52 Bücher – Nr 43: Der Walden Field Guide

Ich habe nicht nur Walden von Henry David Thoreau als Schüler verschlungen, sondern bin auch begeisterter Leser der Zeitschrift Walden, die mehrmals im Jahr meine Sehnsüchte füttert. Ich würde gerne mehr in der Natur sein, mehr Wandern, mehr Stille geniessen, so wie man sich das eben als in der Großstadt lebender Vater von vier Kindern wünscht.

Daher habe ich mich sehr über den Walden Field Guide – Das ganze Jahr unterwegs in Deutschland gefreut, den ich zu Weihnachten bekommen habe. Monat für Monat wird erläutert, welche Tiere und Pflanzen man jetzt draußen entdecken kann. Hinzu kommt die Klärung wichtiger Fragen, die man sowieso von den Kindern gestellt bekommt und deren Antworten man kennen sollte. Also z.B. warum knistert Holz beim Brennen? oder woher kommt der Sand am Strand? Die Monatsstatistik zeigt auf, was man von den jeweiligen Monaten erwarten kann, natürlich garniert mit einer Bauernregel.

Der Walden Field Guide bietet einen schönen Überblick über das, was man in Deutschlands Natur erwarten kann. Selbst der Lummensprung fehlt in diesem Buch nicht.

Der Walden Field Guide – Das ganze Jahr unterwegs in Deutschland von Barbara Lich.

52 Bücher – Nr. 31: Nach dem Krieg – Wie wir Amerikaner wurden

karasek_nach_dem_kriegEigentlich wollten wir nur ein paar Kinderbücher kaufen, aber dann bin ich zufällig bei Buchhandlung Heymann über Nach dem Krieg – Wie wir Amerikaner wurden gestolpert. Hellmuth Karasek fand ich immer beeindruckend, denn er konnte einfach schön erzählen und wirkte auf mich immer unheimlich belesen und freundlich.

Nach dem Krieg ist Karaseks persönliche Erzählung der Jahre nach dem Krieg, dem Wiederaufbau und der konservativen Restauration der 50er Jahre. Große historische Züge werden mit kleinen persönlichen Episoden unterfüttert und angereichert. Das hat natürlich Züge von Opa erzählt vom Krieg, aber es ist auch unheimlich toll zu lesen und beeindruckend, wie Karasek als Junge die Wirren des Krieges und der Nachkriegszeit überstanden hat. Ähnliche Geschichten kenne ich von Erzählungen meiner Eltern, die allerdings zu klein bzw. noch nicht geboren waren und insofern eher die Geschichten ihrer Eltern und Verwandten erzählt haben.

Das Buch ist aber keine Ansammlung von Anekdoten, sondern zeichnet ziemlich gut ein Bild der damaligen Zeit, vor allem der gesellschaftlichen Konventionen und der wirtschaftlichen Entwicklungen. Der Schwarzmarkt wird ebenso behandelt, wie die Nitribit, das Verhältnis zu Amerika, der Umgang mit Nazis, die Veränderungen in den Familien oder auch der Umgang mit Schwulen.

Ich habe das Buch quasi in einem Rutsch inhaliert und obwohl das Buch erst nach Karaseks Tod fertiggestellt wurde, wirkt es wie aus einem Guss, auch wenn Karasek gerne mal ein wenig rumspringt in der Erzählung, so wie das eben ist, wenn Opa vom Krieg erzählt. Geärgert habe ich mich erst ziemlich zum Schluss, als das Tragen von Baseballkappen kritisch gewürdigt wurde und dem Lektorat nicht aufgefallen ist, dass das populäre NY auf einer Baseballkappe nicht Affinität zu den New York Giants, sondern zum Baseballteam New York Yankees ausdrücken sollte. Das mag banal sein, aber sowas darf nicht durchrutschen.

Das Buch habe ich auf dem Weg nach Amerika gelesen, das fand ich irgendwie passend.

Nach dem Krieg – Wie wir Amerikaner wurden

Die Sache mit dem transatlantischen Cyberdialog

Als ich vor ein paar Wochen eine Einladung per Mail bekam, dachte ich erst, jemand will mich verarschen. Transatlantischer Cyberdialog. Was für ein bescheuerter Begriff für einen Austausch über internationale Datenpolitik. Cyberdialog. Das musste ich erst mal sacken lassen und surfte eine Runde auf der Datenautobahn hin und her. Natürlich frotzelte ich später Aussenminister Steinmeier wegen des Begriffs an, er allerdings erwiderte nur, dass es wichtig sei, miteinander in einen Dialog zu treten. Da mag er Recht haben und dieses “man muss doch was machen” ist auch das Einzige, was ich dem Cyberdialog zu Gute halte.

Die Veranstaltung war für mich alles andere als ein Dialog. Außenminister Steinmeier hielt eine gute Rede, die versuchte, den Blick nach Vorne zu werfen und John Podesta, Berater von Präsident Obama im Bereich Big Data, antwortete mit einer dieser typischen Reden amerikanischer Politiker, die gerne viele Erfolge vorweisen, obwohl sich eigentlich noch nichts geändert hat, aber natürlich seien alle “committed”. Na dann. Laut Podesta sollen EU-Bürger künftig dieselben Rechte wie US-Bürger bei der Überwachung durch die NSA erhalten, also sie sollen nicht überwacht werden und wenn, dann auch einen Rechtsweg beschreiten können. Aber natürlich erst, wenn die NSA mit der Programmierung so weit ist, einige Gesetze verabschiedet wurde, und und und.

Nach diesen beiden Reden folgte eine Debatte mit viel zu vielen Teilnehmern, die alle viel zu lange Statements ablieferten. Natürlich waren alle Teilnehmer total distinguished, aber vor allem die amerikanischen Vertreter kannten sich alle schon seit Ewigkeiten und waren rhetorisch sehr darin geübt, mit salbungsvollen Worten wenig zu sagen. Was sie aber sagten, war dann doch sehr gönnerhaft: die USA und Deutschland verfügten über dieselben Werte und daher werde sich das schon alles einrenken. Da die Werte natürlich unterschiedlich sind, insbesondere wenn es um den Begriff der Freiheit geht, werte ich diese Aussagen als ein “wartet mal ab, ihr übernehmt sowieso unsere Standpunkte, ihr habt ja eh keine Wahl!”

Der Dialog-Teil des Cyberdialogs umfasste dann die übliche Runde mit Fragen und Antworten, wobei natürlich immer mit “that’s a great question!” geantwortet und dann über etwas ganz anderes geredet wurde. Wirkliche Regierungsvertreter saßen eh nicht auf dem Podium, sondern überwiegend Personen aus dem außen- und sicherheitspolitischen Establishment, die zwar Einfluss haben auf Regierungen, aber eher in beratender Funktion agieren. Parlamentarier saßen nicht auf dem Podium und aufgrund der Abstimmungslage des Tages, waren die geladenen Parlamentarier vor allem im Bundestag und nur kurz beim Cyberdialog.

Ich denke, dass es gut ist, ein Jahr nach den Enthüllungen von Edward Snowden mit den USA in einen Dialog darüber einzutreten, wie die Balance zwischen Freiheit und Sicherheit in der digitalen Gesellschaft auszusehen hat. Allerdings hat die Bundesregierung auch 2014 kaum Möglichkeiten, die Bundesbürger vor dem Ausspähen durch einen anderen Staat zu schützen. Für mich ist es nachrangig, ob Snowden im NSA-Untersuchungsausschuss vernommen werden kann oder nicht, sondern es ist viel wichtiger, dass der Staat hier seiner Verantwortung nachkommt und die massenhafte Überwachung durch die amerikanischen und britischen Partner unterbindet. Wenn dies politisch nicht klappt, dann sollte die Bundesregierung endlich dafür sorgen, dass die entsprechenden Abwehrmechanismen entwickelt werden. Allerdings sind die derzeitigen Bemühungen eher dem Umstand geschuldet, dass es der US-Regierung ziemlich egal ist, was die Bundesregierung will. Natürlich will die Bundesregierung nicht, dass bei der Beschäftigung mit Edward Snowden herauskommt, dass die Bundesregierung oder deutsche Geheimdienste schon länger involviert waren. Daher wird jetzt der Blick nach Vorne geschärft, auch aus Eigennutz. Der Cyberdialog ist sicherlich ein erster Schritt, aber derartig zaghafte diplomatische Bemühungen mit mediokrer Einbeziehung der Zivilgesellschaft wird die anlasslose Überwachung der Bundesbürger sicherlich nicht zeitnah beenden.

PC-Kenntnisse sind in diesem Land schwer verfügbar

Ach ja, das Land der Dichter und Denker mal wieder:

Deutschland ist bei Computer-Kenntnissen im internationalen Vergleich zurückgefallen. 2008 lag Deutschland auf Platz vier der EU-Rangliste. Damals verfügten 60 Prozent der Bundesbürger über mittlere bis gute Computer-Kenntnisse. Diese Quote ist nun leicht auf 58 Prozent gefallen. Das reicht derzeit nur noch für Rang zehn in der EU, viele Länder sind vorbeibezogen.

Die Schlagzeile PC-Kenntnisse: Deutschland fällt zurück sollte eigentlich alle alarmieren. Wir leben in einem Land ohne nennenswerte Rohstoffe, das derzeit massiv vom Export abhängig ist. Bereits jetzt und noch viel mehr in der nahen Zukunft wird es immer wichtiger sein, einen Computer bedienen zu können. Deutschland verliert hier den Anschluss und zwar bereits bei den Basics.

Wir müssen uns nicht wundern, wenn “die Wirtschaft” jedes Jahr beklagt, dass es einen Fachkräftemangel gibt, wenn noch nicht einmal PC-Kenntnisse vorhanden sind. Es kann doch niemand ernsthaft glauben, dass bei einer weiterhin anziehenden Globalisierung in Deutschland gering ausgebildete Menschen noch eine Chance haben werden, wenn sie nicht über PC-Kenntnisse verfügen. Ich habe letztens gefordert, dass Programmiersprachen als zweite Fremdsprache an Schulen unterrichtet werden sollten, um den Schülern ein besseres Rüstzeug zu geben. Eine Programmiersprache zu verstehen wird künftig so wichtig sein, wie Latein-Kenntnisse im 19. und 20. Jahrhundert.

Rang 10 bei den PC-Kenntnissen in der EU ist eindeutig zu wenig, zeigt aber auch wieder, dass eine Kultur der Technologie in Deutschland fehlt, die einen unbefangeren Umgang mit Technologien fördert.

Was will ein Land wie Deutschland eigentlich in der Zukunft anstellen mit 42% Computer-Analphabeten? Wir müssen den Menschen eine Perspektive bieten und das geht nur über die Beschäftigung mit Computer, Internet und Programmiersprachen. Marc Andreesen hat kürzlich einen viel beachteten Artikel mit der programmatischen Überschrift Why Software Is Eating The World geschrieben und argumentiert, dass Software die treibende Kraft geworden ist:

Six decades into the computer revolution, four decades since the invention of the microprocessor, and two decades into the rise of the modern Internet, all of the technology required to transform industries through software finally works and can be widely delivered at global scale.

Da ist was dran und es wäre schön, Deutschland würde von dieser Entwicklung partizipieren und nicht nur feststellen, dass andere Länder mit dieser Veränderung besser klar kommen.

Der Aufstieg der Piratenpartei

Aufstieg der Piratenpartei in Deutschland

Aufstieg der Piratenpartei in Deutschland

Die Wahlerfolge sind da, jetzt muß auch mal geliefert werden. Darauf warte ich nun schon länger, daran wird aber sicherlich sehr liquide und fluide gearbeitet werden. Die Mitgliederzahlen stimmen übrigens nur, wenn man auch die nicht zahlenden Mitglieder berücksichtigt.

[ via • Infografik des Tages | Statista ]