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Gestern hat Heise seine Lösung 2 Klicks für mehr Datenschutz vorgestellt, um den vom ULD in Kiel aufgezeigten Datenschutzproblemen entgegenzuwirken:

Das Konzept ist einfach. Standardmäßig bettet heise online deaktivierte Buttons ein, die keinen Kontakt mit den Servern von Facebook & Co herstellen. Erst wenn der Anwender diese aktiviert und damit seine Zustimmung zur Kommunikation mit Facebook, Google oder Twitter erklärt, werden die Buttons aktiv und stellen die Verbindung her. Dann kann der Anwender mit einem zweiten Klick seine Empfehlung übermitteln. Ist er beim sozialen Netz seiner Wahl bereits angemeldet, erfolgt das bei Facebook und Google+ ohne ein weiteres Fenster. Bei Twitter erscheint ein Popup-Fenster, in dem man den Text des Tweets noch bearbeiten kann.

Die Resonanz auf diese Initiative von Heise ist sehr positiv, weil natürlich durch die Äußerungen des ULD eine gewisse Rechtsunsicherheit entstanden ist.

Naja, es gibt nicht nur positive Resonanz. Facebook findet die 2 Klicks für mehr Datenschutz nicht witzig:

Unterdessen hat Andreas van de Castel von Facebook die Beschwerde konkretisiert: “In Absatz I.8 wird untersagt Funktionen von Facebook nachzuahmen. Dies haben Sie mit der Abbildung des Empfehlen Buttons aber getan” erläutert der bei Facebook für Social Plugins zuständige van de Castel seine Interpretation der Sachlage. Allerdings nutzen die 2-Klick-Buttons nach wie vor die unveränderten Facebook-Funktionen, einzig die Form der Einbindung unterscheidet sich.

Sollte heise online der Aufforderung, den angeblichen Missbrauch abzustellen, nicht nachkommen, hätte dies eine Sperrung der Applikation zur Folge (was anhand der genutzten App-ID erfolgen würde) und könnte bei “wiederholter nicht policy-konformer Einbindung zu einem Blacklisting [der] Domain auf Facebook führen”. Damit könnten dann Inhalte von heise.de nicht mehr auf Facebook geteilt werden, erklärt van de Castel die weiteren Konsequenzen.

So, nun nimmt die ganze Thematik, angestossen vom ULD, noch einmal an Fahrt auf. Websitenbetreiber, die jetzt einen Like-Button einbinden wollen, befinden sich nun vollends zwischen Baum und Borke – sie verstoßen entweder gegen geltendes Recht, wenn man der Argumentation der ULD folgt, oder sie verstoßen gegen die AGB von Facebook, wenn man der Argumentation von Facebook folgt. Die Juristen werden sich freuen, unklare Rechtslagen sind ja immer gut fürs Geschäft. Die Argumente von Facebook helfen allerdings nicht gerade, das angeknackste Vertrauen in die Firma, insbesondere bei Themen rund um Datenschutz und Privatsphäre, wieder herzustellen.

Christian BennefeldDie kleine Interview-Reihe 7 Fragen zum Datenschutz geht munter weiter – heute antwortet Christian Bennefeld, Geschäftsführer der etracker GmbH.

Was ist problematisch an Widgets, Tracking-Pixeln und eingebundenen Werbeplätzen?

An sich sind Widgets, Tracking-Pixel oder eingebundene Werbeplätze per se nicht problematisch. Sie sind Standard im Internet und Nutzer wie Unternehmen profitieren von diesen – oftmals kostenlos – eingebundenen Inhalten Dritter. Durch die direkte Einbindung der Widgets etc. werden diese jedoch bei jedem Website-Besuch von den Servern des Dienstanbieters geladen. Diese Anbieter haben so die Möglichkeit, in großem Umfang unbemerkt Nutzungsprofile der Website-Besucher über viele Websites hinweg zu sammeln und weiter zu verwerten. Dies ist auch der wesentliche Grund, warum die Dienste überhaupt „kostenfrei“ angeboten werden. Häufig ist dem Website-Betreiber aber gar nicht bewusst, dass er den Dienstanbieter mit den Nutzerprofilen seiner Besucher bezahlt. In der Regel findet dieser Abfluss von Daten völlig unbemerkt statt – Fachleute sprechen daher von dem Phänomen des „Data Leakage“.

Was ist so schlimm am Like-Button?

Die Datenschützer des ULD haben nun erkannt, dass auch der Facebook-Button gewöhnlich direkt von den Facebook-Servern geladen wird. Er ermöglicht Facebook damit die Erstellung sogar potentiell personenbezogener Nutzerprofile – auch außerhalb der eigentlichen Reichweite des Social Media Konzerns. Das bedeutet, Facebook hat mit dem Button die Möglichkeit, völlig unbemerkt detaillierteste Nutzungsdaten auf Millionen von Websites zu sammeln und kann so feingranulare Nutzerprofile erstellen. Aus den Nutzungs- und Bewegungsdaten des Besuchers können nämlich für zielgerichtete Werbung wichtige Attribute abgeleitet werden. Dies sind beispielsweise Kaufverhalten, Kaufkraft und aktuelle (Kauf-)Interessen genauso wie Geschlecht und Alter des Nutzers. Ganz nebenbei können so auch intime Details zu politischer, religiöser oder sexueller Orientierung aus dem Nutzungsverhalten abgeleitet und zu Nutzerprofilen verdichtet werden. Verbindet Facebook diese Nutzerprofile mit den vorhandenen personenbezogenen Daten, wie Name oder Handynummer entstehen personenbezogene Nutzerprofile, deren Erhebung nach den deutschen Datenschutzgesetzen ohne explizite Einwilligung des Betroffenen illegal sind. Gegen diesen Verstoß gehen die Datenschützer nun vor.

Was passiert, wenn Unternehmen tracken können, was ich als Nutzer online mache?

Die Technologien zur Analyse und Profilierung von Nutzern sind heute sehr fortgeschritten. Praktisch jedes Unternehmen nutzt beispielsweise Web-Analyse Software, um das Nutzungsverhalten auf der eigenen Website kennen zu lernen und die Website für die Nutzer zu optimieren. Dies muss jedoch im Einklang mit den deutschen Gesetzen erfolgen. Diese schreiben unter anderem vor, dass der Nutzer genau zum Zweck und Umfang der Datenspeicherung aufgeklärt werden muss. Gleichzeitig verbietet es der Gesetzgeber die zunächst pseudonymen Nutzerprofile mit personenbezogenen Daten – zu denen nach Ansicht der Landesdatenschützer auch die IP-Adresse gehört – zu verbinden. Zudem ist es zwingend notwendig, dem Nutzer ein Widerspruchsrecht – auch an seinem nur pseudonym gewonnenen Nutzerprofil – einzuräumen und dieses wirksam umzusetzen. Wenn dies alles vom Website-Betreiber beachtet wird, sind der Nutzer und seine Privatsphäre gut geschützt. Die Realität im heutigen Internet ist jedoch der „Wilde Westen“: Jeder macht, was er will. Gerade die großen Internet-Konzerne verstoßen häufig massiv gegen die deutschen Gesetze – aber bisher ohne, dass seitens der Datenschützer Sanktionen oder Verbote ausgesprochen wurden. Prominentestes Beispiel ist hier sicher Google Analytics. Seit sechs Jahren ist das System am deutschen Markt verfügbar und verstößt nach Ansicht der Datenschützer gegen die Gesetze – nur passiert ist bisher nichts und Google macht weiter wie bisher.

Warum tracken Unternehmen eigentlich, was die Nutzer im Web alles machen?

Man muss zwei Szenarien auseinander halten. Zum einen das Szenario des Website-Betreibers, der eine Web-Analyse Software auf der eigenen Website einsetzt. Er kann bei Verwendung einer datenschutzkonformen Software wichtige Anhaltspunkte zur Verbesserung und nutzerorientierten Ausrichtung seiner Website gewinnen.
Zum anderen das Szenario des (Internet)-Werbekonzerns. Er hat das Bestreben, sein eigenes Werbemodell besser zu monetarisieren. Dies kann er dann tun, wenn er die Werbung seiner Kunden möglichst zielgerichtet und streuverlustarm an die Konsumenten aussteuert. Dazu benötigt er eine genaue Kenntnis über das Nutzungs- und Konsumverhalten der Werbe-Konsumenten. Man spricht heute daher vom sogenannten „Behavioural Targeting“ – also der am Nutzungsverhalten des einzelnen Konsumenten ausgerichteten Werbeaussteuerung. So ist ein Pharma-Konzern, der ein Medikament für 20- bis 29-jährige männliche Diabetiker entwickelt hat, bereit, sehr hohe Werbepreise zu zahlen, um genau diese Zielgruppe zu bewerben und damit Streuverluste vermeidet. Der Internet- Werbekonzern kann mit dieser Art der zielgerichteten Werbung seine Werbeerlöse vervielfachen. Dies ist der Hintergrund, warum alle großen Werbekonzerne über vermeintlich „kostenlose“ Dienste massiv Nutzerprofile – auch auf fremden Webseiten – sammeln.

Haben die jetzt wirklich meinen Namen, Adresse, Bankverbindung, Hobbies, Freunde und Anzahl plus Namen der Haustiere? Und wie machen die Unternehmen damit jetzt Geld?

Die Internet-Nutzer sind heute noch sehr unbedarft im Umgang mit ihren personenbezogenen oder anderen intimen Daten und geben diese häufig bereitwillig an. Facebook, Google und Co. bieten im Gegenzug für die Datenangabe kostenlose Dienste wie Social Netzworks, E-Mail, Webspace oder Nachrichten-Aggregation. Zudem sammeln die Konzerne, wie oben geschildert, zahlreiche Nutzerprofile nicht nur auf den eigenen Seiten, sondern über „Like-Buttons“, Werbeeinblendungen und Web-Analysedienste auch auf Seiten, die nicht dem Konzern gehören. Die Datenschützer befürchten nun, dass die freiwillig angegebenen personenbezogenen Daten mit den detaillierten Nutzungsprofilen verbunden werden, was heute technisch kein Problem darstellt. Die Monetarisierung erfolgt entweder über das konzerneigene Werbemodell oder durch den Verkauf der Nutzerprofile an Dritte. Hier ist gerade in jüngster Vergangenheit ein neuer Marketing-Trend erkennbar, bei dem für eine Werbeaussteuerung auf das Profil des Nutzers geboten wird. Das sogenannte „Real Time Bidding“ benötigt granulare Nutzerprofile, die zu Höchstpreisen gehandelt werden.

Es gibt doch das Safe-Harbour-Abkommen mit den USA, also ist doch alles halb so wild, oder?

Das Safe-Harbour-Abkommen ist eine Erfindung der US-amerikanischen FTC, der Federal Trade Commission. Diese hat sich dem Schutz der amerikanischen Konsumenten verschrieben und möchte das Wachstum des amerikanischen Handels fördern. Das Safe-Harbour-Abkommen soll europäischen Unternehmen beim Datenaustausch mit amerikanischen Unternehmen das gleiche Datenschutzniveau bieten wie in Europa. Fakt ist aber, dass die FTC weder jemals die Einhaltung der Bestimmungen bei den amerikanischen Unternehmen aktiv geprüft hat, noch hat es je eine Untersuchung oder gar Sanktionen seitens der FTC gegeben, wenn der Verdacht auf Verstoß gegen die europäischen Datenschutzgesetze vorlag. Das Abkommen ist daher nach meiner Ansicht reine Makulatur, um amerikanischen Unternehmen den Zugang zu Europa zu erleichtern. Es dient aber in keinster Weise dem Schutz der europäischen Bürger gegen die Datensammelwut der amerikanischen Konzerne.

Was sollte passieren, um Datenschutz zu gewährleisten, ohne den Unternehmen die Möglichkeit zu nehmen, die Nutzerdaten zu monetarisieren? Die wollen ja auch irgendwie Geld verdienen mit kostenlosen Diensten, oder?

Zunächst einmal gilt es, den Nutzer transparent über die Datensammlung – auch durch Facebook- Like oder andere „kostenlose“ Dienste aufzuklären. Der informierte Nutzer sollte dann die Kontrolle über seine Daten bekommen. Das bedeutet, es muss ihm zu jeder Zeit die Möglichkeit gegeben werden, auf einfache Weise die über ihn gespeicherten Daten und Nutzungsprofile einzusehen und der Speicherung zu widersprechen. Zudem sollte der Nutzer stets seine explizite Einwilligung erteilen müssen, wenn seine personenbezogenen Daten mit Nutzungsprofildaten verknüpft werden. Um dies zu erreichen, müssen nicht etwa die Gesetze geändert werden. Denn genau diese Punkte schreiben Telemedien- und Bundesdatenschutzgesetze bereits seit mehr als 10 Jahren vor. Es ist nach meiner Ansicht an der Zeit, dass die Datenschutzbehörden unsere Gesetze endlich auch durchsetzen, Verstöße öffentlich sanktionieren um damit zu dem vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Schutzniveau zu gelangen. Die Zeit des „Internet Wilden Westens“, wo jeder macht, was technisch möglich ist, muss ein Ende haben. Der „Naivität“ der Bürger, zu glauben, es gäbe etwas kostenlos im Leben, können wir durch Aufklärung alleine nicht begegnen. Dass man auch durch gesetzeskonforme Datensammlung Geld verdienen kann, zeigen einige deutsche Unternehmen, die sich einer Prüfung durch die Datenschutzbehörden unterzogen haben. Die Frage, warum die Internet-Konzerne dies nachhaltig nicht tun, muss den Konzernlenkern gestellt werden.

Vielen Dank!

Neben den von mir gestellten 7 Fragen zum Datenschutz sind bislang außerdem 7 Antworten zum Datenschutz: Christoph Kappes, 7 Antworten zum Datenschutz: fukami, 7 Antworten zum Datenschutz: Martina Pickhardt und 7 Antworten zum Datenschutz: Uli Hegge in der kleinen Interview-Reihe erschienen.

Uli HeggeKürzlich hatte ich 7 Fragen zum Datenschutz gestellt und heute antwortet netterweise Uli Hegge. Uli Hegge ist Medienunternehmer, war zuletzt Chef des Burda iLabs und davor Gründer des Behavioral Targeting Anbieters Wunderloop.

Was ist problematisch an Widgets, Tracking-Pixeln und eingebundenen Werbeplätzen?

Allen gemeinsam ist das Verlassen der “sichtbaren Gefilde”, d.h. es werden Daten mit externen Systemen ausgetauscht. Per se ist das nicht problematisch, es kommt natürlich auf die Art der ausgetauschten Daten an.
Nur im Einzelfall lässt sich beurteilen, was wirklich passiert. Und für das Verständnis und die Beurteilung ist (falls die entsprechende Offenlegung des Externen fehlt) technisches Verständnis erforderlich, das weit über das des Durchschnitts-Nutzers hinausgeht.
Es ist durchaus möglich, bei der Nutzung nach deutschem Recht Datenschutz-konform zu sein – wenn die Datenschutzrichtlinie korrekt formuliert ist, und eine entsprechende Anonymisierung erfolgt oder wirksam eingeholte Einwilligungen vorliegen.

Was ist so schlimm am Like-Button?

Das er manchmal Seitenaufrufe verlangsamt ;) – Nee, im Prinzip gilt das Gleiche wie für alle Einbindungen externer Plug-ins, siehe oben. Das Besondere des Like-Button ist die automatische Übertragung der IP-Adressen aller Besucher, die eine Site mit dem Like-Button aufrufen. Die IP-Adresse, auch eine dynamische, wird von Datenschützern ganz überwiegend als personenbezogen und damit als datenschutzrechtlich relevant angesehen.
Falls, wie Facebook sagt, die IP-Adressen der deutschen Besucher so anonymisiert werden, dass sie nicht personenbezogen sind, wäre der entsprechende Kritikpunkt hinfällig. Allerdings ist eine für deutsche Datenschützer ausreichende Anonymisierung nicht so trivial, wie sie sich zunächst anhört (die letzten 3 Zahlen filtern, beispielsweise). Entscheidend sind u.a. der Zeitpunkt, zu dem die Anonymisierung stattfindet, und wer diese durchführt. Sobald eine theoretische Möglichkeit bestünde, dass der Anbieter aus für ihn im Zugriff befindlichen Daten einen Personenbezug rekonstruieren kann, wäre das nach dieser Ansicht schon ein K.o.-Kriterium. Die vermeintliche Anonymisierung wäre keine.

Was passiert, wenn Unternehmen tracken können, was ich als Nutzer online mache?

Hmm, bisschen offene Frage, oder? Inhalte, Produkte, Werbung können relevanter sein, die User Experience verbessert werden… oder ich werde ausspioniert, aufschlussreiche private Daten verwertet und ich bekomme in meinem ganz realen Leben Probleme.
Und genau das ist das Spannungsfeld, das sich um dieses Thema spannt.

Warum tracken Unternehmen eigentlich, was die Nutzer im Web alles machen?

Siehe vorherige Frage: Um bessere Angebote zu machen, und damit mehr Geld zu verdienen. Und dafür ist es für fast alle Business Modelle nicht wirklich relevant, ob da “Uli Hegge” sitzt. Sondern ob da jemand ist, der gerade oder grundsätzlich Interesse an … haben könnte. Auch für die Verbesserung von Datenmodellen ist, sofern es nicht um Direktmarketing geht, “Uli Hegge” als Individuum irrelevant.
Die böse Variante: Um Nutzer auszuspionieren, und dann eben damit Geld zu machen. Allerdings: Richtige Bad Guys setzen Malware ein, weil typischerweise die durch Standard-Tracking erhobenen Daten für “skalierende kriminelle Aktivitäten” kaum ausreichen dürften. Warum? Siehe nächste Frage:

Haben die jetzt wirklich meinen Namen, Adresse, Bankverbindung,
Hobbies, Freunde und Anzahl plus Namen der Haustiere? Und wie machen
die Unternehmen damit jetzt Geld?

Für die in der ersten und zweiten Frage genannten Dienste: Nein, zumindest wäre mir das nicht bekannt bisher. Da muss ich schon noch selbst bei einem Kauf/Gewinnspiel/… aktiv diese Angaben machen.
Und Geld wird z.B. durch mehr Nutzung = höhere Werbeerlöse / bessere Produktangebote = höhere Conversion/Upsells / präzisere Zielgruppenaussteuerung = höhere Kontaktpreise verdient.

Es gibt doch das Safe-Harbour-Abkommen mit den USA, also ist doch alles halb so wild, oder?

Tja, wenn das wirklich nachvollziehbar und kontrollierbar wäre. Und hat schon mal jemand versucht, Ansprechpartner für die Informationspflicht der US-Unternehmen zu finden, und das auch durchzusetzen? Ich kenne (noch) niemanden.
Abgesehen davon sind die Anforderungen, gemessen an den aktuellen Diskussionen, nicht gerade anspruchsvoll.

Was sollte passieren, um Datenschutz zu gewährleisten, ohne den Unternehmen die Möglichkeit zu nehmen, die Nutzerdaten zu monetarisieren? Die wollen ja auch irgendwie Geld verdienen mit kostenlosen Diensten, oder?

Das mit dem Geld verdienenen funktioniert teilweise schon gar nicht so schlecht – allerdings nur für die wirklich Großen wie Google und Facebook. Durch die (notwendige) Masse an Daten und deren derzeit mehr oder weniger geschickte Nutzung ist die Qualität der Services (meist) sehr gut und eine ständig optimierte Vermarktung möglich.

Das Verständnis von “Datenschutz” muss sich grundsätzlich wandeln, die entscheidenden Fragen neu gestellt und beantwortet werden: Wer oder was muss vor wem geschützt werden? Die bisherigen Denkmodelle hinter den Gesetzen und deren mehrheitlicher Auslegung sind definitiv nicht auf die Internationalität und die technischen Möglichkeiten des Internets ausgelegt.

Kurzform: Was tatsächlich passiert, wie das kontrolliert werden kann, und wie die Nutzer mit ihren Daten umgehen können (wenn sie wollen), sind meiner Meinung nach die zentralen Fragen.
Ist es beispielsweise möglich, die technische und rechtliche Bewertung in ein simples, verpflichtendes und zertifiziertes Ampel-Modell zu bringen? Nur als Denkanstoss: Grün ist anonym, Gelb bedarf expliziter Nutzerentscheidungen, Rot ist personenbezogen und verlangt nach Opt-in. Und diese Informationen gibt es an einer zentralen Stelle auf jeder Site für alle genutzten Dienste, in einem einheitlichen Format.
Die Zertifizierung bedingt klare, verpflichtende Regelungen mit eindeutigen Zuständigkeiten. Das heisst das Gegenteil von dem, was gerade in der EU passiert.
Und die Back-ends können über sichere (ja, ich weiß) APIs gegenseitige standardisierte Abfragen machen. Verschiedene Anwendungen nutzen die gleiche Privacy-Infrastruktur, während der Nutzer über seinen Key den zentralen Access kontrolliert. Eingesetzt wird es vom Browser-Plugin bis zum personalisierten Fernseher.

Wahrscheinlich in der Form kompletter Blödsinn, aber ich halte es für notwendig, andere Denkrichtungen mal in Praxis-Szenarien zu übersetzen.

Eine Anmerkung zum Schluss: Relevant ist übrigens auch sicher die Beobachtung, dass in jeder Befragung die Nutzer ganz überwiegend superharte Datenschutz-Regelungen und entsprechende Funktionen fordern. Tatsächlich gibt es reichlich Beispiele, dass überhaupt nicht reagiert wird, sobald die wahrgenommenen Vorteile überwiegen. Zuletzt schön zu beobachten beim Versuch deutscher Social Networks, sich über das Thema Datenschutz in Abgrenzung zu Facebook zu profilieren und Nutzer zu gewinnen – der Erfolg ist an den Nutzerzahlen abzulesen.

Vielen Dank!

Neben den von mir gestellten 7 Fragen zum Datenschutz sind bislang außerdem 7 Antworten zum Datenschutz: Christoph Kappes, 7 Antworten zum Datenschutz: fukami und 7 Antworten zum Datenschutz: Martina Pickhardt in der kleinen Interview-Reihe erschienen.

AluhutIch halte mich für recht ordentlich informiert, wenn es um den Themenkomplex Internet, Werbung, Datenschutz, Privatsphäre und so weiter geht. Aber, ich habe auch schon öfter mal angedeutet, daß ich ein eher entspanntes Verhältnis zu dem Themenkomplex habe und nicht immer die Sorgen einiger Internetnutzer oder ihre Kritik teile. Die eigene Sichtbarkeit im Netz und der Umgang mit Daten durch Dritte ist ein sehr sensibler Bereich, bei dem ich Bevormundungen und Hysterie nicht angebracht finde. Vor allem aber habe ich den Eindruck, daß unsere Gesetze und ein Großteil der Debatte auf den Wertvorstellungen und dem Erfahrungshorizont der 70er/80er-Jahre resultiert und quasi die Fortführung der Volksbefragungsdiskussion mit anderen Mitteln ist. Die Realität ist aber schon viel weiter und die Gesetze greifen nur ansatzweise, bzw. erlauben viel Graustufen.

Ich habe mir daher mal ein paar Fragen ausgedacht, die ich einigen mir persönlich bekannten und sehr geschätzten Experten gestellt habe und deren Antworten ich hier in den nächsten Tagen veröffentlichen werde. Ich habe die Fragen auch an das ULD in Kiel geschickt, vermute aber mal, daß dort gerade einige Anfragen eingehen und rechne daher eher nicht mit einer Antwort.

Dies sind meine Fragen, bewußt naiv gestellt.

1. Was ist problematisch an Widgets, Tracking-Pixeln und eingebundenen Werbeplätzen?
2. Was ist so schlimm am Like-Button?
3. Was passiert, wenn Unternehmen tracken können, was ich als Nutzer online mache?
4. Warum tracken Unternehmen eigentlich, was die Nutzer im Web alles machen?
5. Haben die jetzt wirklich meinen Namen, Adresse, Bankverbindung, Hobbies, Freunde und Anzahl plus Namen der Haustiere? Und wie machen die Unternehmen damit jetzt Geld?
6. Es gibt doch das Safe-Harbour-Abkommen mit den USA, also ist doch alles halb so wild, oder?
7. Was sollte passieren, um Datenschutz zu gewährleisten, ohne den Unternehmen die Möglichkeit zu nehmen, die Nutzerdaten zu monetarisieren? Die wollen ja auch irgendwie Geld verdienen mit kostenlosen Diensten, oder?

Die Antworten zu den Fragen werden ab morgen als kleine Interview-Serie gepostet. Wer mir und den 3 Lesern des Blogs die Fragen ebenfalls gerne beantworten möchte, der kann mir gerne seine Antworten an siesindallehinterunsher@lumma.de mailen. Vielen Dank!

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Das Thema Widgets und Fernsehen fasziniert mich schon seit einiger Zeit, nun ist Verizon in den USA einen Schritt weiter und hat die Eröffnung des Widget Bazaars verkündet. Derzeit kann man sich Facebook und Twitter auf das TV-Gerät holen und auch nur im Lesemodus. Dennoch ist das ein spannender erster Schritt. Ich persönlich warte ja immer noch auf ein neues AppleTV, das all dies kann inkl. volle Anpassbarkeit und Interaktivität.

Der Beispiel-Screenshot mit Baseball ist übrgens sehr passend, da passiert so wenig, da kann man sich locker mit anderen Leuten gemeinsam über das Spiel unterhalten, ohne etwas zu verpassen. Aber auch bei Casting-Shows und Fußball könnte ich mir mit ein paar Hashtag-Filtern einen sehr witzgen Abend vorstellen.

[ via: Verizon FiOS's Widget Bazaar Opens Tonight: Twitter and Facebook on Your TV – verizon fios – Gizmodo ]