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7 Tech-Trends für 2011

Nico —  3.01.2011 — 3 Comments

Anfang Januar, die Zeit der großspurigen Vorhersagen. Wenn Techcrunch Seven Technologies That Will Rock 2011 vorstellt und Behance Shaping the Future: 7 Predictions for the Creative Community raushaut, will ich natürlich auch meine Kristallkugel etwas polieren und gucken, was für mich in 2011 am Wichtigsten sein wird. Für jegliches Denglisch entschuldige ich mich nicht wirklich im Voraus, will aber nur darauf hinweisen, daß ich nicht den Ramsauerischen Richtlinien folgen werde.

– Smartphones, Smartphones, Smartphones: Der Absatz von Smartphones wird weiter massiv steigen, wobei sich Android als das mobile Betriebssystem der Zukunft herauskristallisieren wird. Apple wird mit dem iOS weiter das Tempo vorgeben und Android dann die Ableitung für den Massenmarkt bilden. Windows mobile, Symbian und Blackberry, ebenso wie SonyEricsson und Nokia, werden aus einer Abwärtsspirale nicht mehr herauskommen und zunehmend an Bedeutung verlieren. Apple, HTC und Samsung werden mehr als bisher den Markt dominieren.

NFC: Near Field Communication wird Teil der neuen Smartphone-Generation sein und die Art und Weise, wie wir bezahlen, nachdrücklich verändern. Sowohl P2P-Transaktionen als auch Transaktionen im stationären Handel werden so möglich und letztere lassen sich durch mobile Markting triggern. “Haste mal ne Mark?” wird digital werden und sich in “Haste mal Facebook Credits?” verändern.

– Dominanz der Ökosysteme: An Facebook, Apple, Google und Amazon wird auch in Zukunft niemand vorbeikommen. Wir träumen zwar alle vom freien Web mit offenen Standards, aber das Herunterbrechen der Komplexitäten des Webs durch die Ökosysteme hat für viele Nutzer einen unbeschreiblichen Vorteil: Einfachheit. Apps erlauben Dritten, in diesen Ökosysteme zu existieren und Inhalte oder Dienstleistungen anzubieten. In diesem Winner-Takes-All-Markt werden viele etablierte Player das Nachsehen haben.

– Akzeptanz des Hyperlinks: Das Online-Konsumverhalten ist völlig anders bei Print. Diese Binsenweisheit wird 2011 für eine Ernüchterung bei Zeitungs-Apps führen. Die Idee, mit Hilfe einer App die Nutzer dazu zu bringen, lediglich Inhalte eines Anbieters zu konsumieren, also sich eine Zeitung von Vorne bis Hinten durchzulesen, wird nicht funktionieren. Hyperlinks sind essentiell für Online-Inhalte und verändern nachdrücklich die Art und Weise, wie wir Inhalte rezipieren. Offen bleibt damit die Frage, wie sich in Zukunft mit journalistischen Inhalten in Deutschland Geld verdienen lässt. Das pure Übertragen eines tradierten Geschäftmodells auf den digitalen Bereich wird es nicht sein.

– Arbeiten in der Cloud: Das Aufbrechen der herkömmlichen Limitierungen durch die Verlagerungen von immer größeren Teilen der Arbeitswelt in die Cloud sorgt für eine neugewonne Flexibilität und für eine grundlegend andere Form der Zusammenarbeit in Teams. Der Webbrowser wird zur natürlichen Arbeitsumgebung für viele Menschen werden, der Zugriff auf Inhalte und der Austausch mit Kollegen wird schneller und besser funktionieren. Apps sorgen auch hier für die nötigen Spezalisierungen innerhalb der professionellen Ökosysteme.

– Zusammen spielen: Social Games als Begriff wird bald nicht mehr existieren, denn niemand muß in Zukunft mehr alleine spielen. Das Wachstum von Zynga ist nur ein Indikator, das Aufpoppen immer mehr Frameworks, die Grundlagen für Social Gaming im Web und für mobile anbieten wollen, zeigt deutlich, daß hier ein massiver Markt heranwächst, der den Spielemarkt komplett verändern wird. Social Games, mobile Social Games, eigentlich klingt das sehr nach der Renaissance der Gesellschaftsspiele, nur eben remote und eher asynchron.

– Geolocation (jetzt aber wirklich): Nachdem alle Early-Adopter sich fröhlich überall eingecheckt haben in 2010, kommt in 2011 die Phase, in der die Geodaten interessant mit Anwendungen verknüpft werden. So kann ich Freunde wissen lassen, wo gerade ein Produkt zu kaufen ist oder wo ich gerade ein Foto gemacht habe, oder an welchem Event ich gerade teilnehme. Sharing wird massiv Location-aware werden in 2011 und damit wirklich einen Nutzwert bieten, der über “bin beim Bäcker” hinausgeht. Hinzu kommt eine Verknüpfung mit der guten alten SMS, um Alerts auszusenden, die zur aktuellen Position des Users passen und ihm einen Mehrwert bieten.

In einem Jahr werden wir wissen, wie sehr ich recht behalten habe.

Kevin Rose spekuliert ein wenig über den angeblichen Launch von Apple iTV für $99 im September und die Auswirkungen auf den Fernsehmarkt:

  • iOS TV Applications: Expect to see an iPhone/Pad like marketplace for television applications. Video sharing/streaming/recording apps, interactive news apps, and of course games.
  • a la carte (app) stations: With Apple’s iAds, content producers (eg. ABC/NBC/etc.) can directly monetize and distribute their content. This will eventually destroy the television side of the cable and satellite industry, as your only requirement to access these on-demand stations will be an internet connection. Say goodbye to your monthly cable bill.

  • MobileMe Picture/Video sharing: At $99 your parents, grandparents, and friends will have an iTV.  Sharing pictures/videos from your iPhone will happen with the push of a button.  Imagine getting a notification of new family videos the next time you turn on your TV. My mom will love this feature.
  • The iPad will turn into one big badass remote control: The iPad will be the preferred input device for the iTV. You’ll be able to editing videos, control games, and extend the interactive television experience. Imagine watching monday night football on the TV while viewing/exploring other camera angles on the iPad.

Das klingt alles toll. Nur leider ist der TV-Markt zwar irgendwie global, aber nicht die Rechte. Für Nutzer in Deutschland würde dies bedeuten, daß zwar die iTV-Box in den USA auf den Markt kommt, in Deutschland aber vermutlich eher nicht der Zugriff auf amerikanische Sender möglich sein wird.

Die Idee, an den Kabelnetzbetreibern vorbei ein eigenes TV-Programm zu gestalten, ist sicherlich erstrebenswert. Mich interessieren nicht 100 Kanäle, sondern gute Inhalte und für die bin ich auch bereit, zu bezahlen. Spannenderweise erfahre ich über die guten Inhalte über meinen Social Graph und verpasse dadurch nichts, was mich interessieren könnte. Das frei-empfangbare Fernsehen wird immer mehr zum Prekariats-TV werden, dessen bin ich mir sicher. Die für die Werbebranche interessanten Zielgruppen wird man in den nächsten 5 Jahren immer weniger über das herkömmliche TV erreichen können. Letztendlich sorgt diese Entwicklung dafür, daß die Rolle der Inhalte-Schaffenden und Inhalte-Anbieter gegenüber den Distributoren gestärkt wird. TV-Programming wird immer schwieriger werden, wenn die Zielgruppen sich ihre Inhalte selber suchen.

Praktischerweise soll ja nicht nur Apple iTV auf den Markt kommen, sondern auch GoogleTV, man darf also gespannt sein auf die Entwicklung im TV-Markt.

[ viaKevin Rose - blogg - Why Apple's iTV Will Change Everything ]