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Ich hatte schon mal geschrieben, wie sehr ich mich auf die Wired Deutschland freue, nach 15 Jahren Wartezeit. Ich habe mir dann auch prompt die GQ gekauft, um die Wired zu bekommen.

Tja. Ich finde es überhaupt nicht schlimm, daß ich für 5 € auch noch eine Zeitschrift wie die GQ dazu bekomme. Jetzt tun gerade alle ganz aufgeregt, weil sie die GQ nicht mögen oder sich nicht in der Zielgruppe wähnen und Wired böse ist, weil sie die Pilot-Ausgabe an die GQ koppeln. Seit wann herrscht denn Lesezwang? Wer möchte, kann die GQ als Beilage der Wired sehen und sie geniert oder angewidert in den Papiermüll befördern. Ich kaufe mir übrigens die GQ öfter mal, weil sie nämlich, wie die meisten Frauenzeitschriften auch, ganz toll ist, wenn man mal einfach nur blättern will und nicht so viel tiefschürfenden Text lesen mag, also z.B. nach einem langen Tag im Flieger oder in der Bahn.

Wired DeutschlandAber zurück zur Wired Deutschland. Die Wired hat mich null überrascht, aber auch nicht enttäuscht. Ich finde es prima, daß viele der üblichen Verdächtigen, die man seit Jahren aus Blogs kennt, jetzt mal einem breiteren Publikum vorgestellt werden, das gilt sowohl für Autoren als auch für die portraitierten Personen. Bei einigen Beiträgen hätte ich mir etwas mehr Distanz erhofft und etwas mehr kritische Betrachtung, aber ich habe auch nicht angenommen, daß die Wired der Hort des neuen investigativen Journalismus wird. Mir haben mehr Produkttests gefehlt, ich mag diese Wired/Tired-Aufdröselung aus der amerikanischen Wired, da hätte ich gerne mehr gelesen, auch gerne mit irgendwelchen abstruseren Gadgets.

Überhaupt, was mich an der Wired am meisten stört ist die Tatsache, daß sie so verdammt vernünftig ist. Alle Texte sind leicht verdaulich, die Themen sind paßgenau für die Zielgruppe, aber die Überraschung fehlt. Ich will die Wired aufklappen und schon im Inhaltsverzeichnis mindestens einen WTF-Moment haben! Ich will mich in 5 Jahren daran erinnern, daß ich mal einen Artikel in den Wired zu einem Thema gelesen hatte, den ich nicht nachvollziehen konnte und dann merken, daß das damalige Thema mittlerweile relevant geworden ist. Das ist die Qualität, die ich von zukünftigen Ausgaben erwarte. Außerdem vermisse ich an der deutschen Wired die tolle Werbung aus der amerikanischen Wired. There, I said it. Ich mag Werbung, sogar in Print, aber auch hier gab es in der deutschen Wired keine Überraschung.

Ach ja, die Wired App, die finde ich ganz niedlich gemacht, mit Sounds und Geswipe, Werbung mit Bewegtbild, das ist recht kurzweilig. Aber die Wired lese ich lieber in Print, da bin ich Traditionalist.

Ich würde mich über weitere Ausgaben der Wired sehr freuen, mit einem schärferen Profil und mehr Kontroverse und weniger Anbiederung. Aber für einen Startschuß war die Ausgabe völlig okay, sie muß eben eine breitere Zielgruppe ansprechen, gerade als Bundle mit der GQ. Ich wünsche mir für die nächsten Ausgaben der Wired vor allem Überraschungen und Themen, die nicht schon seit Wochen diskutiert werden. Wired muß die Themen setzen, nicht nur darüber berichten.

MakerBot TV

Für alle Freunde des angewandten Geektums gibt es jetzt die MakerBot TV Launch Episode, ein neues Format rund um die bunte Welt des 3D-Printings, moderiert von Annelise Jeske. Für lumpige $1299 kann man übrigens das MakerBot Thing-O-Matic® Kit erwerben und dann selber fröhlich irgendwelche Dinge produzieren.