Archives For kommunikation

Diesen Vortrag habe ich am 30.11.2012 beim Vorwärts Medienkongress Kommunikation der Zukunft in Frankfurt gehalten.

Vortrag beim Vorwärts Medienkongress Kommunikation der ZukunftSehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der Kommunikation der Zukunft, und, auch das muss an dieser Stelle erlaubt sein, liebe Freunde der Zukunft der Kommunikation,

als ich gefragt wurde, ob ich auf dieser Konferenz mit dem gefälligen Allerweltstitel “Kommunikation der Zukunft” eine Keynote halten möchte, da habe ich kurz gezuckt und mir überlegt, ob ich, und wenn ja was, etwas zu diesem Thema beisteuern kann, das für Sie von Belang ist.

Normalerweise findet man bei derartigen Veranstaltungen seit Jahren vor allem alte Männer im Publikum vor, die sich ebenfalls seit Jahren wundern, warum die Welt sich gerade so rasend verändert und sich fragen, wie man die Veränderung so lange blockieren kann, bis die Rente erreicht wird. Natürlich bin ich mir sehr sicher, dass dies heute nicht der Fall sein wird und daher war dann die Verlockung dann doch zu groß und ich freue mich sehr, heute zu Ihnen sprechen zu können.

Interessanter Weise rede ich bei einer Veranstaltung zum Thema Kommunikation der Zukunft ganz ohne irgendwelche technischen Hilfsmittel und lese mehr oder weniger stumpf meine Rede vom iPad ab. Es gibt keine visuellen Hinweise für Sie, es gilt das gesprochene Wort, wie es immer so schön heisst. Von mir aus können wir daran festmachen wollen, dass es auch wieder Raum für Entschleunigung und auch für Reduktion oder die Konzentration auf das Wesentliche geben muss, der Veranstalter macht quasi unbewusst einen stark inhaltlichen Punkt.

Nach dieser Vorbemerkung möchte ich gleich noch weiter ausholen und die Zeit nutzen, darauf hinzuweisen, dass die Kommunikation der Zukunft ja schon längst stattfindet und wir mitten drin sind.
Continue Reading…

Vor einigen Wochen hat mich Elke Fleing, die ich seit Jahren über diverse Social Media Kanäle, ihr Blog Berufung Selbständig und von vielen Veranstaltungen kenne, gefragt, ob ich nicht mal ihr aktuelles Buch Kommunikation verkaufen rezensieren würde. Nun ja, “schaden kann das ja nicht”, habe ich mir gedacht und habe es auf den Stapel “Bücher, die ich mal lesen könnte” gepackt. So richtig gereizt hat mich das Thema nicht, da ich derzeit nicht wirklich als selbständiger Kommunikationsdienstleister arbeite.

Heute war nun also der große Tag und ich habe mir das Buch vorgeknöpft. Die gute Nachricht gleich am Anfang: die 190 Seiten gehen schnell vorbei und man hat nicht das Gefühl, nach der nächsten Seite einzuschlafen. Die Schreibe von Elke Fleing ist flott, würde besser für ein Blog denn ein Buch passen und ist mir manchmal etwas zu aufgesetzt fröhlich, aber vielleicht ist Elke einfach nicht so freudlos wie ich, kann ja sein.

Nach ungefähr 10 Seiten ist mir aufgefallen, dass ich das Buch vor einigen Jahren hätte lesen sollen. Da war ich nämlich für ein paar kurze Monate in der Tat mal selbständig und musste definieren, welche Dienstleistungen ich wie anbieten will und zu welchem Preis. Der Untertitel des Buchs lautet “Realistisch kalkulieren – klare Angebote erstellen – erfolgreich verhandeln” und greift damit die Grundlagen der Selbständigkeit auf, die man unbedingt beherrschen muss. Insbesondere das Entwickeln einer eigenen Honorarstruktur und die Durchsetzung der Preise gegenüber den Kunden wird in dem Buch von Elke Fleing gut und ausführlich behandelt, verbunden mit vielen Tipps für das Auftreten beim Kunden und die Verhandlungsführung. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, derart aufwändig einen Stundensatz zu kalkulieren, aber natürlich macht es Sinn, sich darüber als Selbständiger Gedanken zu machen. Etwas überflüssig finde ich allerdings den Abschnitt über die Außendarstellung als Freelancer, der Textbaustein erinnerte mich eher an “Wünsch Dir was” und wirkte stellenweise etwas übertrieben, denn gerade als Freelancer kann man nicht auf sämtlichen Social Media Hochzeiten rumtanzen, sondern sollte sich fokussieren, idealerweise auf seine Dienstleistungen. Wie immer beim Lesen eines Fachbuches freue ich mich über viele weiterführende Links, die ich nicht anclicken kann und dann vergesse – so auch in diesem Fall. Die Autorin hat eine gute Sammlung von hilfreichen Büchern, Websites und Tools zusammengetragen, die ich nur noch durch einen Link ergänzen will: Easybill ist eine Online Rechnungssoftware, die sich gerade für Selbständige ideal für Angebote und Rechnungen eignet. Easybill ist eine Beteiligung von Digital Pioneers, bei der ich beschäftigt bin.

Mir hätte das Buch Kommunikation verkaufen in meiner Zeit als Selbständiger gerade zum Start wirklich weitergeholfen und ich hätte sicherlich den einen oder anderen Fehler vermeiden können. Ich glaube, das Geld für die Anschaffung des Buches ist gut angelegt und man kann das bestimmt irgendwie absetzen als Selbständiger.

Mein Lieblings-Interneterklärer hat in seiner aktuellen SpOn-Kolumne heute versucht, sich des Themas Warum soziale Netzwerke sich nicht durchsuchen lassen und dabei folgende These vertreten:

Die Suche in sozialen Netzwerken ist absichtlich schlecht gehalten, um das gewünschte Nutzungsschema zu erzwingen.

Was Sascha Lobo anführt, klingt alles nett und schlüssig, trotzdem glaube ich, daß er irrt. Von den professionellen Nutzern, also Community Managern und anderen mal abgesehen, hat niemand die Absicht, in sozialen Netzwerken zu suchen.

Warum auch?

Wenn ich mich mit anderen Leuten unterhalte, dann zählt der Moment, alles was ich mir nicht merke, ist weg, ich kann höchstens noch mal nachfragen. Eine Suche habe ich im richtigen Leben auch nicht, maximal Gesprächsnotizen zum Nachlesen.

Sascha sieht hinter der oft eher wenig nützlichen Suche ein System:

Die Suche führt weg vom erwünschten linearen Medienkonsum. Ohne Suche muss jeder, der etwa auf Facebook Aufmerksamkeit generieren will, ständig aktiv sein; ohne Suche werden nur Inhalte gefunden, die soeben gepostet wurden. So zwingt das Netzwerk seine Werbekunden zur unaufhörlichen Aktivität, zur andauernden Investition in die eigene Facebook-Seite.

Da ist natürlich etwas dran, aber ich glaube, daß die Fokussierung auf Realtime sich eher an die Nutzungsmuster der Menschen anpasst und nicht aufgrund der Monetarisierung so erfolgt ist.

Mal Hand aufs Herz, wer liest wirklich Tweets zu Hashtags nach, wenn man den gemeinsamen TV-Konsum am Abend verpasst hat? Eben. Das Internet vergißt nichts, aber je mehr wir im Internet in Echtzeit kommunizieren, desto weniger kommen wir in die Versuchung, vergangene Gespräche rekonstruieren zu wollen. Wat fott es, es fott. Links werden extrahiert und irgendwo zusammengestellt, Bilder werden in Alben gepackt und Gespräche versickern irgendwo, eigentlich ähnlich, wie es mit unserer Erinnerung auch ist.

Die sozialen Netzwerke verändern die Art und Weise, wie wir im Netz kommunizieren, aber die Echtzeit-Nutzung führt eher zu einer Angleichung an die herkömmliche zwischenmenschliche Kommunikation, alle Vergänglichkeit eingeschlossen.

Sebastian Dalkowski schreibt über Moderne Zeiten: Twitter und das Thema “Warum Menschen denken, ihr Leben sei ständig 140 Zeichen wert”:

Es ist nur so: Die wenigsten twittern Bilder von notgelandeten Flugzeugen oder verabreden sich im Iran zu Demonstrationen. Die meisten schreiben bloß, was sie gerade tun, denken und entdeckt haben und halten das für so wichtig, dass andere unbedingt davon erfahren müssen. Weil sie aber zwischen Latte-Macchiato-Trinken und „das nächste Projekt planen“ kaum Zeit haben für durchdachte Äußerungen, kommt ihnen die Beschränkung auf 140 Zeichen gerade Recht. Und sollte ein anderer Nutzer den Beitrag tatsächlich retweeten, also mit Verweis auf den Urheber selbst twittern, fühlen sie sich wie die 17-Jährige aus Emden, die Dieter Bohlen für den Recall zulässt.

Die DDR brauchte wenigstens noch die Stasi, um an belanglose Informationen zu kommen. Heute muss man die Menschen einfach nur lange genug sich selbst überlassen.

Der Autor übersieht allerdings ein wesentliches Merkmal der Kommunikation auf Twitter (und auch in anderen sozialen Netzwerken): es wird Kommunikation verschriftlicht, die traditionell eher verbal funktioniert hat. Also Gespräche zwischen Freunden, Bekannten, Nachbarn, am Stammtisch, etc. werden jetzt verlagert auf soziale Netzwerke und ziehen ihre Kraft vor allem daraus, dass sich die Leute kennen. Was einem neutralen Betrachter als belanglos erscheinen mag, finden die Follower u.U. total spannend, oder ebenso belanglos, aber es dürfte nahezu jedem schon mal passiert sein, dass er etwas erzählt hatte, bei dem die Zuhörer eher nur desinteressiert mit der Schulter zuckten.

Wenn man diesen Artikel liest, hat man den Eindruck, daß der Autor sich und seine Art der Nutzung von Online-Kommunikation für viel besser hält, während Twitter ein See der Belanglosigkeit für ihn darstellt. Damit hat er Twitter im Kern nicht verstanden.

spd_startseite_01
Die SPD rüstet sich für das Wahljahr 2009 und will morgen um 13 Uhr das neue SPD.de vorstellen. Auffällig ist sicherlich die völlig neue, sehr reduzierte Navigation mit einem dicken Key Visual in der Mitte, auf dem man die Parteispitze, aber natürlich vor allem den Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier erblicken wird. Anstatt Umbra wie noch 2005 ist jetzt ein bläuliches Türkis die bestimmende Farbe, abgesehen natürlich von dem üblichen rot. Aus dem SPD-Quader ist ein Würfel geworden, der künftig als Teil der CI überall zu bewundern sein wird. Wortspiele sind da herzlich willkommen, wie z.B. “die Partei, die aneckt”, “die Würfel sind gefallen”, “Politik, frisch zusammengewürfelt” und so weiter. Und wo wir gerade dabei sind, möchte ich noch auf den neuen Claim hinweisen:

Anpacken. Für unser Land.

Den Claim finde ich gut, griffig und er zeigt auch deutlich die Marschroute für die künftige Auseinandersetzung auf Bundesebene: Die SPD packt an, die CDU beschäftigt sich mit der CSU.

Die Website wirkt deutlich lockerer und freundlicher als die alte Textwüste, soll barrierefrei sein und wird stärker auf audiovisuelle Elemente setzen. Die Inhalte auf Flickr und Youtube sind direkt verlinkt, ebenso wie das Angebot von meinespd.net, das in naher Zukunft ebenfalls überarbeitet wird. Partizipative Elemente vermisst man auf SPD.de komplett, dafür sind die Foren auf meinespd.net und die Angebote auf FlickR und Youtube vorgesehen, mit einer Ausnahme: dem Spendenbutton.

spd_startseite_02 spd_startseite_03
spd_unterseite_01 spd_unterseite_02

Meine erste Reaktion auf den Relaunch war deutlich verhaltener, je länger allerdings die Screenshots auf mich wirken lasse und diese mit den Angeboten der anderen Parteien vergleiche, desto mehr muß ich meine unrsprüngliche Meinung revidieren. Die SPD setzt online ein Zeichen. Laut Bundesgeschäftsführer Kajo Wasserhövel wird “Online 2009 das Herzstück der Kampagne.” – Ich bin gespannt, was noch kommt. Der Relaunch ist auf alle Fälle optisch schon mal ein Ausrufezeichen für den Wahlkampf, auch wenn da durchaus noch Platz für partizipatorische Elemente vorhanden ist und die Mobilisierung der Mitglieder und Unterstützer sicherlich noch eine spannende Herausforderung werden wird.