Lurker sollen aussterben?

On the Internet, nobody knows you're a dog

Bitte wer soll aussterben? Wer den Begriff Lurker nicht kennt, dem sei diese Definition aus der Wikipedia an die Hand gegeben:

Lurker (engl. to lurk, lauern, schleichen) ist eine Bezeichnung für passive, also nur lesende Teilnehmer einer Newsgroup, eines Forums oder einer Mailingliste. Der Begriff entstammt dem Netzjargon, wo der Lurker ursprünglich eine Person in der Warez-Szene ist, die nur Software herunterlädt, aber selbst nichts für andere hochlädt. Entsprechend abwertend wird der Lurker angesehen. Lurker ist auch auf andere gesellschaftliche Foren übertragbar. Viele irritiert es, wenn jemand alles mitliest, was sie schreiben, selbst aber nichts über sich preisgibt. Das führt dazu, dass „Lurker“ oder „Lurking“ unter Umständen abwertend gebraucht wird.

On the Internet, nobody knows you're a dogJe nachdem wie man es sieht, ist Lurking eines der Grundprobleme des Internet, oftmals in einem Atemzug mit einer Debatte über Anonyme oder Pseudonyme beim Schreiben von Artikeln oder Kommentaren erwähnt – oder es ist ein Grundbedürfnis der Internet-Nutzer. Früher® gab es mal eine Karikatur mit der legendär gewordenen Bildunterschrift On the Internet, nobody knows you’re a dog, aber schon länger schleppen die Nutzer Profile mit sich herum, die seit dem Aufkommen von Facebook und Google+ jetzt immer sichtbarer geworden sind. Eigentlich ist es für einen normalen Nutzer nahezu unmöglich, ohne das Mitschleppen eines Profiles irgendwas im Netz zu machen. Nutzer sehen dies aber selten, eventuell bei Werbung, die ihnen über Retargeting gezeigt wird oder bei Like-Buttons von Facebook, an denen Freunde gezeigt werden. Was in einem Profil so alles verzeichnet ist, weiss der Nutzer ohnehin meistens nicht, denn die wenigsten Anbieter legen diese Profile offen. Google hat eine Seite mit Anzeigenvorgaben, die auflistet, was Google meint, was den Nutzer interessieren könnte (Anscheinend bin ich an “Militär – Veteranen” interessiert, wusste ich bis dato gar nicht).

Die passive Nutzung ist für Betreiber von Plattformen oftmals ein Graus, denn man will nicht nur Leser, sondern gerne auch aktive Nutzer – aber nicht alle Nutzer liken, sharen oder kommentieren. Um dieses Problem anzugehen, hat Facebook die sog. Open Graph Actions eingeführt, über die App-Entwickler über Facebook den Freunden des Nutzer mitteilen lassen kann, dass der Nutzer gerade etwas gelesen hat oder ein Musikstück hört. Natürlich kann man Open Graph Actions auch ausschalten, aber das machen nicht alle Nutzer. Ich bin sowieso eher transparent und lasse gerne die Facebook-Freunde daran Anteil haben, wenn ich wieder gute Musik höre. Open Graph Actions sind also quasi ein implizites “ach, ich erzähle doch eh allen meinen Freunden, was ich so mache”.

Wer sich nun denkt “ach, Facebook Apps nutze ich eh nicht”, der dürfte sich demnächst wundern, wenn er merkt, dass nun auch bei Facebook Groups angezeigt wird, wer alles den Beitrag gelesen hat. Ja, gelesen, nicht nur geliked oder geshared. Die Frage-und-Antwort-Plattform Quora hat nun angekündigt, dass Nuzter künftig sehen können, wer einzelne Beiträge gesehen hat:
via Introducing Views on Quora:

We think that Views on Quora make the browsing experience more interesting and help contributors gain extra feedback about their reach and audience on Quora.

Ja, so kann man das auch sehen. Es ist in der Tat oftmals spannend zu wissen, dass etwas gelesen wird und man freut sich auch über Feedback und ich würde auch gerne wissen, wer dieses Blog so liest. Aber ehrlich gesagt müssen wir aufpassen, dass wir bei den Transparenz-Bestrebungen die Privatsphäre der Nutzer dennoch schützen und vor allem leicht konfigurierbar machen. Meine Prognose ist, dass sich die Nutzer immer mehr daran gewöhnen werden, dass sie offen im Netz agieren, auch wenn es immer mal wieder einen Aufschrei geben wird und in Facebook-Gruppen vehement dagegen geliked wird.

Was das neue Twitter für Marken und Unternehmen bedeutet

Pepsi auf Twitter

Ich hatte gestern darüber geschrieben, wie das neue Twitter in der Praxis zu nutzen ist. Dabei ist aufgefallen, daß Interaktion und das Auffinden neuer Inhalte eine prominentere Rolle spielen, aber auch das eigene Profil der Nutzer deutlich aufgewertet wurde. Die Neuerungen haben allerdings ordentliche Auswirkungen für Marken und Unternehmen, die auf Twitter aktiv sind, oder wie Twitter es ausdrückt mit dem dezenten Hinweis
Let your brand take flight on Twitter with enhanced profile pages:

Communicating with users isn’t just about what you say. It’s also about how you say it. Now, your profile page does more to help you make an impression with a large header image for displaying your logo, tagline, and any other visuals.

Die Profile wirken in der Tat viel mehr, wie wir es von Facebook und Google+ gewohnt sind: es gibt nicht mehr nur die Möglichkeit, sich in der Seitenleiste zu präsentieren, sondern auch eine kleine Bühne im oberen Bereich, auf der die Marke präsent sein kann. Bisher war es eine Herausfordung für neue Nutzer, überhaupt herauszufinden, was eine Marke oder ein Unternehmen auf Twitter eigentlich macht, da natürlich auch auf dem Profil bislang die Tweets einfach nur durchgerauscht sind. Neuerdings kann definiert werden, welcher Tweet sticky sein soll, also oben sofort sichtbar stehen bleibt. Das hilft natürlich extrem, insbesondere wenn man in einer Kampagne auf das Twitter-Profil verweisen will. Hinzu kommt, dass Werbetreibende nicht befürchten müssen, Werbung anderer Unternehmen auf dem eigenen Profil zu sehen.

Pepsi auf Twitter

Eine kleine, aber sehr feine Neuerung, ist das endlich verfügbare Embedding-Feature, das es sehr leicht macht, Tweets anderswo einzufügen. In dem Zusammenhang wundere ich mich allerdings immer wieder über die URL-Struktur von Twitter, denn seit einiger Zeit wird aus dem ansehnlichen twitter.com/kurzname immer twitter/com/#!/kurzname gemacht, was ich als URL-Purist wirklich eklig finde.

Embed Tweet

Man erreicht das Embedding-Feature, indem man bei einem Tweet auf “Details” clickt. Neu ist auch, daß man bei einem Click auf “Open” sehen kann, wer alles einen Tweet retweetet hat, oder auf den Tweet geantwortet hat.

Das macht natürlich eine Brand-Page viel übersichtlicher als vorher und zeigt viel mehr von der Interaktion zwischen Nutzern und Marke. Ich finde die neuen Profile für Marken und Unternehmen durchaus gelungen, vor allem weil es deutlich strukturierter wirkt und Werbetreibende jetzt in der Lage sind, über sticky Tweets ihre aktuellen Inhalte besser zu promoten.

Bezeichnend ist allerdings, daß Pepsi auf ihrer Profile-Page direkt auf http://www.facebook.com/Pepsi verlinkt, wahrscheinlich weil Facebook Fan-Page deutlich gelernter sind und Twitter jetzt zeigen muß, daß es auch für Marken gut funktionieren kann.

Me on the Web

Google hat unlängst ein kleines praktisches Tool veröffentlicht, das dabei helfen soll, seine Online-Identität besser zu überblicken. Im Google Dashboard gibt es jetzt die Sektion “Me on the Web”, die einen Überblick über die Web-Profile gibt, die Google bekannt sind, und die vor allem mit ein paar Clicks das Aufsetzen von Alerts ermöglicht, damit man benachrichtigt wird, wenn Name oder Email-Adressen im Web auftauchen, bzw. von Google gefunden werden.

Das ist ein interessanter weiterer Schritt, um Google Profiles sinnvoller nutzbar zu machen und die Nutzer in die Lage zu versetzen, selber zu gucken, wie sie im Web gesehen werden.

Jetzt fehlt nur noch der “Löschen!”-Button, um unliebsamen Krempel aus dem Internet zu entfernen, aber das wird noch ein Thema sein für zukünftige Diskussionen.

[ via: Google Public Policy Blog: Me, Myself and I: Helping to manage your identity on the web ]