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Couch Commerce wächst gerade ordentlich. Laut einer Zusammenstellung von Monetate steigert sich der Traffic von Tablets derzeit um lumpige 348% und natürlich sind es überwiegend iPads, die derzeit auf dem Sofa eingesetzt werden. Noch sehe ich zwar immer noch viele eCommerce Sites, gerade im Fashion-Segment, die nicht für Tablets optimiert sind, aber da wird es ordentlich Bewegung geben in den nächsten Monaten.

Couch Commerce: How Tablet Shoppers are Changing Online Sales

Natürlich ist es viel entspannter, abends auf dem Sofa mal durch ein paar Angebote zu stöbern, als dies im Büro zu erledigen. Nicht anders wurde ja damals auch der Katalog benutzt.

In den letzten Tagen hat eine Meldung von Bloomberg die Runde gemacht, die suggeriert, daß Facebook Commerce nicht funktionieren würde: Gamestop to J.C. Penney Shut Facebook Stores und diese Meldung wurde gerne von allen aufgegriffen, die entweder Facebook irgendwie schon immer doof fanden oder einfach nicht verstehen, wie eCommerce auf Facebook funktionieren könnte.

In dem Artikel wird ein Social Media Berater wie folgt zitiert:

“It was basically just another place to shop for all the stuff already available on the retailer websites,” Gerten said. “I give so-called F-commerce an ‘F.’”

Na klar, wenn man einfach lieblos den Shop irgendwie bei Facebook reinstopft, dann fragen sich die Kunden natürlich was das soll und wo der Mehrwert bleibt.

Wet SealEs geht aber auch anders, wie das Beispiel Wet Seal zeigt. Wet Seal ist eine Modemarke aus den USA, die nicht nur eine Facebook Fanpage hat, sondern auch über 470 Läden quer über die USA verteilt. Wet Seal bekommt mittlerweile 20% des Web-Traffics über Facebook und sieht Facebook als massiven Umsatztreiber an. Allerdings findet man auf Facebook nicht einfach nur einen Abklatsch des Shops, sondern tägliche Inspirationen und Tipps, die von der jungen Zielgruppe gerne aufgenommen werden. Hinzu kommen smarte Verknüpfungen für die Nutzer, die das Angebot attraktiv machen:

Shoppers using the outfit tool are 40% more likely to buy something, and buyers spend 20% more.
“Shop with friends” users become buyers at 2.5 times Wet Seal’s average conversion rate online.
The iPhone app generates about 5% of Wet Seal’s overall Web traffic, and the app has been downloaded more than 65,000 times.
Girls look at about 500,000 outfits a week with their iPhones — traffic that spiked to about 750,000 a week the two weeks before back-to-school.
Facebook has become one of the largest marketing bases for store traffic, thanks to coupons and campaigns, and one of the biggest drivers of traffic to WetSeal.com

Das Wet Seal Beispiel ist von 2010/2011, aber ich gehe davon aus, daß man noch weitere Beispiele für Erfolgsgeschichten auf Facebook finden wird, wenn man nur etwas danach sucht und nicht einfach nur den Rückzug einiger Anbieter zum Anlaß für eine negative Geschichte nimmt.

Meine Vermutung für die Mißerfolge bei Gamestop, JC Penney und anderen: geringe konzeptionelle Flughöhe gepaart mit Abstimmungsproblemen innerhalb des Unternehmens und noch dazu kleine Budgets, so daß am Ende nichts Halbes und nichts Ganzes dabei rauskam und sich alle wunderten, warum die wundersamen Erfolge des Facebook Commerce nicht auch sofort bei Ihnen auftraten. Wenn man das Thema aber etwas pfiffiger und längerfristiger angeht und noch dazu mit dem Point-of-Sale und dem Web-Shop kombiniert, dann kann Facebook für ordentlichen Umsatz sorgen.

Wenn man mal 15 Jahre zurückblickt, dann fällt auf, daß man die Diskussion um Facebook Commerce und daß das ja gar nicht funktionieren könne, schon einmal hatte. Damals kamen Leute auf die Idee, das Web auch zum Verkaufen von Waren nutzen zu wollen. Völlig absurd, es gibt doch Kataloge! Erstaunlicherweise ist das Einkaufen im Web heutzutage Normalität und so wird es bei Facebook auch bald selbstverständlich zum Angebot vieler Unternehmen dazu gehören. Aber sicherlich anders, als JC Penney und Gamestop sich es vor einem halben Jahr mit dem Facebook Commerce vorgestellt hatten.

Wachstumsmarkt twommerce?

Nico —  20.07.2011 — 1 Comment

Nachdem f-commerce aktuell sehr im Fokus steht, will Twitter jetzt auch das Thema Commerce anpacken:

Twittter chief executive Dick Costolo has announced that in addition to its current money-maker, advertising, Twitter — in keeping with its monetisation drive — could potentially generate revenue from commerce.
[…]
“We already see a tremendous amount of commerce taking part on the platform”, he said. “We are thinking about the kinds of things that we will offer to the market and designing different things and experimenting with different things”.
Costolo cited the case of a professional American football team which used Twitter to advertise to fans that it had 1 000 tickets left for the next day’s game and sold them within an hour.
“How can we remove friction from the process?” he asked. “Now you have to go to a third site, enter a promotion code… Classic economics — good money to be made when you remove friction from transactions.”

Ich bin gespannt, was das in der Umsetzung bedeutet. Reibungslose Transaktionen über Twitter könnte natürlich eine Shop-Integration bedeuten, also im Web-Interface in der rechten Spalte, es könnte aber auch einfach nur bedeuten, daß Twitter Affiliate-Links nutzt, um von dem entstehenden Traffic zu Shops zu partizipieren.

Ich kann mir generell vorstellen, daß Twitter bei Impulskäufen gut funktionieren kann, allein schon wegen der ReTweets, die dann den einzelnen Nutzern eine gewisse Relevanz nahebringen und damit die Kaufentscheidung beeinflussen.

Die Umsetzung wird allerdings entscheidend sein, damit Twitter nicht zum Shoppingkanal verkommt.

[ via: Twitter now looking to monetise from ecommerce | memeburn ]

Gerne diskutieren wir über den Dialog in sozialen Netzwerken, über die positiven Faktoren für die Marke, über die Möglichkeiten zur gemeinsamen Entwicklung von Produkten und über die verbesserten Service-Aspekt für Nutzer, aber eigentlich wollen Unternehmen doch vor allem wissen, wie sie mit diesem Social-Media-Dings, das irgendwie nicht mehr weg gehen will, Geld verdienen kann.

In der aktuellen Studie des W3B: An Facebook führt kein Weg mehr vorbei, wird deutlich, daß Facebook nicht nur wahnsinnig wächst in Deutschland, sondern daß Facebook-Nutzer auch ordentlich shopping-affin sind.

Die Facebook-Nutzer gelten aus Sicht von Unternehmen durchaus zu Recht als attraktive Zielgruppe. Angesicht der Dominanz von Facebook bedeutet ein Social Media-Engagement eines Unternehmens damit immer häufiger eine Fokussierung auf Facebook und seine Nutzer.

Überraschend sind die Zahlen natürlich irgendwie nicht. Je mehr Menschen online einkaufen und je mehr Menschen auf Facebook sind, desto größer wird irgendwann auch die Schnittmenge derjenigen sein, die sowohl online einkaufen und auch bei Facebook sind. Aber nun gut, jetzt haben wir auch eine Studie, die dazu eine wundervolle Grafik auswirft.

Trotz aller Flapsigkeit ist mir eine Sache wichtig: Facebook und Commerce haben ein irres Potential. Der Facebook Store Finder gibt schon jetzt einen guten Überblick über Online-Shops, die auf Facebook integriert sind. Wir sind auch in Deutschland längst aus der Nische herausgekommen und können über Facebook die Kunden erreichen. Unternehmen stehen also jetzt vor der Frage: wie packe ich Facebook richtig an? Wollen wir nur fröhlichen Dialog, oder fangen wir auch mal mit harter Verkaufe an? Meine Prognose: Facebook wird in den nächsten 12 Monaten zu einem massiven Absatzkanal werden, wenn die Unternehmen realisieren, was für ein Potential sie auf Facebook heben können.