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Tumblr the money and run!

Nico —  19.05.2013 — 13 Comments

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Die Startup-Welt diskutiert gerade fröhlich die Meldungen, dass Yahoo! die Blog-Plattform Tumblr für 1,1 Milliarden US-Dollar übernehmen will. David Karp, der Gründer von Tumblr, ist sich angeblich noch nicht sicher, ob er dem Deal zustimmen will.

Tumblr hat 125 Millionen Nutzer, machte in 2012 13 Millionen Dollar Umsatz und hatte eine Burnrate von 25 Millionen Dollar, die dieses Jahr auf 40 Millionen Dollar ansteigen soll, bei geplanten 100 Millionen Dollar Umsatz. Tumblr gibt es seit 2007 und bislang wurden 125 Millionen Dollar an Venture Capital eingesammelt.

Tumblr ist aktuell bei Jugendlichen und jungen Erwachsen weitaus angesagter als Facebook und daraus resultiert die Phantasie hinter dem Kaufpreis von über einer Milliarde Dollar. Daraus resultiert aber auch die abwartende Haltung vom Gründer David Karp, der sicherlich im Hinterkopf hat, dass Mark Zuckerberg ebenfalls einmal ein Angebot hatte von Yahoo!, dieses allerdings ausschlug und danach den Wert seines Unternehmens noch einmal ordentlich steigern konnte.

Ich glaube allerdings, dass es zwei große Unterschiede zwischen Tumblr und Facebook gibt. Erstens besteht Facebook aus Beziehungen zwischen Menschen, die sich überwiegend kennen und ihre Erlebnisse teilen, aber bei Tumblr steht das Teilen von Inhalten im Vordergrund, die Beziehungen entstehen eher adhoc und sind eher locker. Während Facebook also tagtäglich zeigt, was meine Freunde so umtreibt, zeigt mir Tumblr das, was irgendwelche Leute gerade teilen, nach Tags sortiert. Das kann unerwartet und toll sein, aber auch sehr schräg, oder einfach nur viel Porno. Es ist aber meines Erachtens viel unverbindlicher als bei Facebook. Zweitens funktioniert die Werbung bei Facebook, sie garantiert satte Umsätze, und zwar nicht nur bei der Web-Nutzung, sondern zunehmend auch bei der mobilen Nutzung. Tumblr hat in der Vergangenheit immer wieder Versuche unternommen, den Dienst über Werbung zu monetarisieren, aber nichts hat wirklich funktioniert.

Tumblr ist ein riesiges verteiltes Scrapbook mit jede Menge Inhalten, aber es fällt schwer, damit Geld zu verdienen. Die Investoren sind schon länger nervös, auch wenn die Reichweite weiter steigt, die Nutzer zufrieden sind, es ist einfach keine Profitabilität in Sicht. Daher ist das einzige, was David Karp jetzt tun kann, das Spekulieren auf eine Übernahme durch Yahoo! oder vielleicht auch noch durch Facebook oder AOL, die natürlich Zugriff auf die interessante junge Zielgruppe haben wollen und dann ihre Expertise in der Vermarktung der Plattform nutzen werden, um Tumblr zur Profitablität zu bringen. Aus eigener Kraft wird Karp dies nicht mehr schaffen, dazu waren alle bisherigen Versuche zu zaghaft.

Für Yahoo! macht diese Übernahme Sinn, denn Tumblr bringt eine enorme Reichweite mit und wird bei der Vermarktung von Yahoo! helfen, weil eine attraktive junge Zielgruppe ebenfalls erreicht werden kann. Zusätzlich kann Yahoo! insbesondere die neuen mobilen Dienste über die Tumblr-Nutzer besser vorantreiben und dadurch wieder versuchen, zu Google und Facebook bei den Nutzerzahlen aufzuschliessen. Die Akquisition würde Yahoo! beim Börsenkurs sicherlich spontan helfen, aber auch nachhaltig zu den Vermarktungsumsätzen beitragen.

Mal sehen, wie hoch David Karp pokert, ein eigenständiges Tumblr hat meiner Meinung nach keine große Chance, das werden auch seine Investoren wissen.

Online-Werbung ist kaputt, und zwar sowas von. Aber sie funktioniert, und zwar sowas von. Sie funktioniert auch, weil sie penetrant ist. Und zwar sowas von!

Wenn nun immer mehr Nutzer zu Adblockern greifen, weil ihnen die ständige Beschallung mit Werbebotschaften zu viel ist, dann sorgt das bei den Inhalte-Anbietern für weniger vermarktbare Reichweite und damit für weniger Umsatz. Also muss versucht werden, aus dem bestehenden Inventar mehr Umsatz zu generieren. Wie macht man das? Am einfachsten ist es, noch penetranter zu werden. Früher, damals, kurz nach dem Krieg, da hatten Websites einen Fullbanner, oder für die ganz verwegenen, auch mal 2-3 Halfbanner, anders ausgedrückt ging es um 468×60 Pixel bzw. 234×60 Pixel. Heute werden gefühlt sämtliche vom Internet Advertising Bureau (IAB) verabschiedeten Formate plus etwaiger Sonderformate auf eine Seite geklatscht, weil die Preise in den letzten 10 Jahren stetig gesunken sind und trotzdem Inhalte-Anbieter profitabel sein sollen.

Ist das die Schuld der Adblocker-Nutzer? Nö, das ist reiner Selbstschutz, denn nicht nur irgendwelche Websites sind mit Werbung zugepflastert, sondern auch sog. Premium-Sites. Adblocker sind Teil einer Entwicklung, die damit zu tun hat, dass ganz am Anfang der Online-Werbung mit dem sog. Tausender-Kontakt-Preis einfach die falsche Währung genommen wurde, um Online-Werbung zu bepreisen. Niemand würde ein Magazin so vollhauen mit Werbung, aber da ein Tausender-Kontakt-Preis nach Seitenaufrufen berechnet wird und nicht danach, wie häufig ein und derselbe Nutzer die Werbung wahrgenommen hat, wird eben die Penetranz erhöht, um auf die vermeintliche Reichweite zu kommen. Anders ausgedrückt: die Online-Werbung nimmt nicht zur Kenntnis, dass das Web aus Hyperlinks besteht und dass Nutzer auch anderswo Werbung sehen, bzw. gerade ein- und dieselbe Kampagne überall sehen und dann sehr schnell genervt sind. Diese Spirale sorgt dafür, dass immer mehr Nutzer zu Adblockern greifen und nun Premium-Sites darauf hoffen, dass sie von der Adblocker-Nutzung ausgenommen werden. Eigentlich absurd. Zumal der eine Ausweg aus dieser Spirale die sog. Native Ads sind, die sich oftmals als bloße Advertorials in einem neuen Format entpuppen.

So, wer hat also Recht? Beide. Die Adblocker-Nutzer sind genervt von zu viel Werbung und die Inhalte-Anbieter sind genervt, weil sie nicht genügend Umsatz mit der Vermarktung ihres Angebots machen, weshalb sie die Adblocker-Nutzer bitten, doch auf ihren Seiten den Adblocker nicht zu nutzen. Die Adblocker-Nutzer wiederum argumentieren, dass die Inhalte-Anbieter zu penetrant werben.

Hach, so können wir uns weiterhin fröhlich im Kreis drehen. Ich blocke Ads im Kopf und lasse die Inhalte-Anbieter an meiner Nutzung finanziell partizipieren. So lange Nutzer nicht wollen, dass sich Kampagnen an ihnen orientieren, so lange wird Online-Werbung weiter fröhlich penetrant sein.

Das ist eine grandios gute Bier-Werbung. Ich habe jetzt Durst.

Twitter wird das neue AOL

Nico —  31.07.2012 — 17 Comments

Ja, ich weiss, catchy Headline und so, aber so langsam sehe ich Twitter abgleiten. Noch gibt es keinen massiven CD-Versand, aber die Transformation von einer Firma, die fokussiert war auf das Bereitstellen eines auf Infrastruktur ausgerichteten Ökosystems hin zu einem Medien-Unternehmen wird immer deutlicher und damit verändert sich der Charakter von Twitter maßgeblich. Natürlich kann man dies als Wachstumsschmerzen abtun und einfach mal konstatieren, dass sich Twitter einfach über die Jahre ändert und aus einer Spielwiese für Geeks natürlich eine Mainstream-Mall werden musste, aber so leicht mache ich mir es nicht. Eigentlich habe ich auch gar keine Lust, immer über den drohenden Niedergang von Twitter zu schreiben, aber da ich täglich primär Twitter nutze, bin ich schon massiv angefressen von dem was passiert.

1. Die Kastration des Ökosystems geht munter weiter. Anstatt weiterhin auf die API zu setzen und sie als Teil der Monetarisierungs-Strategie zu nutzen, werden Drittanbieter zugunsten eigener Angebote zurückgedrängt. Kürzlich wurde sogar Instagram untersagt, über die Twitter-API den Nutzern das Finden der Freunde zu ermöglichen, die bereits Instagram nutzen. Instagram wurde von Facebook gekauft und prompt wird hier die API-Nutzung beschränkt, ebenso wie es jüngst bei LinkedIn passiert ist. Das gute alte Web 2.0 Mantra mit dem Nutzer im Mittelpunkt – das existiert bei Twitter nicht mehr wirklich.

2. Innovationen gibt es kaum noch und wenn, dann werden sie angekündigt und später kaum wahrnehmbar ausgerollt. Oder nutzt irgendjemand Brand Profiles, bzw. nimmt irgendwelche Twitter-Profile besonders wahr? Die ach so effiziente Werbung sehe ich kaum und so lange mir Twitter weiterhin im Web vorschlägt, doch endlich mal eine Twitter App für die mobile Nutzung herunterzuladen, und das wo ich sicherlich die Hälfte der Zeit über die iPhone App wittere, glaube ich nicht an die Effizienz und das Targeting der Werbung, ähnlich wie von Mario Sixtus neulich bei tagesspiegel.de gerantet. Die neueste Innovation ist das Erkennen von Börsentickersymbolen, wie es bei Stocktwits bereits seit 4 Jahren genutzt wird. Wow. Da wurde eine gute Idee aber mal schnell umgesetzt, das hat ja schon nahezu move fast and break thingssche Züge.

3. Der Werbekunde ist König. Natürlich brüstet sich Twitter immer wieder damit, dass auf 140 Zeichen dafür gesorgt wird, dass böse Regime kritisiert werden können, aber wenn ein Journalist sich über NBC und deren Olympia-Berichterstattung aufregt und dabei die Email-Adresse eines Verantwortlichen twittert, dann wird der Account gesperrt. Das ist vorauseilender Gehorsam, der zu dem üblichen Free Speech Pathos überhaupt nicht passt, aber da es eine Zusammenarbeit mit NBC gibt, wird hier mal eben durchgegriffen. Im Zweifel für den Werbepartner und gegen den Nutzer.

Diese drei Punkte zeigen, wie Twitter gerade sämtliche Konturen verliert, die es mal gross und attraktiv gemacht hat. Twitter hatte den Vorteil, über eine API schnell eine gute Verbreitung zu bekommen, aber dieses Ökosystem wird kontinuierlich zurückgefahren und der Gleichförmigkeit geopfert. Twitter verliert so nach und nach sämtliche Alleinstellungsmerkmale gegenüber Facebook, dass es trotz aller Kritik weiterhin schafft, eine für Entwickler und Nutzer attraktives Ökosystem zu gestalten. Sicherlich nervt auch bei Facebook einiges, aber die Entwickler von Apps können sich ziemlich sicher sein, dass sie auch in Zukunft auf eine API zurückgreifen können, da Facebook verstanden hat, dass Entwickler zur Attraktivität des Ökosystems beitragen und nicht störend sind für die Monetarisierung der Plattform. Twitter baut gerade einen Walled Garden um sich herum, damit die Werbekunden genügend Aufmerksamkeit bekommen können. AOL lässt grüssen und Twitter wird zunehmend belangloser werden.

Während Twitter zunehmend aolisiert wird, wirkt die geplante kostenpflichtige Alternative App.net immer attraktiver, braucht aber immer noch mehr Unterstützer.

Vor ein paar Tagen bin ich über den Artikel Announcing an audacious proposal von Dalton Caldwell gestolpert, der genervt von Twitter und der Fokussierung auf Werbe-Erlöse folgendes vorgeschlagen hat:

I believe so deeply in the importance of having a financially sustainable realtime feed API & service that I am going to refocus App.net to become exactly that. I have the experience, vision, infrastructure and team to do it. Additionally, we already have much of this built: a polished native iOS app, a robust technical infrastructure currently capable of handing ~200MM API calls per day with no code changes, and a developer-facing API provisioning, documentation and analytics system. This isn’t vaporware.

To manifest this grand vision, we are officially launching a Kickstarter-esque campaign. We will only accept money for this financially sustainable, ad-free service if we hit what I believe is critical mass. I am defining minimum critical mass as $500,000, which is roughly equivalent to ~10,000 backers.

In Kurzfassung will er $500.000 von ungefähr 10.000 Unterstützern bekommen, um eine eine Art Twitter 2.0 mit einer Fokussierung auf einem Ökosystem für Entwickler zu erschaffen. Caldwell geht davon aus, dass das bisherige System bei werbefinanzierten Plattformen sich immer zu Ungunsten der Entwickler und der Nutzer verhält, daher will er App.net grundsätzlich anders ausrichten.

Ich finde die Idee extrem spannend und gehöre zu den Unterstützern von App.net. Bis zum 13. August will Caldwell die Summe von $500.000 erreicht haben. Ich sehe in der Tat Vorteile darin, den Versuch zu unternehmen, eine Plattform an den Bedürfnissen der Entwickler auszurichten und glaube, dass über die mobile Nutzung durchaus eine Bereitschaft zum Bezahlen geschaffen werden kann. Natürlich ist es nicht leicht, neben den bestehenden sozialen Netzwerken einen neuen Dienst zu etablieren, wie wir das seit einem Jahr an Google+ sehen, aber dennoch finde ich die Idee unterstützenswert.

Mach mit!