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Für die SPD-Führung ging es bei der Abstimmung über die Vorratsdatenspeicherung um die Regierungsfähigkeit – und mit Ach und Krach wurde eine Zustimmung von 56% erreicht. Das ist alles andere als glanzvoll und zeigt, dass die SPD weiterhin in dieser Frage gespalten ist.

Nun soll sie also kommen, die Vorratsdatenspeicherung, bei der von allen Menschen in Deutschland die Verbindungsdaten für 10 Wochen gespeichert werden sollen. Und bei der die Standortdaten 4 Wochen lang aufgehoben werden sollen. Von allen Kindern, allen Senioren, und auch von Ihnen! Sie haben sich nichts zu schulden kommen lassen? Das soll künftig egal sein! Und kommen Sie jetzt bitte nicht mit Details, es geht doch um unser aller Sicherheit! Diese Grundrechte, von denen man manchmal hört, sind da wohl nur noch störend.

Sigmar Gabriel hat einen irritierenden Kurs eingeschlagen. Er verschafft der SPD ein Profil, bei dem er mit dem Thema Innere Sicherheit punkten will. Die Digitalsierung darf als Drohkulisse herhalten, als etwas, was die Politik bändigen muss. Mit Placebo-Politik wie der Vorratsdatenspeicherung soll dies gelingen. In 3 Jahren soll dann auch mal geguckt werden, ob die Volksdatenspeicherung überhaupt etwas gebracht hat – die Selbstverständlichkeit, bei einem umstrittenen Gesetz auch mal zu überprüfen, ob es überhaupt nützlich ist, wird heutzutage als Kompromiss verkauft.

Für diesen Kurs hat er die minimale Zustimmung von 56% der Delegierten des Parteikonvents erhalten. Für diesen Kurs hat er dem Justizminister vor laufender Kamera das Rückgrat entfernt. Für diesen Kurs hat er sein Amt in die Waagschale geworfen. Alles, nur damit die SPD in Fragen der Inneren Sicherheit und bei der Digitalpolitik genauso schlecht aussieht wie die CDU/CSU.

Das wird die SPD zweifelsohne 2017 so richtig voranbringen! Bei der politischen Konkurrenz knallen schon die Sektkorken! Mit Regierungsfähigkeit hat dieser Kurs nichts zu tun, sondern eher mit dem Eingeständnis, als Partei nur eingeschränkt zukunftsfähig zu sein!

Es gibt kaum eine Frage, die mich derzeit mehr nervt als die Frage nach einem Livestream von Veranstaltungen. Nur weil etwas geht, muss es noch lange nicht Sinn machen, es zu tun.

Livestreaming ist eine völlig falsch verstandene Art der Transparenz, eines der vielen Irrtümer, die aus dem Umfeld der Piratenpartei hervorgegangen ist. Der kleine Bruder des Livestreaming ist übrigens die Twitterwall, die ich auch für völlig schwachsinnig halte.

Ich glaube nicht, dass alles, was wir machen, live gestreamt werden muss. Und ich glaube auch nicht, dass wir in Echtzeit auf alles antworten müssen, nur weil es theoretisch ginge.

Natürlich finde ich es erstrebenswert, die Teilhabe zu verbreitern, weswegen ich Vorträge durchaus live streamen würde.

Nicht aber Diskussionsveranstaltungen. Sobald eine Kamera läuft, verändert sich die Dynamik einer Veranstaltung. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer versuchen dann so zu sprechen, dass es kameratauglich ist. Das wird dann ungefähr so spannend wie das gegenseitige Verlesen von Pressemitteilungen, denn alle Teilnehmer greifen auf Textbausteine zurück. Das wird noch schlimmer, wenn man gleichzeitig eine Twitterwall im Blick haben soll, denn Sprechen, Lesen, Zuhören und Denken ist ganz schön viel auf einmal. Da sorgt der Ruf nach Transparenz schnell für eine Fassade aus Worten, die dann auch niemandem wirklich weiterhilft.

Nach unserer D64 Veranstaltung mit Dorothee Bär sagte ein anwesender Journalist anerkennend, dass er überrascht sei, wie offen auf meine Fragen geantwortet wurde. Das liegt vermutlich nicht daran, dass ich so ein toller, einfühlsamer Moderator bin, der elegant die Schwingungen nutzt und so mehr in Erfahrung bringt als andere. Es liegt vor allem daran, dass wir bei diesen Gesprächen unter uns sind. Noch nicht einmal einen Hashtag gibt es.

Ich mache das ganz bewusst so. Denn ich finde, dass eine Veranstaltung besser ist, wenn alle vor Ort nicht nur anwesend, sondern auch dabei sind. Wer nebenbei auf Twitter kommentiert oder liest, ist vermutlich nicht so sehr dabei.

Bei allen Möglichkeiten, die sich durch Technologie bieten, sollten wir nicht vergessen, dass die Zusammenkunft an einem Ort eine ganz besondere Qualität hat. Zwar mag es für einige Leute nicht machbar sein, an einer Veranstaltung teilzunehmen, aber würde man auf alle Befindlichkeiten Rücksicht nehmen, wäre allein schon die Terminfindung zum Scheitern verurteilt.

Livestreaming und das Beharren auf Echtzeit immer und überall sorgt auch dafür, dass wir immer weniger Zeit für das Reflektieren haben. Wir sollten uns nicht die Möglichkeiten nehmen lassen, in einem Gespräch auch neue Dinge lernen und seine eigenen Positionen eventuell anpassen zu können. Wenn alles aufgezeichnet und dabei kommentiert wird, werden wir das nicht mehr schaffen. Daher werde ich künftig weiter Veranstaltungen ohne Livestream machen – ich freue mich auf viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor Ort.

Als ich hörte, dass Christoph Keese ein Buch über das Silicon Valley geschrieben hatte, war ich, freundlich ausgedrückt, eher skeptisch. War es doch Keese, der als Quasi-Außenminister von Springer das Leistungsschutzrecht für Presseverlage auf die Agenda der letzten schwarz-gelben Bundesregierung gesetzt hatte. Das Leistungsschutzrecht hat vor allem zu Rechtsunsicherheit geführt, zu sonst aber nichts, wenn man mal von der Debatte über die Länge und damit verbundenen Schöpfungshöhe von Snippets bei Google News absieht.

51qXAyFWQGLDieser Christoph Keese also wurde im Rahmen der Neulandverschickung des Medienhauses Axel Springer für ein halbes Jahr zusammen mit anderen Führungskräften nach Palo Alto ins Herz des Silicon Valley geschickt. Dieses Buch handelt von seinen Eindrücken aus dieser Zeit.

Und ganz ehrlich: das Buch ist verdammt gut geworden und sehr lesenswert. Das schreibe ich nicht, weil ich seit einigen Wochen eine Kolumne bei Bild.de schreibe, sondern weil das Buch wirklich lesenswert geworden ist.

Keese unternimmt den Versuch, das Silicon Valley zu erklären, seine Arbeitsweisen, die Fokussierung auf Technologie, die Schnelligkeit und die mangelnde Rücksicht auf Verluste. Selten habe ich einen so präzisen Text über die digitale Wirtschaft im Silicon Valley gelesen wie in diesem Buch. Die Mischung von Disruption und Hochgeschwindigkeitsökonomie, wie Keese es nennt, sorgt für den explosiven Antrieb vieler kleiner Startups, die sehr schnell wachsen.

Wer die Gesellschaft verändern will, wird Programmierer, sehr im Unterschied zu Deutschland, wo gesellschaftlich engagierte Menschen lieber in die Politik gehen.

Sehr gefreut habe ich über Keeses Ausführungen über Berkeley als Korrektiv zum Silicon Valley: „Schon immer war Berkeley eine ausgewiesene Hochburg der Romantiker und Poeten.“ Das freut mich natürlich sehr, auch wenn ich vor knapp 20 Jahren an der School of Information Management & Systems studiert hatte, deren Dekan damals Hal Varian war. Laut Keese lieferte Varian die Blaupause für die rasante Entwicklung von Google. Mittlerweile ist er folgerichtig auch Chefökonom von Google.

Das Kapitel über die Veränderung der Arbeitswelt klingt so, als ob es eine digitale Variante von Andrea Nahles geschrieben hat. Die Herausforderungen bei der künftigen weitergehenden Flexibilisierung und der damit verbundenen Perversionen zu Lasten der Arbeitnehmer hat Keese vortrefflich herausgearbeitet und sich damit eigentlich einen Platz auf den Gewerkschaftspodien der kommenden Jahre erschrieben.

Mir haben zwei Dinge an diesem Buch nicht gefallen. Erstens die zu starke, fast schon paranoid wirkende Fokussierung auf Google. Denn auch Facebook, Apple und Amazon sorgen mit ihren Plattformen für immense Machtverschiebungen und verändern die Wirtschaft nachhaltig, auch über ihr eigentliches Unternehmen hinaus. Zweitens formuliert Keese zu wenig konkrete Handlungsempfehlungen für Deutschland und Europa, um von den Firmen des Silicon Valley nicht überrollt zu werden. Vielleicht ist das nach seiner Idee mit dem Leistungsschutzrecht aber auch ganz gut so…

Am Ende des Buches sitzt man da und hofft, dass alles nicht so schnell so kommt, wie Keese es skizziert. Auch wenn mir seine Handlungsempfehlungen am Ende des Buches nicht konkret genug sind, so schafft es Keese dennoch, keine dystopische Grundstimmung aufkommen zu lassen, sondern lässt immer wieder ein paar Hoffnungsschimmer aufblitzen.

Das Buch Silicon Valley von Christoph Keese ist ein Kauftipp für Unternehmer und Manager des deutschen Mittelstands, aber auch für Politiker, die den Anspruch haben, die Zukunft gestalten zu wollen.

Mir wird nachgesagt, dass ich permanent auf irgendein Device starre. Das weise ich zwar entschieden zurück, aber bei nüchterner Betrachtung muss ich vielleicht doch feststellen, dass ich viel lese und dies nahezu ausschliesslich auf Laptop, Smartphone, Tablet oder eReader tue. Das viele Lesen hat nicht nur zur Folge, dass ich immer schlauer werde, sondern dass ich Abends oft Kopfschmerzen hatte und kaum noch aus den Augen gucken konnte. Die üblichen Tricks, wie ab und zu über den Bildschirm hinweg in die Ferne zu gucken, um die Augen etwas zu entspannen, oder bei zunehmender Dunkelheit mit f.lux den Bildschirm nach und nach zu dimmen, haben da nur bedingt geholfen.

Vor ein paar Wochen habe ich dann zufällig bei Indiskretion Ehrensache einen Link zu einer Blogger-Aktion von ZEISS gesehen, bei der es um Digital Brillengläser geht. Natürlich dachte ich, dass diese Brillengläser irgendwas cooles können, also beispielsweise Tweets anzeigen oder als Navigationshilfe dienen, aber dem war nicht so. Was ZEISS mit den Digital Brillengläsern verspricht, ist ermüdungsfreies Sehen bei der Nutzung von Screens in jeglicher Größe. Also eigentlich wie geschaffen für mich. Natürlich habe ich gleich gefragt, ob ich so eine Brille mal testen könne und seitdem klebt bei mir rechts oben auch ein Werbemittel, das auf die ZEISS Digital Brillengläser hinweist. Nach einem Besuch bei meinem bevorzugten Optiker Glassgo (ein Wortspielfirmenname, wie ihn sonst nur Frisöre toll finden würden) trage ich nun eine neue Brille von Hamburg Eyewear, die ganz norddeutsch auf den Namen Kuddl hört, mich unheimlich schlau aussehen und durch die neuen fancy Digital Gläser von ZEISS gucken lässt.

Nach einem nicht wissenschaftlich fundierten mehrwöchigen Test kann ich nun steif und fest behaupten, dass ich deutlich weniger Kopfschmerzen habe und auch weniger verspannt bin. Ob das auf die Brillengläser zurückzuführen ist, oder auf andere Faktoren, wie Wetter, WM, Wonne oder Wunder, kann ich nicht sagen. Ich vermute aber, dass die neuen Gläser damit etwas zu tun haben, denn gerade bei meinem typischen Handgriff, der das iPhone aus der Hosentasche zaubert und mich kurz einen Blick auf Twitter, Facebook, Mailbox und Feedly werfen lässt, kommt es mir so vor, als dass ich schneller fokussiere und klarer sehen kann. Aber wie gesagt, das ist nur mein Eindruck. Matthias Matting beispielsweise ist kaum überzeugt von den Digital Brillengläsern und findet nur wenige Szenarien, bei denen er die Gläser hilfreich findet.

Ich kann die ZEISS Digital Brillengläser durchaus empfehlen, und zwar nicht nur, weil ZEISS für den Banner oben rechts bezahlt und mir eine Brille mitsamt Gläsern zur Verfügung gestellt hat, sondern weil ich bei meiner normalen Nutzung digitaler Endgeräte merke, dass meine Augen weniger schnell ermüden und ich weniger Kopfschmerzen habe. Was jetzt noch zu meinem Glück fehlt, sind selbstreinigende Brillengläser, da warte ich schon sehr lange drauf.

Agiles PublishingVor ein paar Monaten stolperte ich irgendwie über einen Hinweis auf das Buch Agiles Publishing und fand das spontan interessant. Einer der Autoren kontaktierte mich und liess mir ein Rezensions-Exemplar zukommen. Das Buch ist umfangreich, um es gleich mal vorweg zu nehmen. Auf 400 Seiten kommt einiges zusammen, von Organisation über Kreation bishin zur Technolgie. Die Autoren meinen es ziemlich ernst mit dem Untertitel „Fokus auf den Nutzer, das Silo-Denken beenden: Neue Wege des Publizierens für Print, Web und Apps.“ – und spannenderweise sind sie selber bei der Entstehung dieses Buchs neue Wege gegangen. Über eine Kickstarter-Aktion wurde genügend Geld eingesammelt, um das Buch vorzufinanzieren.

Vorraussetzung für Agiles Publishing ist natürlich ein Verständnis von agilen Arbeitsprozessen, die gleich zu Beginn des Buches erläutert werden. Hier wird derutlich, wie die Denke hinter Konzepten wie Kanban nicht nur für eine neue Art des Projektmanagements, sondern vor allem für mehr Offenheit bei den Mitarbeitern für neue oder andere Themen führen kann, weil das Miteinander neu definiert wird. Ich bin von agilen Entwicklungsprozessen fasziniert, seit ich vor über 10 Jahren mal ein Buch zum Thema Pair Programming in der Hand hielt. Die Übertragung dieser Ideen auf den gesamten Bereich des Publizierens finde ich nachgerade sinnvoll und auch zeitgemäß.

Natürlich wartet das Buch mit allen gängigen Schlagworten aus der Wunderwelt des Publishings auf, von Story first über Storytelling bis hin zu Data-driven Design, das tut dem Buch allerdings keinen Abbruch, sondern zeigt, wie aktuell es ist und wie sehr die Themen aktuell die Branche umtreiben. Ich finde es wohltuend, dass die Autoren einen technischen Hintergrund haben und sich so den Herausforderungen der Medienbranche nähern, die eben ganz oft auch erstmal technischer Natur sind und natürlich steten Veränderungen unterliegen.

Ich habe das Buch an den meisten Stellen mit einem deutlich vernehmbaren Nicken gelesen, denn vieles von dem, was die Autoren schreiben, macht nicht nur Sinn und sollte Best-Practice sein, aber ebenso deutlich wird dann auch beim Blick auf die deutsche Medienlandschaft, dass noch nicht zu viele Verantwortliche dieses Buch und die dahinterliegenden Konzepte verstanden und verinnerlicht haben. Dabei wünschen sich alle, schneller agieren zu können, handlungsfähiger zu sein und die Nutzer besser zu erreichen. Der Weg dahin ist in Agiles Publishing beschrieben. Natürlich gibt es auch eine Website zum Buch mit mehr Infos zum Thema.