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Aber eigentlich ist die politische Talkshow bereits seit Jahren tot. Nach einem immer gleichen Muster wird allabendlich das Fernsehpublikum unterhalten, und egal ob Jauch, Maischberger, Will, Illner oder Plasberg, das Grundschema ist immer, immer dasselbe. Es gibt ein Thema und einige professionelle Diskutanten, dazu eventuell einige Amateure und dann geht es los. Alle Diskutanten haben ihre Standpunkte und ihre Argumente, vorher gibt es Einspieler, damit man auch ja jeden Teilnehmer der Diskussion gut einsortiert bekommt und dann werden die Standpunkte abgearbeitet. Am Ende sind alle genau so schlau wie vorher und die Zuschauer wurden in ihrer Meinung bestätigt. Aber es kommt niemals vor, daß einer der Diskutanten auch nur gehaucht andeutet, daß eventuell ein Mitdiskutant auch Recht haben könnte mit seinem Standpunkt und deswegen erwägt, den eigenen Standpunkt zu revidieren. Nein, stattdessen tauchen immer wieder dieselben Personen in den Talkshows auf, angeführt von Jürgen Trittin und Gregor Gysi, damit auch ja gewährleistet wird, dass es eine Kontinuität im Schlagabtausch gibt.

Erstaunlicherweise ist dieses Konzept beim Publikum nur bedingt nachgefragt, jedenfalls haben 45% der Befragten die politischen Talkshows in Sommerpause nicht vermisst.

Welche politische Talkshow wurde während der Sommerpause vermisst?

Nun hat Stefan Raab angekündigt, etwas mehr Schwung in dei politische Talkshow zu bringen mit einem neuen Format, bei dem ein Gewinner am Ende eine Geldprämie kassieren soll. Natürlich hagelt es für diese Idee Kritik:

“Das Konzept Mehrheitsmeinungen mit Geldprämien zu belohnen, halten wir für abwegig”, sagte ARD-Chefredakteur Thomas Baumann der dapd. “Es besteht die Gefahr, dass Diskutanten einer vermuteten Mehrheitsmeinung hinterherhecheln.”

Ach, da kann man ja noch nicht einmal müde drüber lächeln. Die öffentlich-rechtlichen Sender reden natürlich gerne von einem Bildungsauftrag, liefern mit ihren politischen Talkshows seit Jahren nur noch Show. Raab will nun diese Show aufgreifen und konsequent weiterentwickeln. Das wirkt wie purer Zynismus, aber ehrlich gesagt ist das auch nichts anderes als das, was die öffentlich-rechtlichen mit ihrem Bildungsauftrag derzeit abliefern.

Ich möchte gerne mal ein Format sehen, bei dem es um den politischen Meinungsaustausch geht, nicht um das Vorbeten von fertigen Parteimeinungen. Aber das wird es nie geben, dazu ist unser politisches System zu eingespielt und das Verändern eines Standpunktes wird immer noch als Schwäche ausgelegt werden. Ich bin gespannt, was Stefan Raab aus der politischen Talkshow macht, vielleicht sorgt ja sein Format für mehr Leben in einem toten Genre. Schlimmer kann es nicht mehr werden. Und nein, eine Twitterwall wäre auch keine Lösung.