52 Bücher – Nr. 47: Wer wagt, beginnt

Wer wagt, beginnt ist das Buch des Grünen-Politikers Robert Habeck und ich habe es von meinem Bruder zu Weihnachten bekommen. Zur großen Freude meiner Familie habe ich es direkt durchgelesen, so gut fand ich es.

Ich habe schon seit einiger Zeit die politische Karriere von Robert Habeck interessiert beobachtet, weil ich finde, dass er ziemlich oft das Richtige sagt und sich einer erfrischenden Sprache bedient, die sich wohltuend abhebt von dem leider üblich gewordenen Funktionärsdeutsch.

Man merkt dem Buch an, dass Habeck vor seinem Eintritt in die Politik als Schriftsteller gearbeitet hat. Es liest sich flüssig und er webt gekonnt eigene Erfahrungen und seine politischen Ziele zusammen, so dass alles wie aus einem Guss und dadurch sehr authentisch wirkt.

“Politik bedeutet, in Alternativen zu denken.” – das finde ich einen sehr starken Satz und das kann ich sofort unterschreiben. Ich bin mir sehr sicher, dass die Politik unter dem Mantra der merkelschen Alternativlosigkeit gelitten hat in den letzten Jahren. Leider versäumt Habeck es, konkrete Ziele zu formulieren, sondern bleibt dabei, sein Verständnis von Politik zu formulieren, dass visionäre Ziele mit Realismus paaren will. Was mir natürlich wieder prompt aufgefallen ist: die Digitalisierung spielte keine Rolle, sondern war nur eine Fussnote in diesem Buch. Das finde ich ehrlich gesagt zu wenig für jemanden, der sich als Spitzenkandidaten einer Partei zur Wahl stellt.

Im Vergleich zu den anderen Spitzenpolitikern der Grünen ist Robert Habeck eine wirklich herausragende Person, den ich noch viele Aufgaben in diesem Land übernehmen sehen möchte.

Wer wagt, beginnt von Robert Habeck.

52 Bücher – Nr. 3: Du bist das Volk

Uwe Knüpfer versuchte einmal, Bundestagkandidat zu werden und trat gegen Michelle Müntefering in Herne an. Er unterlag und viele sahen sein Engagement als Affront an, denn er trat als Chefredakteur des Vorwärts gegen die ehemalige Voluntärin Michelle Müntefering an. Knüpfer ist ein langgedienter politischer Journalist, der u.a. Auslandskorrespondent in Washington, D.C. und Chefredakteur der WAZ war.

Man kann also durchaus behaupten, Knüpfer weiss, wie der Politikbetrieb funktioniert, denn er ist seit vielen Jahrzehnten als Insider nah dabei.

du_bist_das_volkIch werde künftig jedem, der zu mir sagt: “Du bist doch so ein politischer Mensch, warum gehst Du nicht in die Politik?” das Buch Du bist das Volk – Eine Anleitung zum Politiker-Sein: In zwölf Ermunterungen empfehlen. Denn Knüpfer beschreibt in diesem Buch schonungslos und süffisant, was es bedeutet, die Politik zum Beruf zu machen. Ich kenne viele Aspekte davon aus eigener Erfahrung, denn als Politikersohn habe ich selber erlebt, was für ein großer Zeitfresser die Politik ist und was das für die Familie bedeutet.

Knüpfer zeigt ziemlich direkt auf, welche Entbehrungen man auf sich nehmen muss, wenn man im Politikbetrieb vorankommen will. Man kann das Buch als Anleitung und als Warnung zugleich verstehen, denn seine Hinweise sind durchaus zielführend, wenn auch schonungslos direkt. Der Idealismus fällt hinten runter, wenn man die Karriere geplant werden soll und ich weiss von vielen Gesprächen mit Politikern, wie schwer es ist, diesen Idealismus im Tagesgeschäft nicht gänzlich zu verlieren.

Das Ansehen der Politikerinnen und Politiker ist nicht sehr groß, ihr Einsatz allerdings um so mehr. Dafür gibt es im Vergleich mit Leitungspositionen in der Wirtschaft wenig Geld, dafür aber viel Kritik und Gemecker. Wer sich das antun will, verdient meinen Respekt, auch wenn ich vermutlich nicht mit allen Positionen einverstanden bin. Knüpfer wirbt nicht wirklich für den Beruf des Politikers, aber er zeigt, was man tun muss, damit es funktionieren kann.

#bewegungjetzt

#bewegungjetztDie schwarz-gelbe Bundesregierung hat vier lange Jahre lang facettenreich gezeigt, dass sie dieses Land nicht voranbringen kann. Sie hat keine klare Linie, ist sich bei wichtigen Themen nicht einig und entscheidet sich daher viel zu oft, lieber gar nicht zu handeln.

Ich glaube, dass Deutschland nicht nur besser regiert werden muss, sondern dass wir einen Politikwechsel in Deutschland brauchen. Einen Politikwechsel bekommen wir nur mit rot-grün und daher unterstütze ich als Erstunterzeichner #bewegungjetzt!

Das Manifest mit 10 Punkten für den rot-grünen Aufbruch 2013 ist durchaus lesenswert und zeigt die Richtung an, in die rot-grün nach der Bundestagswahl im September gehen will. Bitte unterstützt #bewegungjetzt, zeichnet mit und macht Freunden, Kollegen und Bekannten klar, dass es im September eine wählbare Alternative gibt!

Es ist Zeit, dass sich was bewegt.


Top 10 Erkenntnisse aus der Niedersachsenwahl

1. Genossen im Glück. Es werden Landtagswahlen gewonnen. Ein Land nach dem anderen verliert die Mehrheit von Union und Liberalen. Für den Genossen Trend reicht es noch nicht.

2. Die Grünen sind eigenständig und stark, ohne sie sähe die SPD in den Ländern schlecht und alt aus.

3. Strategische Wähler sorgen für das, was eher despektierlich Leihstimmen genannt wird. Nicht immer geht das Kalkül auf.

4. Die Führungsriege der FDP mobbt sich gegenseitig tagaus, tagein vor laufender Kamera und wird vom Wähler mit einer Bestätigung von Philipp Rösler als Parteivorsitzenden bestraft. Für Rösler bietet der geliehene Wahlerfolg in Niedersachsen die Möglichkeit, sich rechtzeitig vor der Bundestagswahlkatastrophe zurückzuziehen und dem finalen Hoffnungsträger Rainer Brüderle zu weichen.

5. Auf Twitter Recht zu haben gewinnt noch keine Wahlen, das mussten die Piraten schmerzhaft erkennen und finden sich jetzt im Bereich “Sonstige” neben der Partei Bibeltreuer Christen wieder.

6. Die Politik von Frau Merkel ist nicht so alternativlos, wie sie es gerne darstellt. Die Bundesratsmehrheit ist verloren gegangen, das zeigt sehr deutlich, wie unzufrieden die Wähler mittlerweile mit schwarz-gelb sind.

7. Das sogenannte bürgerliche Lager zerfasert und wird zu einem Hort provinzieller Politik, wo es einzig um das Manifestieren des Status Quo und das Sichern der Einflussphäre geht.

8. Die Linke ist im Westen vorbei, für die Wähler ist die Lafontainsche Vergatterung auf Fundamentalopposition zu wenig verlockend.

9. Eine Wahlbeteiligung von knapp 60% darf als Normalität nicht akzeptiert werden. Es müssen deutliche Anstrengungen unternommen werden, damit wieder mehr Menschen zur Wahl gehen.

10. Die Bundestagswahl 2013 wird geprägt sein von den Auseinandersetzungen der beiden Lager rot-grün und schwarz/gelb, von Modernität und Fortschritt auf der einen, sowie vermeintlich alternativlosem Stillstand auf der anderen Seite.

Piraten, Piraten, Piraten.

Hach ja, das war doch mal eine interessante kleine Landtagswahl im Saarland. Da bereits vor der Wahl feststand, daß die FDP untergehen und die SPD ihr Heil als Juniorpartner in einer Großen Koalition suchen würde, gab es eigentlich nur ein Thema bei der Wahl: wie gut werden die Piraten abschneiden?

Ich glaube, daß die Wahl im Saarland wieder einmal gezeigt hat, daß immer mehr Menschen immer weniger Interesse daran haben, den vorhandenen Politikstil zu unterstützen. Sicher, die Piraten sind totale Amateure und noch dazu oftmals naiv und stümperhaft, aber sie sind eben anders als die Politikprofis, die seit Jahrzehnten schon die Ämter verteilen und immmer so tun, als wüssten sie alles und könnten alles besser als die Konkurrenz. Wenn dem so wäre, dann hätten wir jetzt in Deutschland andere Sorgen als riesige Schuldenberge, handlungsunfähige Kommunen und so weiter und so fort. Ich frage mich allerdings, wie lange der Elan der Piraten anhält und wie sehr das Beharrungsvermögen der etablierten Parteien und der Verwaltung zu Ermüdungserscheinungen bei den Piraten führen wird. Für mich zeigt der Wahlerfolg der Piraten im Saarland aber auch, daß nicht Netzpolitik das große Thema für die Piraten ist, sondern vor allem das Anderssein als die etablierten Parteien. Die Piraten sagen auch mal, daß sie keine Ahnung haben. Das macht sie sympathisch, aber natürlich auch verwundbar.

Um mich einmal selber zu zitieren:


Das Fundament der Bundesrepublik Deutschland ist solide, aber einzelne Module schreien deutlich nach einem Refactoring. Für eine alternde Gesellschaft ist ein “weiter so!” vielleicht normal, aber für eine moderne oder gar progressive Politik ist es nicht genug. Ich finde, wir müssen uns wieder mehr fragen, warum viele Dinge eigentlich so sind, wie sie nunmal sind und dann darüber nachdenken, wie wir sie verändern können, anstatt sie nur etwas zu optimieren.

Die Piraten werden ordentlich nerven in den Monaten bis zur Bundestagswahl. Sie werden es aber auch sehr schwer haben, mal etwas auf die Reihe zu bekommen und meßbare Ergebnisse zu liefern. Die etablierten Parteien sollten nicht den Fehler machen, die Piraten auf das Thema Netzpolitik zu beschränken, sie sollten aber auch nicht versuchen, sich bei den Piraten und deren Wählern anzubiedern. Es geht um klare Profile und eine vernünftige Auseinandersetzung mit den Themen. Die Piraten werden oft genug interessante Impulse geben, aber dann kommt es darauf an, daraus auch praktikable Politik zu entwickeln. Das Parteiensystem bleibt in Bewegung und das tut allen Beteiligten mal gut.