Archives For facebook

Wenn es nach Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach geht, dann sieht man jetzt schon die Anzeichen für das bevorstehende Ende von Facebook und wir werden eine Implosion miterleben. Für Wolfgang ist dies der Internettrend 2014 und er macht dies an drei historischen Erfahrungen fest. Erstens schichten mittlerweile auch die langsameren Firmen ihre Mediabudgets in Richtung Facebook ist, was ein Anzeichen dafür sei, dass Facebook zum AOL werde. Außerdem verändere sich die Nutzung von Facebook, was zur Implosion führen werde. Und der älteste Sohn von Wolfgang nutzt Facebook nicht. Nee, ist klar, dann hat Facebook ja wirklich ein Problem. Ich haue ja auch gerne mal eine steile These raus, aber so wird das nix, Wolfgang.

1693257-the-facebook-drama-the-social-network-wont-show-you---rotator_jpgFacebook ist jetzt 10 Jahre alt und ist natürlich nicht mehr das kleine Startup, das als Herausforderer sich mit den Großen der Branche anlegt, sondern ist einer der Platzhirschen. Aber, und das sieht man immer wieder, dennoch schafft es Facebook weiterhin, sich eine Kultur zu bewahren, die dafür sorgt, dass neue Dinge ausprobiert werden und dass mutig steinige Wege beschritten werden. Die Beispiele sind zahlreich, bei denen Facebook etwas versucht hat, was dann nicht geklappt hat, weil die Nutzer es nicht gut fanden oder nicht verstehen wollten, und was daraufhin wieder eingestellt wurde. Das war nicht erst bei Beacon so und die Einstellung der Facebook Mail-Adressen wird auch nicht der letzte Versuch gewesen sein, der daneben gegangen ist. Ich will jetzt gar nicht erst großartig auf die Whatsapp-Akquisition verweisen, auch weil Wolfgangs Text wohl vorher entstanden ist, aber der Whatsapp Share-Button sorgt in den USA schon jetzt für mehr Traffic als der vergleichbare Twitter-Button.

Was mich allerdings ärgert, das ist dieser dämliche Vergleich mit AOL. Ja, AOL war auch mal richtig groß und für Werbekunden attraktiv, aber wann war das bitte? Das war in grauer Vorzeit. Was hat sich seitdem nicht alles verändert, was einen historischen Vergleich eher absurd wirken lässt? Wir erinnern uns: AOL hat Internet-Zugänge angeboten und dann versucht, den dadurch entstehenden Traffic möglichst lange auf der eigenen Plattform zu halten, was eine zeitlang durch eine Walled Garden Infrastruktur auch gut funktionierte. Mit dem Aufkommen von unzähligen DSL- und Kabelanbietern, die „das reine“ Internet verkauften, wurde dieses Modell irgendwann obsolet. Ja, das war ein Silo, aber wo ist da der Bezug zu Facebook? Facebook ist ja nicht einfach nur eine Plattform, bei der Werbekunden Geld ausgeben, um ihre Nutzer zu erreichen. Facebook ist eine Plattform, auf der die Nutzer untereinander kommunizieren können. Sie tun dies, indem sie Photos hochladen, Status-Updates teilen, Games daddeln oder was auch immer. Facebook ist ein Ökosystem, von dem Drittanbieter partizipieren, die irgendwelche Dienste bereitstellen, die mit Facebook funktionieren. Unzählige Verknüpfungen bestehen mit dieser Plattform und für die Nutzer entwickelt sich dadurch eine Stickyness, die für regelmässig wiederkehrende Nutzer sorgt.

Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich, das dürfte bei AOL vs. Facebook schnell deutlich werden. Facebook beeindruckt mich immer wieder durch eine Agilität, die bei einer derartig komplexen Plattform nicht leicht umzusetzen ist in der Praxis. Facebook ist in der Lage, veränderte Nutzungsmuster zu erkennen und entsprechend das Angebot zu modifizieren, wie wir zuletzt eindrucksvoll an der Monetarisierung der mobilen Nutzung durch App-Installs gesehen haben.

Facebook wird nicht implodieren, denn Facebook erfindet sich täglich immer wieder ein Stück weit neu. Das können nicht viele Firmen dieser Größenordnung, aber mit Zuckerberg und der Einstellung „move fast and break things“ wird Facebook noch lange gleichzeitig die Börsen-Analysten und die Nutzer zufriedenstellen.

Es ist so sicher wie das Amen in der Kirche: sobald sich bei Google, Facebook, Apple oder Amazon eine neue Konstellation ergibt, treten Deutschlands Datenschützer auf den Plan und formulieren in drastischen Worten Endzeitszenarien. So natürlich auch nach der Übernahme von Whatsapp durch Facebook. Besonderen Eifer legt wie immer Thilo Weichert vom ULD in Kiel an den Tag, für den einerseits eine dritte Amtszeit per Lex Weichert geschaffen werden soll, was an sich schon ein Unding ist, der aber mit zunehmender Amtsdauer auch immer verbitterter und verbohrter wirkt und so langsam Züge eines Don Quixote von der Waterkant annimmt:

Damit werden nicht nur diese beiden US-Unternehmen, sondern potenziell die dort vorhandenen personenbezogenen Datenbestände verschmolzen. Dies ist insofern von höchster Datenschutzrelevanz, weil viele Menschen bei der Individualkommunikation von Facebook, um diesem Datenmoloch zu entgehen, zu WhatsApp gewechselt sind. Die Kommunikationsmetadaten wie auch die -inhalte beider Dienste stehen dem Betreiber lesbar zur Verfügung und können nun zusammengeführt, zur Profilbildung ausgewertet und für Werbezwecke kommerziell ausgebeutet werden.

250px-DataTNGEs ist schon interessant, wenn eine Terminologie wie “Datenmoloch” genutzt wird und dann die Nutzer aufgefordert werden, zu anderen Diensten zu wechseln. Dagegen wirkt sein Kollege aus Hamburg, der in der Vergangenheit ja auch den ein oder anderen Irrlauf hingelegt hat, geradezu euphorisch, wenn er darauf hinweist, dass mit der Übernahme die Datenschutzstandards bei Whatsapp eher steigen könnten.

Was Weichert in seinem Eifer verkennt, ist allerdings eine simple Tatsache: die Nutzer interessiert der Umgang mit ihren Daten entweder herzlich wenig oder sie nehmen vermeintliche Nachteile billigend in Kauf. Und es gibt dafür auch zwei ganz einfache Gründe:
1. Die Nutzer nutzen den Dienst, die ihre Freunde und Bekannten auch nutzen. Warum? Weil man nur dann kommunizieren kann, wenn auch die Kommunikationspartner den Dienst nutzen. Durch die Kommerzialisierung des Netzes und das Aufkommen der Ökosysteme wurde es leider nicht geschafft, für Chat und Messaging analog zu Email einen Standard zu definieren und auch zu nutzen. Japper/XMPP wurde zwar vom IETF ratifiziert, wird aber aufgrund der Inseldenke der Anbieter nicht als offenes Protokoll zum Austausch von Daten zwischen den Diensten angeboten. Also nutzen die Nutzer den Dienst, bei dem auch ihre Freunde und Bekannten sind. Etwaige Vorbehalte werden beiseite geräumt, weil der Kommunikationsanlass wichtiger ist.
2. Die Popularität eines Dienstes macht sich an anderen Faktoren fest als deutsche Datenschützer es gerne hätten. Das verhält sich in etwa so wie das Aufkommen der Beatmusik mit den Vorstellungen des Establishments in den 60er Jahren. Da prallten unterschiedliche Wert- und Moralvorstellungen aufeinander, aber die Entwicklung der populären Musik wurde dadurch nicht aufgehalten und es wurden in den Folgejahren viele gesellschaftliche Tabus gebrochen. Soziale Netzwerke basieren auf den Daten der Nutzer und Konzepte wie Datensparsamkeit sind dabei in der täglichen Nutzung kaum anwendbar, denn bei der Kommunikation fallen nun einmal Daten an und oftmals ergibt sich erst aus der Verknüpfung dieser Daten mit anderen Daten des Nutzers oder anderen Nutzern der Produktvorteil, den sich der Nutzer wünscht.

Die gesamte Hilflosigkeit des Thilo Weichert, der als oberster Datenschützer des Landes Schleswig-Holstein einfach nicht wahrhaben will, dass er eine Minderheitenposition einnimmt, die von den Nutzern in der Praxis noch nicht einmal ignoriert wird, manifestiert sich in seinem abschliessenden Zitat in der Pressemeldung zur Übernahme von Whatsapp:

Wem die Vertraulichkeit der eigenen Kommunikation etwas wert ist, der sollte auf vertrauenswürdige Dienste zurückgreifen. Dies können nur Unternehmen sein, die einem wirksamen Datenschutzregime unterliegen und die transparente technische Sicherungen vorsehen, etwa eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, so wie dies bei den schweizer Anbietern Threema oder myEnigma nach deren eigener Darstellung der Fall zu sein scheint.

Vertrauenswürdig ist also, wenn schweizer Unternehmen sagen, dass sie es sind. Ah ja. Hauptsache, nicht irgendwelche bösen Amis, sondern ordentliche Schweizer, die sich natürlich an Recht und Gesetz halten. Das Leben kann so einfach sein, wenn man sein eigenes Koordinatensystem fein säuberlich in gut und böse aufgeteilt hat.

Für mich ist immer wieder erstaunlich, wie freudlos diese Datenschutzhysterie doch ist. Das erinnert mich immer wieder an den Pietismus, bei dem ich auch immer den Eindruck habe, dass das eine sehr freudlose Veranstaltung (gewesen) sein muss, wenn die eigene Frömmigkeit und die damit verbundene reine Lehre überhöht wird. Bei der aktuellen Datenschutzdebatte treten einige Protagonisten für eine reine Lehre ein, verkennen aber völlig, dass ihre Schäfchen damit nichts mehr anfangen können, weil es nicht mehr ihren Erfahrungen und Nutzungsszenarien entspricht. Um überhaupt noch Gehör zu finden, werden Weltuntergangsszenarien bedient sowie Ressentiments geschürt und es werden unpraktikable Lösungen empfohlen, die niemand nutzen wird. Aber es ändert nichts an der Tatsache, dass die Nutzer weiterhin Facebook, Amazon, Google, Apple und andere Anbieter nutzen werden.

Bei der modernen Kommunikation fallen Daten an, die verarbeitet werden. Nutzer müssen den Anbietern vertrauen und es wird sicherlich immer ein gewisses Unbehagen bleiben. Für die meisten Nutzer internetbasierter Kommunikationsdienste stellt sich die Frage nach einer Enthaltsamkeit oder nach einer Datensparsamkeit schlichtweg nicht. Hinzu kommt, dass viele Nutzer sich der Banalität der eigenen Gespräche durchaus bewusst sind und daher vermutlich eher mit den Schultern zucken und sich über Whatsapp verabreden als auf verschlüsselte Dienste zurückzugreifen.

Ich halte Datenschutz für absolut wichtig, aber die Hysterie in der Debatte um Whatsapp und Facebook hilft nicht ansatzweise weiter. Vor allem klafft eine riesige Lücke zwischen dem Datenschutzverständnis vieler Datenschützer und der von den Nutzern tolerierten Praxis, die im Zweifel immer einen populären Dienst nutzen werden, egal wie sehr sich dieser an die Sichtweise des Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein hält. Wenn man allerdings in der Schmollecke steht, wird man den Großteil der Nutzer nicht erreichen können, sondern eher wie ein wirrer Kauz wirken, der den Anschluss verpasst hat. Ich will durchaus, dass der einzelne Nutzer versteht, was mit den Daten aktuell passiert, ich will auch, dass der einzelne Nutzer eingreifen kann und bestimmen kann, was mit den Daten geschehen darf, daher finde ich, dass wir diskutieren sollten, wie Datenschutz im Zeitalter digitaler Ökosysteme aussehen kann und welche Regulierungsmöglichkeiten überhaupt noch bestehen. Ein Appell zur Nutzung anderer Dienste ist dabei nicht die Lösung, sondern offenbart nur die eigene Hilflosigkeit.

Irre, oder? Es kommt mir noch wie gestern vor, als ich staunend von dem schnell wachsenden sozialen Netzwerk las, das nur Leute mit der Email-Adresse einer amerikanischen Uni aufnahm und trotzdem, oder gerade deshalb, stetig populärer wurde. Ich bin daher auch erst seit knapp 7 Jahren bei Facebook, genauer gesagt seit dem 16. Februar 2007. Mittlerweile kenne ich nur noch eine Handvoll Facebook-Verweigerer, die aber allesamt wirre Aluhüte tragen und grundsätzlich meinen, wortreich erklären zu müssen, warum sie nicht bei Facebook sind und wirken dabei immer angestrengt und unentspannt. Alle anderen sind bei Facebook, vor allem, weil alle da sind.

Und ich? Ich finde Facebook toll! Gleichzeitig finde ich es aber auch nicht so toll. Aber toll überwiegt. Toll überwiegt vor allem deshalb, weil Facebook mir Menschen näher bringt, die mir wichtig sind. Man kann Facebook den ganzen Tag lang für irgendetwas kritisieren, vor allem dafür, dass es ein Ökosystem ist, dass natürlich zentralisierend wirkt und damit den dezentralen Tugenden des Netzes widerspricht. Aber, wie so oft im Leben, ist es einfach so, dass die Menschen das nutzen, was einfach ist und was sie verstehen, nicht dass, was versucht, dem Idealbild am nächsten zu kommen. Das ist ein bisschen so wie die Debatte um Linux auf dem Desktop, da war ich auch immer dafür, aber OS X ist einfach nutzbarer, also stirbt man den einen Tod und freut sich über unzählige Erleichterungen im Alltag.

Für mich ist Facebook vor allem eine Plattform, die viele Probleme gelöst hat, die mir irgendwann mal wichtig waren. Beispielsweise Facebook Connect, also die Möglichkeit, sich mit seinem Facebook Konto irgendwo anmelden zu können. Na klar, OAuth ist viel toller, aber eben auch viel umständlicher. Ich habe vor knapp 10 Jahren gemeinsam mit den Jungs von Knallgrau mal versucht, bei Blogs die gegenseitige Anmeldung bei Kommentaren hinzubekommen, damit man mehr Gewissheit hat, wer kommentiert. Das war ein netter Versuch, aber Facebook hat es auf einem globalen Maßstab richtig gemacht. Facebook macht vor allem das Messaging richtig, total nahtlos zwischen Web und mobile. Das habe ich mit Mabber bereits 2005 versucht, mit äußerst bescheidenem Erfolg, auch hier hat Facebook wieder alles so gemacht, wie es sein soll. Und natürlich gilt das auch für den Umgang mit Fotos. 550 Millionen Fotos werden jeden Tag bei Facebook hochgeladen, eine schier unvorstellbare Menge, die aber vor allem deswegen hochgeladen wird, weil es so einfach ist. Letztendlich hat Facebook über die umfangreiche API und den daraus resultierenden Markt für Apps dafür gesorgt, dass das Ökosystem Facebook weiter wächst und durch Dritte interessant gehalten wird.

Facebook hat natürlich bei dieser Entwicklung nicht alles richtig gemacht, ganz entsprechend dem eigenen Motto „move fast and break things“, aber Facebook schafft es immer wieder, sehr schnell aus Fehlern zu lernen und diese unzähligen Iterationen bei der Entwicklung machen Facebook so kraftvoll. Ich finde es bewundernswert, dass Mark Zuckerberg es geschafft hat, seine Vision von der Vernetzung der Menschen so groß skalieren zu lassen, denn man darf nicht vergessen, was das vor allem für eine technologische Herausforderung bedeutet, den ganzen Laden tagtäglich am Laufen zu halten. Ich hatte mal vor ein paar Jahren das Vergnügen, Mark Zuckerberg in Berlin treffen zu dürfen. Er tat mir ein wenig leid, am Abend im Hotel noch eine Handvoll Startup-Heiopeios treffen zu müssen, die ihm alle eher nichtssagend waren, aber er nahm diesen Abend sehr routiniert wahr und erläuterte im kurzen Zwiegespräch seine Vorstellungen von Facebook und den kommenden Entwicklungen. Für mich war klar: der Typ brennt für sein Produkt, der hat noch viel vor.

Seit 7 Jahren stopfe ich jede Menge Daten bei Facebook rein und bin alles andere als datensparsam. Auch wenn Facebook gerne als Datenkrake dargestellt wird und sicherlich viele, viele Datenpunkte über mich hat, so konnte ich bislang noch nicht feststellen, dass dies auch nur ansatzweise negative Auswirkungen auf mich oder meine Person hatte. „Na klar, die wollen Dich in Sicherheit wiegen!“ denken jetzt die Aluhüte, aber ich glaube ja vielmehr, dass Facebook bewusst ist, wie wichtig der sorgsame Umgang mit den persönlichen Daten ist. Journalisten tun gerne so, als ob Facebook die persönlichen Daten der Nutzer an Werbetreibende verkaufen würde, ich stelle mir dann immer die Übergabe eines Koffers voller Geld gegen einen Koffer voller Datensätze vor, aber natürlich tut Facebook gerade dies nicht, sondern versucht, die Werbung passend zu den jeweiligen Interessen der Nutzer auszuspielen. Wie gut das klappt, mag jeder selber beurteilen, ich jedenfalls sehe bei dem Algorithmus noch viel Potential.

Bin ich zu blauäugig? Das mag sein, aber was ist denn das schlimmste anzunehmende Szenario? Jemand mag meine politische Meinung nicht und stellt mich deswegen nicht ein, bzw. gibt mir keinen Auftrag. Tja, wenn so wenig Toleranz besteht, hätten wir sicherlich auch ohne Facebook nicht zusammengepasst. Jemand findet bescheuert, was ich so poste, meine Fotos, die Links, was auch immer. Ja, das mag sein, dann soll er oder sie eben etwas anderes im Web lesen, es ist ja genug da. Jemand nervt rum und trollt. Die Person wird geblockt und die Kommentare werden gelöscht. Das geht einfacher als mit irgendwelchen Hirnis in der Kneipe. Ja, ich weiss, ich bin seltsam exponiert auf Facebook und anderswo im Netz und meine Netznutzung gilt auf keinen Fall als pars pro toto für alle Nutzer im Netz – vor allem kann ich nachvollziehen, dass andere Leute ihre Privatsphähreneinstellungen anders handhaben als ich. Aber genau dafür bietet Facebook ja nun auch genügend Knöpfe, auf die man drücken kann.

Was mich wirklich an Facebook nervt, ist die Tatsache, dass Facebook als Ökosystem die unterschiedlichsten Inhalte aufsaugt, aber sehr zurückhaltend ist, was das Herausziehen der Inhalte angeht. Facebook wird sicherlich noch viele Dinge ausprobieren und ich bin gespannt, wie es weiter geht.

Man muß Facebook nicht mögen oder toll finden. Man muß auch das Internet nicht mögen oder toll finden. Aber man sollte realisieren, dass die Grundlage von allem, was wir im Internet nun mal tun, Daten sind. Wir hinterlassen überall Datenspuren, einige mehr, andere weniger. Unternehmen nutzen diese Daten, einige mehr, andere weniger. Ohne Daten wäre das Internet ziemlich sinnlos. Ohne Daten wären auch viele andere Dinge ziemlich sinnlos. Und man kann sich gerne die Frage stellen, welche Daten Dritte von einer Person erheben sollten und wofür sie diese Daten benötigen und wie lange. Das sind alles valide Fragen, ohne Zweifel.

Wir haben mittlerweile auch mitbekommen, dass das Internet immense Vorzüge hat, weil es eine andere Art der Kommunikation ermöglicht, weil es Schranken einreißt und in vielen Fällen viel direkter Interaktion ermöglicht als es über Radio, Fernsehen, Brief, Fax oder Telefon der Fall sein kann.

Head in HandsNa gut, nicht alle haben dies mitbekommen. Edgar Wagner zum Beispiel hält wohl nicht viel davon, dass Bürger mit einer Landesregierung in Kontakt treten und direktes Feedback bekommen können. Edgar Wagner ist Datenschutzbeauftragter des Landes Rheinland-Pfalz und ist gegen die Nutzung von Facebook durch die Landesregierung:

Rheinland-Pfalz – Malu Dreyer ist da – und mit ihr erstmals ein Facebook-Auftritt der Landesregierung. Der Datenschutzbeauftragte Edgar Wagner hat seine bisherige strikte Ablehnung nach einem Kompromiss aufgegeben. Auf Kommunikation ist das Behörden-Facebook nicht ausgelegt: Es gibt ein „Rückkanalverbot“. 

Daten. Böse. Facebook. Ami. Böse. So einfach ist die Gleichung der deutschen Datenschützer.

Mit Menschen wie Edgar Wagner bleiben wir weiterhin in der kommunikativen Steinzeit. In was für einer Welt lebt dieser Mensch eigentlich, dass er meint, die Bürger eines Bundeslandes derart gängeln zu können? Wenn die Bürger auf einer Facebook-Seite eine Frage haben, dann sollte auch dort auf die Frage geantwortet werden! Allein schon, weil es durchaus mal sein kann, dass mehr als nur eine Person eine bestimmte Sache erfahren will.

Die Menschen sind freiwillig auf Facebook, da kann auch ein Datenschützer aus Rheinland-Pfalz nichts mehr dran ändern. Wir können aber weiterhin dafür sorgen, dass wir den Bürgern vermitteln, dass neue Technologien igitt pfui und böse sind, dann wird das sicherlich was mit der Zukunftsfähigkeit unseres Landes.

Mein Kind ist bei FacebookUnaufgeregt. Gänzlich unaufgeregt, so würde ich das Buch Mein Kind ist bei Facebook: Tipps für Eltern von Thomas Pfeiffer und Jöran Muuß-Merholz beschreiben, wenn mich jemand mal fragen würde, wie ich das Buch so finde. Die beiden haben mir ein Rezensionsexemplar zugeschickt, das ich sehr gerne gelesen habe. Vor allem, weil ich gerne zu dem Thema gefragt werde und nur selten die Geduld aufbringe, Eltern zu erklären, warum alles nicht so schlimm ist, wie es irgendwo steht.

Das Buch könnte ich eigentlich auch als idiotensicher bezeichnen, es erklärt Facebook durchaus so, dass man es auch versteht, ohne es jemals genutzt zu haben, was bei über 1 Milliarde Nutzern mittlerweile gar nicht mehr so leicht ist. Das Kapitel “Das fehlende Handbuch” erläutert wirklich sehr detailliert, welche Einstellung wozu dient und was passiert, wenn man welchen Button drückt. Ich finde ja, dass Facebook sich ziemlich gut selbst erklärt, kann aber nachvollziehen, dass man vielleicht bei einigen Einstellungen lieber auf der ganz sicheren Seite sein will. Für Eltern besonders gut geeignet sind die Abschnitte im Kapitel “Probleme und Herausforderungen meistern”, denn dort werden die Themen “Privatsphäre und Datenschutz: Was gehört auf Facebook und was nicht?”, “Urheberrechte respektieren”, “Nüchternheit und Unnüchternheit” und noch einige Aspekte mehr diskutiert.

Eigentlich ist das alles Common Sense, dürfte man meinen, aber die Autoren dröseln noch einmal alles ordentlich auf und liefern gute Hinweise, wie die Nutzung von Facebook für Eltern und Kinder kein Problem darstellen sollte. Die Autoren haben ein Buch geschrieben, dass detailliert ist, aber nicht belehrend oder anmassend, sondern die Eltern darin bestärkt, mit ihrem neu gewonnenen Wissen den Kindern die Nutzung von Facebook guten Gewissens erlauben zu können. Für viele Eltern stellt Facebook eine Herausforderung dar, weil sie nicht wissen, was ihre Kinder da so treiben und was alles passieren könnte, schließlich wird auch immer wieder ordentlich Unsinn über Facebook verbreitet.

Keines unserer Kinder ist bislang im Facebook-fähigen Alter, aber ich weiss, dass dieses Thema auch auf uns zukommt. Mein Kind ist bei Facebook: Tipps für Eltern bietet eine gute Grundlage für Eltern, die wissen wollen, was es bedeuten kann, wenn das Kind bei Facebook ist. Allerdings glaube ich, dass Eltern und Lehrer nicht mehr nur ein Buch lesen sollten, sondern Facebook selber nutzen müssen, wenn sie informiert sein wollen. Dieses Buch bietet eine sehr gute Grundlage für eine Beschäftigung mit Facebook.