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Ich werde den Eindruck nicht los, dass wir gerade in interessanten Zeiten leben. Man kann geradezu spüren, wie das Alte immer weniger relevant ist und wie die vielfältigsten Reaktanzen entstehen, um noch zu retten, was zu retten ist. Die Zyklen der Veränderung sind immer schneller und die Auswirkungen weitreichender, das spüren wir an allen Ecken und Enden. Das deutsche Bildungssystem aber bleibt fest in seinen Traditionen aus der Bismarck-Zeit stecken.

extrabreitschulebrennthurraZwar wird immer mehr erkannt, dass Kinder und Jugendliche anders lernen sollten und andere Inhalte benötigen, aber wir sorgen nachwievor dafür, dass wir passende Absolventen für die Herausforderungen der Vergangenheit heranzüchten. Daran hat das deutsche Bildungsbürgertum Schuld, denn hier wird weiterhin auf das Gute, Wahre, Schöne vergangener Zeiten beharrt. Hier sperrt man sich, zeigt seine Abneigung gegenüber populärer Kultur und lässt dies direkt ins Schulssystem fliessen. Beispielsweise gibt es in Hamburg seit dem Aufstand der gutbürgerlichen Kreise gegen eine Schulreform den sog. Schulfrieden – es muß kriegsähnliche Auseinandersetungen vorher gegeben haben, so stark waren die Beharrungskräfte.

Der britische Erziehungswissenschaftler Sir Ken Robinson hat vor einigen Jahren in einem Interview mit dem Guardian gesagt:

All children start their school careers with sparkling imaginations, fertile minds, and a willingness to take risks with what they think. […] Most students never get to explore the full range of their abilities and interests … Education is the system that’s supposed to develop our natural abilities and enable us to make our way in the world. Instead, it is stifling the individual talents and abilities of too many students and killing their motivation to learn.

Da ist viel dran. Hinzu kommt, dass wir immer noch einen Fächerkanon haben, der hilft, Herausforderungen vergangener Zeiten bewältigen zu können.

Das Ausbrechen aus einem starren System mit einem Fokus auf die Herausforderungen der Zukunft macht mehr Sinn als die ewige Beschäftigung mit der Rückbetrachtung. In einem lesenswerten Blogbeitrag für die Washington Post skizziert ein 15-jähriger Schüler seine Ansprüche an ein modernes Schulsystem:

A key element of middle school is initial exposure to career fields that students can choose to explore further in high school. Teachers can give students a broad understanding of career fields as it relates to the classes they are teaching. Students will be encouraged to self-direct their learning and develop a passion. This system is not anti-disciplinary; it’s simply more flexible. If schools are doing their job, students will no longer be asking, “When am I ever going to use this?” and will instead ask, “How can I learn more?”

Ich habe mich in meiner Schulzeit mehr als nur einmal gefragt, wofür ich das Erlernte jemals brauchen würde. Auch ich habe viel auswendig lernen oder abmalen müssen, ohne wenig Sinn und Verstand – aber immer in bester Tradition des deutschen Bildungsbürgertums habe ich Faust gelesen, Vektoren berechnet und Caesar übersetzt. Ich hatte nur ein Praktikum, und das habe ich ausgerechnet bei Thies Rabe beim Elbe Wochenblatt in Bergedorf gemacht, konnte ich ja nicht wissen, dass er später mal Bildungssenator werden konnte. Zwar kann es in der Schule nicht darum gehen, die Schülerinnen und Schüler für die Wirtschaft auszubilden, aber etwas mehr Realitätsnähe würde der Schule sehr gut tun, aber das ist ein strukturelles und inhaltliches Problem.

Wenn wir so weiter machen, dann können wir uns vielleicht noch auf das Land der Dichter und Denker berufen, spielen nur im 21. Jahrhundert keine Rolle mehr. Wollen wir das? Wie bekommen wir diesen Knoten durchschlagen, wie finden wir Antworten auf die Herausforderungen der Zukunft und wie sorgen wir dafür, dass unsere Schulen die Kinder und Jugendlichen sich wirklich ändern? Ich glaube, dass die Forderung nach einer Programmiersprache als zweite Fremdsprache ziemlich genau klarmacht, was sich ändern muß. Javascript ist den Schülern näher als Latein, ob die Lehrer es wahrhaben wollen oder nicht.

Eigentlich ist Bildung bereits ein groß angelegtes Spiel, bei dem man Jahr für Jahr eine Runde weiterkommt, wenn man genügend Punkte gesammelt hat. Aber ich glaube, daß an dem Thema Gamification der Bildung wirklich mehr dran ist, daß man durchaus mit mehr spielerischen Elementen und vor allem anderen Formen der Auszeichnungen die Schüler anders motivieren kann – quasi die 2.0 Version des netten kleinen Stempels als “gut gemacht” unter dem Aufsatz. Aber auch die Nutzung von Spielen selber kann den Schulalltag massiv verändern und die Schüler anders stimulieren.

Wenn Elemente der Gamification mehr und mehr in Schulen genutzt werden würden, was bedeutet das denn für die bisherigen Schulbücher? Ist die Schule nicht jetzt schon ein gigantisches Alternate Reality Game?

Gamification of Education

[ via Is gamification the key to education? | Techi.com ]