52 Bücher – Nr. 33: The Graduate

In den Sommerferien ist mir in einer großen Buchhandlung unweit des Picadilly Circus in London ein Schaufenster aufgefallen, in dem The Graduate großflächig beworben wurde. Ob es einen Anlass dafür gab, weiss ich nicht, aber mir ist dabei aufgefallen, dass ich den Film mehrfach gesehen habe, aber das Buch dazu gar nicht kenne.

In Vorbereitung auf meinen Ausflug in die Bay Area habe ich dann diesen Klassiker in die Hand genommen, denn große Teile der Handlung spielen in Berkeley. Seit ich dort vor 21 Jahren mal studiert habe, ist mir die Stadt ans Herz gewachsen und sicherlich hat auch gerade deshalb der Film bei mir bleibenden Eindruck hinterlassen.

Der Film ist eine ziemlich gute Adaption des Buches. Dafür ist das Buch allerdings anstrengend zu lesen, denn es handelt sich fast nur um Dialoge. Das ist ein interessantes Stilmittel, aber irgendwie auch sehr ermüdend. Aus heutiger Sicht ist natürlich die Handlung kaum noch nachvollziehen, denn Sexual- und Moralstandards haben sich geändert und niemand erwartet mehr, dass junge Frauen mit dem Ende des Colleges bereits verheiratet sein sollten und der Mann für sie zu sorgen habe. Die Einstellung zum Seitensprung hat sich vermutlich weniger geändert.

Den Film fand ich besser, aber das liegt vermutlich auch an Dustin Hoffmann und Anne Bancroft.

The Graduate

52 Bücher – Nr. 32: Der einfache Weg zum begeisternden Vortrag: 5 Minuten Arbeit – 15 einfache Schritte – 50 Dos and Don’ts

Ich halte viele Vorträge, vor kleinen Gruppen, aber auch vor großem Publikum. Mittlerweile habe ich es hinbekommen, dass das Publikum meistens an den richtigen Stellen lacht und an den richtigen Stellen irritiert guckt. Aber ich bin immer unzufrieden mit meiner Performance und will sie besser machen. Daher experimentiere ich viel, ändere meine Slides, auch wenn ich meine „Klassiker“-Folien habe, von denen ich weiss, dass sie funktionieren. Teilweise lasse ich alle Hilfsmittel weg und rede frei, ab und zu verlese ich sogar eine aufgeschriebene Rede.

Daher habe ich vor ein paar Wochen zu Der einfache Weg zum begeisternden Vortrag: 5 Minuten Arbeit – 15 einfache Schritte – 50 Dos and Don’ts gegriffen und mir mal durchgelesen, as ich alles besser machen könnte. Viele der Tipps sind naheliegend, andere fand ich überraschend. Ich kann jetzt nicht sagen, dass ich alles sofort verinnerlicht habe und meine Vorträge sofort noch besser geworden sind, aber es hat dazu geführt, dass ich den Aufbau meiner Vorträge, aber auch einige Formulierungen überarbeitet habe. Über die 50 Do’s und Don’ts werde ich sicherlich noch ein paar Mal rübergehen, in der Hoffnung, dass ich dadurch besser werde.

So ein Vortrag, auch wenn er leicht aussieht, ist nämlich durchaus harte Arbeit an den Details. Der Autor Florian Mücke hat dies immer wieder deutlich gemacht, wenn er über seine eigene Arbeit und die damit verbundenen Verbesserungen geschrieben hat. Die Beispiele, die er in dem Buch gebracht hat, fand ich ziemlich nachvollziehbar und anregend für die eigene Arbeit. Etwas genervt hat der häufige Verweis auf professionelle Redner, die ich allesamt nicht kannte, die aber als Überflieger dargestellt wurden im professionellen Redner-Zirkus. Es zeigt aber auch, wie man in seinen jeweiligen Filterblasen gefangen ist, das gilt sowohl für den Autor als auch für mich.

Der einfache Weg zum begeisternden Vortrag: 5 Minuten Arbeit – 15 einfache Schritte – 50 Dos and Don’ts

52 Bücher – Nr. 31: Nach dem Krieg – Wie wir Amerikaner wurden

karasek_nach_dem_kriegEigentlich wollten wir nur ein paar Kinderbücher kaufen, aber dann bin ich zufällig bei Buchhandlung Heymann über Nach dem Krieg – Wie wir Amerikaner wurden gestolpert. Hellmuth Karasek fand ich immer beeindruckend, denn er konnte einfach schön erzählen und wirkte auf mich immer unheimlich belesen und freundlich.

Nach dem Krieg ist Karaseks persönliche Erzählung der Jahre nach dem Krieg, dem Wiederaufbau und der konservativen Restauration der 50er Jahre. Große historische Züge werden mit kleinen persönlichen Episoden unterfüttert und angereichert. Das hat natürlich Züge von Opa erzählt vom Krieg, aber es ist auch unheimlich toll zu lesen und beeindruckend, wie Karasek als Junge die Wirren des Krieges und der Nachkriegszeit überstanden hat. Ähnliche Geschichten kenne ich von Erzählungen meiner Eltern, die allerdings zu klein bzw. noch nicht geboren waren und insofern eher die Geschichten ihrer Eltern und Verwandten erzählt haben.

Das Buch ist aber keine Ansammlung von Anekdoten, sondern zeichnet ziemlich gut ein Bild der damaligen Zeit, vor allem der gesellschaftlichen Konventionen und der wirtschaftlichen Entwicklungen. Der Schwarzmarkt wird ebenso behandelt, wie die Nitribit, das Verhältnis zu Amerika, der Umgang mit Nazis, die Veränderungen in den Familien oder auch der Umgang mit Schwulen.

Ich habe das Buch quasi in einem Rutsch inhaliert und obwohl das Buch erst nach Karaseks Tod fertiggestellt wurde, wirkt es wie aus einem Guss, auch wenn Karasek gerne mal ein wenig rumspringt in der Erzählung, so wie das eben ist, wenn Opa vom Krieg erzählt. Geärgert habe ich mich erst ziemlich zum Schluss, als das Tragen von Baseballkappen kritisch gewürdigt wurde und dem Lektorat nicht aufgefallen ist, dass das populäre NY auf einer Baseballkappe nicht Affinität zu den New York Giants, sondern zum Baseballteam New York Yankees ausdrücken sollte. Das mag banal sein, aber sowas darf nicht durchrutschen.

Das Buch habe ich auf dem Weg nach Amerika gelesen, das fand ich irgendwie passend.

Nach dem Krieg – Wie wir Amerikaner wurden

52 Bücher – Nr. 30: Girlmore Girls. 100 Seiten

girlmore_girls_100_seitenOk, ich gebe es zu: natürlich habe ich dieses Buch meiner Frau geschenkt, um es dann später selber zu lesen, nachdem sie damit durch war. Pünktlich zur lang ersehnten Fortsetzung der Gilmore Girls auf Netflix ist das kleine, handliche Reclam Buch Girlmore Girls. 100 Seiten erschienen. Quasi für alle, die es bislang versäumt haben, die amerikanische TV-Serie Girlmore Girls zu gucken. Oder die nach all den Jahren vergessen haben, worum es eigentlich ging.

Für mich war dieses Buch überflüssig. Wir hatten gerade die gesamten 7 Staffeln zur Vorbereitung auf die neuen Folgen bei Netflix noch einmal komplett geguckt. Was für ein Spaß. Und bei der Lektüre des Buches ist mir dann eines aufgefallen: wie seltsam die Dialoge auf deutsch wirken. Als TV-Serien-Snob haben wir natürlich alle Staffeln auf Englisch geguckt, was aufgrund der Dialogdichte echt ein Spaß ist.

Wer allerdings die Gilmore Girls noch nicht kennt, der wird auf 100 Seiten sehr kompakt von Karla Paul an diesen wunderbaren Themenkomplex herangeführt.

Girlmore Girls. 100 Seiten

52 Bücher – Nr. 29: Neben uns die Sintflut

Das Buch des Soziologen Stephan Lessenich ist fies. Denn Lessenich reibt dem Leser dauerhaft rein, was dieser eh schon weiss, vermutet oder nicht wahrhaben will. Ich kenne Lessenich noch aus meiner Zeit als Student in Göttingen, damals hatte ich allerdings nie eine seiner Lehrveranstaltungen besucht, war aber mal mit ihm in einer Kneipe. Grund genug, mal sein aktuelles Buch zu lesen.

neben_uns_die_sinnflutNeben uns die Sintflut: Die Externalisierungsgesellschaft und ihr Preis handelt von der Externalisierungswirtschaft, deren Auswirkungen uns seit Jahrzehnten als Nord-Süd-Gefälle bekannt ist. Unser Wohlstand geht zu Lasten der Ärmsten der Welt – das ist jetzt nicht die allerneueste Erkenntnis, aber Lessenich sorgt in seinem Buch noch einmal dafür, dass das Thema wieder präsent wird. Wir schieben Risiken von uns weg, feiern uns für eine tolle Ökobilanz, während der Müll und die damit verbundenen Gefahren woanders hin exportiert werden. Ebenso feiern wir Sozialstandards und Mindestlohn, während Arbeiter am andere der Welt unter menschenunwürdigen Bedingungen für uns schuften müssen.

Das Schlimme an dem Buch ist: es gibt kein Happy End und auch nicht viel Hoffnung auf Veränderung. Es sei denn wir verändern unseren Lebensstil radikal. Davon würde ich jetzt mal nicht ausgehen, eher erhöhen wir die Ignoranz, so wie gerade bei den US-Wahlen geschehen.

Neben uns die Sintflut: Die Externalisierungsgesellschaft und ihr Preis