In den letzten Tagen hat eine Meldung von Bloomberg die Runde gemacht, die suggeriert, daß Facebook Commerce nicht funktionieren würde: Gamestop to J.C. Penney Shut Facebook Stores und diese Meldung wurde gerne von allen aufgegriffen, die entweder Facebook irgendwie schon immer doof fanden oder einfach nicht verstehen, wie eCommerce auf Facebook funktionieren könnte.
In dem Artikel wird ein Social Media Berater wie folgt zitiert:
“It was basically just another place to shop for all the stuff already available on the retailer websites,” Gerten said. “I give so-called F-commerce an ‘F.’”
Na klar, wenn man einfach lieblos den Shop irgendwie bei Facebook reinstopft, dann fragen sich die Kunden natürlich was das soll und wo der Mehrwert bleibt.
Es geht aber auch anders, wie das Beispiel Wet Seal zeigt. Wet Seal ist eine Modemarke aus den USA, die nicht nur eine Facebook Fanpage hat, sondern auch über 470 Läden quer über die USA verteilt. Wet Seal bekommt mittlerweile 20% des Web-Traffics über Facebook und sieht Facebook als massiven Umsatztreiber an. Allerdings findet man auf Facebook nicht einfach nur einen Abklatsch des Shops, sondern tägliche Inspirationen und Tipps, die von der jungen Zielgruppe gerne aufgenommen werden. Hinzu kommen smarte Verknüpfungen für die Nutzer, die das Angebot attraktiv machen:
Shoppers using the outfit tool are 40% more likely to buy something, and buyers spend 20% more.
“Shop with friends” users become buyers at 2.5 times Wet Seal’s average conversion rate online.
The iPhone app generates about 5% of Wet Seal’s overall Web traffic, and the app has been downloaded more than 65,000 times.
Girls look at about 500,000 outfits a week with their iPhones — traffic that spiked to about 750,000 a week the two weeks before back-to-school.
Facebook has become one of the largest marketing bases for store traffic, thanks to coupons and campaigns, and one of the biggest drivers of traffic to WetSeal.com
Das Wet Seal Beispiel ist von 2010/2011, aber ich gehe davon aus, daß man noch weitere Beispiele für Erfolgsgeschichten auf Facebook finden wird, wenn man nur etwas danach sucht und nicht einfach nur den Rückzug einiger Anbieter zum Anlaß für eine negative Geschichte nimmt.
Meine Vermutung für die Mißerfolge bei Gamestop, JC Penney und anderen: geringe konzeptionelle Flughöhe gepaart mit Abstimmungsproblemen innerhalb des Unternehmens und noch dazu kleine Budgets, so daß am Ende nichts Halbes und nichts Ganzes dabei rauskam und sich alle wunderten, warum die wundersamen Erfolge des Facebook Commerce nicht auch sofort bei Ihnen auftraten. Wenn man das Thema aber etwas pfiffiger und längerfristiger angeht und noch dazu mit dem Point-of-Sale und dem Web-Shop kombiniert, dann kann Facebook für ordentlichen Umsatz sorgen.
Wenn man mal 15 Jahre zurückblickt, dann fällt auf, daß man die Diskussion um Facebook Commerce und daß das ja gar nicht funktionieren könne, schon einmal hatte. Damals kamen Leute auf die Idee, das Web auch zum Verkaufen von Waren nutzen zu wollen. Völlig absurd, es gibt doch Kataloge! Erstaunlicherweise ist das Einkaufen im Web heutzutage Normalität und so wird es bei Facebook auch bald selbstverständlich zum Angebot vieler Unternehmen dazu gehören. Aber sicherlich anders, als JC Penney und Gamestop sich es vor einem halben Jahr mit dem Facebook Commerce vorgestellt hatten.

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