52 Bücher – Nr. 23: Play Bigger: How Rebels and Innovators Create New Categories and Dominate Markets

Ich setze mich beruflich seit vielen Jahren mit einem Thema auseinander: was muss eine sehr junge Firma tun, um stark zu wachsen und ein profitables Geschäft zu entwickeln? Beim next media accelerator treibt uns diese Fragestellung zweimal im Jahr um, wenn wir einen neues Batch zusammenstellen und 5 Teams einladen, zu uns nach Hamburg zu kommen, damit wir gemeinsam daran arbeiten können, dass das Startup schneller wächst.

play_biggerPlay Bigger: How Rebels and Innovators Create New Categories and Dominate Markets widmet sich der Herausforderung eines jeden Startups, sich im Markt optimal zu positionieren. Dabei ist die Idee hinter Play Bigger so charmant wie einfach nachvollziehbar. Indem man eine neue Kategorie aufmacht, erschwert man die Vergleichbarkeit, definiert die Alleinstellungsmerkmale und prägt damit die Kategorie, die man fortan versuchen sollte, zu dominieren. Beispiele dafür gibt es viele, Instagram fällt mir sofort ein, denn die lassen weiterhin alles andere mit Fotos auf dem Smartphone alt aussehen, aber auch die Einführung des iPhone zeigt deutlich, was passiert, wenn man die Kategorie neu erschafft und danach definiert und dominiert.

Wenn man das Buch gelesen hat, dann fragt man sich schon, wie einfallslos viele VC-Firmen sind, die getrieben von Schwarmdummheit dafür sorgen, dass immer wieder Firmen mit viel Kapital ausgestattet werden, um dem Kategorie definierenden Startup hoffnungslos hinterher zu laufen.

Die Autoren haben das Erschaffen von Kategorien und das Dominieren von Märkten zu ihrem Modell gemacht, weil sie es vorher in der Praxis erfolgreich umgesetzt haben. Leider schwingt immer wieder beim Lesen des Buches mit, wie toll sich die Autoren finden, weil sie so erfolgreich waren und sind. Etwas mehr Zurückhaltung hätte dem Buch gut getan, zumal es viele Beispiele gibt, bei der diese Herangehensweise gut funktioniert hat, die aber nicht unter Mitwirkung der Autoren umgesetzt wurden.

Play Bigger: How Rebels and Innovators Create New Categories and Dominate Markets

Hausmitteilung: Was mit Medien und Beschleunigung

Es wird mal wieder Zeit für einen beruflichen Tapetenwechsel. Nach zwei Jahren Selbständigkeit werde ich künftig als COO des Next Media Accelerator in Hamburg arbeiten. Gemeinsam mit der dpa und namhaften Investoren haben wir diesen neuen Accelerator in Hamburg gestartet.

Ich freue mich wahnsinnig auf die Aufgabe. Ich bin jetzt seit 20 Jahren online und ein Thema zieht sich wie ein roter Faden durch alles, was ich seitdem beruflich getan habe: die Veränderung der Medien und der Kommunikation durch digitale Technologien. Es gibt kaum etwas, das ich spannender finde, als frühzeitigst neue Startups zu identifizieren, die neue Produkte an den Markt bringen wollen.

Ich mag es, ein Startup-Trüffelschwein zu sein.

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Wir werden zwei Mal im Jahr je 5 Startups zu uns ins betahaus holen und ihnen dabei helfen, möglichst schnell zu wachsen. Das tun wir, indem wir Grundlagen vermitteln in wichtigen Bereichen wie Online Marketing, PR und Branding, aber auch indem wir die Finger in die Wunden legen und dabei helfen, das jeweilige Produkt noch besser zu machen. Zu unserem Angebot gehört natürlich auch ein großes Netzwerk an Mentoren und Partnern. So bieten Facebook, Google, Twitter, Amazon, IBM und andere kostenlose Dienste wie z.B. Cloud-Nutzung für unsere Startups an, die unser Angebot noch zusätzlich attraktiv machen. Je nach gewähltem Paket bekommen Startups bei uns 25.000 € oder 50.000 € und geben dafür 5 % bzw. 10 % der Firmenanteile an uns ab. Für 3 % Anteile bieten wir Bürofläche, Netzwerk und alles, was dazu gehört, aber keine finanzielle Unterstützung.

Unser Ziel ist es, dass wir die besten jungen Startups im Bereich Medien identifizieren und zu uns holen. Es geht um Inhalte, Werbung, Technologie und Dienstleistungen – also alles, was spannend ist und sich andauernd verändert. Das Programm für die Startups läuft 6 Monate und wir setzen darauf, dass wir möglichst für jedes Startup eine Folgefinanzierung hinbekommen werden in diesem Zeitraum.

Ich bedanke mich schon jetzt für viele tolle Bewerbungen beim Next Media Accelerator!

Die Sache mit Silicon Valley und Europa

Helft mir mal beim Denken, bitte. Ich formuliere mal drauf los und hoffe, dass aus meinen noch nicht ansatzweise zu Ende gedachten Gedankengängen vielleicht etwas entsteht, auf dem man aufbauen kann.

Die Bilder der letzten Woche könnten unterschiedlicher nicht sein. Ziemlich zeitgleich fand in Austin die SXSW statt, während in Hannover die CeBIT die Besucher anlockte. Ich war bei keiner der Veranstaltungen, aber natürlich wäre ich lieber in Austin gewesen, als mir in Hannover unzählige Hallen vollgestopft mit Vertrieblern in schlecht sitzenden Anzügen mit fiesen Krawatten anzugucken. Ja, ich weiss, die CeBIT bemüht sich gerade wirklich und will den Anschluß wieder herstellen, das ist mir alles klar. Aber dennoch war sehr deutlich, wo die Musik spielt und wo vor allem die relevanten Internet-Unternehmen präsent sind: in Austin.

Die Bilder haben bei mir dazu geführt, dass ich noch mehr als sonst über das Verhältnis USA und Europa nachgedacht habe im Kontext der wirtschaftlichen Komponente der Digitalisierung. Wir wissen alle, dass im Silicon Valley die Musik spielt. Dort sind die relevanten Internetfirmen nicht nur zu Hause, sondern dort ist auch das Geld vorhanden, um neue Startups schnell groß zu machen. Natürlich ist dort auch ein Überangebot an Talent versammelt, vielleicht so wie es für die Filmschaffenden Hollywood ist oder für die Musikbranche New York City oder LA. Musik ist ein gutes Stichwort, nicht nur wegen „if you can make it here, you can make it everywhere“, was natürlich auf New York City bezogen war, sondern auch, weil es das Dilemma widerspiegelt, in dem sich die europäischen Internet-Startups befinden. Wenn ich mal deutlich vereinfache, dann sehe ich starke Parallelen zwischen den Internet-Startups und der Musikbranche in den 50er/60er-Jahren. Die wesentlichen Impulse, wenn man mal von der British Invasion mit den Beatles, den Rolling Stones und ein paar anderen absieht, kamen aus den USA. Elvis Presley, die Beach Boys, The Doors, Jimi Hendrix und viele andere, brachten das Establishment durcheinander und fanden genügend Konsumenten, die ihre Musik hören wollten. Gleichzeitig gab es in Deutschland seit den 50er Jahren immer wieder Nr. 1 Hits, die lediglich eine deutschsprachige Variante eines amerikanischen Hits darstellten. Sicher, auch Freddy Quinn hatte mal einen Auftritt in der Late Night Show von Johnny Carson und Jahre später hatte Nena mal einen Nr. 1 Hit in den USA und Kraftwerk oder Rammstein sind quasi das Pendant zu SAP, aber worauf ich hinaus will ist folgendes: die Popkultur ist dominiert von den USA, egal ob wir jetzt von Musik oder Internetfirmen reden. Wenn man so will, hat das Nachahmen eine gewisse Tradition und ist von der Musik zur Internetbranche rübergeschwappt.

Das hat natürlich Auswirkungen und macht es bei globalen Märkten schwierig, direkt zu konkurrieren, weil die Größe des amerikanischen Heimatmarktes ganz andere Entwicklungen ermöglicht, als der vergleichsweise kleine deutsche Markt. Dennoch blickt die deutsche Internetbranche stets in Richtung Silicon Valley, als sei es das gelobte Land, in dem Milch und Honig fliessen. Es werden Reisen für Gründer organisiert, damit sie mal die Luft im Silicon Valley schnuppern können, als sei es die moderne Adaption von Disneyland und es gibt den German Silicon Valley Accelerator (GSVA), damit deutsche Startups mal für ein paar Monate im Silicon Valley arbeiten können. Der damit verbundene Erkenntnisgewinn ist immer derselbe: im Silicon Valley ist mehr Geld, die enge Vernetzung für unzählige Kooperationen, der Konkurrenzdruck ist riesig, Deutschland ist weit weg und spielt keine Rolle, die Kosten sind enorm und die Risikobereitschaft aller Beteiligten um ein Vielfaches höher.

Was ist bislang die Reaktion auf diese Marktsituation? Die Branche fällt hintenüber vor Freude, sobald ein amerikanischer Investor in Deutschland investiert. Ansonsten fokussieren sich alle auf eCommerce und Advertising, weil die dahinterliegenden Monetarisierungsmodelle bekannt sind und der Markt verstehbar ist. Ein Proof-of-Concept in den USA ist für deutsche Risikokapitalgeber immer noch die beste Versicherung, dass das Geld gut angelegt ist. So entstehen unzählige Firmen, die irgendwas in eine Box packen und dies verschicken, oder die rechtzeitig vor dem Markteintritt einer amerikanischen Firma versuchen, sich in Deutschland so weit auszubreiten, dass der Markteintritt wenigstens teuer für die amerikanische Firma wird, weil er nur durch eine Übernahme gelingen kann. Technologisch Innovative Firmen, die neue Geschäftsideen umsetzen, haben es vergleichsweise schwer in Deutschland und sind natürlich einer globalen Konkurrenz ausgesetzt, wobei sie allein schon durch die unterschiedliche Investitionshöhe leicht ins Hintertreffen geraten. Mir geht es jetzt überhaupt nicht darum, den eCommerce zu diskreditieren, in keinster Weise und ich finde es auch interessant, wie Rocket Internet und andere diese Modelle wiederum exportieren in andere Märkte, aber ich sehe eben auch, dass seit der Etablierung der MP3 kaum technische Innovation aus Deutschland den Weg in den Massenmarkt gefunden hat.

Gleichzeitig haben wir diese wundervolle Errungenschaft, die sich Europäische Union nennt und einen riesigen Binnenmarkt mitbringt. Nur leider nutzen wir diesen Markt kaum, was sicherlich auch an der Zerklüftung des Marktes und den unterschiedlichsten Herausforderungen in den einzelnen Ländern liegt. Im Vergleich mit den USA stehen wir allerdings in der Größe des Marktes gut da und müssten daher daran arbeiten, die Vorteile dieses Binnenmarktes stärker zu nutzen, um eine eigenständigere Entwicklung der Internetbranche zu ermöglichen. Dabei geht es mir nicht um Protektionismus oder ein europäisches Internet, sondern primär darum, dass wir in Europa uns beim Zukunftsmarkt der digitalen Wirtschaft mehr als bislang auf die eigenen Stärken konzentrieren. Also beispielsweise anstatt junge Unternehmer ins Silicon Valley zu schicken, würde ich eher Verbindungsbüros in den wichtigsten europäischen Märkten etablieren, um das pan-europäische Business Development zu erleichtern. Parallel dazu würde ich die bereits vorhandenen EU-Fördergelder nicht mehr einsetzen, um ein Internet-Firmen in einer Region zu fördern, sondern um deren pan-europäische Entwicklung zu beschleunigen.

Aber zu allererst müssen wir wohl daran arbeiten, dass sich das Mindset verändert und wir mehr über die Vorteile von Europa reden und weniger über die Verheissungen des Silicon Valley.

Konferenz für Gründer: Capital on Stage

Capital on StageAm 14. September findet in Amstedam die Konferenz Capital on Stage für Gründer und VCs statt, die ein etwas anderes Konzept verfolgt, als man es normalerweise kennt. Bei Capital on Stage pitchen nicht die Gründer, weil sie VC-Investments haben wollen, sondern die VCs buhlen um die Gunst der Gründer.

Ich habe mit Arjen Strijker dazu gesprochen, der die Konferenz organisiert:

What is the idea behind Capital on Stage?

At most conferences around funding, Startups pitch themselves to VCs, while VCs remain rather anonymous. Both Sander and I felt it would be great if we could somehow turn things around and do exactly the opposite of what you’d normally experience at traditional events around funding. that investors would present themselves to Startup founders for a change. This setup guarantees that Startup founders gain a strong idea about what funding is about and which investors they’d prefer to work with.

Is dealsourcing broken? Shouldn’t VCs find the right companies?

Dealsourcing is not broken, but our conference isn’t just about dealsourcing. We feel the relationship between a founder and her investor is a very important driver of success of the company. It’s easy for VCs to get to know startups and develop a preference for which ones they would want to work with. However, founders are easily tempted to work with any VC that’s willing to provide the cash. We want to give founders the opportunity to get to know more investors and develop a preference themselves.

Why do you only invite the founders and CEOs of startups?

We wanted to make Capital On Stage a very high quality conference. It’s not about the numbers, but about relevance. Founders are the ones that are most passionate and engaged with their company. They are the ones with the strongest vision about how the company should evolve, and they’re the ones dealing with investors, if they choose that route. So when we have a bunch of top-notch investors flying to Amsterdam to present themselves, we feel the audience should consist of only those people they’d typically work with.

If I had a startup, why should I come to Amsterdam for Capital on Stage?

Startups are typically innovative businesses that require a certain amount of financing. The relationship between investors and founders is one of those things that can make or break the company. Therefore, a founder should be careful about which investors she’d like to attract. Capital On Stage is a great opportunity to get to know a lot of them. You can see them present themselves on stage, as well as book 20-minute meetings with them, during our Open Office Hours in the morning. Oh, and once you get selected, a ticket will only cost 25 Euro.

Startups können sich einladen lassen, aber nur Gründer und Geschäftsführer dürfen sich bewerben. Viel Erfolg!

Deutschland läuft digital hinterher

Der von mir sehr geschätzte Stefan Glänzer vertritt in der FAZ den Standpunkt Europa hat in der digitalen Medienwelt den Anschluss verpasst. Stefans Artikel kann ich vollumfänglich unterschreiben, dennoch will ich den Kern seiner Aussage hier noch einmal anführen, um dann noch einige ergänzende Punkte hinzuzfügen:

Um in der digitalen Welt Erfolg zu haben, sind fünf Dinge nötig: Gründer, Universitäten, Investoren, große Webfirmen und die Möglichkeit, erfolgreiche Firmen zu verkaufen. Alle diese Faktoren liegen im Silicon Valley auf wenigen Quadratkilometern dicht beieinander. Diese Nähe werden wir niemals herstellen können in Europa.

Sicherlich werden wir nicht das Silicon Valley nachbauen können, aber ich glaube auch nicht, daß es so sehr darauf ankommt. Viel mehr brauchen wir an aller erster Stelle einen Gründer-Spirit, der dafür sorgt, daß junge Menschen sich nicht überlegen, bei welcher großen Firma sie nach dem Studium unterkommen, sondern wie sie selber ihre Ideen verwirklichen können. Aus Ideen entstehen die großen Dinge, nicht weil man mit einem tollen Multiple die Firma nach wenigen Jahren “flippen” will. Die große Zurückhaltung der Investoren, auch in Deutschland wirklich neue Ideen zu finanzieren, führt ja letztendlich dazu, daß der Proof-of-Concept bei Startups gleich mitgeliefert wird, indem eine Kopie eines amerikanischen Startups entwickelt wird. Diese Kopien haben nahezu immer das Problem, daß sie im Vergleich zum Original wenig attraktiv sind und die Innovationsgeschwindigkeit des Originals nur schwer mitgehen können. Wenn man das dann noch mit dem Fehlen eines M&A-Marktes paart, der eigentlich die Exits ermöglichen soll, die VC-getriebene Unternehmen verlangen, dann sieht man einen deutlich dünneren Markt als in den USA, der kaum Firmen von internationalem Kaliber hervorbringen wird.

Das Internet tickt global, es werden global die Maßstäbe gesetzt und diese werden durch die über Startups erfolgende Disruption auch immer wieder neu definiert. Ein europäischer Fokus wäre in der Tat spannend, aber den sehe ich aktuell abgesehen von ein paar Ausnahmen überhaupt nicht. Der deutsche Markt entwickelt sich zu einem Markt, bei dem einige wenige Akteure mit wenig Kapital ausgestattet auf globale Entwicklungen reagieren und somit dem Markt hinterherlaufen.