Mein Lieblings-Interneterklärer hat in seiner aktuellen SpOn-Kolumne heute versucht, sich des Themas Warum soziale Netzwerke sich nicht durchsuchen lassen und dabei folgende These vertreten:
Die Suche in sozialen Netzwerken ist absichtlich schlecht gehalten, um das gewünschte Nutzungsschema zu erzwingen.
Was Sascha Lobo anführt, klingt alles nett und schlüssig, trotzdem glaube ich, daß er irrt. Von den professionellen Nutzern, also Community Managern und anderen mal abgesehen, hat niemand die Absicht, in sozialen Netzwerken zu suchen.
Warum auch?
Wenn ich mich mit anderen Leuten unterhalte, dann zählt der Moment, alles was ich mir nicht merke, ist weg, ich kann höchstens noch mal nachfragen. Eine Suche habe ich im richtigen Leben auch nicht, maximal Gesprächsnotizen zum Nachlesen.
Sascha sieht hinter der oft eher wenig nützlichen Suche ein System:
Die Suche führt weg vom erwünschten linearen Medienkonsum. Ohne Suche muss jeder, der etwa auf Facebook Aufmerksamkeit generieren will, ständig aktiv sein; ohne Suche werden nur Inhalte gefunden, die soeben gepostet wurden. So zwingt das Netzwerk seine Werbekunden zur unaufhörlichen Aktivität, zur andauernden Investition in die eigene Facebook-Seite.
Da ist natürlich etwas dran, aber ich glaube, daß die Fokussierung auf Realtime sich eher an die Nutzungsmuster der Menschen anpasst und nicht aufgrund der Monetarisierung so erfolgt ist.
Mal Hand aufs Herz, wer liest wirklich Tweets zu Hashtags nach, wenn man den gemeinsamen TV-Konsum am Abend verpasst hat? Eben. Das Internet vergißt nichts, aber je mehr wir im Internet in Echtzeit kommunizieren, desto weniger kommen wir in die Versuchung, vergangene Gespräche rekonstruieren zu wollen. Wat fott es, es fott. Links werden extrahiert und irgendwo zusammengestellt, Bilder werden in Alben gepackt und Gespräche versickern irgendwo, eigentlich ähnlich, wie es mit unserer Erinnerung auch ist.
Die sozialen Netzwerke verändern die Art und Weise, wie wir im Netz kommunizieren, aber die Echtzeit-Nutzung führt eher zu einer Angleichung an die herkömmliche zwischenmenschliche Kommunikation, alle Vergänglichkeit eingeschlossen.
















