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Am Wochenende hat Sascha Lobo im Feuilleton der FAS einen vielbeachteten Artikel geschrieben, der mit dem Titel Die digitale Kränkung des Menschen auch gleich den Tenor des Textes vorgeben sollte:

Ich spüre eine Kränkung. Sie hängt mit meinem Irrtum zusammen, der Spähskandal zwang mich zu erkennen: Das Internet ist nicht das, wofür ich es gehalten habe. Nicht das, wofür ich es halten wollte. Auf eine Art hat es sich gegen mich gewendet und mich verletzt.

Nun denn. Ich finde es gut, dass Sascha Lobo versucht, eine Debatte anzuschieben über den Zustand des Internet nach den Enthüllungen durch Edward Snowden und ich finde es gut, dass er am Ende eines langen, schwurbeligen Textes noch den Blick nach Vorne wagt:

Nach dieser Kränkung muss ein neuer Internetoptimismus entwickelt werden. Eine positive Digitalerzählung, die auch unter erschwerten Bedingungen in feindlicher Umgebung funktioniert, denn der dauernde Bruch sicher geglaubter Grundrechte hält an. Das große Ausspähen ist nicht vorbei. Und wird es vielleicht niemals sein.

Ich bin seit 1995 im Netz. Das Internet war eigentlich schon damals kaputt, wenn man so will. Es basiert auf digitaler Paketvermittlung und aufgrund der Beschaffenheit des Netzes gibt es unzählige Möglichkeiten, diese Datenpakete abzugreifen und ggf. zu verändern.

Eine Email ist so sicher wie ein Gespräch im Bus. Unter dieser Maxime nutze ich das Netz. Sicherlich war auch ich schockiert, als die ersten Berichte über die Breite des Abgreifens der Daten durch die NSA aufkamen, aber ich habe das Netz immer mit der Vermutung genutzt, dass jemand anders an meine Daten herankommen und sie ggf. manipulieren kann. Als ehemaliger SysAdmin weiss ich, wie Netze beschaffen sind, wie die Protokolle funktionieren und wie die Daten von Netzknoten zu Netznoten transportiert werden. Dabei ist das Netz gar nicht kaputt, sondern basiert auf einer Entwicklung, die gegenseitiges Vertrauen als Grundlage des Datenaustauschs annehmen konnte.

Das Internet ist nicht kaputt, es hat nur den nächsten Evolutionsschritt vor sich. Dieser Schritt ist nicht in erster Linie technischer Natur, sondern wird aus dem Blickwinkel der Nutzer erfolgen und die Supranationalität des Netzes im Blick haben. Je mehr der Alltag digitalisiert wird, je mehr Datenpunkte wir alle fröhlich erschaffen, verknüpfen und nutzbar machen, desto wichtiger wird es, diese Daten nicht nur zu schützen, sondern für den einzelnen Nutzer transparent und damit verständlich zu machen. Aktuell reden wir immer noch von Medienkompetenzvermittlung, aber eigentlich müssen wir in der Tat verstärkt über Digital Literacy reden, damit mehr Verständnis für die Abläufe im digitalen Alltag geschaffen wird.

Die Stärkung der Rolle des Verbrauchers und der Schutz des Verbrauchers sind die Themen für die Zukunft des Internets. Wir kommen zwangsläufig um die Frage nicht herum, warum das klassische Briefgeheimnis bei digitaler Kommunikation keine Anwendung findet. Ich glaube, dass der anfangs eher gering ausgeprägte rechtliche Rahmen des Netzes in den letzten zwei Jahrzehnten enorm dabei geholfen hat, das Wachstum und die Akzeptanz zu schaffen, weil es immer wieder wenig regulierte Bereiche gab, in denen sich Nutzer und Anbieter austoben konnten. Aber diese Phase wird nach den Snowden-Enthüllungen jetzt vorbei sein, da die Nutzer nachhaltig verunsichert sind und sich nach mehr staatlichen Rahmenbedingungen sehnen werden. Eigentlich paradox, aber durch das Handeln von staatlichen Einrichtungen wie NSA und GCHQ wird jetzt der Gesetzgeber dafür sorgen müssen, dass Vertrauen in das Netz wieder hergestellt werden kann.

Ich will die systematische Überwachung des Netzes gar nicht kleinreden, aber jetzt wo es alle wissen, können wir entsprechend damit umgehen. Seit PGP und GPG gibt es Möglichkeiten, die Emails zu verschlüsseln oder zu signieren, es nutzt kaum jemand, weil es zu umständlich ist und die Vorteile nicht allen klar sind. Für die deutsche Wirtschaft gibt es eine wunderbare Möglichkeit, sich auf einem neu belebten Markt auszutoben, indem garantiert wird, dass es keine Backdoors aus den USA oder China in relevanten Systemen gibt. OpenSource wird wichtiger denn je zuvor, da die gebotene Transparenz dazu führt, dass mehr Vertrauen in Software und Systeme aufgebaut werden kann. Für Europa gibt es die Chance, als Wertegemeinschaft Standards beim Schutz der Privatsphäre des Einzelnen zu setzen, die sich deutlich vom aktuellen Vorgehen der USA absetzt, wobei sich Großbritannien dann mal entscheiden muss, welcher Wertegemeinschaft sie angehören wollen.

Ich bin nicht enttäuscht vom Internet, auch nicht gekränkt. Ich sehe nachwievor das enorme Potential, das sich durch die vernetzte Gesellschaft bietet. Für mich ist das Internet ein gigantisches Projekt, dass Zugang zu Informationen bietet und Teilhabe an gesellschaftlichem, kulturellem und wirtschaftlichem Leben ermöglicht. Wenn wir weiterhin das Internet nutzen, um zu gestalten, um Meinung zu bilden und uns auszutauschen, dann werden wir weiter die positiven Aspekte der Vernetzung nutzen und dabei auch immer wieder Mißstände anprangern und für ihre Abschaffung sorgen. Trotz der Überwachung ist das Internet eine gigantische Bastion im derzeitig in Schieflage geratenen System der Checks and Balances.

Kaputt ist das Internet nur, wenn man in 0 und 1 denkt, insofern ist der Lobosche Ausspruch bezeichnend für die netzpolitische Diskussion in Deutschland der letzten Jahre, die geprägt ist von Maximalforderungen und wenig Kompromissbereitschaft. Im Internet post-snowdenscher Prägung wird es mehr um Nuancen gehen müssen, um kleine Schritte der Verbesserung, anstatt weiterhin immer nur den großen Wurf jetzt gleich zu fordern. Vor allem wird es Aufgabe der Politik und den Interneterklärern sein, die gemeinen Nutzerinnen und Nutzer an sich mit zu nehmen auf dem Weg zum besseren Internet. Da hapert es gerade noch gewaltig und dem allgegenwärtigen Achselzucken müssen Handlungsempfehlungen entgegenstellt werden, die allgemeinverständlich erklären, wie man die Vorteile der vernetzten Gesellschaft für sich nutzen kann.

Artikel im IternetYeah, wieder eine Top 10 Liste mit lauter Verhaltensweisen für Inhalte-Erzeuger. Aber echt mal, diese völlig absurde Idee, dass lauter Leute irgendwelche Texte schreiben, die hat auch ihre Limitierungen. Mittlerweile schreiben nicht mehr nur Experten ins Netz, sondern völlig unterbezahlte Journalisten und die Auswirkungen davon können wir derzeit überall im Netz nachlesen. So kann das nicht mehr weitergehen, daher richte ich hiermit einen eindringlichen Appell an alle Insinternetreinschreiber- und -innen.

Hier ist meine Top 10 Liste der Artikel, die ich 2014 nicht mehr lesen will:

1. Social Media Penislängenvergleich. Ja, wir haben es begriffen, die einen haben mehr Fans als die anderen, dafür haben die einen die kaufkräftigeren Fans, die anderen aber die sharewütigeren Nutzer, jede Firma feiert sich für irgendwas, aber ehrlich gesagt geht es darum überhaupt nicht. Sorgt für zufriedene Kunden, das Gewinnen des Schaulaufens zweifelhafter Rankings ist völlig egal. Der eine schafft das mit 1 Million Fans, der nächste mit 100 Fans und viele Unternehmen weiterhin einfach nur so, weil sie gute Produkte anbieten und sich um ihre Nutzer kümmern. Zuneigung erkaufen kann sich jedes Unternehmen auf Facebook, selbst Strom- oder Telekommunikationsanbieter, aber Fans werden das nie.

2. Politikerinternetnutzungsanalyse. Eine Partei hat mehr twitternde parlamentarische Staatssekretäre als die andere Partei Ausschussvorsitzende mit eigener Facebook Fanpage und mehr als 10 Kommentaren pro Posting hat. Daraus werden Rückschlüsse auf die Anzahl der Kreise auf Google+ und die Güte der zu erwartenden Gesetzesentwürfe gezogen. Ja, sicher, in den Zahlen steckt was drin, aber beschäftigt Euch doch in Stillarbeit mit dieser Kaffeesatzleserei. Und nur weil man so viele Zahlen durcheinander gebracht hat, dass ein buntes Tortendiagramm dabei herauskommt, muss man noch nicht so tun, als ob das eine Studie wäre, die irgendjemand lesen oder gar ernstnehmen sollte.

3. EIL+++Exklusiv+++EIL. Hinter diesem gekonnten Anreisser verbergen sich dann lapidare Ankündigungen einer demnächst stattfindenen Pressekonferenz, bei der die Ergebnisse einer Studie zur Politikerinternetnutzungsanalyse vorgestellt werden sollen, über die sowieso alle berichten werden. Wenn wirklich irgendwas mal eilig wäre, dann verpeilen es gerade diese Inhalteanbieter konsequent, darüber zu berichten, sondern warten ab, bis sie die dpa-Meldung vom Praktikanten umgeschrieben bekommen.

4. Social Media Shitstorm. Jaja, whatever, irgendwer hat wieder irgendwem auf den kleinen Zeh getreten und jetzt wird virtueller Schadensersatz durch das Treiber von Säuen durch Dörfer gefordert. Meistens torkeln aber nur kleine Ferkel ein paar Meter und dann ist das Thema durch. Unternehmen machen Fehler, das liegt meistens an den Menschen, die dort arbeiten und Kommunikation ohne Missverständnisse hat es außer in meiner Ehe noch nirgends gegeben. Nehmt Euch mal alle nicht so wichtig, auch wenn Ihr EIL+++Exklusiv+++EIL den Shitstorm entdeckt habt, oder wenigstens versucht, einen zu inszenieren.

5. Aufschrei. Schreit ihr nur, echt, wenn es denn der Wahrheitsfindung dient, von mir aus auch auf. Ihr schreit in der Echo Chamber und alle Eure tollen Argumente bedienen sich des klassischen Preaching to the Choir, die Bekehrten werden weiter bekehrt. Versucht doch ab und zu mal, andere Leute zu erreichen. Tipp: die sind nicht auf Twitter und lesen nur Blogs über aktuelle Gewinnspieltipps oder Wellness-Gutscheine, wissen aber gar nicht, dass das Blogs sind, weil ihnen das ehrlich gesagt völlig wumpe ist, ebenso wie das aktuell Aufschreithema übrigens auch.

6. 2014 ist das Jahr des <Name des Durchbruchs von irgendwas einsetzen>. Ja, ganz bestimmt, vielleicht aber auch erst nächstes Jahr. Oder gar nicht, oder in 5 Jahren. Wer weiss das schon? Eine Headline alleine macht noch keinen lesenswerten Artikel, auch wenn Buzzfeed, Viralnova und Spiegel Online das im 30-Minuten-Takt immer wieder versuchen zu suggerieren.

7. Was <hier irgendwas einsetzen> für <hier irgendwas einsetzen> bedeutet. Ein stiller Schrei nach einem Beratungsauftrag, mehr sind diese Art von Texten ehrlich gesagt nicht. Aber es ist eine gute Selbsterfahrung, wenn wenigstens in einem Text über die selber mühselig konstruierten Argumente halbwegs Sinn machen, auch wenn man von der Praxis überhaupt keine Ahnung hat.

8. Wir sind so flausch und alle anderen so fail. Der Fail des Flauschs. Wenn ich einen dieser beiden Begriffe lese, zweifle ich sofort an der Zurechungsfähigkeit der Schreibenden. Wer über 12 ist und den Begriff Flausch benutzt, ist genauso wenig ernst zu nehmen wie jemand, der auf komplexe Herausforderungen und die daraus resultierenden Herangehensweisen grundsätzlich mit Fail antwortet. Wir sind doch hier nicht in der Unterstufe und müssen mit Zettelchen kommunizieren, auf denen „ja, nein, vielleicht“ steht, sondern wir haben in diesem Internet total viel Platz, um auch längere Gedankengänge oder gar Gefühlsäußerungen zu publizieren.

9. Morgen ist Live-Chat. Auf Twitter. Nur weil es technisch möglich ist, muss man noch lange nicht jeden Unsinn mitmachen. Der Erkenntnisgewinn einer mit PR-Gesülze weichgespülten Unterhaltung einer Person mit vielen Nutzern auf 140 Zeichen geht gen Null, zumal allein für die Nennung der Nicks, auf die man antwortet, auch gleich 30 Zeichen flöten gehen. So kann man toll die Tücken der EEG-Umlage oder die Auswirkungen der Eurokrise auf die Wettbüro-Industrie auf Zypern diskutieren. Besonders wenig lesenswert sind dann die transkribierten Unterhaltungen, die durch einen bemitleidenswerten Praktikanten zusammengestellt werden, dem in diesem Prozess sicherlich ein Teil des Gehirn wegschmilzt.

10. Facebook stirbt. Na klar, jedes Mal, wenn ein Teenager eine Sinnkrise und ein Journalist schlecht geschissen hat, oder andersrum, wird aus dieser Kombination ein reisserischer Artikel, der mit allerhand selbst zusammengewürfelter Zahlen und aktuellen Beispielen (Teenager mit Sinnkrise jetzt bei WhatsappsnapSMSZalandochat) zielsicher erläutert, dass Facebook jetzt kurz vor der Abschaltung stehen wird wegen jahrelanger wachsender Nichtbeachtung durch alle relevaten Zielgruppen. Ein Blick auf die Unternehmenskennzahlen wäre natürlich zu kompliziert und das kann man auch von einem Journalisten nicht erwarten, der sich etwas anderes erhofft als den Erfolg von irgendwas im Internet.

Ich gehe allerdings davon aus, dass auch dieses Jahr wieder viele Autoren diese Top 10 Liste der Artikel, die ich nicht lesen will, nicht beachten werden. Ich sehe da noch Regulierungspotential für die Internetministerei.

Die Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft (EIDG) hat nach vielen Sitzungen und dem Veröffentlichen von Unmengen Papier jetzt ihren Abschluss gefunden. Die Mitglieder haben viele Themen umfangreich erörtert und wichige Aspekte beleuchtet. Aber irgendwie bleibt für mich als entfernten, aber interessierten Betrachter irgendwie der Eindruck, dass die Internet-Enquete eher doch nur eine Veranstaltung für die Galerie war. Es wurde engagiert gearbeitet, aber wofür eigentlich?

Die übereinstimmende Erkenntnis nach dem Abhalten der Enquete-Kommission scheint zu sein, dass man einen Internet-Minister bräuchte, weil das Thema Internet in der Regierung besser koordiniert werden müssse.

O RLY? Diese Internet-Enquete kommt mindestens 10 Jahre zu spät und wirkt eher wie eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, um zu suggerieren, dass die Politik das Internet wichtig findet und jetzt endlich mal ein tiefergehendes Verständnis davon erlangen will. Trotz Enquete kann man nicht behaupten, dass der Bundestag in Sachen ACTA, Vorratsdatenspeicherung, Leistungsschutzrecht oder De-Mail irgendwie schlauer agiert hätte als sonst.

Sicherlich ist es immer gut, wenn sich Leute zu einem Thema aufschlauen wollen, das kann nie schaden. Aber wenn eine Enquete doch wieder anhand der Parteilinien ihre Handlungsempfehlungen deklariert, dann wirkt die Deliberation eher wie ein Schauspiel denn wie eine Auseinandersetzung über Sachthemen. Das Signal sollte sein “wir machen was, ihr müsst nicht die Piraten wählen!” – aber niemand dürfte ernsthaft davon ausgehen, dass aus der Internet-Enquete ernsthafte Impulse entstehen können, die die Politik in Deutschland irgendwie verbessern würde. Dieses Jahr werden strittige Themen ausgeklammert werden, aber pünktlich nach der Wahl wird sich die Politik mit einer Reform des Urheberrechts auseinandersetzen müssen, wird sich die Politik mit den Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt abmühen und wird eine Bildungslandschaft vorfinden, die durcheinander gewirbelt wird, während Verbraucherrechte weiter unter Druck geraten und Datenschutz als Standortnachteil ausgelegt wird – dafür aber andere Länder verstärkt auf Breitband setzen und damit attraktiver für Unternehmen und Bürger werden. Dann werden wir sehen, wie wenig Impulse von der Internet-Enquete ausgehen und wieviele Politiker weiterhin in den Denkmustern des 20. Jahrhunderts verharren und Erklärungs- als auch Lösungsansetze verwenden, die mit der real existierenden und sich immer schneller verändernden Gegenwart wenig zu tun haben.

Die Internet-Enquete war eine Placebo-Pille. Wichtig ist, dass die Politik endlich die richtigen Weichenstellungen angeht, damit wir in Deutschland von den Chancen des Internets profitieren und die Risiken eindämmen können.

[n.b.: Ich wurde damals gefragt, ob ich als Sachverständiger für die SPD teilnehmen würde, habe abgelehnt, da ich bereits in Rheinland-Pfalz in einer Enquete-Kommission als Sachverständiger für die FDP tätig war.]

Einfach mal wirken lassen.

Meine Lieblingsslide ist diese hier: 29% der Amerikaner besitzen ein Tablet oder einen eReader. Das ist beeindruckend.

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[via 2012 KPCB Internet Trends Year-End Update]

Die Unterzeile “So funktionieren Aktenordner, Telefon, Facebook & Co.” lässt bei der Dienstanweisung Internet schon darauf schliessen, dass es sich nicht unbedingt um ein komplett ernst gemeintes Buch handeln könnte. Da ich aktuell mit dem Lesen und Rezensieren mir zugesandter Bücher kaum hinterher komme und sowieso eine Hemmschwelle habe, Bücher überhaupt anzufangen, die über 200 Seiten hinaus gehen, bin ich dem Autor sehr dankbar, dass er sein Buch mit unter 100 Seiten denkbar knapp gehalten hat. Dienstanweisung Internet ist nicht zu vergleichen mit Büchern wie Über den Umgang mit E-Mails. Der Scholz & Friends E-Mail-Knigge oder Internet für Dummies, sondern versucht dem Leser die Materie mit einem lexikalischen Ansatz näherzubringen. Allerdings ist oftmals auch seltsamer Humor involviert und auch Ironie, Sarkasmus und Zynismus kommen vor, so dass dieses Buch für den normalen Internet-Nutzer an sich eher ungeeignet ist, denn derartige Ausdrucksformen werden traditionell im Internet nicht verstanden, weswegen der Autor sicherlich die Buchform für die Darbietung seiner Inhalte gewählt hat.

Einige wahllose Beispiele aus dem Buch:

FREE LUNCH. Soll’s ja angeblich nicht mehr geben, weder bei Facebook noch im Weltkapitalismus. Sie sehen uns bestürzt.

GRATIS-E-Book. Wenn die “Gratis-e-Book”-Verschenker einen akademischen Titel tragen, dann weiß ich wenigstens, dass die Sache seriös ist, puh!

LOGO. hat bei uns der Schwager vom Kollegen gemacht, für “15 Euros”, da kannste nich meckern!

MEDIENKOMPETENZ. Mein bewahpädagogischer Ansatz: Bitte schützt unsere Kinder vor Cordjackenträgern, die “Medienkompetenz” sagen!

POSTKARTE: Bitte beachten Sie hier ganz genau die “Privateinstellungen”!

So ungefähr sieht das ganze Buch aus, aber einige Einträge sind auch mal länger, nur die wollte ich hier nicht mühevoll abtippen. Ob Dienstanweisung Internet ein sinnvoller Beitrag zum Thema Digital Naturals: Warum diese Unterscheidung richtig ist sein kann, weiss ich auch nicht so genau, aber das Buch unternimmt immerhin den Versuch, auch einige Verhaltensweisen der oft eher selbsternannten Netz-Elite ironisch zuspitzend zu hinterfragen.