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huffpostSeitdem Ariana Huffington es geschafft hat, mit ihrer Huffington Post in den USA eine Plattform zu etablieren, auf der Debatten stattfinden und die von Lesern frequentiert wird, gibt es in der bundesdeutschen Medienlandschaft die Diskussion, wann Huffington Post nach Deutschland kommen könnte und welches Medienhaus als Partner zur Verfügung stehen würde. Genannt werden alle, und aktuell macht sich der Chefredakteur von Horizont, Volker Schütz, einige Gedanken zur Huffington Post:

Kommt die Huffington Post nach Deutschland – und wenn ja, mit welchem Verlag als Rückhalt? Darüber diskutiert und spekuliert derzeit die Medien-Szene. Spekulation Nummer eins: Bertelsmann/G+J machen mit den Amerikanern gemeinsame Sache. Spekulation Nummer zwei: Kapuzenpulliträger Kai Diekmann übernimmt die Mutter alle Blogs und Webonly-Contentangebote – mit dem Segen von Matthias Döpfner. Realistisch sind beide Spekulationen nicht.

Ich finde, die Diskussion um die Huffington Post in Deutschland zeigt deutlich, das Problem der hiesigen Medienhäuser. Diese grassierende Trägheit, verbunden mit der Angst, das Falsche zu machen, sorgt dafür, dass die Potentiale des Web weiterhin nicht genutzt werden. Wenn die Huffington Post so spannend ist, dass schon seit Jahren darüber diskutiert wird, wer sie denn endlich nach Deutschland holt, dann sollte doch eigentlich eher die Frage gestellt werden, warum kein deutsches Medienhaus die Grundidee der Huffington Post aufgreift und mit Vehemenz umsetzt. Das wäre doch mal ein Schritt, der eine neue Richtung aufzeigen könnte. Die Marke Huffington Post kennt kaum jemand in Deutschland, die dort schreibenden Journalisten auch nicht und das Übersetzen von Artikeln klingt jetzt auch nicht sonderlich reizvoll.

Was macht die Huffington Post anders und damit attraktiv? Ein Blick zur Wikipedia bringt einen kleinen Einblick in das Geschäftsmodell:

Die Mehrzahl der Beiträge wird von unbezahlten Freiwilligen verfasst. Sie verweisen nahezu ausschließlich auf Berichte anderer Medien und bereiten diese für eine Leserschaft auf, die weniger an Hintergründen als an kurzen Zusammenfassungen mit meinungsstarker Bewertung interessiert ist. Daneben stehen die fast täglichen Kolumnen von Huffington selbst und einem Kernteam von Mitarbeitern. Zudem publiziert die Huffington Post Beiträge von Prominenten aus dem Bereich Politik, Journalismus, Wirtschaft und Unterhaltung (u. a. Norman Mailer, John Cusack, Bill Maher). Aufgrund ihrer Bekanntheit und dem Zugang zu wichtigen Informationskanälen gelingt es den Mitarbeitern regelmäßig, exklusive Meldungen zu veröffentlichen.

Unter der Prämisse, dass ein derartiges Modell in Deutschland auch genug Leser finden würde, müssten sich doch eigentlich nur ein paar Leute mit journalistischen Neigungen zusammenfinden, Kapital einsammeln und loslegen. Warum muss seit Jahren rumgelabert werden, wer das Konzept endlich lizensiert? Ich würde nicht einen Cent für eine dusselige Lizenz ausgeben, sondern einen guten Namen finden, ein Redaktionsteam zusammenstellen, ein attraktives Vergütungsmodell für freiwillige Autoren finden, das auch auf Ruhm und Ehre aufsetzt, und genau in die Lücken gehen, die der deutsche Zeitungsmarkt gerade zu bieten hat, wie die Diskussion bei Richard Gutjahr aufzeigt. Es dürften doch aktuell genügend Journalisten der Wirtschaftsredaktion von Gruner & Jahr und der Frankfurter Rundschau auf der Suche nach einer neuen Herausforderung sein.

Einen deutschen Abklatsch einer amerikanischen Plattform finde ich wenig reizvoll, eine neue, eigene Entwicklung auf Basis der Erfahrungen von Huffington Post und Buzzfeed um so mehr. Einfach machen, nicht labern, liebe deutsche Medienschaffende!

PigSeit Jahrzehnten wird die grassierende Politik- und Politikerverdrossenheit in diesem Land beklagt. Es wird sehnsüchtig auf den amerikanischen Wahlkampf geguckt, weil es dort die Zuspitzung auf zwei charismatische Führungspersonen gibt, während bemängelt wird, dass hierzulande seit dem Abtreten der Politiker der Nachkriegsgeneration nur noch Berufspolitiker als Technokraten ihr Dasein fristen. In Talkshows werden Jahr ein, Jahr aus dieselben Themen von den immerselben Köpfen diskutiert, ab und zu wird mal eine neue Sau durchs Dorf getrieben, bis sie als kleiner Stern am Himmel verglüht. Ansonsten gilt die allgegenwärtige Alternativlosigkeit als allgemein akzeptiert, auch die Medien als 4. Gewalt beugen sich dem Diktum aus dem Kanzleramt.

Gerne werden unsere Politiker als wenig charismatisch charaktisiert, vielleicht noch als versierte Fachpolitiker dargestellt, und die Trauer ist groß, wenn jemand mit Ecken und Kanten wie Peter Struck plötzlich stirbt. Deutsche Politikerkarrieren verlaufen zu gleichförmig, Politik als Beruf hat nicht nur Vorteile, das bekommen wir überall zu lesen. Politiker hängen an ihrem Mandat, da es für sie eine Absicherung und vor allem auch eine berufliche Perspektive darstellt, auch das wird als verwerflich angesehen.

Das ist grob zusammengefasst die Lage der Nation. Wir sind alle kollektiv unzufrieden mit allem, früher war alles besser und anderswo ist es das auch.

Ich bin grundtief genervt von der aktuellen Medienkampagne gegen Peer Steinbrück. Nicht, dass es mich überrascht hätte, aber der Stil ist wirklich unter aller Sau aktuell und nicht förderlich für unser Land. Man muss Peer Steinbrück nicht mögen, man muß auch die SPD nicht mögen oder gar wählen, auch wenn dann vieles besser wäre in diesem Land, aber die Art und Weise, wie derzeit jedes nicht gesetzte Komma in einer Rede ausgewertet wird, ist kaum noch an Absurdität zu überbieten, immer frei nach dem guten alten Motto “irgendwas wird schon hängen bleiben!” – wir erleben gerade Kampagnenjournalismus par Excellence und das, bevor der Wahlkampf richtg begonnen hat.

Peer Steinbrück hat nach einer langen Karriere in der Politik seine Bekanntheit genutzt, um Geld zu verdienen, während er als Abgeordneter im Bundestag sitzt. Ja, und? Journalisten verdienen sich Geld mit dem Schreiben von Reden für andere Leute, mit der Moderation von Firmen-Events oder mit Fernsehwerbung. TV-Moderatoren haben oftmals ihre eigene Produktionsfirma und verdienen fröhlich am öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit. Ich habe auch schon von Journalisten gehört, die ihre Bekanntheit genutzt haben, um ein Buch zu schreiben, dass dann von vielen Leuten gekauft wurde.

Wenn ein Politiker, noch dazu von der SPD, die ja nicht mit Geld umgehen können, glaubt man dem Diktum von Otto Graf Lambsdorff, seine Bekanntheit nutzt, um mit dem Verkünden seiner Ansichten Geld zu verdienen, dann ist das verwerflichst und wird von dem Berufskommentatoren dieser Republik ungefähr auf eine Stufe mit dem Verkaufen des Erstgeborenen in die Sklaverei gestellt.

Ihr habt sie doch nicht mehr alle! Jeder Einzelne von Euch würde nach einer langen Karriere die Gelegenheit nutzen, mit dem Halten von Vorträgen und dem Schreiben von Büchern noch einen großen Schluck aus der Pulle zu nehmen! Diese Heuchelei geht mir sowas von auf den Sack, das glaubt ihr gar nicht!

Man kann überall lesen, dass sich die Menschen in diesem Lande, da draußen, wie es immer so schön heisst, sich nach Typen sehnen, die unabhängig sind, die eine eigene Meinung vertreten, die nicht führungstreue Parteisoldaten sind. Allerdings erleben wir auch immer wieder, dass die unabhängigen Köpfe entweder irgendwann eingenordet werden und sich strikt der Parteilinie unterordnen, oder aus der aktiven Politik verabschieden. Peer Steinbrück beharrt auf seiner Beinfreiheit, was wiederum zu Kritik führt, denn eine derartige Unabhängigkeit wirkt irgendwie suspekt. Ja, was denn nun?

Ich dachte immer, Ironie funktioniert nur im Internet nicht, aber Peer Steinbrück erfährt gerade, dass seine ironische Art, die er sicherlich nicht erst seit ein paar Wochen pflegt, auf einmal massiv gegen ihn ausgelegt wird. Sich über Stromlinienförmigkeit zu beschweren und gleichzeitig jegliche Ironieresistenz an den Tag zu legen, hilft uns auch nicht weiter! Warum ist es so schwer zu akzeptieren, dass Peer Steinbrück nicht nur Politikerfloskeln von sich gibt, sondern seinen eigenen ironischen Humor hat?

Die Art und Weise, wie SPON das Interview von Peer Steinbrück in der FAS interpretiert hat und daraus Meldungen im Stil von “Steinbrück will als Kanzler mehr Geld” generiert hat, wird später in Lehrbüchern für politische Meinungsmache von Medien aufgeführt werden. Die Art und Weise, wie die restlichen Publikationen dem vermeintlichen Leitmedium gefolgt sind, ohne vorher mal das Interview zu lesen, allerdings auch. Es wird permanent versucht, Peer Steinbrück irgendetwas anzuhängen, es wird auf seine Person gezielt, um seine Integrität zu schädigen, genauso wie er übrigens vorher von genau denselben Medien gefeiert wurde – da ist er wieder, der Fahrstuhl, mit dem man rauf und runter fährt.

Peer Steinbrück ist der Kanzlerkandidat der SPD und damit verbunden sind bestimmte Inhalte. Über die Inhalte, die eine Alternative zur jetzigen planlosen und zerstrittenen schwarz-gelben Koalition darstellen, wird nicht geschrieben. Das wäre ja auch anstrengend, dann müsste man sich mit Sachthemen auseinandersetzen und könnte nicht irgendeinen Schwachsinn in Äußerungen reininterpretieren, was wiederum tolle Schlagzeilen generieren würde und mehr Leser bringt als die Diskussion um die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns, um nur ein Beispiel zu nennen.

Mir geht diese Pseudo-Skandalisierung der Medien auf die Nerven, lasst uns über Inhalte und Alternativen reden!

p.s. Der Autor dieser Zeilen steht der SPD nicht nur nahe, sondern ist seit fast 25 Jahren Mitglied in der SPD und hat Peer Steinbrück vor Jahren einmal auf der DLD getroffen, hält aber auch gelegentlich Vorträge.

Diesen Vortrag habe ich am 30.11.2012 beim Vorwärts Medienkongress Kommunikation der Zukunft in Frankfurt gehalten.

Vortrag beim Vorwärts Medienkongress Kommunikation der ZukunftSehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der Kommunikation der Zukunft, und, auch das muss an dieser Stelle erlaubt sein, liebe Freunde der Zukunft der Kommunikation,

als ich gefragt wurde, ob ich auf dieser Konferenz mit dem gefälligen Allerweltstitel “Kommunikation der Zukunft” eine Keynote halten möchte, da habe ich kurz gezuckt und mir überlegt, ob ich, und wenn ja was, etwas zu diesem Thema beisteuern kann, das für Sie von Belang ist.

Normalerweise findet man bei derartigen Veranstaltungen seit Jahren vor allem alte Männer im Publikum vor, die sich ebenfalls seit Jahren wundern, warum die Welt sich gerade so rasend verändert und sich fragen, wie man die Veränderung so lange blockieren kann, bis die Rente erreicht wird. Natürlich bin ich mir sehr sicher, dass dies heute nicht der Fall sein wird und daher war dann die Verlockung dann doch zu groß und ich freue mich sehr, heute zu Ihnen sprechen zu können.

Interessanter Weise rede ich bei einer Veranstaltung zum Thema Kommunikation der Zukunft ganz ohne irgendwelche technischen Hilfsmittel und lese mehr oder weniger stumpf meine Rede vom iPad ab. Es gibt keine visuellen Hinweise für Sie, es gilt das gesprochene Wort, wie es immer so schön heisst. Von mir aus können wir daran festmachen wollen, dass es auch wieder Raum für Entschleunigung und auch für Reduktion oder die Konzentration auf das Wesentliche geben muss, der Veranstalter macht quasi unbewusst einen stark inhaltlichen Punkt.

Nach dieser Vorbemerkung möchte ich gleich noch weiter ausholen und die Zeit nutzen, darauf hinzuweisen, dass die Kommunikation der Zukunft ja schon längst stattfindet und wir mitten drin sind.
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Herrlich, wie zwei Meldungen von den deutschen Medien aufgegriffen werden. Zum einen schließt Google einen Deal mit Verizon, der die Tür öffnet zu einem Zwei-Klassen-Internet und einen Großangriff auf die Netzneutralität darstellt, zum anderen wird von Google verkündet, daß noch dieses Jahr Google Streetview in Deutschland gestartet werden soll. Schon stehen wieder alle parat, vom Hamburger Datenschutzkasper über die üblichen Verdächtigen, die von Bewegungsprofilen über sonstige Eingriffe in die Privatsphäre irgendwas befürchten, anstatt zu erkennen, daß Google lediglich einen Dienst bietet mit Streetview, der längst überfällig war und letztendlich nichts neues über die Nachbarschaften verraten wird.

Das ist so typisch. Weil es zu kompliziert erscheint, ein Thema wie Netzneutralität zu erklären, wird lieber auf Ressentiments gezielt und suggeriert, daß der Gartenzwerg in Gefahr sei, nur weil das Google-Auto vorbeifährt. Ohne Netzneutralität geht das Konstrukt des freien Internets den Bach runter, damit ist die Meinungsvielfalt gefährdet und die Möglichkeiten für die wirtschaftliche Entfaltung werden zu Gunsten der Big Player wie Google limitiert. Wäre ich ein Einzelhandelsverbandsvertreter oder ähnliches, würde ich sagen, daß durch die Aufgabe der Netzneutralität jährliche Hunderttausende Arbeitsplätze in Gefahr seien. Aber so bleibt das Thema Netzneutralität weiterhin ein Techiethema, dem sich die herkömmlichen Medien höchstens in einer Fußnote nähern.

Streetview in den Hauptnachrichten, Netzneutralität bzw. Google/Verizon nur irgendwo in den Online-Medien. Und wir wundern uns, daß Deutschland bei Internet-Themen immer weiter ins Hintertreffen gerät.

Der Google/Verizon-Deal ist der Anfang vom Ende der Netzneutralität und wird das Internet massiv zu Ungunsten der User verändern.

Man sollte Zeitungs-Abo von der Steuer absetzen können, fordert der Vorsitzende der SPD- Medienkommission, Marc Jan Eumann:

Viele Tageszeitungen verlieren derzeit deutlich an Auflage. Die Zahl der über ein Abonnement verkauften Zeitungsexemplare sei im vergangenen Quartal auf etwa 14 Millionen pro Tag zurückgegangen, sagte Eumann, der die Medienkommission des SPD-Bundesvorstands leitet. Er bezifferte die Kosten seines Vorschlags auf grob geschätzt 500 Millionen Euro im Jahr.

In Deutschland würden Zeitungen im Vergleich zu andern europäischen Staaten vergleichsweise wenig gefördert, sagte Eumann. Sie profitierten bisher nur von dem auf sieben Prozent reduzierten Mehrwertsteuersatz. In vielen anderen Ländern gebe es ein System direkter Hilfen für Zeitungen. “Da steht Deutschland am Ende der Liste.”

Ah ja. Das ist ja eine sehr zukunftsweisende Sicht der Dinge. 500 Millionen Euro pro Jahr soll der Spaß kosten, damit die Verlage für ihre Versäumnisse der letzten mindestens 10 Jahre nicht zu sehr vom Markt bestraft werden? Ich glaube ja nachwievor nicht daran, dass das Trägermedium über die Qualität des Journalismus entscheidet, also sehe ich nicht, warum Tageszeitungsabos jetzt von der Steuer abgesetzt werden sollten.

Aber, was man an diesem Vorstoß sehr gut sieht ist die Denke eines Vorsitzenden der SPD-Medienkommission, der augenscheinlich nicht versteht, wie sich das Medien-Nutzungsverhalten verändert und warum immer mehr Bürger ihre Informationen aus Online-Quellen holen. Besitzstandswahrer aller Länder, merkt endlich mal was!