutzung über das Betrachten von Fotos oder Filmen hinausgehen soll. Wer lange aktiv blättert und dabei ein iPad in der Hand hält, merkt schnell, wie das iPad schwer wird. Ausserdem ist es unpraktisch, dauerhaft ein Gerät mit beiden Händen halten zu müssen. Das 7″ Tablet ist größer als ein Smartphone, aber wirklich kleiner als ein Laptop, man kann das 7″ Tablet immer dabei haben. Das ist schon enorm praktisch und netterweise sorgen die aktuellen Auflösungen dafür, dass man das 7″ Tablet locker für alle möglichen Anwendungsszenarien nutzen kann.

Irgendwie sind diese neuen Tablets quasi die Taschenbuchisierung der Tablet-Landschaft. Und damit ein weiterer Schritt zur Massentauglichkeit. Zwar haben Apple, Amazon und Google unterschiedliche Herangehensweisen mit ihren Tablets und unterschiedliche Preispunkte, aber es gibt nun mehrere Optionen im Markt und damit wird dieses Segment noch interessanter werden. Die 7″ Tablets werden ubiquitär werden, mit Preisen weit unter den knapp 200 €, die Amazon und Google aktuell für ihre Tablets aufrufen. Das Subventionsmodell ist dabei ein starker Treiber, ähnlich wie wir es von den Mobilfunk-Unternehmen seit Jahren kennen, wird das Gerät günstig gemacht, damit mit der Nutzung Geld verdient werden kann. Wir sind nicht mehr weit entfernt von €1 pro Tablet, denn es gibt zunehmend mehr Inhalte und Dienste, die über Tablets angeboten und verkauft werden können.

Die neu entdeckte Einarmigkeit bei der Nutzung der Tablets wird für eine Umorientierung sorgen in der sog. App-Economy, denn plötzlich wird es nicht mehr “Mobile first” heissen, sondern “Tablet first” und damit sind dann die 7″ Tablets gemeint, die wie selbstverständlich zum Lesen und Schreiben genutzt werden, als Entertainment-Device, Shoppingtool und natürlich als interaktive Second Screen abends beim TV-Konsum auf dem Sofa.

Amazon Kindle PaperwhiteAmazon baut sein Ökosystem weiter aus und verfestigt seine Kundenbeziehungen, indem die bekannten Kindle Ebook-Reader jetzt auch in der Variante Kindle Paperwhite verfügbar sind, sowohl mit WLAN + UMTS als auch nur mit WLAN. Der Kindle Paperwhite hat eine höhere Auflösung und besseren Kontrast als die anderen Kindles, hinzu kommt, dass der Hintergrund weiss ist, daher auch der Name, und damit dem gewohnten Buch-Kontrast näherkommt. Die UMTS-Variante verfügt über die bekannte kostenlose Mobilfunkverbindung von Amazon, die es weltweit ermöglicht, neue Bücher auf den Kindle zu laden.

Amazon ist sehr direkt, wenn es darum geht, die Inhalte des Ökosystems von Amazon möglichst problemlos zu den Kunden zu liefern, damit diese gerne bezahlen und länger Kunden bleiben. “We sell the hardware at our cost, so it is break-even on the hardware.” hat CEO Jeff Bezos unlängst der BBC mitgeteilt, die Fokussierung liegt also ganz klar darin, die Kunden in die Lage zu versetzen, noch mehr Amazon Inhalte noch leichter zu kaufen. Dazu kommt die Verknüpfung von Amazon Prime mit weiteren Vorteilen. Amazon Prime bietet dem Kunden die kostenlose Lieferung an, dafür muss jährlich die Gebühr von 29 € fällig, was dazu führt, dass Kunden es vorziehen, bei Amazon zu bestellen, anstatt bei anderen Anbieter noch Versandkosten zahlen zu müssen. An Amazon Prime wird jetzt die Amazon-Leihbücherei geknüpft. Dadurch wird Amazon Prime attraktiver und die Hürde, einen neuen Kindle zu kaufen wird abgesenkt, weil die Amazon Kunden künftig 12 Bücher im Jahr kostenlos lesen können, je ein Buch pro Monat.

Natürlich verfolgt Amazon die gegenteilige Strategie von Apple, die ihre Produkte mit ordentlichen Margen anbieten und dazu die Inhalte liefern, aber interessant wird vor allem sein, wie Google sich zwischen Apple und Amazon positionieren will. Google geht auch preis-aggressiv an den Markt, hat aber nicht wirklich einen Plan, was die Inhalte angeht. Amazon geht mit dem Kindle in all seinen Variationen seine Strategie konsequent weiter und festigt seine Rolle als Inhalte-Distributor.