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Dave Morin joined PathAlle Welt redet gerade darüber, daß Facebook Instagram für 1 Milliarde Dollar gekauft hat und der Mitgründer Mike Krieger erläutert in einer Präsentation wie Scaling Instagram funktioniert hat. So eine Akquisition sorgt für reichlich Diskussionsstoff über die Bewertung, den Kaufpreis, den möglichen Nutzen für das Produkt, die Brillianz der Gründer und den plötzlichen Reichtum des Teams. Aber wenn man mal ehrlich ist, hat eigentlich niemand diese Übernahme kommen sehen, sondern hatte eher Path im Blick als möglichen Übernahmekandidaten.

Path ist eine iPhone-App, die nach Meinung vieler Nutzer und Tech-Auguren die mobile Timeline so macht, wie sie sein sollte. Es gibt eine Beschränkung auf 150 Freunde, auch wenn das eigentlich viel zu viele Freunde sind, wie Marcel Weiß richtig anmerkt, und die User-Experience steht klar im Fokus der Anwendung. Man kann leicht Bilder in die Timeline posten (und sogar mit Filtern versehen, wie bei Instagram auch), man kann seine Gedanken äußern, seinen Ort angeben und auch sagen, welche Musik man hört, man kann sogar mitteilen, daß man Schlafen geht und auch, daß man wieder wach ist. Dies sind alles Informationen, die für die engeren Freunde relevant sein könnten, aber wahrscheinlich nicht für “irgendwelche Facebook-Freunde”. Natürlich gibt es optionales Sharing mit Facebook, Twitter, Tumblr oder Foursquare, aber primär geht es erst einmal darum, über die mobile Nutzung einen engeren Austausch mit den Freunden hinzubekommen.

Jetzt, wo Facebook Instagram gekauft hat, stellt sich unweigerlich die Frage, was denn aus Path werden wird. Der Gründer Dave Morin war einer der frühen Mitarbeiter von Facebook und irgendwie hatten “alle” bislang vermutet, daß Path irgendwann genügend Nutzer haben würde, um dann von Facebook gekauft zu werden, um als Story für die Börse “wir können jetzt auch mobile Timeline in chic” erzählen zu können.

Kauft Google jetzt Path, um Google+ noch mehr Leben einzuhauchen? Die mobile App ist bislang nicht so der Kracher, da könnte Path sicherlich das Circle-Thema neu und besser interpretieren. Oder nutzt AoL, ja, die gibt es immer noch, Path, um die bislang nicht so prickelnd verlaufene Hyperlocal-Thematik Patch mit einer neuen Komponente zu versehen? Oder kann Path die Killerapp für MicrosoftNokia werden, damit doch deren mobile Strategie noch greifen kann?

Man könnte natürlich auch darüber nachdenken, daß Path irgendwann auf die Idee kommt, ein Monetarisierungskonzept zu entwickeln, um den Dienst profitabel zu machen. Wie schwer dies ist für Dienste, bei denen die Kommunikation zwischen den Nutzern im Vordergrund steht, sieht man am langjährigen Eiertanz von Twitter beim Thema Monetarisierung.

Wohin wird sich Path entwickeln?

Letzte Woche machte die Meldung die Runde, daß die Facebook Timeline, auf deutsch “Chronik” genannt, nun bald für alle Facebook Nutzer eingerichtet sein wird. Nicht alle Nutzer jubeln vor Freude, man kann derzeit viel Kritik an der Timeline lesen. Kritik bei Neuerungen ist nichts ungewöhnliches für Facebook, das gehört mittlerweile zum guten Ton. Bereits bei der Einführung des Newsfeeds gab es viel Kritik der Nutzer und mittlerweile ist der Newsfeed als essentieller Teil von Facebook von den Nutzern anerkannt. Allerdings wurde der Newsfeed etliche Male mit kleinen und großen Updates versehen, damit er für die Nutzer einen Mehrwert bietet und besser zu nutzen ist.

Ähnlich verhält es sich mit der Facebook Timeline. Es gibt viel Wirbel und alle haben eine Meinung zur Facebook Timeline, denn mit einer Meinung zur Facebook Timeline ist gerade auch Aufmerksamkeit verbunden, deswegen schreibe ich auch diesen Artikel… Die Umstellung auf die Timeline wird für alle Nutzer verbindlich erfolgen, Facebook räumt aber dem einzelnen Nutzer 7 Tage ein, die dieser zur Überprüfung der Inhalte nutzen kann. Thilo Weichert, Datenschützer aus Kiel, hält dieses Verfahren für ultradreist und macht dementsprechend Stimmung gegen Facebook.

Wenn aber selbst sonst eher kritische Stimmen, wie z.B. heise.de, an der Umstellung nichts Wildes finden können, sollte man sich fragen, woher der Unmut eigentlich kommt:

Eigentlich ist die neue Timeline keine große Sache. Ihre übersichtliche Darstellung macht es sogar einfacher, missliebige Inhalte aufzuspüren und zu löschen. Und am Frictionless Sharing, dem automatischen Übertragen von Alltagsverrichtungen durch Drittanwendungen, muss niemand teilnehmen.

Ich glaube, daß das Grundproblem der neuen Facebook Timeline ist, daß es erst die Release 1.0 sein wird. In 2-3 Jahren, nach der x-ten Verbesserung, wird die Timeline keinerlei Aufregung mehr produzieren. Facebook wird aus der massiven Nutzung gelernt und dementsprechende Anpassungen vorgenommen haben. So ticken allerdings selbsternannte deutsche Verbraucherschützer nicht und auch Nutzer tun sich schwer darin, Release-Zyklen zu antizipieren.

Die Facebook Timeline ruft bei etlichen Nutzern ein Unwohlsein hervor, weil sie ganz leicht sichtbar machen kann, was man in den letzten Jahren alles auf Facebook mit der Welt oder den Freunden geteilt hat. Letztendlich ist dies für den Nutzer von Vorteil, denn er kann jetzt ganz einfach selber sehen, was er wann gepostet hat. Hier fehlt allerdings eine gewisse Fuzziness, die Inhalte aus der Vergangenheit auch mal in Vergessenheit geraten lässt, damit man sich nicht über jedes Foto Gedanken machen muß, das irgendwann mal bei einer feuchtfröhlichen Runde entstanden ist. Die gefühlte Dauerpräsenz alter Inhalte sorgt für Verwirrung und Ablehnung bei den Nutzern, aber wird werden erst nach der Untersuchung am lebenden Objekt wissen können, wie die Timeline wirklich von der breiten Masse der Nutzer genutzt werden wird.

Sobald die Timeline eine eingebaute Fuzziness hat, wird sie von allen akzeptiert werden, genauso wie es beim Newsfeed und später beim gewichteten Newsfeed auch war.

Facebook Card Vorderseite

Die Facebook Cards von MOO nutzen das Cover Foto der Timeline sowie die vorhandenen Adressdaten und ein Zitat, um daraus ganz individuelle Visitenkarten zu bauen. Sicherlich nichts für die Ilse Aigners dieser Welt, aber für viele Facebook Nutzer durchaus eine nette Art, sich zu präsentieren. MOO nutzt die Möglichkeiten einer Facebook App, um auf die Daten eines Nutzer zugreifen zu können, dadurch geht der Bestellprozeß auch sehr schnell. Die ersten 200.000 Kunden bekommen die Visitenkarten kostenlos, ich habe mir gerade welche bestellt. Wer mag, kann gerne meinen Promocode YSZSBZG verwenden, dann werde ich künftig mit Visitenkarten überhäuft.

In einem Interview mit dem Handelsblatt äußert sich Ilse Aigner über Facebook mit den Worten:

Die Philosophie, die hinter Timeline steht, ist absurd. Facebook fordert die Nutzer auf, ein öffentliches Lebensarchiv anzulegen. Das ist eine Farce. Die Aufforderung, die letzten Datenlücken im Internet schnell zu schließen, ist genau das Gegenteil dessen, was wir unter Medienkompetenz verstehen: sparsam mit persönlichen Daten umzugehen. Und vor allem hat sich ja gezeigt, dass durch technische Fehler vermeintlich Unsichtbares auf einmal doch öffentlich werden kann.

Ist es das? Ist die Timeline wirklich absurd? Oder gibt es mittlerweile einfach ein anderes Verständnis vom Umgang mit den eigenen Daten? Verstehen wir unter Medienkompetenz wirklich Datensparsamkeit? Ich finde es viel absurder, daß Aigner meint, Geschäftsmodelle und Nutzungs-Szenarien beurteilen zu wollen, da schwingt immer ein Verständnis von Verbraucherschutz mit, daß eher wie Bevormundung aussieht. Ilse Aigner sorgt wieder einmal für Aufsehen mit ihren Äußerungen zu Facebook, aber ich warte immer noch auf eine wirklich hilfreiche Art der Auseinandersetzung. Was ist daran absurd, daß ich jetzt eintragen kann, wann ich meinen Führerschein gemacht habe? Was ist absurd daran, daß ich Bilder und Gedanken aufhaben will und diese auch noch Freunden und Bekannten zugänglich machen möchte? Ich erkenne hier einfach, daß sich das gute alte Foto-Album mittlerweile in einer anderen Form auch als Facebook-Timeline wiederfindet. Das ist doch nichts verwerfliches und natürlich kann Facebook mit Werbung Geld verdienen, ich habe doch auch einen gewissen Nutzwert als Gegenleistung. Übrigens muß kein einziger Nutzer von Facebook die von Aigner als Datenlücken bezeichneten Inhalte liefern, das steht jedem Nutzer frei.

Aigner macht immer noch Symbolpolitik, das ist alles nur heiße Luft, hat aber mit modernem Verbraucherschutz nichts zu tun, stattdessen wird wieder Mißtrauen gesät. Facebook hat in der Vergangenheit nicht alles richtig gemacht und wird es in Zukunft auch nicht immer tun, aber die Timeline ist letztendlich nur die Anordnung bestehender Daten in einer neuen Form, die vor allem auch der Smartphonisierung der Welt Rechnung tragen, denn wir produzieren einfach Haufenweise Daten, die wir mit anderen teilen wollen.

Ich habe es doch immer gesagt, die Facebook Timeline ist einfach nur das vernetzte Familien- und Freunde-Album.