Karl-Theodor zu Guttenberg ist zurückgetreten und überall kann man lesen, was für ein Ausnahmepolitiker Herr zu Guttenberg doch gewesen und was für ein herber Verlust dies für unsere Bundesrepublik sei.
Das ist alles totaler Quatsch.
Herr zu Guttenberg ist seit 2002 im Bundestag und damit natürlich ein Berufspolitiker, denn etwas anderes hat er nie gelernt, wie wir im Rahmen der Plagiatsaffäre alle mitbekommen haben. Von den anderen Berufspolitikern unterscheidet er sich vor allem darin, daß er schlank ist und es versteht, dies mit einem aufrechten Gang und ausgewählter Kleidung zu kombinieren. Haben Veranstaltungen mit Berufspolitikern oftmals die Anmutung eines Jahrestreffen der Autisten, jedenfalls so wie sie uns im Film Rainman vermittelt wurden, so hat Herr zu Guttenberg sicherlich ein anderes Auftreten an den Tag gelegt.
Dieses Auftreten hat dazu geführt, daß BILD & Co. ihn zu einer Lichtgestalt der deutschen Politik geschrieben haben und aus zu Guttenberg eine Person gemacht haben, auf die Sehnsüchte projiziert werden können. Adel und Glamour, das ist doch mal ein Kontrastprogramm zum grassierenden Technokratentum in schlecht sitzenden Anzügen. Dieses Muster ist nicht neu, als Hamburger ist einem die Titulierung FiLa noch sehr präsent, hinzu kam just die Meldung, daß ein First Baby unterwegs sei. Ein bisschen Monaco für alle, wir haben ja schließlich keinen König mehr.
Protagonisten von CDU und CSU versuchen nun gerade, Herrn zu Guttenberg als Opfer darzustellen, um ein Comeback zu ermöglichen. Herr zu Guttenberg spendet seine Bezüge als Minister. Es ist alles zu schön, um wahr zu sein.
Abgesehen von der beginnenden strafrechtlichen Klärung der Plagiatsvorwürfe werden wir in den nächsten Monaten sehen, wie der neue Verteidigungsminister die Bundeswehrreform des Herrn zu Guttenberg Schicht um Schicht abtragen wird, um den inhaltlichen Kern zu finden. Und wir werden sehen, daß außer vieler Worte und dem Aussetzen der Wehrpflicht keine Substanz vorhanden ist. Niemand weiß, wie die Bundeswehrreform im Detail aussehen soll, das darf jetzt Herr de Maizière klären.
Für Herrn zu Guttenberg war die Politik eine einzige große Showbühne, die Arbeit müssen andere erledigen. Auch nach zu Guttenbergs Rücktritt werden BILD & Co weiterhin dafür sorgen, daß sich große Teile der Bevölkerung ein Comeback das ehemaligen zukünftigen Bundeskanzlers wünschen werden. Das Warten darf gerne länger dauern.













