Mit ‘spd’ getaggte Artikel

26. März 2012

Piraten, Piraten, Piraten.

Hach ja, das war doch mal eine interessante kleine Landtagswahl im Saarland. Da bereits vor der Wahl feststand, daß die FDP untergehen und die SPD ihr Heil als Juniorpartner in einer Großen Koalition suchen würde, gab es eigentlich nur ein Thema bei der Wahl: wie gut werden die Piraten abschneiden?

Ich glaube, daß die Wahl im Saarland wieder einmal gezeigt hat, daß immer mehr Menschen immer weniger Interesse daran haben, den vorhandenen Politikstil zu unterstützen. Sicher, die Piraten sind totale Amateure und noch dazu oftmals naiv und stümperhaft, aber sie sind eben anders als die Politikprofis, die seit Jahrzehnten schon die Ämter verteilen und immmer so tun, als wüssten sie alles und könnten alles besser als die Konkurrenz. Wenn dem so wäre, dann hätten wir jetzt in Deutschland andere Sorgen als riesige Schuldenberge, handlungsunfähige Kommunen und so weiter und so fort. Ich frage mich allerdings, wie lange der Elan der Piraten anhält und wie sehr das Beharrungsvermögen der etablierten Parteien und der Verwaltung zu Ermüdungserscheinungen bei den Piraten führen wird. Für mich zeigt der Wahlerfolg der Piraten im Saarland aber auch, daß nicht Netzpolitik das große Thema für die Piraten ist, sondern vor allem das Anderssein als die etablierten Parteien. Die Piraten sagen auch mal, daß sie keine Ahnung haben. Das macht sie sympathisch, aber natürlich auch verwundbar.

Um mich einmal selber zu zitieren:


Das Fundament der Bundesrepublik Deutschland ist solide, aber einzelne Module schreien deutlich nach einem Refactoring. Für eine alternde Gesellschaft ist ein “weiter so!” vielleicht normal, aber für eine moderne oder gar progressive Politik ist es nicht genug. Ich finde, wir müssen uns wieder mehr fragen, warum viele Dinge eigentlich so sind, wie sie nunmal sind und dann darüber nachdenken, wie wir sie verändern können, anstatt sie nur etwas zu optimieren.

Die Piraten werden ordentlich nerven in den Monaten bis zur Bundestagswahl. Sie werden es aber auch sehr schwer haben, mal etwas auf die Reihe zu bekommen und meßbare Ergebnisse zu liefern. Die etablierten Parteien sollten nicht den Fehler machen, die Piraten auf das Thema Netzpolitik zu beschränken, sie sollten aber auch nicht versuchen, sich bei den Piraten und deren Wählern anzubiedern. Es geht um klare Profile und eine vernünftige Auseinandersetzung mit den Themen. Die Piraten werden oft genug interessante Impulse geben, aber dann kommt es darauf an, daraus auch praktikable Politik zu entwickeln. Das Parteiensystem bleibt in Bewegung und das tut allen Beteiligten mal gut.

17. Januar 2012

Zukunftsdialog der SPD-Bundestagsfraktion mit Adhocracy

Um es gleich vorweg zu nehmen: ich finde Adhocracy irgendwie umständlich und wenig intuitiv, man muß viel zu viel clicken oder ich bin zu doof dafür, keine Ahnung. Aber scheinbar gibt es nichts vergleichbares auf dem deutschen Markt, daher finde ich es sehr spannend, daß die SPD Bundestagsfraktion mit Adhocracy versucht, die Themen für den Zukunftsdialog aufzubereiten und zu diskutieren.

Ich engagiere mich bereits jetzt schon ein wenig im Offline-Kreativpakt mit Terminen im richtigen Leben und so, aber nun gibt es das Thema auch online zu diskutieren: Zukunftsdialog – Kreativpakt.

Wie findet ihr es, Themen über Adhocracy zu bearbeiten? Ist das ein Weg, den eine Partei, bzw. in diesem Fall die Bundestagsfraktion der SPD gehen sollte, um mehr Engagement und Input von den Wählern zu bekommen?

22. November 2011

Und jetzt machen wir mal was mit Wahlcomputern

Mal unter uns, jeder hat doch schon mal so einen Moment gehabt. Da kommen die zufriedenen Eltern oder Großeltern an, wollen mal so richtig cool sein, sind stolz wie Bolle, präsentieren irgendetwas und ernten entsetzte Blicke. So muß es gerade den Verantwortlichen im Willy-Brandt-Haus gehen, die dachten, der Einsatz von Wahlcomputern beim kommenden Bundesparteitag sei eine total tolle, moderne, vielleicht sogar coole Sache. Ist ja was mit Computern. Machen die jungen Leute ja so, heutzutage.

Aaaargh. Mentale Frühvergreisung ist echt keine Frage des Alters. Wie kann man nur auf die bescheuerte Idee kommen, nach der Debatte um Wahlcomputer in den letzten Jahren jetzt meinen zu müssen, daß man aus Gründen der Effizienz beim Bundesparteitag nicht mehr mit Papier abstimmen will?

Ich bin echt sprachlos. Ich habe gestern abend davon erfahren und wußte nicht, ob ich lachen, weinen oder enfach nur mit dem Kopf auf die Tischplatte knallen soll.

Ich kann es verstehen, daß jemand auf die Idee kommt und sich denkt “hey, praktisch, das testen wir mal.” – aber wieso fällt niemandem im Willy-Brandt-Haus auf, daß Wahlcomputer aus irgendwelchen Gründen immer noch kein Standard sind? Warum wird niemand gefragt, der sich damit auskennt? Oder einfach mal bei Google nach Wahlcomputer gesucht?

Jetzt haben wir den Salat, die anderen Parteien haben sich das Popcorn bereitgestellt und gucken hämisch amüsiert zu, wie sich die SPD zwei Wochen vor ihrem Bundesparteitag lächerlich macht. Da können noch so tolle netzpolitische Grundsätze verabschiedet werden, aber die Partei macht sich erst mit Vorratsdatenspeicherung lächerlich und jezt auch noch mit Wahlcomputern. Ich kann es den anderen Parteien nicht verdenken, ich hätte es genauso gemacht, die Vorlage ist einfach zu schön.

Aber, hey, so ist es eben, wenn man einen großen Tanker zu Kursänderungen bewegen will. Das geht nicht von jetzt auf gleich, das dauert seine Zeit. Die Netzpolitiker in der SPD sind sich auch des edukativen Auftrags bewußt und wir werden auch dieses Thema allen so lange erklären, bis sie es verstehen. Und natürlich hoffen wir, daß in der SPD mal verstanden wird, daß man lieber mal jemanden fragen sollte, der sich mit diesem Digitaldings auskennt, bevor man wieder irgendenen Unfug veranstaltet. Es ist dann doch wohl so wie mit der heißen Herdplatte, da müssen erst mal alle draufpatschen, bis sie verstehen, daß es weh tut.

Wahlcomputer beim Bundesparteitag, hier macht man was mit. Wenigstens wird es nie langweilig werden mit der SPD.

22. November 2011

GK Netzpolitik der SPD lehnt Vorratsdatenspeicherung ab

Die Vorratsdatenspeicherung ist irgendwie die Untote unter den Vorhaben, die unnütz sind, von denen sich aber gerade die Innenpolitiker viel versprechen. Anders ist es nicht zu erklären, warum es in der SPD jetzt zu der absurden Situation gekommen ist, daß für den Anfang Dezember stattfindenden Bundesparteitag ausschließlich Anträge gegen die Vorratsdatenspeicherung eingebracht wurden, die Antragskommission sich aber entschieden hat, einen Antrag für die Vorratsdatenspeicherung zu formulieren. Innerhalb der SPD gibt es einen längeren Diskussionprozeß, aus dem bereits ein Kompromiß-Antrag des GK Netzpolitik zur Vorratsdatenspeicherung resultierte. Leider wurde dies von der Antragskommission ignoriert. Deshalb haben wir gestern im Gesprächskreis Netzpolitik der SPD beschlossen, unsere Ablehnung der Vorratsdatenspeicherung deutlich zum Ausdruck zu bringen:

Der SPD-Gesprächskreis Netzpolitik und Digitale Gesellschaft unterstützt den Juso-Antrag zur Ablehnung der Vorratsdatenspeicherung
Der Gesprächskreis Netzpolitik und Digitale Gesellschaft beim SPD-Parteivorstand empfiehlt, dem Vorschlag der Antragskommission zur Vorratsdatenspeicherung auf dem SPD-Bundesparteitag nicht zu zustimmen. Eine anlasslose und verdachtsunabhängige Speicherung von Telekommunikationsverkehrdaten auf Vorrat, mit denen Bewegungs- und Kommunikationsprofile erstellt werden können, lehnt der Gesprächskreis Netzpolitik ab. Wir haben in einem langen und schwierigen Diskussionsprozess versucht, einen Kompromiss zwischen Innen-, Rechts- und Netzpolitikern zu finden und haben von unserer Seite konkrete Vorschläge unterbreitet. Leider hat die Antragskommission mit der Vorlage ihres Antrages zur Vorratsdatenspeicherung diese Kompromisse nicht aufgegriffen. Es wird damit zur strittigen Abstimmung auf dem Parteitag kommen. Der Gesprächskreis Netzpolitik fordert die Delegierten des Parteitages auf, gegen den Antrag I30 (in der Fassung der Antragskommission) zu stimmen. Stattdessen empfehlen wir, dem Antrag des Juso-Bundesvorstandes zur Ablehnung einer anlasslosen und verdachtsunabhängigen Vorratsdatenspeicherung zuzustimmen.

Bevor jetzt wieder die üblichen Verdächtigen anfangen, irgendetwas von Verräterpartei zu brüllen, würde ich gerne darauf verweisen, daß dies unter BILD-Niveau ist und daß die SPD in den letzten zwei Jahren einen ordentlichen Lernprozeß durchlaufen hat, worunter u.a. die Ablehnung der Netzsperren, aber auch die Forderung nach Netzneutralität und der Einordnung von Breitband als Universaldienst zählen. Aber, wie man an der Diskussion um die Vorratsdatenspeicherung sehen kann, es ist noch lange nicht alles erreicht.

[ via SPD-Netzpolitiker unterstützen Antrag gegen Vorratsdatenspeicherung | Henning Tillmann ]

11. November 2011

Internet bedeutet Fortschritt – das sollte die SPD beherzigen

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 10/2011 der Neuen Gesellschaft / Frankfurter Hefte erschienen als Debattenbeitrag zur Fortschrittsdiskussion innerhalb der SPD.

Internet und Fortschritt sind eng miteinander verknüpft, nur ist dies scheinbar außerhalb des Erfahrungshorizontes der Partei. Das Internet stellt die größte Umwälzung seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges dar und verändert damit massiv die Art und Weise, wie wir in Zukunft leben und arbeiten werden. Das Internet und die damit ausgelösten Disruptionen ziehen sich quer durch alle Branchen und Lebensbereiche, d.h. gerade auch eine Partei muss sich mit dem Thema auseinandersetzen und Potenziale und Risiken eruieren, die daraus entstehen.

Die Entwicklung ist rasant, vielleicht zu rasant für die SPD? Die Partei ist überaltert, nicht erst seit gestern, und sie pflegt einen Organisationsstil, der schon lange nicht mehr zeitgemäß ist. Da ist es kein Wunder, dass das Internet nicht die Beachtung findet, die es eigentlich verdient. Die Partei zeigt derzeit bei der Debatte um den Fortschrittsbegriff vor allem, dass Technokraten großen Einfluss haben – Detailtiefe geht vor Weitsicht.

Dabei ist das Internet eigentlich zutiefst sozialdemokratisch. Nur leider scheinen die Genossen das immer noch nicht zu realisieren. Einige wichtige Stichpunkte:

Wissen und Bildung

Das Internet macht Wissen verfügbar und erleichtert den Zugang zu Wissen ganz erheblich. Jahrzehntelang war dies eine der zentralen Forderungen der SPD und nun löst das Internet es ganz nebenbei ein. Der Preis dafür ist, dass herkömmliche Strukturen der Wissensvermittlung es künftig schwer haben werden. Das Internet sorgt gerade für eine massive Revolution des Bereichs Bildung und Wissenschaft, stellt tradierte Modelle der Wissensvermittlung in Frage und schafft einen neuen, riesigen Markt im Bereich E-Learning, E-Books und Online-Collaboration. Dabei rückt der Staat aktuell in den Hintergrund und lässt Fir- men als Akteure den gesamten Bereich neu definieren. Ich vermisse hier die Ein- mischungen sozialdemokratischer Bildungspolitiker, die über ein »Ich sehe die Entwicklung kritisch« hinausgehen. Natürlich spielt auch das Urheberrecht hier eine große Rolle und die SPD täte gut daran, Konzepte wie Creative Commons endlich einmal breit angelegt zu diskutieren .

Arbeit

Deutschland ist ein Land ohne nennenswerte Rohstoffe – wir wissen schon lange, dass das große Kapital unseres Lan- des gut ausgebildete Menschen sind. Kein Wirtschaftszweig ist sowenig abhängig von Rohstoffen wie die Internetwirtschaft – hier werden Werte geschaffen, die vor allem in den Köpfen der Mitarbeiter entstehen. Eigentlich ideal für ein Land wie Deutschland. Dennoch hat die Bundesrepublik in den letzten zehn Jahren den Anschluss massiv verpasst und beklagt jetzt die immer größer werdende Abhängigkeit von den USA, da dortige Unternehmen den Takt vorgeben und den Rahmen global definieren. Zu lange wurde hierzulande die Hoffnung in die existierende Großindustrie gesetzt, die sich aber nahezu komplett blamiert hat mit ihren Internet-Aktivitäten. Fortschritt bedeutet, dass wir die Menschen in die Lage versetzen, ihr Wissen anzuwenden, Firmen zu gründen, Mitarbeiter einzustellen und damit gutes Geld zu verdienen.

Die SPD muss dafür einen Rahmen schaffen und dafür sorgen, dass ein gutes Klima für Ansiedlungen und Investitionen in Deutschland für die Internet-Branche geschaffen wird. Auch über die Internet-Branche hinaus wird die Arbeitswelt durch das Netz maßgeblich verändert, nicht nur durch die Schnelligkeit des Mediums, sondern auch über die Möglichkeiten, kollaborativ über Standorte hinweg zusammenzuarbeiten. Das Internet spielt aber nicht nur eine bedeutende Rolle bei der Entstehung von Arbeitsplätzen der Zukunft – es sorgt auch dafür, dass Arbeitslose leichter wieder einen Job finden, beispielsweise durch E-Learning-Angebote und Online-Jobbörsen.

Der altertümliche Begriff der Telearbeit sollte ebenfalls noch einmal neu diskutiert werden und die SPD könnte sich einmal überlegen, welche Auswirkungen es hat, wenn Arbeitnehmer ortsungebunden und zeitversetzt ihrer Arbeit nachgehen können, trotzdem aber in die Arbeitsprozesse eines Unternehmens eingebunden sind. Selbstbestimmtes Arbeiten – wäre das nicht mal ein interessantes Thema für die SPD?

Gesellschaft

Das Internet ist ein globales Phänomen, hat aber eine sehr starke Verankerung im Lokalen. Der Informationsfluss verändert sich massiv, Freunde, Familie und Kollegen sorgen massiv dafür, dass die Aufmerksamkeit des Einzelnen sich auf für ihn relevante Themen konzentriert. Das Teilen von Informationen macht das Internet zu einem sehr schnellen Informationsmedium – dagegen kommt kein Rundbrief eines Ortsvereins an.

Wie verändert sich die Gesellschaft, wenn die Smartphone-Durchdringung weiter zunimmt? Wie kann man Senioren durch das Internet zu mehr Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermuntern? Wie kann man die Bürger durch Transparenz und Ideen wie Open Data mehr in politische Entscheidungen, insbesondere auf kommunaler Ebene einbinden? Warum erörtert die SPD all diese Fragen nicht und formuliert daraus einen Fortschrittsbegriff? Die Auswirkungen auf die Gesellschaft werden massiv sein, wenn die Politik es nicht schafft, das Internet flächendeckend für alle gesellschaftlichen Schichten verfügbar zu machen und zur Nutzung ermuntert.

Fortschritt ohne Internet ist nicht möglich

Die SPD hat immer noch massive Berührungsängste und will nicht verstehen, dass das Internet alle Bereiche des politischen Handelns durchzieht und Disruptionen verursacht, auf die die Politik nicht ansatzweise vorbereitet ist. Das Internet entwickelt sich rasant, daher sollte die SPD nicht versuchen, den Entwicklungen der letzten Jahre hinterherzuhumpeln, sondern den großen Wurf wagen. Wo bleibt die Forderung nach einem Glasfaseranschluss für jeden Haushalt? Warum reden wir nicht von Gigabit-Ethernet für alle? Bei Infrastrukturthemen muss der Staat der Schrittmacher sein, nicht die Wirtschaft. Der Rundfunk gehört neu sortiert und der Ballast der 70er und 80er Jahre über Bord geworfen. Wenn wir eine öffentlich-rechtliche Grundversorgung wollen, dann kann der Maßstab nicht Senioren- TV sein, sondern das gezielte Ansprechen von Zielgruppen über das Internet.

Die SPD tut gut daran, sich einfach mal zu überlegen, wie Deutschland aussehen würde, wären nicht mehr als 70 % der Bundesbürger online. Wir wären international abgehängt. Deutschland würde ein wichtiger Wachstumsmotor fehlen, viele fähige Köpfe würden im Ausland bessere Rahmenbedingungen finden. Daher gilt es, einen Fortschrittsbegriff zu entwickeln, der dafür sorgt, dass sich die Gesellschaft weiterentwickelt, die Arbeit selbstbestimmter wird und lebenslanges Lernen wieder mehr in den Fokus rückt. Das Internet ist der große enabler, aber natürlich bricht vieles auch mit den Gewohnheiten. Ist das so schlimm? Fortschritt muss auch bedeuten, Dinge hinter sich lassen zu können. Dies ist die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts – und wer sonst, wenn nicht die SPD sollte einen Fortschrittsbegriff entwickeln können, der die Gesellschaft zusammenhält, die Starken und die Schwachen ebenso mitnimmt und dabei immer im Blick hat, dass Teilhabe gewährleistet sein muss?

Parteiarbeit 2.0

Die SPD beginnt erst jetzt, und sehr zögerlich, die Möglichkeiten des Netzes für die Parteiarbeit zu entdecken. »Da kann ja jeder kommen!« trifft hier seit Jahren auf »Das haben wir schon immer so gemacht.« – eine Diskussion über eine modernere Struktur für die politische Meinungsbildung innerhalb der Partei und über die Möglichkeiten zur Mobilisierung ist dringend überfällig. Hier sieht man derzeit am Deutlichsten, wie sehr Anspruch und Wirklichkeit bei der Partei auseinanderklaffen. Die Öffnung von spd.de bleibt bislang ohne wirkliche Folgen, eigentlich müssten Mitglieder dort virtuell Schlange stehen, um sich einzubringen, um nur ein Beispiel von vielen zu nennen.

Wenn die SPD sich wirklich des Themas Fortschritt annehmen will, dann müssen die Spitzen der Partei vorneweg laufen und die Mitglieder mitnehmen, dazu ge- hört aber auch, dass endlich erkannt wird, dass das Thema Internet nicht nur ein Thema für die jungen Leute und die Computerfreaks ist, sondern Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft hat und mit einer entsprechenden Priorität behandelt werden sollte. Wenn die SPD die Partei des Fortschritts sein will, wird es Zeit, das Internet zentral im neuen Fortschrittsbegriff zu verankern.