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Es sieht gut aus. Noch 49 Stunden und es wurden schon $450.000 von Nutzern und Entwicklern zur Verfügung gestellt. Der Gründer Dalton Caldwell will das Projekt nur vorantreiben, wenn App.net von genügend Entwicklern und Nutzern bereits im Vorfeld finanziell unterstützt wird und $500.000 zur Verfügung gestellt werden.

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Was war App.net noch mal?

App.net is a real-time social feed without the ads.
Let’s create a service that puts users first.

Noch ist App.Net in einer sehr einfachen Alpha verfügbar und es tummeln sich nur eine Handvoll Leute, was alles noch sehr überschaubar macht und mich an die ersten Tage bei Twitter erinnert, da wusste ich auch nicht, ob jemals irgendjemand lesen würde, was ich so schreibe.

nico on App.net

Ich finde App.net toll und würde mich sehr freuen, wenn es demnächst eine Alternative zu Twitter gibt, auch wenn natürlich die Nutzerzahlen derzeit sehr für Twitter sprechen. Aber die konsequente Limitierung des Ökosystems und die Fokussierung auf Werbung als einzige Einnahmequelle lässt mich zunehmend an Twitter zweifeln, was ich ja auch das eine oder andere Mal auf diesem Blog erläutert habe. Ich glaube wirklich, dass eine Alternative dem Web gut tun würde, weil dann die Fokussierung mehr auf Nutzer und Entwickler liegt, was ermöglicht, die Monetarisierung konsequent in Hinblick auf die Nutzung zu denken, also Monatsbeiträge für Nutzer und Kosten für die Nutzung der API durch die Entwickler.

Also los, seit dabei und unterstützt App.net!

Twitter wird das neue AOL

Nico —  31.07.2012 — 18 Comments

Ja, ich weiss, catchy Headline und so, aber so langsam sehe ich Twitter abgleiten. Noch gibt es keinen massiven CD-Versand, aber die Transformation von einer Firma, die fokussiert war auf das Bereitstellen eines auf Infrastruktur ausgerichteten Ökosystems hin zu einem Medien-Unternehmen wird immer deutlicher und damit verändert sich der Charakter von Twitter maßgeblich. Natürlich kann man dies als Wachstumsschmerzen abtun und einfach mal konstatieren, dass sich Twitter einfach über die Jahre ändert und aus einer Spielwiese für Geeks natürlich eine Mainstream-Mall werden musste, aber so leicht mache ich mir es nicht. Eigentlich habe ich auch gar keine Lust, immer über den drohenden Niedergang von Twitter zu schreiben, aber da ich täglich primär Twitter nutze, bin ich schon massiv angefressen von dem was passiert.

1. Die Kastration des Ökosystems geht munter weiter. Anstatt weiterhin auf die API zu setzen und sie als Teil der Monetarisierungs-Strategie zu nutzen, werden Drittanbieter zugunsten eigener Angebote zurückgedrängt. Kürzlich wurde sogar Instagram untersagt, über die Twitter-API den Nutzern das Finden der Freunde zu ermöglichen, die bereits Instagram nutzen. Instagram wurde von Facebook gekauft und prompt wird hier die API-Nutzung beschränkt, ebenso wie es jüngst bei LinkedIn passiert ist. Das gute alte Web 2.0 Mantra mit dem Nutzer im Mittelpunkt – das existiert bei Twitter nicht mehr wirklich.

2. Innovationen gibt es kaum noch und wenn, dann werden sie angekündigt und später kaum wahrnehmbar ausgerollt. Oder nutzt irgendjemand Brand Profiles, bzw. nimmt irgendwelche Twitter-Profile besonders wahr? Die ach so effiziente Werbung sehe ich kaum und so lange mir Twitter weiterhin im Web vorschlägt, doch endlich mal eine Twitter App für die mobile Nutzung herunterzuladen, und das wo ich sicherlich die Hälfte der Zeit über die iPhone App wittere, glaube ich nicht an die Effizienz und das Targeting der Werbung, ähnlich wie von Mario Sixtus neulich bei tagesspiegel.de gerantet. Die neueste Innovation ist das Erkennen von Börsentickersymbolen, wie es bei Stocktwits bereits seit 4 Jahren genutzt wird. Wow. Da wurde eine gute Idee aber mal schnell umgesetzt, das hat ja schon nahezu move fast and break thingssche Züge.

3. Der Werbekunde ist König. Natürlich brüstet sich Twitter immer wieder damit, dass auf 140 Zeichen dafür gesorgt wird, dass böse Regime kritisiert werden können, aber wenn ein Journalist sich über NBC und deren Olympia-Berichterstattung aufregt und dabei die Email-Adresse eines Verantwortlichen twittert, dann wird der Account gesperrt. Das ist vorauseilender Gehorsam, der zu dem üblichen Free Speech Pathos überhaupt nicht passt, aber da es eine Zusammenarbeit mit NBC gibt, wird hier mal eben durchgegriffen. Im Zweifel für den Werbepartner und gegen den Nutzer.

Diese drei Punkte zeigen, wie Twitter gerade sämtliche Konturen verliert, die es mal gross und attraktiv gemacht hat. Twitter hatte den Vorteil, über eine API schnell eine gute Verbreitung zu bekommen, aber dieses Ökosystem wird kontinuierlich zurückgefahren und der Gleichförmigkeit geopfert. Twitter verliert so nach und nach sämtliche Alleinstellungsmerkmale gegenüber Facebook, dass es trotz aller Kritik weiterhin schafft, eine für Entwickler und Nutzer attraktives Ökosystem zu gestalten. Sicherlich nervt auch bei Facebook einiges, aber die Entwickler von Apps können sich ziemlich sicher sein, dass sie auch in Zukunft auf eine API zurückgreifen können, da Facebook verstanden hat, dass Entwickler zur Attraktivität des Ökosystems beitragen und nicht störend sind für die Monetarisierung der Plattform. Twitter baut gerade einen Walled Garden um sich herum, damit die Werbekunden genügend Aufmerksamkeit bekommen können. AOL lässt grüssen und Twitter wird zunehmend belangloser werden.

Während Twitter zunehmend aolisiert wird, wirkt die geplante kostenpflichtige Alternative App.net immer attraktiver, braucht aber immer noch mehr Unterstützer.

Vor ein paar Tagen bin ich über den Artikel Announcing an audacious proposal von Dalton Caldwell gestolpert, der genervt von Twitter und der Fokussierung auf Werbe-Erlöse folgendes vorgeschlagen hat:

I believe so deeply in the importance of having a financially sustainable realtime feed API & service that I am going to refocus App.net to become exactly that. I have the experience, vision, infrastructure and team to do it. Additionally, we already have much of this built: a polished native iOS app, a robust technical infrastructure currently capable of handing ~200MM API calls per day with no code changes, and a developer-facing API provisioning, documentation and analytics system. This isn’t vaporware.

To manifest this grand vision, we are officially launching a Kickstarter-esque campaign. We will only accept money for this financially sustainable, ad-free service if we hit what I believe is critical mass. I am defining minimum critical mass as $500,000, which is roughly equivalent to ~10,000 backers.

In Kurzfassung will er $500.000 von ungefähr 10.000 Unterstützern bekommen, um eine eine Art Twitter 2.0 mit einer Fokussierung auf einem Ökosystem für Entwickler zu erschaffen. Caldwell geht davon aus, dass das bisherige System bei werbefinanzierten Plattformen sich immer zu Ungunsten der Entwickler und der Nutzer verhält, daher will er App.net grundsätzlich anders ausrichten.

Ich finde die Idee extrem spannend und gehöre zu den Unterstützern von App.net. Bis zum 13. August will Caldwell die Summe von $500.000 erreicht haben. Ich sehe in der Tat Vorteile darin, den Versuch zu unternehmen, eine Plattform an den Bedürfnissen der Entwickler auszurichten und glaube, dass über die mobile Nutzung durchaus eine Bereitschaft zum Bezahlen geschaffen werden kann. Natürlich ist es nicht leicht, neben den bestehenden sozialen Netzwerken einen neuen Dienst zu etablieren, wie wir das seit einem Jahr an Google+ sehen, aber dennoch finde ich die Idee unterstützenswert.

Mach mit!