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Was wurde Anja Hajduk gefeiert, sie galt es starke Frau der GAL, als wichtiger Gegenpol zu Ole von Beust in der schwarz-grünen Koalition in Hamburg. Als durchsetzungsstark, pragmatisch und vor allem als sehr aktenkundig wurde sie bezeichnet. Als Wähler, der rot-grün präferiert hatte, war ich irgendwie durchaus froh, dass mit der GAL und insbesondere Anja Hajduk ein notwendiges Korrektiv zu Ole von Beust und seiner CDU etabliert werden könnte.

Tja, nun ist das erste Regierungsjahr noch nicht einmal um, und schon ist der Glanz der GAL ziemlich ermattet. Die Schulpolitik ist ein Debakel, was zu erwarten war. Aber Frau Hajduk selber, in ihrer Funktion als Stadtentwicklungssenatorin und starke Frau der Grünen im Senat enttäuscht derzeit auf ganzer Linie. Das klare Nein zum Kraftwerk in Moorburg war nicht mehr zu halten, trotz aller Beteuerungen, dass alles geprüft worden war und ein Nein möglich wäre. Die Ansiedlung von Möbel Höffner wird von der GAL abgelehnt und der CDU befürwortet, aber anstatt dass sich die Grünen hier durchsetzen, wir das Thema an den Bezirk verwiesen und die Kompetenz für diese Entscheidung abgegeben. Seltsames Gebahren für eine Senatorin, die eigentlich gestalten wollte.

Letzte Woche gab es in der Presse die Jubelmeldung zu lesen, dass die A7 nördlich der Elbe auf fast 4km überdacht werden solle, ein riesiger Grünstreifen könnte entstehen, also ein grünes Vorzeigeprojekt par excellence. Eigentlich. Heute steht im Abendblatt: A-7-Deckel: Es gibt keine Zusagen des Bundes – Anja Hajduk spricht von Kommunikationsproblemen. Tja.

Die Vorzeige-Senatorin der GAL bekommt nichts auf die Reihe. Mir scheint, dass da auf Biegen und Brechen eine Koalition gewollt war und jetzt der Lack ab ist und das grüne Personal ziemlich blaß darsteht. Das ist nicht gut für Hamburg.

Lutz Heilmann hat mit dem Erwirken einer Einstweiligen Verfügung gegen die Weiterleitung von wikipedia.de auf de.wikipedia.org wohl auch erreicht, dass die strittigen Passagen getilgt wurden auch, aber zu was für einem Preis? Sein Name wird erst einmal damit verbunden sein, dass er versucht hat, über einen juristischen Weg die Wikipedia zu gängeln. Aber nein, das wäre ja nie seine Absicht gewesen, wird heute natürlich versichert:

Mir ging es dabei keineswegs um Zensur, sondern schlicht um eine wahre Tatsachen-Darstellung. Der juristische Weg hat sich dafür insoweit als problematisch erwiesen, als durch die Struktur von Wikipedia die anderen Userinnen und User in Mitleidenschaft gezogen werden. Das war nicht meine Absicht. Gemeinsam mit Wikimedia e.V. werde ich nach anderen Wegen suchen, um den offenen und freien Charakter von Wikipedia so weiter auszugestalten, dass Persönlichkeitsrechte gewahrt bleiben.

Ach ja, erst einmal mit völlig untauglichen Mitteln aus vollen Rohren schiessen und dann die Zusammenarbeit anbieten wollen? Das ist ja wohl die miserabelste Art und Weise der Konfliktlösung. Ich rate Herrn Heilmann erst einmal, einen VHS-Kurs zu besuchen, damit er die Funktionsweise des Internet ansatzweise versteht. Derartig bescheuerte Vorgehensweisen braucht niemand und das negative Medien-Echo hat sich dieser sog. Volksvertreter auch ordentlich verdient.

Niels Annen hat heute die Abstimmung um die Direktkandidatur für die Bundestagswahl 2009 in Eimsbüttel verloren, mit einer knappen Stimme gegen Daniel Ilkhanipour. Vordergründig geht es bei der Auseinandersetzung um die Direktkandidatur in Eimsbüttel um Links/Rechts, um Annen und Kahrs sowie um das gezielte Entsenden von Deligierten ohne vorherige Bekanntgabe einer Nominierung. Daniel Ilkhanipour hat geschickt die Spielregeln der Partei ausgenutzt, um seine Ziele durchzusetzen. Das nennt man Machtwillen, aber ein schlechter Beigeschmack bleibt, zumal Niels Annen einer der profilierteren SPD-Bundestagsabgeordneten ist, warum auch immer. Die Aufregung über das Vorgehen von Daniel Ilkhanipour hätte sich in Grenzen gehalten, wäre Christian Carstensen, MdB Nord, von dem man so gut wie gar nichts hört, und das ist noch mild ausgedrückt, um seine Kandidatur gebracht worden, oder hätte sich Daniel Ilkhanipour als Ziel gesetzt, den Dauerabgeordneten für Harburg/Bergedorf, Hans-Ulrich Klose, der seit Ewigkeiten in Bonn und Berlin lebt und seinen Zenith vor Jahrzehnten überschritten hatte, abzulösen. Aber es musste Annen sein, auch um ein innerparteiliches Zeichen zu setzen.

Das Zeichen, das von Daniel Ilkhanipours Methoden ausgeht, ist folgendes: der bislang praktizierte innerparteiliche Entscheidungsfindungsprozess ist am Ende. Die Parteien haben ein Mitgliederproblem, was nicht nur an der absoluten Zahl deutlich wird, sondern auch der schwindenen Anzahl aktiver Mitglieder. Es wird also immer mehr dazu führen, dass Mitglieder mit einem klaren Fokus auf der eigenen Karriere und dann erst auf Inhalte, ihre Mitstreiter mobilisieren und damit die letharge Masse überrumpeln, unterwandern, verwirren, entzürnen oder was auch immer. Es ist eigentlich völlig absurd, dass selbst 2008 noch kein Verfahren etabliert ist, dass dafür sorgt, dass Mitglieder online und offline miteinander diskutieren, dass Entscheidungen nicht nur in Sitzungen gefällt werden, sondern die Lebensrealität vieler Leute Einklang in die Parteistrukturen finden. Politik ist für viele Bürger immer noch wichtig, passt aber vielen nicht in das Zeitbudget, weil eben sehr viel Präsenz erforderlich ist und viele Themen dann doch nicht so interessant erscheinen. Dass es auch anders gehen kann, haben wir gerade in den USA gesehen. Andererseits ist es kein Wunder, dass die Parteien immer noch so organisiert sind, denn schliesslich würde eine andere Diskussionskultur, ein anderes Verständnis von Partei-Organisations und veränderte Ansätze zur Mitglieder-Mobilisierung dazu führen, dass diejenigen, die im aktuellen System nach oben gespült werden, u.U. nicht mehr lange in Amt und Würden wären.

Die aktuelle Art und Weise wie Mitglieder die innerparteiliche Karriereleiter erklimmen können, führt dazu, dass die Themen in den Hintergrund treten und die Politiker in den Fokus treten, die vor allem verstehen, wie sie das System so nutzen, dass sie ihre innerparteilichen Machtpositionen ausbauen und festigen können. Themen? Können? Inhalte? Visionen? – alles egal, so lange Politiker wissen, wie sie die innerparteilichen Strukturen für sich ausnutzen können.

Das war schon immer so? Das mag sein, aber machen wir so weiter, machen immer weniger mit beim innerparteilichen Entscheidungsfindungsprozess und es werden immer mehr Leute nach oben gespült, die man dort eigentlich nicht sehen will.

Niels Annen und Daniel Ilkhanipour zeigen dies deutlich, hat dort der eine dem anderen gezeigt, wie das Ausnutzen der innerparteilichen Strukturen wirklich geht. Die beiden zeigen allerdings auch, dass die sozialdemokratische Lust an der Demontage der Partei unvermindert weiter geht.

Auf wikipedia.de steht gerade folgender Text:

Mit einstweiliger Verfügung des Landgerichts Lübeck vom 13. November 2008, erwirkt durch Lutz Heilmann, MdB (Die Linke), wird es dem Wikimedia Deutschland e.V. untersagt, “die Internetadresse wikipedia.de auf die Internetadresse de.wikipedia.org weiterzuleiten”, solange “unter der Internet-Adresse de.wikipedia.org” bestimmte Äußerungen über Lutz Heilmann vorgehalten werden. Bis auf Weiteres muss das Angebot auf wikipedia.de in seiner bisherigen Form daher eingestellt werden. Der Wikimedia Deutschland e.V. wird gegen den Beschluss Widerspruch einlegen.

Irgendwas scheint Herrn Lutz Heilmann, MdB (sog. Linke) an diesem Artikel über Lutz Heilmann nicht zu passen. Die Stasi-Vergangenheit steht allerdings auch anderswo, nun aber sorgt er durch sein komplett unsinniges rechtliches Vorgehen dafür, dass ganz Deutschland mitbekommt, dass Lutz Heilmann beim MfS beschäftigt war und zudem keine Ahnung hat, wie das Internet funktioniert. Eine Verhinderung der Weiterleitung von wikipedia.de auf de.wikipedia.org zu erwirken, hilft nun mal absolut gar nicht, zeigt nur, wie Merkbefreit dieser Bundestagsabgeordneter ist.

Schlimm ist auch, dass ein deutsches Gericht derartigen Unsinn nicht gleich mit großem Gelächter abweist. Andererseits kann ich nicht glauben, dass das Auffinden von Informationen über Lutz Heilmann, MdB durch diese Aktion schwieriger geworden ist.

Frei nach dem Motto “dieses bunte Videozeugs muss sich doch irgendwie monetarisieren lassen!” wurde jetzt Keystream SmartAd auf den Markt gespült. Anstatt auf sog. Pre-Roll oder Post-Roll Werbung zu setzen, soll nun ein ganz toller innovativer Ansatz gewählt werden.

Da, wo Platz ist, wird jetzt eine Werbefläche ins Video gepackt. Viel Landschaft, wenig handelnde Personen – jetzt gibt es endlich genug Platz für Werbung.

Ich freue mich ja immer über innovative Ansätze, aber dem möglichen Kunden die Werbung nur so ins Gesicht zu drücken, dass es schmerzt, das wird sicherlich nicht zu einem gesunden Dialog führen, oder gar zu einer gesteigerten positiven Wahrnehmung
der Marke geschweige denn einem Abverkauf. Derartige Werbeformen nerven so sehr, dass sie negativ auf den Werbetreibenden und den Publisher wirken.

Mal sehen, wer die anstehende zweite Runde bei Keystream mitgeht. Wenn das deren Core-Product ist, dürfte die Finanzierungsrunde hoffentlich schwerfällig sein. Keystream jedenfalls hat den Paradigmenwechsel in der Werbung nicht im Ansatz verstanden und versucht mit Methoden der Vergangenheit Aufmerksamkeit für die Werbetreibenden zu generieren. Das wird nicht funktionieren.

[ via: Keystream Unveils SmartAd, Wants To Turn Watching Videos Into A Painful Experience ]