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Es wird mal wieder Zeit für einen beruflichen Tapetenwechsel. Nach zwei Jahren Selbständigkeit werde ich künftig als COO des Next Media Accelerator in Hamburg arbeiten. Gemeinsam mit der dpa und namhaften Investoren haben wir diesen neuen Accelerator in Hamburg gestartet.

Ich freue mich wahnsinnig auf die Aufgabe. Ich bin jetzt seit 20 Jahren online und ein Thema zieht sich wie ein roter Faden durch alles, was ich seitdem beruflich getan habe: die Veränderung der Medien und der Kommunikation durch digitale Technologien. Es gibt kaum etwas, das ich spannender finde, als frühzeitigst neue Startups zu identifizieren, die neue Produkte an den Markt bringen wollen.

Ich mag es, ein Startup-Trüffelschwein zu sein.

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Wir werden zwei Mal im Jahr je 5 Startups zu uns ins betahaus holen und ihnen dabei helfen, möglichst schnell zu wachsen. Das tun wir, indem wir Grundlagen vermitteln in wichtigen Bereichen wie Online Marketing, PR und Branding, aber auch indem wir die Finger in die Wunden legen und dabei helfen, das jeweilige Produkt noch besser zu machen. Zu unserem Angebot gehört natürlich auch ein großes Netzwerk an Mentoren und Partnern. So bieten Facebook, Google, Twitter, Amazon, IBM und andere kostenlose Dienste wie z.B. Cloud-Nutzung für unsere Startups an, die unser Angebot noch zusätzlich attraktiv machen. Je nach gewähltem Paket bekommen Startups bei uns 25.000 € oder 50.000 € und geben dafür 5 % bzw. 10 % der Firmenanteile an uns ab. Für 3 % Anteile bieten wir Bürofläche, Netzwerk und alles, was dazu gehört, aber keine finanzielle Unterstützung.

Unser Ziel ist es, dass wir die besten jungen Startups im Bereich Medien identifizieren und zu uns holen. Es geht um Inhalte, Werbung, Technologie und Dienstleistungen – also alles, was spannend ist und sich andauernd verändert. Das Programm für die Startups läuft 6 Monate und wir setzen darauf, dass wir möglichst für jedes Startup eine Folgefinanzierung hinbekommen werden in diesem Zeitraum.

Ich bedanke mich schon jetzt für viele tolle Bewerbungen beim Next Media Accelerator!

In Hamburg gibt es den Politikwissenschaftler Zahlensammler Martin Fuchs, der es seit Jahren gezielt nutzt, dass Leute gerne auf Statistiken und Schaubilder gucken. Die ausgewerteten Zahlen sind dabei vor allem eines: total belanglos. Jedes Mal frage ich mich, was die Aussagekraft der Statistik sein soll, die er im Netz verteilt und die gerne auch bei Hamburger Zeitungen zitiert wird.

Aktuell macht folgende Statistik die Runde:

Aha. Und nun? Ist die Aussage der Grafik, dass eine Partei die besten Wahlchancen hat, wenn 2/3 der Kandidaten Twitter nutzen? Je mehr Kandidaten und Kandidatinnen twittern, desto schlechter die Chancen?

Es ist mir ein völliges Rätsel, wieso die Anzahl von Kandidatinnen und Kandidaten, die twittern, die Anzahl der Tweets im Wahlkampf, die Anzahl der Follower oder die Anzahl der Retweets irgendeine Aussagekraft für die Hamburger Wahlen haben sollten.

Warum? Weil Twitter zwar toll ist, aber weit jenseits des Mainstreams ist. Twitter spielt im Hamburger Wahlkampf einfach mal gar keine Rolle. Nicht mal ansatzweise. Egal, was für bunte Bildchen Martin Fuchs jede Woche wieder ins Netz stellt.

Diese vermeintlichen Analysen haben die politikwissenschaftliche Aussagekraft von Kaffeesatzleserei, um nicht zu sagen: das ist publizistischer Dünnpfiff! Man könnte ebenso gut auswerten, wie viele Paar Schuhe ein Kandidat oder eine Kandidatin hat, welchen Eintopf Kandidaten am liebsten essen oder ob sie Tick, Trick oder Track am liebsten mögen. Für den Wahlkampf ist das alles herzlich egal, ansonsten allerdings auch.

Ich freue mich ja für Martin Fuchs, dass er ein Thema gefunden hat, das die lokale Presse gerne aufgreift, aber das stumpfe Zahlensammeln, um daraus irgendwelche Schlagzeilen im Sinne von „Die Opposition bekommt weniger Favs als Justin Bieber!“ zu generieren, hilft mal eben niemandem weiter.

Ich war neulich in den Niederlanden und bin dort Fahrrad gefahren. Dort gab es wunderschöne, breite Fahrradwege und sogar Unterführungen für Fahrradfahrer unter stark befahrenen Kreuzungen hindurch, von Fahrradampeln und genügend Fahrradständern mal ganz zu schweigen. Fahrradfahren brachte enormen Spaß, man fühlte sich sehr sicher und man kam schnell voran, trotz permanentem Gegenwind. „Mensch, wenn wir das nur auch mal in Deutschland hätten!“, dachte ich. Das war vor 30 Jahren.

Jedes Jahr lese ich dafür auf zeit.de, wie toll das Radfahren in Kopenhagen doch sei, für das eigene Wohlbefinden, für die Umwelt und neuerdings sogar auch für die Wirtschaft.

Alles toll, denke ich mir, hole mein Fahrrad aus dem Keller, setze die Lütte auf den Kindersitz und fahre los. Geniesse auf dem Weg zur Kita ca. 250m neuen Fahrradweg auf der Straße. Man rollt so toll über Asphalt, herrlich. Kurz danach darf ich wieder einen viel zu schmalen Radweg nutzen, muss Passanten bitten, mir Platz zu machen, fahre über viel zu hoch abgesenkte Bordsteine, so dass die Lütte von hinten protestierend „Papa!“ ruft und frage mich, ob das wirklich so sein muss. Zurück fahre ich manchmal die Sierichstrasse entlang. Eine Einbahnstrasse, die für Autos wunderbar funktioniert, die aber auf beiden Seiten keinen wirklich durchgängigen Radweg hat. Wie kann das sein? Ich bin neulich am Ring 2 geradelt. Was für ein Fehler, dies ohne Mountainbike mit fetter Federung zu tun. Warum sind Radwege in Hamburg eigentlich grundsätzlich zu schmal und zu holprig? An der Ubahnstation Kellinghusenstrasse liegen seit Jahren jeden Sonntag Morgen unzählige Fahrräder auf der anderen Seite einer Hecke, weil einfach nicht genügend Fahrradständer vorhanden sind und irgendwelche Spinner nachts meinen, dass man mal anderer Leute Eigentum zerstören kann. Wenn man die gestiegenen Zahlen der Fahrraddiebstähle liest, dann wird schon deutlich, dass vernünftige Fahrradständer oder abschliessbare Boxen generell in Hamburg fehlen.

In Hamburg läuft etwas schief, wenn wir zwar über Verkehrsmittel wie die Stadtbahn oder die Seilbahn fabulieren und streiten können, es aber über Jahrzehnte nicht hinbekommen, vernünftige Fahrradwege zu bauen. Wenn wir die Straßen entlasten wollen, dann müssen einfach bessere Fahrradwege her – Fahrradwege aus Asphalt, keine Buckelpisten aus angemalten Gehwegplatten. Am Wetter kann es nicht liegen, das anderswo das Fahrrad mehr genutzt wird. Amsterdam und Kopenhagen sind beide für ein ähnlich mediterranes Klima bekannt wie Hamburg.

Hach, jetzt weiss ich wieder, warum ich eigentlich nichts zur aktuellen Gewalt gegen den Staat in Hamburg schreiben wollte. Es ist die unsägliche Art der Diskussionskultur vieler Beteiligter, die sich sehr schwer damit tun, unterschiedliche Standpunkte zu tolerieren und hyperventilierend Änderungen an meinem Text fordern, sobald ein neuer Artikel irgendwo im Netz steht, der ihre Meinung bestärkt. Wer linke Gewalt kritisiert, sticht in ein Wespennest, das hätte ich mir denken können und es war auch mal wieder eine neue Erfahrung für mich. Interessant sind auch die sog. Nonmentions auf Twitter, wenn man also kritisiert wird, davon aber nichts mitbekommen soll, dem liegt auch ein interessantes Konzept des politischen Diskurses zu Grunde, da bin ich mir sicher. Beleidigungen sind übrigens ebenso fehl am Platz wie Hinweise auf eine vermeintliche Nähe zu Schill oder anderen Rechtsauslegern, nur weil ich einen anderen Standpunkt formuliere als einige es gerne hätten.

Jungs, Mädels, mal nur die Ruhe. Ich habe hier am Sonntag meinen Standpunkt formuliert. Der Standpunkt lautet: ich toleriere keine Gewalt gegen den Staat. Ich habe weiterhin gleich ganz oben im Text, damit auch ja alle das lesen, geschrieben: „Ich fände es auch besser, es gäbe keine Anschläge auf Polizeireviere und es gäbe kein Gefahrengebiet, aber wir müssen uns auch mal darüber unterhalten, was in Hamburg gerade passiert.“ Mir also zu unterstellen, ich sei nach Rechts abgedriftet oder es gehe mir um das Kadavergehorsam der SPD, der irrt hier. Zumal ich einen Satz vorher auch schildere, wie wenig Neumann, Scholz und Lumma innenpolitisch auf einen Nenner zu bringen sind.

Mir ist auch völlig egal bei der Diskussion, wer bei der letzten Demo angefangen hat und warum. Wir sind hier nicht im Kindergarten. Ich erinnere mich noch an die Gewalt-Exzesse an der Hafenstrasse und trotz damaliger Sympathien für die Hausbesetzer ging mir das zu weit. Wer nicht die Absicht hat, friedlich zu demonstrieren, soll sich bitte nicht darüber aufregen, dass die Polizei darauf vorbereitet ist. Um das noch mal klar auszusprechen: ich habe überhaupt nichts dagegen, dass Menschen für oder gegen etwas demonstrieren, aber ich habe etwas dagegen, wenn immer wieder von denselben Gruppierungen Gewalt ausgeht.

Ich habe mal in den 90ern ein Jahr an der University of California in Berkeley studiert. Eine Uni, die mittlerweile stolz ist auf das Free Speech Movement, das Mitte der 60er Jahre den Anfang einer weltweiten Welle von Studentenprotesten markiert hat. Dort gab es 64/65 in der Tat einen Ausnahmezustand, ausgerufen durch Gouverneur Ronald Reagan als Reaktion auf die Studentenproteste. Dort standen auf den Dächern der Telegraph Avenue, einer der Hauptstrassen zum Campus hin, Truppen des National Guard bewaffnet auf den Dächern, so wie man es von der Kavallerie aus Westernfilmen kennt. Dort wurde Tränengas aus Helikoptern versprüht. Das war ein Ausnahmezustand gegen friedliche Demonstranten. Und so etwas ist nicht hinnehmbar in einer Demokratie.

Kersten Augustin schreibt auf zeit.de:

Hamburg befindet sich im Ausnahmezustand. Seit Samstagmorgen kontrollieren 200 Bereitschaftspolizisten große Teile der Innenstadt.

Hmm. 5 Ubahnstationen von der Gefahrenzone entfernt merke ich keinen Ausnahmezustand. Ich merke eher, dass hier reisserisch formuliert wird, damit das mit der Aufmerksamkeit im Web auch gut klappt.

und Heribert Prantl schreibt auf sueddeutsche.de:

Während in Hamburg der SPD-Innensenator ohne jeden Verdacht auf jeden Bürger zugreift, will in Berlin der SPD-Bundesjustizminister just dieses verhindern. Der SPD-Politiker Neumann propagiert verdachtsunabhängige Kontrollen und lässt diese in Hamburg umfassend exekutieren; der SPD-Politiker Maas dagegen versucht, die Einführung der verdachtsunabhängigen Speicherung von Daten auf Vorrat abzuwenden.

So weit ich informiert bin, erstreckt sich die Gefahrenzone nicht nur auf einen Teil Hamburgs, sondern wurde nicht einfach so eingerichtet, sondern nach einem konkreten Anlass, nämlich den Gewaltexzessen um den 21. Dezember herum und zur Prävention weiterer Gewalt in einem Teil von Hamburg. Wir haben es also mit Polizeikontrollen zu tun, die in einem begrenzten Bereich erfolgen und nicht auf jeden Bürger zugreifen, nicht mit Schusswaffengebrauch, Stürmen von Wohnungen, oder anderen unverhältnismäßigen Mitteln, sondern es werden zur Prävention Ausweise kontrolliert und es werden Platzverweise ausgesprochen bzw. Leute bei Verdachtsmomenten festgesetzt. Wir sind weit entfernt von einem Ausnahmezustand in Hamburg und der Vergleich zwischen den Polizeikontrollen in einem Teil Hamburgs und der anlasslosen Überwachung jeglicher Online-Kommunikation aller Bürger bei der Vorratsdatenspeicherung hinkt gewaltig, um es mal freundlich auszudrücken, auch wenn dies hier der sakrosankte Prantl schreibt.

Wie gesagt, ich finde das alles nicht toll und bejubel in keinster Weise die Einrichtung einer Gefahrenzone und die Erhöhung der Polizeipräsenz. Aber ich frage mich auch, was die Alternative wäre. Um die Rote Flora kann es ja nicht gehen, dort besteht Konsens, dass der Kasten so bleiben soll, wie er ist. Die Alternative kann nicht sein, dass man einfach akzeptiert, dass immer wieder Leute Demonstrationen dafür nutzen, Sachbeschädigungen zu verüben und dabei das Verletzen von Personen in Kauf nehmen.

Ich wurde gefragt, bzw. mir wurde unterstellt, dass ich jetzt einfach nur die SPD bejubeln will, und ob ich nicht einen CDU-Senat massiv angegriffen und Rücktritte gefordert hätte. Klar, die CDU kritisiere ich noch lieber als meine Partei, aber ich bin mir in diesem Fall nicht so sicher. Ich bin nämlich schon lange davon genervt, dass Menschen meinen, weil sie anderer Auffassung sind und eine Minderheitsposition einnehmen, ihre eigene Intoleranz gegenüber der Mehrheit der Bevölkerung durch Gewalt ausleben zu können. Wenn Menschen aus Furcht vor Gewalt durch Randalierer nicht mehr in die Innenstadt fahren wollen kurz vor Weihnachten, dann finde ich das eine unzumutbare Einschränkung, gerade unter dem Aspekt „Recht auf Stadt“ – das muss dann nämlich für alle gelten.

Lasst uns mal ein Gedankenexperiment machen und schreit nicht gleich alle „wie kann der das nur wagen!“, sondern überlegt mal, wie es wäre, wenn alle zwei Wochen eine marodierende Truppe von gewaltbereiten Menschen durch einen Stadtteil ziehen würde, um sich zu prügeln und Dinge kaputt zu machen (Mitte der 80er gab es diese Hooligan-Exzesse am Hans-Albers-Platz. Schlimm, und dann noch in den Farben meines Vereins.) Wie soll der Staat auf derartige Gewalt reagieren? Wir nehmen jetzt mal jegliche politische Färbung weg und stellen nur fest: da sind Menschen, die die Konfrontation mit dem Staat suchen und dabei Sachbeschädigung und das Verletzen von Personen in Kauf nehmen. Und zwar nicht nur einmal, sondern immer wieder, gerne auch zu festen Terminen. Was wäre Euer Ratschlag an die Stadt Hamburg, damit umzugehen?

Für mich ist Gewalt gegen den Staat untragbar. Egal ob linke Gewalt, rechte Gewalt oder apolitische Gewalt. Ich finde keine Gewalt viel besser und ich glaube auch, dass man viel eher Unterstützer für sein Thema findet, wenn man gewaltfrei demonstriert und sich von Gewalt distanziert. Ich finde auch Deeskalationskonzepte sinnvoll, aber ich glaube nicht, dass diese einfach so greifen, sondern sie erfordern eine Dialogbereitschaft auf beiden Seiten, die ich derzeit bei den gewaltbereiten Randalierern nicht sehe, jedenfalls wenn man so die einschlägigen Foren querliest.

Ach, und weil Jens Best erst wieder ruhig schlafen kann, wenn ich dies auch mal auf meinem Blog für die Nachwelt festgehalten habe: Ich bin sehr dafür, das Vorgehen der Polizei und die dahinterliegende Strategie der Polizeiführung zu überprüfen und kritisch zu hinterfragen. Dafür gibt es verschiedene mögliche Instrumente, u.a. einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss. Wenn es stimmt, dass ein Angriff auf die Davidwache so nicht stattgefunden hat, wie die Medien berichteten, dann muss man nicht nur die Verantwortlichen in der Polizei disziplinarisch belangen, sondern auch kritisch die Rolle der Medien in dieser Auseinandersetzung diskutieren.

So, abschliessend würde ich aber gerne alle mal einladen, hier in den Kommentaren sachlich zu diskutieren, wie denn der Staat auf eine derartige Gewalt zu reagieren hat. Soll er das einfach so hinnehmen? Soll er vehement zurückschlagen? Soll er Kontrollen erhöhen und damit mehr Druck auf die gewaltbereiten Randalierer ausüben? Also, mal völlig losgelöst von der Frage, wer wann was wie gemacht hat, sondern einfach nur mit Blick auf die Situation, dass es Menschen gibt, die meinen ihre Gewaltbereitschaft ausleben zu müssen und immer wieder die Konfrontation mit dem Staat, also der Polizei suchen wollen. Der Hinweis „sachlich“ war ernst gemeint.

In einem Teil Hamburgs wird seit einigen Wochen wieder randaliert und zwar nicht zu knapp. Neben Sachbeschädigung werden Polizisten verletzt und ein Stadtteil wurde einen Nachmittag in den Ausnahmezustand versetzt. Jetzt wurde dieser Teil von Hamburg großräumig zu einem sog. Gefahrengebiet erklärt und die Polizei kann Personen ohne konkrete Verdachtsmomente festhalten und auch Platzverweise aussprechen. Jetzt ist der Aufschrei groß, es wird die Verhältnismäßigkeit dieses Vorgehens in Frage gestellt, vom Überwachungsstaat ist die Rede und natürlich ist das alles Böse.

Mitnichten. Und es ist selten, dass ich innenpolitisch mit dem Hamburger Innensenator Michael Neumann oder mit Bürgermeister Olaf Scholz auf einer Linie bin, aber in diesem Fall finde ich das Vorgehen völlig ok. Ich fände es auch besser, es gäbe keine Anschläge auf Polizeireviere und es gäbe kein Gefahrengebiet, aber wir müssen uns auch mal darüber unterhalten, was in Hamburg gerade passiert.

Da verlassen einige Hunderte Personen den gesellschaftlichen Konsens, dass wir in Deutschland politische Veränderungen friedlich herbeiführen wollen und dass man politische Mehrheiten akzeptiert, aber weiter darauf hinarbeitet, sie zu verändern. Einen Angriff gegen den Staat, symbolisiert durch Anschläge auf Polizeiwache und Polizisten, nehme ich persönlich. Warum? Weil wir der Staat sind. Weil ich der Staat bin. Ich lebe hier, ich zahle hier meine Steuern, ich finde dieses Land ganz okay, ich sehe Verbesserungspotential, aber im Vergleich mit anderen westlichen Demokratien sind wir echt fein raus hier. Wer dies gewaltsam in Frage stellen will, greift also auch das Fundament an, auf dem ich hier mein Leben lebe. Ehrlich gesagt möchte ich das nicht.

Wir leben nicht in einem Unrechtsstaat, hier herrschen Recht und Gesetz und unsere Volksvertreter sind politisch legitimiert. Ja, es könnte vieles noch besser sein, aber nichts ist perfekt. So, was passiert also, wenn einige Hunderte Personen gewaltsam randalieren und sich Straßenschlachten mit der Polizei liefern? Der Staat reagiert, und zwar so, wie er es kann. Die Polizeipräsenz wird erhöht, es werden nach und nach immer mehr Mittel eingesetzt, um die gewalttätigen Personen und ihr Umfeld davon zu überzeugen, dass sie den Kampf nicht gewinnen werden. Einen Dialog können wir in dieser Phase getrost vergessen, dazu muss erst die randalierende Seite einsehen, dass sie den gewaltsamen Kampf nicht gewinnen kann. Nicht nur, weil die Polizei in der Lage ist, das Recht durchzusetzen, sondern auch, weil in der Bevölkerung keinesfalls ein Rückhalt für randalierende Radikale zu sehen ist, von einer Handvoll Romantiker mit Hang zu linker Folklore mal abgesehen, die sich zurechtlegen, dass die Gewalt der Randalierer nur eine Antwort auf die Repression des Staates sei. Das ist Bullshit! Der Staat bin ich, bist Du, sind wir alle. Ich will, dass dieser Staat geschützt wird, ich will nicht, dass marodierende Horden durch die Straßen ziehen und rumrandalieren, fröhlich Sachbeschädigung begehen, Autos in Brand setzen, Schaufensterscheiben einschmeissen und ihre Mitbürger daran hindern, einfach auf der Straße zu sein, nur weil sie ihren spinnerten Ideen mehr Nachdruck verleihen wollen. Wenn ihr spinnerte Ideen habt, dann geht friedlich dafür demonstrieren oder macht eine Partei auf, oder eine Bürgerinitiative oder was weiss ich, so wie alle anderen auch. Aber tut nicht so, als ob wir hier in Nordkorea leben und der gewaltsame Aufstand gegen den Despoten das einzige Mittel wäre, um das Überleben zu sichern. Zumal es einen Konsens gibt quer über alle Parteien hinweg, dass die Rote Flora als runtergekommenes Kulturzentrum für einige wenige Menschen erhalten bleibt.

Und vor allem, jammert nicht rum, dass der Staat sich nicht erpressen lässt, sondern direkt reagiert und zurückschlägt. Jaja, jetzt kommen wieder die ganzen Betroffenheitsschilderungen von jedem, der mal auf einer Demo hart angefasst wurde. Wisst ihr was? Ich war auch schon mal auf Demos. Und was habe ich gemacht, sobald es gewalttätig wurde? Ich bin gegangen. Nicht aus Angst vor der Polizei, sondern weil ich Gewalt verabscheue. Man muss sich nicht mit Polizisten prügeln, um für oder gegen eine Sache einzutreten. Ich bin mir sicher, dass friedliche Massenproteste viel mehr politisch bewegen als Krawalle mit Krawalltouristen aus Antifa-Hochburgen aus ganz Deutschland.

Ach, ihr wollt nicht in einer Gefahrenzone leben? Dann hört auf, Euch als Sympathisanten von Krawallos zu gerieren, sondern zeigt deutlich, dass die Parole „Recht auf Stadt“ auch bedeutet, dass man unterschiedliche Lebensentwürfe gelten lässt und dafür sorgen sollte, dass diese in einem Stadtteil nebeneinander vorhanden sein können. „Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenken“ hat Rosa Luxemburg mal gesagt, aber das werden die Randalier nicht für sich in Anspruch nehmen, da sie bewusst die Auseinandersetzung mit dem Staat suchen und sich durch die Reaktion des Staates nur noch darin bestärkt sehen, dass sie mit ihrem Vorgehen alles richtig machen. So lange diese Spinner auf Sympathisanten bei den Linken, den Grünen und anderen gesellschaftlichen Gruppen zählen können, müssen wir uns nicht wundern, dass die Eskalation munter weiter geht. Am Ende kommt wieder das Genöle von „wer hat uns verraten?“, es wird an die Kriegskredite 1918 erinnert und die SPD hat Schuld. Klar, weil es um unseren Staat geht und dieser sich nicht angreifen lässt. Das ist staatstragendes Verhalten im besten Sinne des Wortes und ich bin dankbar, dass der Hamburger Senat hier Kante zeigt.

Die Einrichtung einer Gefahrenzone sei unverhältnismäßig? Ich finde, dass Angriffe auf Polizeibeamten und brennende Barrikaden noch viel unverhältnismäßiger sind. Wie soll denn der Staat auf eine derartige Gewalt reagieren? In Baströckchen am Straßenrand stehen und an randalierende Spinner Blumenkränze verteilen, dabei von freier Liebe singen und eine Pfeife rumreichen? Nö, so funktioniert das nicht. Es gibt Gesetze, an die hält man sich, oder man trägt die Konsequenzen. Wer Polizisten Gewalt antut, sollte sich daher nicht wundern, wenn die Politik und Polizei entsprechend reagieren. Was werden die real existierenden Auswirkungen auf die Bürger in der Gefahrenzone sein? Ein paar Leute müssen ihren Ausweis vorzeigen, obwohl sie gerade zu Penny wollten. Glaubt ihr nicht, dass diese Gefahrenzone unter besonderer Beobachtung aller sein wird, wo jeder Ansatz eines Fehlverhaltens sofort protokolliert werden wird?

Ich würde es begrüßen, wenn mal die Sympathisanten der Randalierer einen Moment innehalten würden, um darüber zu reflektieren, was sie da eigentlich für Typen unterstützen und um welche Themen es eigentlich geht. Dann kommt man ziemlich schnell zu der Stelle, an der man feststellt, dass inhaltlich kaum etwas Greifbares vorliegt, sondern Randale und Gewalt gegen den Staat das verbindene Element ist. Damit wird die Gentrifizierung nicht verhindert, damit wird das Schicksal von Flüchtlingen in Europa nicht verbessert, damit werden die Esso-Häuser nicht wieder in ihrer ganzen Nachkriegspracht erstrahlen, aber dadurch wird sich allerhöchstens etwas am Status der Roten Flora ändern, weil irgendwann die Politik keine Lust mehr hat, eine ausgestreckte Hand hinzuhalten, wenn als Reaktion nur noch Krawall kommt. Und es ist müßig, darüber zu diskutieren, wer angefangen hat. Wer zu einer Demonstration geht und Steine, Pyrotechnik und Knüppel dabei hat, zeigt nicht gerade seine friedlichen Absichten.

Ich finde, dass die freiheitlich-demokratische Grundordnung ein schützenswertes Gut ist und ich möchte nicht, dass hier das Recht der Straße gilt und gewalttätige Randalierer ihre Forderungen durchsetzen können.