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“Datensparsamkeit ist eigentlich das Beste” meinte Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner mit Blick auf die Neuerungen bei Facebook, also die Kombination aus Facebook Open Graph und Facebook Timeline.

Also ich meine schon, dass dieser Schritt jetzt mit dem Timeline ein weiterer Sprung ist, der vielleicht auch wachrüttelt. Nun muss sich jeder mal vergegenwärtigen, das ganze Leben so im Internet zu präsentieren, und jeder soll sich überlegen, ob er diese Daten jedem auch geben will. Es wird auf Ewigkeiten im Netz stehen, und ich bin mir nicht sicher, ob hier die Einstellungen so sind, dass jeder den Überblick behält, wie im Beitrag auch angeführt, was wo wer jetzt im Moment einsehen kann und ob er das auch dementsprechend zurücknehmen kann.

Die Automatismen sind relativ einfach und relativ gut eingestellt, und deshalb, glaube ich, gibt es hier jetzt schon starke Vorbehalte auf die Kommentare – auf den einschlägigen Websites sind sie ja auch schon deutlich zu erkennen. Das ist das, was ich immer gesagt habe: Die Menschen müssen Acht geben, es sollte nicht das Ende der Privatheit sein, ganz im Gegenteil, man soll seine Daten schützen, Datensparsamkeit ist eigentlich das Beste, und die Bequemlichkeit, sich im Netz zu bewegen, heißt immer auch Daten preiszugeben möglichst vielen Menschen. Und das kann nicht im Interesse des Einzelnen sein. Dem Staat würde man diese Daten mit Sicherheit nicht geben.

Ich praktiziere seit 1995 keine Datensparsamkeit im Internet. Warum auch? Es ist doch genug Platz da für meine Daten. Sicherlich, es ist nicht sinnvoll, totale Transparenz zu praktizieren, daher sollte man sich überlegen, wem man welche Inhalte zeigt. Aber als soziales Wesen wollen wir unsere Erlebnisse mit unseren Freunden teilen, oder? Wenn nun also eine Firma sagt: “ladet die Fotos mal schön bei uns hoch, wir kümmern uns dann darum, wer die Fotos sehen darf” und das auch für Meinungsäußerungen, Befindlichkeitsmitteilungen, Spiele, Musik, und vieles anderes mehr tut – ist das dann schlimm? Man könnte jetzt auch sagen: “Danke, das Internet ist toll, aber doch recht komplex, jetzt hat da mal jemand Ordnung reingebracht.” – oder? Auf Dauer ist das Rumfummeln an der .htaccess nicht wirklich praktikabel, oder?

Gibt es Datensparsamkeit eigentlich wirklich noch? Es gibt so viele Unternehmen, die so viel über meinen finanziellen Status wissen, ist es da schlimm, wenn Fotos von meinem Döner im Netz zu finden sind? Wenn dieses angeblich überall praktizierte, privatsphären-verletzende, unheimliche und mega-fiese Profiling wirklich schon Normalität ist, warum bekomme ich dann überall Werbung, die mich nicht interessiert? Wollen die mich alle in Sicherheit wiegen, damit ich noch ein Foto von meinem Eis poste?

Wir stehen am Anfang des 21. Jahrhunderts vor einer Mammutaufgabe. Früher war der einzig öffentliche Eintrag im Telefonbuch zu finden, heutzutage publizieren Nutzer ihre Daten an vielen Stellen des Webs. Sie sorgen in aller Regel selber dafür, daß sie gefunden werden. Es gibt wenig Zwangsmaßnahmen, die dazu führen, daß mehr Daten über eine Person im Netz auftauchen, das machen die Nutzer alles munter selber. Der Nutzer steht im Mittelpunkt, der Nutzer wird in die Lage versetzt, Dinge zu tun, für die sie oder er früher Zugriff zu einer Druckmaschine oder einem Fernsehsender gehabt haben müsste. Datensparsamkeit ist eher unpassend als Richtschnur, sondern Medienkompetenz oder besser ausgedrückt, Digital Literacy, sollte im Fokus stehen. Die Nutzer sollten im Idealfall selber am Besten darüber Bescheid wissen, wieviel Daten sie wo ins Web stellen wollen. Oder?

Facebook Timeline

Die f8 Developer Conference hat einige interessante Neuerungen Für die Nutzer von Facebook gebracht. Hier sind noch einmal die Artikel zu den Neuerungen im Überblick:

Facebook Timeline – Life Caching für alle – das Grundkonzept der Facebook Timeline wird erklärt.

Facebook Open Graph – hier läuft alles zusammen – was ist der Facebook Open Graph und wie können die Entwickler die Funktionalitäten des Open Graph für ihre Apps nutzen?

Mein Leben auf der Facebook Timeline – ein erster Blick auf meine Facebook Timeline.

Facebook Timeline – gelesene Artikel werden geteilt – auch ohne den Klick auf den Like-Button können Inhalte jetzt mit Freunden geteilt werden.

Monokulturen, das Internet und der Idealismus – eine kurze Replik auf einen Beitrag auf sueddeutsche.de über Monokulturen im Internet.

Computer-Animation zu den Neuerungen von Facebook – etwas überzeichnet, aber eine wunderbare Zusammenfassung der Ergebnisse der f8 Developer Conference.

Und dann war da noch der Beginn der f8 Developer Conference. In Deutschland wäre das unmöglich. Warum eigentlich?

Man könnte sagen, daß die Darstellungen in diesem Video ein klein wenig dramatisiert wurden.

[ via Facebook’s New Features Get Animated ]

Der Facebook Open Graph erlaubt es Nutzern, mehr als nur den Like-Button zu drücken. Die Idee dahinter ist, daß man nicht immer alles gut findet, sondern einfach auch nur mal zum Ausdruck bringen möchte, daß man etwas tut.

Washington Post Social Reader

Eine der ersten Apps, die die neue Funktionalität nutzt, ist der The Washington Post Social Reader:

Washington Post Social Reader is a free Facebook application that offers a new way to read news from The Washington Post and more of the Web’s best news sources — with your friends. Once you’re using the app, the stories you read will be instantly shared with your friends, and your friends’ reads will be shared with you, creating a socially powered newswire of intriguing articles.

Es steht da klar und deutlich, aber es verwundert dann doch. Die Facebook Timeline wird zur Chronik meines Lebens, aber immer mehr davon wird automatisch hinzugefügt werden.

WP Social Reader Timeline

Ich fühle mich unweigerlich an Facebook Beacon erinnert, eine Verknüpfung von Userdaten mit anderen Websites, die zu einem Sturm der Entrüstung führte. Nun also reicht das pure Lesen eines Artikel dazu aus, daß dieser auf der Timeline erscheint. Die Interpretation von Social durch Facebook bedeutet also, daß Aktionen einfach automatisch mit Freunden geteilt werden und man selber für das Einstellen der Sharing-Granularität verantwortlich ist.

Alles was man auf Facebook macht, passiert man im Kontext der Verknüpfung von Apps und Freunden. Direkt nach dem Facebook Login begibt man sich auf einen von Facebook definierten Präsentierteller, das sollte Nutzern bewußt sein. Es steht zwar bei Apps auch immer, daß Aktionen auf der Timeline gezeigt werden, aber viele Nutzer klicken ohne zu lesen und wundern sich dann später.

Facebook Timeline

Ich habe bei mir mal die Facebook Timeline angeknipst. Nun bin ich eher ein untypischer Facebook Nutzer, da ich kaum Fotos bei Facebook poste und außerdem mit knapp 2000 Freunden eher wenig persönliche Dinge auf Facebook poste. Facebook zeigt nett anschaulich auf einer Zeitachse, was ich alles so auf Facbeook gemacht habe. Facebook Timeline ist ein neuartiges, lebendiges Familien-Album. Hier gibt es Fotos vom letzten Urlaub, aber auch von der Einschulung und anderen Momenten im Leben, die man gerne festhalten möchte. Aber es geht nicht nur um Fotos, sondern eben auch um die Interaktion mit Freunden und das Mitteilen von Eindrücken, Verlinkungen, Videos, und so weiter.

Add Live Event on Facebook

Facebook macht es den Nutzern sehr leicht, bestimmte Momente im Leben, eventuell aus einer Prä-Facebook-Ära, nachzutragen. Ich frage mich dabei unweigerlich “will ich das wirklich, daß bei Facebook steht, wann ich mir meinen Arm gebrochen habe?”, aber ich glaube, daß für viele Nutzer es wirklich toll sein kann, wenn man seine eigene Chronik ganz leicht selber erstellen kann. Meilensteine im Leben wie der Erwerb des Führerscheins, der Schulabschluß, Umzug, Heirat, Kinder, Krankheiten – alles sollte man nach der Meinung von Facebook dokumentieren.

Da Facebook durchaus schon über einige Daten verfügt, werden auch gleich in der Timeline Anregungen geliefert für Ereignisse im Leben, die man noch etwas besser dokumentieren könnte.

Die Facebook Timeline lässt mich alledings stark darüber nachdenken, ob ich nicht wirklich meine Facebook-Nutzung komplett umstellen sollte. Das würde bedeuten, daß ich eher nur 100 Freunde auf Facebook haben würde und dann auch wieder privatere Dinge teilen würde. Allerdings bleibt meine Grundskepsis, zu viele Daten an einem Ort zu hinterlassen. Von den 800 Millionen Nutzern werden allerdings die wenigsten Nutzer diese Grundskepsis teilen, sondern sich freuen, daß Facebook mit der Timeline ein praktisches neues Feature herausgebracht hat. Facebook Timeline verändert grundlegend die Art und Weise, wie wir das Netz nutzen und dokumentiert dabei unsere Aktionen.

Kritiker, die sagen “die neue Facebook Timeline ist mir irgendwie zu persönlich”, haben nicht verstanden, was der Kern von Facebook ist. Facebook versucht, die persönlichen Erfahrungen der Nutzer abzubilden, um die Freundschaften auf Facebook enger werden zu lassen, um damit die Stickyness der Plattform noch weiter zu erhöhen. Facebook definiert damit das Web neu, ob man es mag oder auch nicht.