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Im Interview mit Michael Praetorius rede ich ein klein wenig über Netzneutralität, Bandbreite und Programmieren für Kinder.

[ via Spreerunde | Kinder sollen Programmieren lernen ]

Vor ein paar Tagen sagte unsere älteste Tochter (9 Jahre) nach dem abendlichen Vorlesen zu mir: “Papa, weisst Du was für eine App Du mal machen müsstest? Eine Keks App! Da kann man dann die Formen auswählen, Schoko dazu und Streusel und so und dann bekommt man ein paar Tage später die Kekse zugeschickt. Cool, oder?” Ja, sehr cool, zumal meine Tochter nicht seit Jahren Deutsche Startups, Gründerszene, Etailment oder Exciting Commerce liest und über den Trend der Mass Customization informiert ist und die Herausforderungen hinter MyMüsli und anderen Firmen kennt.

Code Hero Ich finde diese Idee meiner Tochter vor allem deswegen spannend, weil sie zeigt, wie sich Kreativität verändert. Natürlich basteln unsere Kinder und spielen mit LEGO, Playmobil und anderen Dingen, haben neulich die Tollabox ausprobiert und fanden das super, aber sie sind eben auch seit Jahren an digitalen Endgeräten und benutzen diese genauso selbstverständlich wie Papier, Schere, Klebe und Stift. Ich habe meiner Tochter vor Jahren Stardoll gezeigt und sie war sofort begeistert von der Idee, digitale Papierpuppen anzuziehen. Sie kannte zu dem Zeitpunkt noch gar nicht analoge Papierpuppen oder Stickerhefte, das kam erst später.

Wir verändern also gerade munter die Werkzeuge, die unsere Kinder in der Zukunft benutzen werden. Und ich finde es mal eben bemerkenswert, was daraus resultiert. Schon seit vor Zalando ist für unsere Tochter klar, dass die Auswahl eines lokalen Schuhladens begrenzt ist und sie meinte einmal nach einem erfolglosen Schuhkauf für sie ganz beiläufig “Papa, das macht nix, gucken wir eben zuhause im Internet.” Der Distributionsweg über einen Paketdienst ist für sie ebenso normal wie das Bezahlen über mobile Endgeräte, denn sie kauft Bücher auf dem Kindle ohne auch nur im geringsten darüber nachzudenken, dass Bücher eigentlich mal aus Papier waren und Geld aus Münzen und Papier besteht. Gestern wurde ich beim morgendlichen Ticketkauf an der Ubahn-Station von ihr darauf hingewiesen, dass ich auch einfach ein Ticket mit meinem iPhone kaufen könne, dann müsste ich nicht immer morgens Kleingeld suchen und am Automaten rumstehen.

Für mich sind all diese Dinge wahnsinnige Veränderungen, vor allem wenn ich das vergleiche mit der Zeit als ich im Alter meiner Kinder war. Da hatten wir einen schwarz-weiss Fernseher und ich hatte einen Kassettenrekorder. In mono. Für unsere Kinder ist das Digitale der normale Alltag.

Auf der aktuellen Liste der Dinge, die unsere Kinder mit mir unternehmen wollen, steht momentan ganz oben auf der Liste das Anlegen eines eigenen Blogs für meine Tochter und mein Sohn will Programmieren lernen, weil die aktuellen Spiele Apps doof findet und seine eigenen Vorstellungen hat von einem guten Spiel. Unser Sohn ist 6 Jahre alt.

Während ich die haptische Erfahrung mit Paper, Schere, Kleber und Stift wichtigst finde, denke ich gerade darüber nach, mit welchen Werkzeugen wir die Kreativität unserer Kinder im digitalen Bereich besser fördern können – und zwar so, dass sie da auch Spaß dran haben. Anders ausgedrückt: das Bewegen einer Schildkröte auf dem Bildschirm mittels LOGO wird es nicht mehr sein, sondern eher eine App, die auf dem Tablet das Erstellen eigener Apps ermöglicht, und zwar durch Drag & Drop, Mix & Match und simpelster mathematischer Verknüpfungen – also Flexibiltät gewährleisten ohne zu überfordern. Später dann verkoppelt man diese Apps mit Hardware, die dann Sensorik und ähnliches ermöglichen.

Ich glaube, das hätte Potential. Jedenfalls in unserem Haushalt. Ich werde mal eine Umfrage unter den 6 bis 9-Jährigen erheben und auswerten. Gibt es da schon was bei Kickstarter?

Für alle, die jemals meinen Code lesen durften, klingt dies wie eine fiese Drohung, dessen bin ich mir völlig bewußt. Aber seit ich beim letzten Trendtag 2010 den Vortrag von Douglas Rushkoff Program or be Programmed gehört hatte, dachte ich, daß ich eigentlich echt mal wieder programmieren sollte. Ich habe in den frühen 80ern als Teil der Generation C64 natürlich in BASIC programmiert, aber auch genug Assembler verstanden, um Interrupt-Routinen aus Programmen zu kopieren, um einfachste Kopierschutzverfahren zu umgehen, um eigene kleine Demos zu basteln, was man eben so macht. In den späten 90ern habe ich dann wieder angefangen zu programmieren, was ich eigentlich nicht vorgehabt hatte, aber dann kam das Internet vorbei und HTML alleine war dann zu wenig, also mußten einige CGI-Scripts her, in PERL, später dann PHP, wie sich das damals so gehörte. Hinzu kam, daß ich als Linux-Admin natürlich mit BASH, AWK und vor allem PERL scripten musste, aber ehrlich gesagt war das immer so im Stil von “ein gutes Pferd springt nur so hoch wie es muß” und nach einiger Zeit bin ich dann beruflich in andere Bereiche gerückt und ich habe das Progammieren denjenigen überlassen, die es besser konnten. “Write-only Code” war wohl die beste Bezeichnung für das, was ich abgeliefert habe. Es funktionierte irgendwie und niemand wusste wieso oder wie lange noch.

Gestern abend bin ich über My New Year’s Resolution: Start Coding Again von Fred Wilson auf das Projekt Code Year aufmerksam geworden und habe mich gleich mal angemeldet. Code Year wird von Codecademy veranstaltet, einer Plattform, auf der man Programmieren erlernen kann.

Ich freue mich auf die ersten Lektionen. In meinem Alter denkt man ja immer mehr über dieses lebenslange Lernen nach, von dem alle reden. Noch dazu habe ich endlich mal einen guten Vorsatz, den ich auch einhalten will.