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Wir waren gerade im Urlaub. Ja, es war sehr schön, aber das real existierende Roaming in der Europäischen Union nervt. Ich habe irgendeinen Superduperadvanceddeluxe T-Mobile Tarif, der mich innerhalb von Deutschland, bis auf die Bahnlinie Hamburg – Berlin natürlich, in die Lage versetzt, mobile Daten zu nutzen. Ich telefoniere immer seltener, von Telefonkonferenzen einmal abgesehen, sondern erledige sehr viel auf meinem Smartphone. Ich nutze mein Smartphone natürlich auch zur Orientierung, aber auch für Musik, Lektüre, Spiele und Entertainment.

Kaum aber überschreitet man eine kaum mehr merkbare EU-Grenze, schon ist es aus mit der Herrlichkeit. Die Telekom bietet mir einen Weekpass mit 150 Megabyte an. Nicht pro Tag, sondern pro Woche.

Wenn ich diese SMS bekomme, dann ist meine Urlaubs-Entspannung schon dahin. Ich fühle mich dann zurückversetzt in die Zeit, als man sich per Modem einwählen musste und jede Minute der Online-Verbindung gekostet hat. Ich bin mittlerweile Flatrates gewohnt und dementsprechend nutze ich auch meine Devices. Gerade aber im Urlaub will ich aus irgendwelchen, für Andere kaum nachvollziehbare, liebgewonnene Alltäglichkeiten nicht missen, vielleicht vergleichbar mit dem BILD-Leser am Pool.

150 Megabyte sind ein Furz. Damit wird mein iPhone zu einer unhandlichen Uhr mit Telefonfunktion degradiert. Was soll sowas? Ich will mich im Urlaub entspannen und nicht Megabyte zählen! Im Urlaub habe ich dann trotz allergrößter Sparsamkeit 4 Weekpässe verballert, wobei ich einen von der Telekom als Gratis-Goodie geschenkt bekommen habe. Und natürlich hatten wir am Urlaubsort WLAN. Und waren nur 2 Wochen weg.

Jetzt sehe ich schon wieder, wie einige Leser denken: “Alter, dann schalt doch mal ab, ist doch Urlaub!” – klar, das mache ich gerne, am Besten funktioniert das aber, wenn ich nicht gedrosselt werde und fünf Versuche benötige, ein Foto bei Instagram hochzuladen oder ewig warte, bis die Karte bei Google Maps endlich aufgebaut wird. Das macht mich verdammt unentspannt.

Die EU-Kommissarin Neelie Kroes brüstet sich damit, dass auch diesen Sommer die Roaming-Gebühren wieder gesenkt wurden. Aber mal ganz ehrlich, dass kann doch nicht wahr sein, dass wir innerhalb der EU immer noch Roaming-Kosten haben, die derartig prohibitiv sind. Und ja, ich kann mir eine seperate SIM-Card zulegen, das weiss ich alles. Will ich aber nicht, ich will entspannt das Netz nutzen können, so wie es mir im Urlaub passt.

Die digitale Gesellschaft findet im Urlaub nur eingeschränkt statt, und das liegt nicht nur an der Sonneneinstrahlung auf dem Display, sondern der fortwährenden Roaming-Idiotie in Europa.

Tablet first

Nico —  26.02.2013 — 2 Comments

Ich werde gerne und oft gefragt, was ich von der Entwicklung der Mobilbranche halte und wie die aktuellen Trends so sind. Normalerweise antworte ich mit “Tablet first”, weil ich mittlerweile das Tablet für viel relevanter halte bei der Entwicklung der connected personal Devices, keine Ahnung, wie man das auf deutsch benennen würde. Die Infografik: Tabletmarkt wächst 2012 um 78,4% von Statista zeigt diese Entwicklung sehr gut.

infografik_935_Absatz_von_Smart_Connected_Devices_2011_und_2012_n

722,4 Millionen Smartphones wurden laut IDC 2012 rund um den Globus verkauft. Zusammen mit 128,3 Millionen Tablets beläuft sich die Zahl der mobilen, internetfähigen Geräte, die von den Hersteller abgesetzt wurden auf rund 851 Millionen. Das entspricht einer Steigerung von über 50 Prozent. Dagegen waren die PC-Verkäufe im vergangenen Jahr rückläufig. 202 Millionen verkaufte tragbaren und 148,4 Millionen Desktop-PCs sind gleichbedeutend mit einem Absatzrückgang von 3,7 Prozent.

Es ist nicht nur das ordentliche Wachstum im Tablet-Markt, es ist vor allem die Art und Weise, wie das Tablet sich ganz elegant den Platz in der Nutzungshierarchie der Geräte sucht, die mich sehr euphorisch auf die Entwicklung im Tablet-Markt blicken lassen. Das Tablet ist ungeheuer praktisch, es ist vielseitiger als ein Smartphone und leichter zu nutzen als ein Laptop oder gar ein stationärer PC. Wer einmal Tumblr, Flipboard oder Shoplove auf einem Tablet genutzt hat, der weiss, was ich meine.

Ich glaube, wir stehen noch ganz am Anfang einer rasanten Entwicklung im Tablet-Markt und sehen sehr bald, dass Tablet ubiquitär werden und in jedem Haushalt rumliegen so wie früher mal die Fernsehzeitschrift.

Mobile knackt die 10-Prozent-Marke

Jeder, der mal eine Website entwickelt hat, kennt die leidige Browser-Diskussion. Damals, als ich mit dem Web angefangen hatte, war die Frage immer noch, ob die Seite auch mit Lynx funktionieren sollte, damit die Leute nicht ausgeschlossen wurden, die die Kommandozeile auch fürs Web nutzen wollen. Danach ging es dann munter weiter von der Einführung des Marquee-Tags bis hin zu den ganzen kleinen und großen Inkompatibiltäten, die heutzutage zwischen den Browsern existieren. In den letzten Jahren war dann die Frage “müssen wir Internet Explorer 6 wirklich noch unterstützen?” grundsätzlich die Frage, auf die niemand ein “Ja!” als Antwort hören wollte. Zwar ist der Marktanteil des IE 6 in Deutschland mittlerweile bei unter 1% angelangt, aber in großen Unternehmen kann man immer noch den IE6 antreffen, der Angst und Schrecken unter den Frontend-Entwicklern verbreitet.

Aber eigentlich ist es völlig egal, irgendeinen Aufwand in alte Versionen des Internet Explorer zu stecken, es sei denn, man vermutet genau dort die Nutzer. Ansonsten sollte man sich lieber mit Responsive Design und HTML5 auseinandersetzen und Websites bauen, die für Smartphones und Tablets ebenso funktionieren wie für herkömmliche Desktop Browser. Aber irgendwie hat sich das immer noch nicht herumgesprochen. Ich würde immer darauf setzen, die Leute zu erreichen, die bei der Nutzung einer Technologie eher früh dabei sind, als auch noch die Leute irgendwie mitzunehmen, die Browser benutzen, die schon seit Jahren nicht mehr aktuell sind. Wie gesagt, es gibt Ausnahmen, aber man sollte lieber die Leute mitnehmen, die sich auf einer nach oben zeigenden Kurve befinden, als immer noch Krücken zu bauen für irgendwelche Browser, die eigentlich schon lange niemand mehr nutzen müssen sollte.

Wenn man mal ein Tablet nutzt, dann stellt man erst einmal fest, wie wenig die Anbieter überhaupt gewillt sind, entsprechende Ansichten für Tablet-Nutzer zu bauen. Die ZEIT ist da eine rühmliche Ausnahme, die das meines Erachtens vorbildlich löst, aber sobald man eine Shopping-Site nutzen will, überkommt einen das kalte Grauen, weil einfach nichts wirklich stimmig aussieht. Kein Wunder, dass das mit dem mCommerce noch nicht so richtig klappen will.

Baut Websites für mobile Browser und die Nutzer werden es Euch danken!

Gestern erschien bei SPON ein Artikel von Stefan Schultz mit dem Titel Fehlende Mobil-Strategie: Smartphone-Boom bedroht Facebooks Geschäft und während Schultz erläutert, wie mies derzeit der Aktienkurs ist und wie generell anders die mobile Nutzung sein könnte, kommt er nicht umhin, einfach mal nur die eine Seite der Medaille zu sehen:

Facebooks Aktienkurs schwächelt seit dem Börsengang. Wenn in dieser Woche Mitarbeiter des Netzwerks Papiere verkaufen, droht das nächste Tief. Der Sinkflug zeigt ein grundlegendes Strategieproblem: Die Smartphone-Revolution bedroht Facebooks Werbegeschäft – die Lösung fällt dem Unternehmen schwer.

Ich glaube, dass andersrum ein Schuh daraus wird. Die Smartphone-Revolution bietet völlig andere Möglichkeiten, von denen die meisten allerdings erst entwickelt werden müssen. Da steht Facebook wie viele andere Firmen auch vor der Herausforderung, rechtzeitig die richtigen Dinge zu tun. Das ist aber per se erst einmal keine Bedrohung, sondern bietet eine ordentliche Chance.

Gestern hat Facebook auf der GDC Europe mal ein paar Zahlen zum neuen App Center verkündet und da kann man schon deutlich einen Strategie-Ansatz erkennen:

And the App Center, Facebook’s newly revamped app marketplace launched in May, is now seeing 150 million monthly users, with 2.4 times more installs of apps compared to Facebook’s old directory/dashboard and a next-day return rate of 35% to those apps after the first install (17% likely to return within a week).
[…]
Another stat points to some of Facebook’s mobile strategy: In July, Facebook says it referred people to Apple’s App Store and Google Play more than 170 million times, through links that appear in people’s timelines when their friends are playing Facebook-connected games. This is a development on a theme: Facebook is already known as a major traffic referral generator, often coming in second only to Google search in terms of driving traffic to websites via links in people’s timelines, fan pages and other features. And in those instances where people are not playing directly on Facebook itself, Facebook wants to have the same role with mobile apps.

Facebook: Try These GamesWenn man nur halbwegs davon ausgeht, dass die App Economy massiven Umsatz bringt, dann kann man erkennen, wie Facebook in den nächsten Jahren den mobilen Traffic nutzen wird, um ordentlich Geld zu verdienen. Wenn allein im Juli 170 Millionen Mal Nutzer in die App Stores von Apple und Google geschoben wurden, dann kann man davon ausgehen, dass Facebook diesen Traffic auch monetarisieren können wird. Der App Center ist allerdings nur ein Teil einer erkennbaren Strategie, Facebook wird es sich weiterhin zu Nutze machen, dass auf die Smartphone die Aufmerksamkeit des Nutzers anders ist als im Web. Prominent eingeblendete Verbraucherinformationen werden ganz anders wahrgenommen und können durchaus Impulse setzen.

Ich gehe davon aus, dass die Kombination von Mobile und Social dafür sorgen wird, dass Facebook ein immens großer Treiber für App-Downloads werden wird – und das ist ein Markt, der aktuell noch in den Kinderschuhen steckt und wo es zwar viele Anbieter gibt, aber kein einziger den Traffic so liefern kann wie Facebook. Selbst wenn das alles nicht funktionieren sollte, kann Facebook aufgrund der Nutzungsstruktur seiner mobilen Nutzer immer noch oft genug großflächige Werbung beim Starten der App einbinden, ohne die Nutzer nachhaltig zu nerven.

Wenn man mal anfängt, über Mobile nach zudenken, dann sieht man, dass das alles keine Gefahr für Facebook ist, sondern ein logischer weiterer Schritt in der Entwicklung der Firma. Als ersten Schritt wird Facebook Werbetreibenden App Downloads liefern und damit mal eben einen Markt erschliessen, der seit 3 Jahren von unzähligen Akteure beackert wird, wo aber alles immer noch Kraut & Rüben ist. Diese Entwicklung wird sich auch im Aktienkurs niederschlagen, da bin ich mir sicher. Und dann geht es munter weiter. Man darf nicht vergessen, dass Facebook derzeit immer noch der massive Treiber einer Entwicklung ist und selber definiert, wann was wie gemacht wird und nicht wie andere Akteure mühevoll hinterherhumpeln. Facebook hat noch keine vollständig umgesetzte mobile Strategie, aber die ersten Bausteine sind bereits jetzt sichtbar.

Vor etwas über einem Monat hat Facebook das App Center gestartet, das heute in der deutschsprachigen Variante App-Zentrum für die deutschen Nutzer an den Start gegangen ist. Die Grundidee des App-Zentrums ist, den Facebook-Nutzern ausgewählte Apps für Web und Mobil zu präsentieren, diese aber in den Kontext der Nutzung durch die Freunde der Nutzer zu stellen. Dadurch soll es Nutzern leichter gemacht werden, interessante Apps zu finden, aber auch Entwicklern von Apps leichter die passenden Nutzer zu erreichen.

Ich hatte zum Start des App Centers folgendes geschrieben:

Facebook macht mit dem App Center drei Sachen genau richtig:

1. es wird ein massiver Filter über alle Apps gelegt und nur die Apps werden in den App Center aufgenommen, die social Signals aussenden, also die Vorteile eines Ökosystems wie Facebook ausnutzen.
2. dem Nutzer wird angezeigt, wie viele Nutzer eine App hat und wieviele Freunde diese App nutzen, und zwar für Web-Apps und mobile Apps.
3. die Nutzer werden von Facebook nach einem intransparenten Prinzip dazu aufgefordert, Apps zu bewerten. Dies schliesst massenhaft generierte Jubel-Bewertungen ebenso aus, wie negative Bewertungen durch die Konkurrenz.

Das Auffinden von Apps und das Bewerben von Apps ist bislang noch nicht zufriedenstellend gelöst worden, aber Facebook geht einen Schritt in die Richtung, um Nutzer und Apps zusammenzubringen. Als Nutzer finde ich interessant, welche Apps meine Freunde nutzen. Als Entwickler kann man über Facebook dafür sorgen, dass die Apps für die Nutzer relevanter werden. Hinzu kommen nette kleine Features wie die Möglichkeit, eine mobile App direkt ans Handy zu senden, damit man direkt im App Store die App installieren kann. Ich finde das äußerst praktisch und freue mich darauf, künftig auch über Facebook direkt Apps bewerben zu können. Nicht, weil ich gerne Geld ausgebe für Werbung, sondern weil ich vermute, dass es über das Facebook App-Zentrum effizienter werden wird, neue Nutzer für eine App zu begeistern, weil man sie im sozialen Kontext bewirbt.

Unser Startup Stuffle ist bereits im App-Zentrum vertreten und ich bin gespannt, wie sich dies auf die Download-Zahlen auswirken wird. Stuffle setzt auf eine tiefe Facebook-Integration, denn bei einem mobilen Flohmarkt ist es wie bei einem stationären Flohmarkt: ohne Menschen ist es langweilig und es ist besonders nett, wenn man die anderen irgendwie kennt. Teil des App-Zentrums sind umfangreiche Statistiken, die Entwicklern dabei helfen, die Nutzungsmuster zu verstehen und entsprechend die App weiter zu verbessern.

Mir fehlt allerdings beim App Center wie auch beim App-Zentrum noch eine gewisse persönliche Note oder Empfehlung der Redaktion, noch wirkt alles sehr algorithmisch. Zur Unterteilung der Apps in “Internet” und “Handy” sage ich jetzt mal nix, da finde ich “Web” und “Mobil” ca. dreitausend mal passender, aber das ist sicherlich Teil der “move fast and break things”-Strategie und der Hackerkultur von Facebook. Generell ist es aber sehr vorteilhaft, dass das App-Zentrum im Web, aber auch mobil verfügbar ist und jeweils passende Apps anzeigt. Facebook geht mit dem App-Zentrum konsequent den Weg der social App-Discovery weiter.