Archives For microsoft

nokia lumia 920Im Hause Nokia betreibt man offensichtlich sehr gutes Social Media Monitoring, denn nachdem ich neulich das Video vom Nokia Designchef Marko Ahtisaari gepostet hatte und meinte, dass das Nokia Lumia 920 interessant sei, wurde ich umgehend kontaktiert, ob ich das Nokia Lumia 920 Smartphone auch mal testen wollen würde. Klar wollte ich.

Auf mobiFlip gibt es einen laaangen Testbericht zum Nokia Lumia 920, ich beschränke mich auf einige, für mich jedoch wesentliche Eindrücke.

Das Nokia Lumia 920 ist wirklich schön grellgelb, liegt sehr schön in der Hand, hat nette runde Kanten, die wirklich der Hand schmeicheln, wirkt robust und solide verarbeitet. Die Kamera ist toll, macht gute Bilder, auch da gibt es keinen Anlass zur Kritik. Das Nokia Lumia 920 ist wirklich ein tolles Stück Hardware, das wirkt alles perfekt durchdacht und aufeinander abgestimmt.

Das Problem des Nokia Lumia 920 ist die Software. Ich wollte mich wirklich unvoreingenommen Windows Phone nähern, aber ganz ehrlich, das habe ich nicht lange durchgehalten. Ich war begeistert, als ich sah, dass ich einfach so meinen Gmail-Account hinzufügen kann und dachte “wow, don’t be evil, es geht doch!”, zumal die Integration von Mail, Kontakten und Kalender absolut reibungslos verlief. Ich war angenehm überrascht und wollte dies gleich twittern. Haha. Gleich twittern, das geht natürlich nicht, denn dafür benötigt man ein Microsoft-Account, verknüpft dies mit dem Smartphone und kann dann darüber eine Verknüpfung mit Twitter oder Facebook machen, wobei man dann eben Microsoft bei der Authentifizierung am jeweiligen Dienst auch gleich umfangreiche Rechte einräumt. Das finde ich murkisg und überflüssig, ein direkter Client für Twitter oder Facebook hätte es auch getan. Die Kachel-Ansicht ist nicht so meine Sache, aber das ist Geschmackssache. Generell finde ich allerdings Windows Phone im Vergleich zu Android oder iOS zu umständlich und zu gewollt innovativ. Die Integration der Facebook und Twitter Updates bei den Kontakten, dann aber ohne Avatarbildchen ist für mich so ein Beispiel. Tolle Idee, aber lieblos umgesetzt. Ein eigenes Status-Update kann man dann allerdings aus der Ansicht heraus nicht posten, sondern muss eine andere Kachel mit der Bezeichnung “Ich” anclicken. Das ist umständlich, um es freundlich auszudrücken. Und so geht es munter weiter, man fragt sich zu oft, was das soll und ob da nicht einfach irgendwas passend gemacht wurde aus der Microsoft-Welt, was auf einem mobilen Endgerät wenig Sinn macht.

Das Nokia Lumia 920 wäre eine absolute Kaufempfehlung, wenn Android auf dem Gerät laufen würde. So ist es leider tolle Hardware mit einem suboptimalen Betriebssystem.

Ach Outlook. Wir werden niemals Freunde werden. In den 90ern habe ich es gehasst, wenn Leute mir mit ihrem unsäglichen AW:AW:AW:AW:AW:AW: sämtliches Mail-Threading versaut haben, und ja, ich hasse es auch heute noch, und als Admin war es die Hölle, immer wieder den Nutzern zu erklären, dass nicht der Mailserver langsam ist, sondern ihr Outlook und besonders toll war es, wenn die Datei Outlook.pst die Grenze von 1 GB erreicht hatte und Outlook gar nicht mehr ging. Was für ein Murks. Ja, Kalender ging damals mit Exchange besser, dieses Argument habe ich mir jede Woche anhören müssen, weil ich kein Exchange einsetzen wollte. Outlook und ich, wir wurden einfach keine Freunde.

Gestern hat Microsoft dann bekannt gegeben, dass Hotmail künftig Outlook.com sein soll. Nun denn. Und Outlook soll mit Skype verknüpft sein und mit Facebook und mit Twitter und mit LinkedIn und eigentlich alles können. Laut Microsoft haben bereits gestern 1 Mio Nutzer den Dienst ausprobiert.

Nun denn, heute morgen habe ich also meinen gesamten Mut zusammengenommen und mich auf Outlook.com registriert. Und ich fand es gut, dass Microsoft die Fragestellung “Microsoft-Konto – was ist das?” so mutig direkt auf der Registrierungsseite angesprochen hat. Natürlich hatte ich über die letzten Jahre die verschiedensten Reinkarnationen von Live.com oder ähnlichem ordentlich ignoriert und musste mich erst einmal bei Microsoft anmelden. Die haben jetzt meine Daten. Und das nach all den Jahren. Na gut.

Das Mail-Interface ist schlicht, da kann ich gar nicht meckern. Ich vermute, dass beim Erstellen einer Mail viele Nutzer das Betreff vergessen werden, aber gut, das ist irgendwie Outlook-Style, daran hat man sich ja auch schon gewöhnt.

Outlook - nico.lumma@outlook.com

Outlook bietet die Verknüpfung mit vielen sozialen Diensten an, hmm, der Satz klingt irgendwie nach einer Kooperation mit der AWO und dem ASB, was ich meinte war, das man Outlook auch mit Facebook oder Twitter verknüpfen kann. Microsoft bewirbt dies in seiner Intro-Mail wie folgt:

Lesen Sie statt Werbung die Facebook-Updates und -Tweets Ihrer Freunde in Ihrem Posteingang.

Outlook CaptchaIch hatte gehofft, dass es ausser Werbung noch andere Mails in meiner Inbox geben würde, aber dieser Hinweis ist dann doch ziemlich ernüchternd. Microsoft jedenfalls nimmt das Thema Spam sehr ernst, so ernst, dass man nicht nur bei der Registrierung ein Captcha eingeben muss, sondern auch beim erstmaligen Versenden einer Email. Gute Idee, oder? Naja, ich habe nach drei Versuchen das Captcha immer noch nicht richtig eingeben können und damit den Versuch abgebrochen, mir eine Email selber zu schicken. Die Verknüpfung mit Skype habe ich übrigens auch nicht gefunden.

Vielleicht bin ich einfach nicht Outlook-kompatibel. Aber ich habe es versucht. Bitte schickt mir keine Mails an nico.lumma@outlook.com, bevor ich die Weiterleitung einrichten konnte, hatte ich das Passwort bereits verdaddelt. Ach ja, Microsoft, vielen Dank für den Hinweis, dass ich mein Gmail-Konto einfach bei Outlook.com importieren könnte und so, aber das lasse ich lieber. Mir ist Outlook.com dann doch zu kompliziert.

Wie wird die Zukunft aussehen, wie werden irgendwelche Devices unser Leben vereinfachen oder dominieren, wie arbeiten wir zusammen und wie organisieren wir unser Privatleben? Microsoft gibt in dem kurzen Film mit dem bezeichnenden Titel Productivity Future Vision einige Hinweise darauf, wie es sein könnte.

Ja, Microsoft ist irgendwie ein merkwürdiger Absender, gerade wenn es um Usability geht, aber ich finde die Anregungen aus diesem Film wirklich interessant. Wenn man allerdings einmal versucht hat, irgendwelche Diagramme von einer Powerpoint-Präsentation zur anderen zu verschieben, der weiß, wie weit wir von irgendwelchen simplen Drag & Drop Spielereien noch entfernt sind. Allerdings wird auch in diesem Film deutlich, wie sehr die Zukunft von mobilen Devices bestimmt sein wird – das Smartphone als Supercomputer für die Handfläche, als Schaltzentrale für das Leben, für Arbeit und Beruf gleichermaßen. Als negative Variante der Visionen von Microsoft könnte man sich die ersten Minuten von Total Recall angucken und sich dann überlegen, ob wir eher einer Utopie oder einer Dystopie entgegen gehen.

Für mich ist allerdings die coolste Neuerung der Kühlschrank. Auf einen Blick zu wissen, was man gerade da hat, das wirkt ungeheuer praktisch, vor allem wenn es dann auch noch passende Rezepte dazu gibt.

Was haltet Ihr von der Productivity Future Vision von Microsoft?

[ via Microsoft’s vision of the mobile future is astounding (video) | VentureBeat ]

Wer meint, Microsoft hätte das Internet nicht verstanden und würde mit Bing einfach nur Milliarden verbrennen, der irrt gewaltig. Microsoft hat verstanden, daß mobile Endgeräte und Tabs immer wichtiger bei der Internet-Nutzung werden. Daher springt Microsoft voll auf den Zug auf: Our Licensing Deal with Samsung: How IP Drives Innovation and Collaboration

PferdekopfToday, Microsoft announced a patent cross-licensing agreement with Samsung that will provide coverage under Microsoft’s patent portfolio for Samsung’s mobile phones and tablets. The agreement also gives both companies greater patent coverage relating to each other’s technologies, and opens the door to a deeper partnership in the development of new phones for the Windows Phone platform.

Nachdem bereits HTC, Acer, General Dynamics Itronix, Onkyo, Velocity Micro, ViewSonic und Wistron als sog. Partner gefunden wurden, ist nun also auch Samsung dabei.

Im Klartext bedeutet dies: Microsoft verdient Geld damit, daß Geräte-Hersteller nicht Windows nutzen, sondern Android einsetzen und dafür Lizenzgebühren bezahlen müssen, weil Microsoft irgendwelche Patente hält. Microsoft bekommt es nicht auf die Reihe, bei den derzeiten Entwicklungen im Bereich Internet und Mobile eine Rolle zu spielen, trotz ihrer Größe und ihrer Horde von Entwicklern und Produkt Managern. Microsoft ist sich aber auch nicht zu schade, über Lizenzvereinbarungen massiv Geld zu verdienen. Der Erfolg von Open Source Software sorgt jetzt also dafür, daß Steve Ballmer weiter mit seiner Softwarebude Geld verdient. Microsoft hat eine neue Abgaben-Variante gefunden, aus dem ein lukratives Geschäftsmodell wird.

Ich bin angewidert von diesem Vorgehen von Microsoft, aber alles andere als überrascht.

Wird Facebook sterben?

Nico —  31.08.2011 — 9 Comments

Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach meint ja, Facebook wird sterben:

Noch nicht heute, auch nicht morgen oder übermorgen. Aber es wird sterben. Und bevor das eine Binsenweisheit wird, etwas konkreter: Während Twitter und Google+ überleben werden, wird Facebook das nicht.

Wolfgang begründet seine Sichtweise damit, daß es drei Lager geben werde, nämlich Facebook/Microsoft/Nokia, Apple/Twitter und Google und von diesen drei Lagern Facebook/Microsoft am wenigsten in der Lage sein werden, ihre Dienste miteinander zu verzahnen, weshalb es viele Bruchkanten geben werde, insbesondere im Bereich Privacy.

Wolfgangs läßt sich ein wenig zu sehr vom alten Microsoft-Feindbild leiten bei seinen Überlegungen. Aber es ist schon interessant, daß noch vor Monaten alle gesagt haben “Google kann kein Social” und nun auf einmal viele Meinungsführer meinen, daß Facebook Geschichte sei. Ich hatte ja schon einmal ausgeführt, daß Twitter konzeptionell am Ende ist und ich gehe wie Wolfgang davon aus, daß Twitter als Feature von Apple enden wird. Wolfgang erwähnt in seinem Text überhaupt nicht Tumblr, dieses massive kollaborative Online-Scrapbook, in das jeder irgendwas reintumbled und damit für massive Content-Ansammlungen und extreme Stickyness sorgt. Tumblr wird meines Erachtens zu unrecht ignoriert, da wächst gerade etwas sehr Neues heran, was wiederum versucht, das Thema Content im Web neu zu definieren.

Facebook ist nicht Microsoft ist nicht Nokia. Es fällt leicht, aus einer gesunden Abneigung heraus, Microsoft zu bashen, aber ich glaube, in diesem Fall sollte man eher sehen, daß Microsoft von Facebook profitiert und nicht andersherum. Facebook hat tausende von smarten Entwicklern, die das Web verstehen und daran arbeiten, es stetig in Teilen neu zu definieren. Ich glaube, daß da ein immenses Innovationspotential vorhanden ist und wir eher den Zweikampf zwischen Google und Facebook haben werden, ausgehend von zwei völlig unterschiedlichen Positionen. Facebook hat derzeit 750 Millionen Nutzer, die über Facebook ihren Freundes- und Bekanntenkreis pflegen und mit diesen Menschen Inhalte teilen. Google hat eine Milliarde Nutzer, die vor allem nach Inhalten suchen, die Google auffindbar macht. Google nutzt jetzt social Features, um die Suche zu verbessern und Facebook nutzt den Like-Button, um die relevanten Inhalte zu identifizieren für seine Nutzer. Google und Facebook nähern sich da so langsam an, aber aus unterschiedlichen Richtungen kommend. Es geht um die Aufmerksamkeit der Nutzer und um die relevanten Inhalte.

Verkürzt ausgedrückt kann man das Problem mit dem Erreichen der Aufmerksamkeit der Nutzer wie folgt angehen: Man sammelt alle Inhalte des Webs und guckt dann, was die Nutzer interessiert, oder indem man alle Nutzer einsammelt und dann guckt, was diese interessiert. Sowohl Google als auch Facebook wollen, daß genügend Nutzer täglich wiederkommen, Inhalte finden und Werbung nutzen.

Um mal auf Wolfgangs These “Facebook wird sterben” zurück zu kommen, ich glaube nicht. Facebook hat eine irre Lernkurve gehabt in den letzten Jahren, hat wahnsinnig viele smarte Menschen, die Produkte entwickeln und Cutting-Edge Web-Technologie bauen, und ist nicht von Microsoft oder Nokia abhängig. Facebook wird aus eigener Kraft weiter dafür sorgen, daß Freunde und Bekannte sich auf der Plattform austauschen, Nutzer mit Marken und Unternehmen interagieren und ein guter Teil des Gesprächs im Hausflur oder in der Teeküche weiterhin auf Facebook ablaufen wird. Facebooks Geschäftsmodell, durch Werbung Nutzer von einer Ecke der Plattform zur anderen zu schicken, wird ordentliche Umsätze einbringen und viele weitere Entwickler finanzieren können. Facebook ist eine verdammt junge Firma, die noch viele Fehler machen wird, aber vor allem durch Tempo und Innovatiosnfreude immer wieder beeindrucken wird.

Man sollte übrigens nie den Fehler machen, von seinem eigenen Nutzungsverhalten ausgehend irgendwelche Rückschlüsse auf das Nutzungsverhalten von ein paar hundert Millionen Menschen zu ziehen. Aber es bringt immer wieder Spaß, über die Zukunft des Webs zu spekulieren, während man frühmorgens auf dem Sofa in Hamburg sitzt und einen Kaffee trinkt.