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In einer schriftlichen kleinen Anfrage zum Thema “Nutzung von Sozialen Netzen – Wie stehts mit der Medienkompetenz des Senats?” [PDF] demonstriert Kersten Artus (DIE LINKE) eindrucksvoll, daß wenig Medienkompetenz bei der Anfragenstellerin vorliegt:

Seit 21. März verfügt der Hamburger Senat sogar über einen eigenen so genannten Hashtag bei Twitter, #hhsenat. (Ein Hashtag ist ein Schlagwort, unter dem Meldungen gesendet und gefunden werden können.). Bis heute wurde kein einziger Tweet unter diesem Hashtag versendet.

Das ist ja eine bodenlose Frechheit des Senats und kommt einem handfesten Skandal gleich. Ein ungenutzter Hashtag, der für viel Geld eingerichtet wurde, so kann es nicht weiter gehen in Hamburg! Dieses drängende Problem muß dringend noch im Sommerloch angepackt werden!

[ via Facebook / Hansjörg Schmidt ]

Populismus und Demagogie haben die WASG und die PDS zur Linke zusammengeschweisst. Nun hat Oskar Lafontaine sein Ziel erreicht und die SPD im letzten Bundestagswahlkampf erheblich geschwächt, woraufhin er sich jetzt in das Saarland zurückzieht. Während er dies tut, wird offensichtlich, wie zerstritten die Führung der Linke in Wirklichkeit ist. Erst wird André Brie gemobbt, dann Dietmar Bartsch öffentlich gemaßregelt, Lothar Bisky wird brüskiert und Gregor Gysi zieht die Strippen. Eine neue Führung soll her, bestehend aus den Komponenten Ost und West sowie Mann und Frau. Man sieht deutlich, wie wenig WASG und PDS zusammengewachsen sind.

Jetzt scheint das neue Führungsduo gefunden worden zu sein: Gesine Lötzsch und Klaus Ernst. Ostfrau aus der SED stammend und West-Mann mit SPD und Gewerkschaftshintergrund. Gemäß der Arithmetik der Partei sicherlich die ideale Besetzung.

Lötzsch und Ernst allerdings sollen eine Partei führen, die innerlich kaum zusammengewachsen ist, die in die zwei Lager der Fundamentalopposionellen und der Koalitionswilligen zersplittert ist. Beiden fehlt das Charisma der Leitwölfe Gysi und Lafontaine – sie werden die Implosion der Linke nicht aufhalten können. Zu sehr gärt es an allen Ecken, zu Zersplittert ist die Partei. Der Kampf um die Nachfolgeregelung Lafontaines in den letzten Wochen ist ein gutes Indiz für den innerparteilichen Umgang mit einander innerhalb der Linke. Das Abschneiden in NRW wird der Moment der Ernüchterung werden.

Selten kann ich Lothar Bisky so zustimmen, wenn er sagt:

Unsere Partei ist von einer Art ideologischer Schweinegrippe befallen worden

Allerdings dachte ich immer, das gehört zum Konzept “Die Linke” dazu. Viel Ideologie, dazu einen Schuß Demagogie gepaart mit einem Eimer Populismus, und schon ist das Rezept der Linken angerührt.

Der derzeit eintretende Fieberwahn ist also völlig normal, kommt eben in Schüben, aber ich glaube in diesem Fall ist das chronisch.

[ via: Führungsstreit: Bisky sieht Linkspartei von “ideologischer Schweinegrippe” befallen – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Politik ]

Lutz Heilmann hat mit dem Erwirken einer Einstweiligen Verfügung gegen die Weiterleitung von wikipedia.de auf de.wikipedia.org wohl auch erreicht, dass die strittigen Passagen getilgt wurden auch, aber zu was für einem Preis? Sein Name wird erst einmal damit verbunden sein, dass er versucht hat, über einen juristischen Weg die Wikipedia zu gängeln. Aber nein, das wäre ja nie seine Absicht gewesen, wird heute natürlich versichert:

Mir ging es dabei keineswegs um Zensur, sondern schlicht um eine wahre Tatsachen-Darstellung. Der juristische Weg hat sich dafür insoweit als problematisch erwiesen, als durch die Struktur von Wikipedia die anderen Userinnen und User in Mitleidenschaft gezogen werden. Das war nicht meine Absicht. Gemeinsam mit Wikimedia e.V. werde ich nach anderen Wegen suchen, um den offenen und freien Charakter von Wikipedia so weiter auszugestalten, dass Persönlichkeitsrechte gewahrt bleiben.

Ach ja, erst einmal mit völlig untauglichen Mitteln aus vollen Rohren schiessen und dann die Zusammenarbeit anbieten wollen? Das ist ja wohl die miserabelste Art und Weise der Konfliktlösung. Ich rate Herrn Heilmann erst einmal, einen VHS-Kurs zu besuchen, damit er die Funktionsweise des Internet ansatzweise versteht. Derartig bescheuerte Vorgehensweisen braucht niemand und das negative Medien-Echo hat sich dieser sog. Volksvertreter auch ordentlich verdient.

Auf wikipedia.de steht gerade folgender Text:

Mit einstweiliger Verfügung des Landgerichts Lübeck vom 13. November 2008, erwirkt durch Lutz Heilmann, MdB (Die Linke), wird es dem Wikimedia Deutschland e.V. untersagt, “die Internetadresse wikipedia.de auf die Internetadresse de.wikipedia.org weiterzuleiten”, solange “unter der Internet-Adresse de.wikipedia.org” bestimmte Äußerungen über Lutz Heilmann vorgehalten werden. Bis auf Weiteres muss das Angebot auf wikipedia.de in seiner bisherigen Form daher eingestellt werden. Der Wikimedia Deutschland e.V. wird gegen den Beschluss Widerspruch einlegen.

Irgendwas scheint Herrn Lutz Heilmann, MdB (sog. Linke) an diesem Artikel über Lutz Heilmann nicht zu passen. Die Stasi-Vergangenheit steht allerdings auch anderswo, nun aber sorgt er durch sein komplett unsinniges rechtliches Vorgehen dafür, dass ganz Deutschland mitbekommt, dass Lutz Heilmann beim MfS beschäftigt war und zudem keine Ahnung hat, wie das Internet funktioniert. Eine Verhinderung der Weiterleitung von wikipedia.de auf de.wikipedia.org zu erwirken, hilft nun mal absolut gar nicht, zeigt nur, wie Merkbefreit dieser Bundestagsabgeordneter ist.

Schlimm ist auch, dass ein deutsches Gericht derartigen Unsinn nicht gleich mit großem Gelächter abweist. Andererseits kann ich nicht glauben, dass das Auffinden von Informationen über Lutz Heilmann, MdB durch diese Aktion schwieriger geworden ist.