52 Bücher – Nr. 19: How to read a Book

how_to_read_a_bookAn diesem Buch habe ich eine Weile geknabbert, ich weiss allerdings auch nicht mehr, was mich geritten hatte, ein Buch mit 449 Seiten über das Lesen anzufassen. Ich war wohl neugierig und wollte herausfinden, ob ich das mit dem Lesen irgendwie besser hinbekommen würde, wenn ich mir noch einmal durchlese, wie das mit dem Lesen richtig geht. Oft habe ich nämlich nach einem Buch das Gefühl, nur noch Erinnerungen an einen Bruchteil des Buches zu haben.

Also habe ich How to read a Book gelesen, einen Klassiker aus dem Jahr 1940, in der überarbeiteten Auflage von 1972. Und ja, da wirken etliche Abschnitte schon merkwürdig anachronistisch, aber dann auch irgendwie aktuell:

There is some feeling nowadays that reading is not as necessary as it once was. Radio and especially television have taken over many of the functions once served by print, just as photography has taken over functions once served by painting and other graphic arts.

Ich sag das mal der Youtube-Generation.

Auf den 449 Seiten geht der Autor Mortimer Adler, der die überarbeitete Version zusammen mit Charles Van Doren geschrieben hat, ziemlich tiefschürfend an das Thema Lesen heran:

Thus we can roughly define what we mean by the art of reading as follows: the process whereby a mind, with nothing to operate on but the symbols of the readable matter, and with no help from outside,I elevates itself by the power of its own operations. The mind passes from understanding less to understanding more. The skilled operations that cause this to happen are the various acts that constitute the art of reading.

Und falls man sich dann fragt, warum man gerade etwas liest, liefern die Autoren auch gleich noch eine Erklärung mit:

The art of reading, in short, includes all of the same skills that are involved in the art of unaided discovery: keenness of observation, readily available memory, range of imagination, and, of course, an intellect trained in analysis and reflection.

Da fühlt man sich doch gleich besser und freut sich auf das nächste Buch.

Das Buch gliedert sich in vier Teile. Zuerst werden The Dimensions of Reading aufgedröselt, dann wird The Third Level of Reading: Analytical Reading erläutert, dann wird erklärt, wie man unterschiedliche Textformen idealtypisch lesen sollte im Abschnitt Approaches to Different Kinds of Reading Matter, um dann im letzten Teil die The Ultimate Goals of Reading zu erörtern.

Rückblickend kann ich sagen, dass ich das mit dem Lesen schon immer ganz gut gelöst habe, jedenfalls war meine Praxis nie weit weg von dem theoretischen Fundament, das hier gelegt wurde und zur Umsetzung in die Praxis empfohlen wurde. Ein Page-Turner im klassischen Sinne ist How to read a Book allerdings auch wieder nicht und ein Überfliegen des Buches hätte locker ausgereicht. Wer mehr Interesse an dem Thema und dem Buch hat: auf der Wikipedia-Seite zu How to read a Book gibt es einen Überblick und auch die von den Autoren vorgeschlagene Leseliste mit Werken, die man unbedingt gelesen haben sollte.

Goodreads und die böse Seite der Macht

Gestern wurde bekannt gegeben, dass Goodreads an Amazon verkauft wurde. Goodreads ist eine Plattform für Menschen, die gerne lesen und sich über Bücher austauschen wollen. Man ist auf Goodreads mit anderen Leuten verknüpft, idealerweise natürlich mit seinen Facebook-Freunden, und kann dann sehen, was diese Freunde lesen oder lesen wollen. Ich bin vor ein paar Monaten auf Goodreads gestossen, allerdings nur, weil ich immer mehr Freundes-Anfragen bekommen habe und mir das dann selber mal angucken wollte.

wanttoreadGoodreads ist sehr mächtig, nicht nur weil mittlerweile 16 Millionen Nutzer dort sind, sondern weil sehr einfach Lesetipps verbreitet werden, die sich dann doch von dem unterscheiden, was man in Buchhandlungen so findet oder was Amazon vorschlägt. Eigentlich ist Goodreads auch ganz einfach, man sagt einfach, was man gerade liest und wenn man damit durch ist, verteilt man ein paar Sternchen und sagt, wie einem das Buch gefallen hat. Man kann auch angeben, was man gerne lesen will. Goodreads verfügt auch über eine mobile App, die es ermöglicht, mal eben den Barcode zu scannen und dann zu sehen, was andere Leute so zu diesem Buch schreiben. Die Community bei Goodreads ist dann doch anders als bei Amazon selber, denn bei Goodreads kann ich erkennen, was meine Freunde zu Büchern sagen, was natürlich bei der eigenen Kaufentscheidung eine entscheidene Rolle spielt.

Bislang war Goodreads unabhängig, aber nun wird es zu Amazon gehören, was laut einem Blogpost der Gründer natürlich nur positive Effekte haben wird:

1. With the reach and resources of Amazon, Goodreads can introduce more readers to our vibrant community of book lovers and create an even better experience for our members.
2. Our members have been asking us to bring the Goodreads experience to an e-reader for a long time. Now we’re looking forward to bringing Goodreads to the most popular e-reader in the world, Kindle, and further reinventing what reading can be.
3. Amazon supports us continuing to grow our vision as an independent entity, under the Goodreads brand and with our unique culture.

Ja, das hört sich doch klasse an für Leute wie mich, die Goodreads vielleicht mal etwas mehr nutzen könnten und die einen Kindle besitzen, auf dem sie vielleicht auch noch mehr lesen könnten. Natürlich macht es Sinn, mir auf dem Kindle direkt anzuzeigen, was in meinem Umfeld gerade so gelesen wird, denn ich kann dort auch gleich den Impulskauf tätigen. So kann ich noch mehr lesen, natürlich auf meinem Kindle. Und mehr Geld ausgeben für Bücher bei Amazon.

Amazon zeigt mit der Übernahme von Goodreads, dass sie verdammt clever sind. Das ist keine Übernahme, die dazu führen wird, dass Goodreads schlechter wird für die Nutzer, sondern da die Kindle eReader eh schon weit verbreitet sind, wird es für die Nutzer mit Kindle einfach noch besser werden, und zwar für andere Lese-Communities unerreichbar besser. Amazon bekommt dafür den Zugriff auf die Database of Intentions im Bereich Bücher, denn bei Goodreads erfährt man nicht nur, was andere lesen, sondern auch, was sie lesen wollen. Das ist natürlich ein wichtiges Asset für Amazon, es wird ihnen helfen, noch mehr Bücher zu verkaufen und die Kunden noch besser zu binden. Sicherlich können wir auch jetzt schon im Buchladen den Barcode scannen und direkt bei Amazon das eBook bestellen, aber über Goodreads können wir sehen, was unsere Freunde zu dem Buch sagen und dann den Kauf tätigen, basierend auf den Empfehlungen unserer Peergroup. Das geht noch mehr zu Lasten des lokalen Buchhandels, das geht noch mehr zu Lasten anderer Plattformen und anderer eReader, aber wenn man, so wie ich, bereits Kindle Nutzer ist, dann wird es künftig noch einfacher sein, gute Bücher zu finden.

Amazon ist nicht erst seit gestern mächtig und weiss viel über uns Nutzer, aber diese Position wurde durch die Übernahme von Goodreads noch weiter ausgebaut und verfestigt. Das macht Sinn für Amazon, das ist toll für Kindle-Nutzer, aber es ist großer Mist für Verlage und Buchhändler. So langsam sollte man beginnen darüber nachzudenken, ob regulatorische Eingriffe notwendig werden, um weiterhin eine Vielfalt auf dem Buchmarkt zu gewährleisten.

Lesen! geht weiter – online

Link: Sv A0082

Ich hatte das ja mal vorgeschlagen, und nun ist Elke Heidenreich wieder zu sehen, bei Litcolony.de und Sevenload. Leider kann ich mir die erste Folge nicht angucken, da ich Campino nicht ertrage.

Lesen! jetzt online! oder?

Nun wurde Elke Heidenreich beim ZDF herausbefördert, was absehbar war, denn zu beissend war die Kritik.

Und nun? Das Format wird sicherlich leicht modifiziert im nächsten Jahr weiter gesendet werden, dazu war es zu erfolgreich.

An Stelle von Elke Heidenreich würde ich jetzt folgendes machen:

1. Videokamera kaufen
2. Arbeitszimmer ein klein wenig aufräumen
3. Tee kochen, Kekse bereitstellen
4. Befreundete Promis einladen und 30 min über Bücher reden
5. Jede Woche eine Folge live ins Netz streamen
6. Literaturblog etablieren, in dem die Sendungen vor- und nachbereitet werden
7. vernünftiges Archiv aufbauen
8. Sponsor finden
9. Teil des Transformations-Prozesses der bundesdeutschen Medien werden
10. Weltherrschaft niveauvolle Inhalte für interessierte User

Ich würde das sofort machen, aber mit meinem Lesepensum wird das nichts.