Archives For strategie

Gestern erschien bei SPON ein Artikel von Stefan Schultz mit dem Titel Fehlende Mobil-Strategie: Smartphone-Boom bedroht Facebooks Geschäft und während Schultz erläutert, wie mies derzeit der Aktienkurs ist und wie generell anders die mobile Nutzung sein könnte, kommt er nicht umhin, einfach mal nur die eine Seite der Medaille zu sehen:

Facebooks Aktienkurs schwächelt seit dem Börsengang. Wenn in dieser Woche Mitarbeiter des Netzwerks Papiere verkaufen, droht das nächste Tief. Der Sinkflug zeigt ein grundlegendes Strategieproblem: Die Smartphone-Revolution bedroht Facebooks Werbegeschäft – die Lösung fällt dem Unternehmen schwer.

Ich glaube, dass andersrum ein Schuh daraus wird. Die Smartphone-Revolution bietet völlig andere Möglichkeiten, von denen die meisten allerdings erst entwickelt werden müssen. Da steht Facebook wie viele andere Firmen auch vor der Herausforderung, rechtzeitig die richtigen Dinge zu tun. Das ist aber per se erst einmal keine Bedrohung, sondern bietet eine ordentliche Chance.

Gestern hat Facebook auf der GDC Europe mal ein paar Zahlen zum neuen App Center verkündet und da kann man schon deutlich einen Strategie-Ansatz erkennen:

And the App Center, Facebook’s newly revamped app marketplace launched in May, is now seeing 150 million monthly users, with 2.4 times more installs of apps compared to Facebook’s old directory/dashboard and a next-day return rate of 35% to those apps after the first install (17% likely to return within a week).
[...]
Another stat points to some of Facebook’s mobile strategy: In July, Facebook says it referred people to Apple’s App Store and Google Play more than 170 million times, through links that appear in people’s timelines when their friends are playing Facebook-connected games. This is a development on a theme: Facebook is already known as a major traffic referral generator, often coming in second only to Google search in terms of driving traffic to websites via links in people’s timelines, fan pages and other features. And in those instances where people are not playing directly on Facebook itself, Facebook wants to have the same role with mobile apps.

Facebook: Try These GamesWenn man nur halbwegs davon ausgeht, dass die App Economy massiven Umsatz bringt, dann kann man erkennen, wie Facebook in den nächsten Jahren den mobilen Traffic nutzen wird, um ordentlich Geld zu verdienen. Wenn allein im Juli 170 Millionen Mal Nutzer in die App Stores von Apple und Google geschoben wurden, dann kann man davon ausgehen, dass Facebook diesen Traffic auch monetarisieren können wird. Der App Center ist allerdings nur ein Teil einer erkennbaren Strategie, Facebook wird es sich weiterhin zu Nutze machen, dass auf die Smartphone die Aufmerksamkeit des Nutzers anders ist als im Web. Prominent eingeblendete Verbraucherinformationen werden ganz anders wahrgenommen und können durchaus Impulse setzen.

Ich gehe davon aus, dass die Kombination von Mobile und Social dafür sorgen wird, dass Facebook ein immens großer Treiber für App-Downloads werden wird – und das ist ein Markt, der aktuell noch in den Kinderschuhen steckt und wo es zwar viele Anbieter gibt, aber kein einziger den Traffic so liefern kann wie Facebook. Selbst wenn das alles nicht funktionieren sollte, kann Facebook aufgrund der Nutzungsstruktur seiner mobilen Nutzer immer noch oft genug großflächige Werbung beim Starten der App einbinden, ohne die Nutzer nachhaltig zu nerven.

Wenn man mal anfängt, über Mobile nach zudenken, dann sieht man, dass das alles keine Gefahr für Facebook ist, sondern ein logischer weiterer Schritt in der Entwicklung der Firma. Als ersten Schritt wird Facebook Werbetreibenden App Downloads liefern und damit mal eben einen Markt erschliessen, der seit 3 Jahren von unzähligen Akteure beackert wird, wo aber alles immer noch Kraut & Rüben ist. Diese Entwicklung wird sich auch im Aktienkurs niederschlagen, da bin ich mir sicher. Und dann geht es munter weiter. Man darf nicht vergessen, dass Facebook derzeit immer noch der massive Treiber einer Entwicklung ist und selber definiert, wann was wie gemacht wird und nicht wie andere Akteure mühevoll hinterherhumpeln. Facebook hat noch keine vollständig umgesetzte mobile Strategie, aber die ersten Bausteine sind bereits jetzt sichtbar.

Follow me!Vor einigen Wochen hat mir Galileo-Computing ein Rezensions-Exemplar des Buches Follow me! zugeschickt. Um es kurz zu machen: das Buch ist ein gutes Einsteiger-Handbuch für Social Media.

Wenn man sich als Dienstleister oder Werbetreibender mit dem Thema Social Media auseinandersetzen will, muß oder gar darf, und einfach mal kompakt einen Überblick gewinnen will, dann ist dieses Buch wirklich empfehlenswert. Wer aber bereits etwas Erfahrung im Bereich Social Media hat, für den ist dieses Buch eher zu oberflächlich. Beim Lesen habe ich immer wieder innerlich genickt und gedacht “ja, genauso hätte ich es auch empfohlen”, was mich natürlich darin bestärkt, daß dieses Buch gut und hilfreich ist.

Allerdings wäre mir etwas mehr Tiefgang an der einen oder anderen Stelle schon wichtig gewesen, denn Follow me! erklärt zwar anschaulich, was man alles tun sollte, um eine gelungene Social Media Präsenz hinzubekommen, aber was dann kommt, das fehlt leider total. Oder andersrum: nach der Lektüre des Buches sollte man lieber bei seiner Agentur anrufen und sagen “ok, die Basics habe ich verstanden, was machen wir jetzt genau?” – ansonsten steht man evtl. doof da mit seiner Social Media Präsenz und weiss nicht weiter, denn das ist außerhalb des Rahmens des Buches. Netterweise sind die Beispiele des Buches nahezu allesamt aus dem deutschen Sprachraum und erstaunlich aktuell, noch dazu decken sie quasi das gesamte Spektrum der in Deutschland genutzten und verfügbaren Dienste ab, von Blogs über Twitter, Facebook und Youtube bis zu XING ist eigentlich alles dabei.

Follow me! ist aktuell als Einsteiger-Handbuch für Social Media absolut empfehlenswert. Wer mehr als einen Überblick benötigt, sollte allerdings dieses Buch im Regal lassen.

Nachdem wir gestern darüber diskutiert haben, dass und warum die meisten Apps floppen, sollten wir das Thema aufgreifen und das Thema Mobile App Strategie einmal näher beleuchten. Forrester Research hat dankenswerter Weise gerade einen Artikel über Why, how, and when to jump on the mobile app bandwagon veröffentlicht, der einige deutliche Punkte macht.

Die 4 Punkte machen deutlich, wie ein Vorgehen aussehen könnte:

1. Master the basics. Half the companies we interviewed for the report haven’t gotten beyond the "help you find the nearest store" type apps. If you’ve got products or services to deliver, build up the data around those items to make it easier to deliver them based on context.
2. Layer in intelligence. Use data and context to create more engaging experiences, like reminding you when a flight is late and suggesting things to do while you wait.
3. Break from PC contexts. Create experiences that are distinctly un-Weblike, based on knowledge of who the customer is, her history, and her complete context (like who else is with her right now).
4. Embrace motion as a control mechanism. The most engaging apps right now respond to actions like shaking and bumping phones. What’s the appropriate action for your customer?

Man beachte allerdings das Zeitfenster. Wir reden hier nicht von einer Massendurchdringung in den nächsten 20 Jahren, sondern die heutigen State-of-the-Art Features werden in sehr naher Zukunft in der Masse verfügbar sein. Allerdings glaube ich, daß viele Unternehmen noch an “Master the basics” verzweifeln und “Break from PC contexts” als massive Herausforderung sehen werden, weil dafür einiges an Phantasie gefragt sein dürfte. Aber, wenn man über eine Mobile App Strategie nachdenkt, dann empfiehlt es sich in der Tat, die Entwicklungszyklen der nächsten Jahre im Hinterkopf zu behalten.

[ via: Google, Telefónica, MyMobai. — mobilbranche.de ]

Foto: Wolf Gang. Lizenz: CC BY-SA 2.0

Studien, die das belegen, was man schon immer vermutet hat, sind doch die Schönsten. In diesem Fall hat Deloitte herausgefunden, daß weniger als 1% aller Apps mehr als 1 Million Mal heruntergeladen wurden und kaum genügend Apps gefunden wurden, die relevant genug waren für die Studie, was die Download-Zahlen angeht.

Or, to put that latter stat another way: 80% of branded apps analysed by Deloitte had been downloaded less than 1,000 times. This, despite the fact that every month, the three stores in the study generate 1.6bn downloads – 1bn for Apple’s App Store, 500m for Google’s Android Market and 90m for Research In Motion’s BlackBerry App World.
"Brands view apps as a golden opportunity to communicate directly with consumers and in a more meaningful, long term manner," says Howard Davies, media partner at Deloitte. "When brands get it right, the returns can be huge." The problem appears to be that most are getting it wrong.

Woran das liegt?

Drei Gründen werden angeführt:
1. Die App bietet keinen Mehrwert und ist eine reine Marketing-App.
2. Andere Apps ziehen weit mehr Aufmerksamkeit auf sich, wie z.B. Angry Birds.
3. Die Apps werden nicht genug beworben.

Bei Apps sehen wir derzeit genau dasselbe, was man Ende der 90er Jahre im Web gesehen hat. Plötzlich meinen alle, Apps haben zu müssen und dann kennt der Sohn vom Nachbarn des Chefs jemanden, der das günstig umsetzen kann. Dann hat man eine App, genauso wie man damals eine Homepage hatte. Der Mehrwert fehlt und niemand weiß, daß es die App gibt. Aus der Kombination kann nichts werden, außer daß der Verantwortliche später seinem Chef berichten kann: “App haben wir schon ausprobiert, hat nichts gebracht!” Ich nenne es das “Sohn vom Nachbarn”-Syndrom. Das “Sohn vom Nachbarn”-Syndrom grassiert gerade massiv in den Marketing-Abteilungen dieser Welt.

Marken-Apps funktionieren, wenn sie Teil einer Mobile-Strategie sind, wenn sie einen Mehrwert bieten, handwerklich gut gemacht sind, auf die Marke einzahlen und vernünftig in den App-Stores beworben werden. Wenn dafür kein Budget vorhanden ist, sollte man sich überlegen, ob eine App wirklich notwendig ist. Eine schlechte App wird nicht positiv für die Marke sein, da kann man sich noch so sehr eine First-Mover-Advantage einreden.

Das “Sohn vom Nachbarn”-Syndrom sorgt dafür, daß Haufenweise Marken-Apps auf den Markt gespült werden, die niemand braucht, vor allem der Nutzer nicht. Sollte eine derartige App doch von einem Nutzer gefunden werden, schadet sie eher der Marke. Eine Marken-App muß Teil der Mobile-Strategie sein und in ein schlüssiges Vermarktungskonzept eingebettet sein – aber vor allem muß sie einen Mehrwert für den Nutzer bieten.

Twitter erstaunt mich immer wieder. Eigentlich finde ich den ursprünglichen Approach von Twitter, quasi eine Infrastruktur zu liefern und dann Drittanbieter Dienste bereitstellen zu lassen, ziemlich sinnvoll und praktikabel. Aber das hat natürlich so seine Grenzen, da die Vorteile dieses Verfahrens für die wirkliche Masse der User zu umständlich erscheint. Ein großer Teil der Anziehungskraft von Facebook resultiert sicherlich daraus, dass alles an einem Ort zu finden ist. Gleichzeitig hat man mit der Einführung des Like-Buttons für Websites gesehen, daß Facebook versucht, Website-Inhalte mit Freunden und damit zusätzlicher Relevanz zu verknüpfen. Das hat massive Auswirkungen auf Search, aber auch auf Traffic für die Websites.

Twitter geht jetzt einen anderen Weg, um möglichst die Relevanz zu steigern. Es führt HTML-basierte Tweetzitate ein. Gähn. Nicht nur, dass es Embedtweet seit einiger Zeit gibt, sondern auch, dass dies so eine naheliegende Banalität darstellt, dass man sich echt fragen muss, ob sich Twitter eigentlich bewußt ist, daß sie das Entwicklungstempo forcieren müssen, um für noch mehr User attraktiv zu werden. Natürlich machen Tweetzitate Sinn, vor allem sicherlich aus SEO-Sicht, aber mal ehrlich: Twitter hat als Realtime-Infrastruktur soviel Potential, warum versucht Twitter nicht, dieses zu heben? Stattdessen wird erst den Entwicklern von mobilen Twitter-Applikationen Konkurrenz gemacht und jetzt ein Feature gelaunched, dass eigentlich schon seit ca. 2 Jahren überfällig ist.

Ich vermisse bei Twitter eine Strategie. Bislang sieht man viele Ankündigungen, kleinere Umsetzungen von Features, aber im Vergleich zu Facebook fehlt der Plan, wie sich die Plattform entwickeln soll.