Rot-Grün plus SSW

Wenig überraschend, aber in Kiel läuft alles auf Kurs “Rot-Grün plus SSW”, auch wenn konservative Auguren in den vergangenen Tagen gerne eine Große Koalition herbeigeschrieben und -gesehnt haben.

Stammleser werden kaum überrascht sein, dass ich diese Konstellation begrüße. Vor allem, weil ich denke, dass eine Koalition zwischen SPD und CDU eine unglückliche Konstellation gewesen wäre, die vor allem zu Lasten der SPD gegangen wäre. Ich hoffe allerdings, dass die Regierungsparteien jetzt die Gunst der Stunde nutzen und liebgewonnene Rituale wie das Gezänk um die Ostsee-Autobahn endlich hinter sich lassen. Ein Generationswechsel bei der SPD muß jetzt auch dringend eingeleitet werden, und das gilt nicht nur für das Amt der Ministerpräsidentin, sondern vor allem für die Ministerposten. Ein skandinavischeres Schulsystem dürfte ein deutliches Signal sein für eine andere Schulpolitik. Ich bin gespannt.

Wir werden alle entlassen werden

Das ist doch mal eine Pressemitteilung, wie man sich sie wünscht.

Bereits in den ersten Monaten diesen Jahres haben diverse Kündigungen von Mitarbeitern aufgrund von unerwünschter Blogging-Aktivitäten am Arbeitsplatz für Aufsehen gesorgt. Sensible Informationen, die auf diesem Wege verbreitet werden, tragen den betroffenen Unternehmen nicht selten einen gefährlichen Imageschaden zu.

Erst wird ein Spannungsbogen aufgebaut. Dann mit Statistikdaten unterfüttert:

Die von Clearswift veröffentlichten Ergebnisse der aktuelle Studie ?Email-Nutzung am Arbeitsplatz? ergaben, dass ein Anteil von 40 Prozent der Beschäftigten mit Internetzugang täglich über eine Stunde mit der privaten Nutzung unternehmenseigener Email- und Webressourcen verbringt. Vor diesem Hintergrund bergen insbesondere die immer beliebter werdenden Weblogs ernstzunehmende Risiken für Unternehmen. Unzufriedene, nachlässige oder sogar feindlich gesinnte Mitarbeiter können ihre Meinungen sowie vertrauliche Unternehmensinformationen über diesen neuen Kommunikationsweg nahezu unkontrolliert verbreiten. Der Verlust produktiver Arbeitszeit, die Weitergabe vertraulicher Informationen und Rufschädigung sind die häufigsten Folgen solcher Weblog-Postings, die bewusst oder unbewusst gegen die Interessen des Unternehmens verstoßen.

Danach wird der Fall Mark Jen und Google angeschnitten und sogleich ein Experte aus dem eigenen Haus angeführt:

?Die aktuellen Kündigungsfälle haben gezeigt, dass zwischen dem Recht auf freie Meinungsäußerung und dem Recht auf die Wahrung von Unternehmensinteressen ein Spannungsbogen existiert?, kommentiert Michael Scheffler, Regional Manager Central and Eastern Europe bei Clearswift. ?Blogging ist ein einfacher Weg für die Verbreitung von Meinungen und Daten, mit der man schnell viele Internet-Nutzer erreichen kann. Die weitergegebenen, teilweise sensiblen Unternehmensinformationen werden bei den Lesern solcher Blogs jedoch schnell als allgemein gültig eingestuft und repräsentieren nicht mehr das, was sie eigentlich sind: die persönliches Meinung ihres Verfassers,? ergänzt Scheffler.

Die präsentierte Lösung schliesslich ist das Blocken von Weblogs oder das Sperren der Posting-Funktionalität im Unternehmensnetzwerk.

Wenn man Clearswift glauben schenken will, dann ist es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis es Massenentlassungen wegen Bloggens geben wird. Es sei denn, man setzt Lösungen aus dem Hause Clearswift ein, oder sperrt seinen Mitarbeitern gleich den Internetzugang. FUD ist prima, vor allem wenn man auch gleich das passende Produkt für die Wahrung der Firmengeheimnisse hat.

Winterwunderland


Bin heute mit meinen Langlaufski zur Arbeit geglitten.

Hitlers Bodyguard

Passend zur Oscar-Verleihung hat Salon.com einen längeren Artikel über Rochus Misch, der zu Hitlers Leibgarde im Führerbunker gehörte.

Germany’s peculiar post-World War II identity, stretched uncomfortably between self-awareness and denial, is well-illustrated by Rochus Misch and his relationship to the German media.

Among the last living relics of the Nazi era, the 87-year-old Misch served as bodyguard, courier and telephone operator in the direct service of Adolf Hitler from 1940 to 1945. And recently he’s been rediscovered — the character of Misch is portrayed in Oliver Hirschbiegel and Bernd Eichinger’s movie “Downfall,” nominee for a best foreign-language Oscar and the most talked-about German film of the decade. The film’s impact, both positive and negative, cannot be understated: It’s the first time German cinema has dared to portray Hitler as a complex character rather than a cardboard monster and allowed the fall of the Third Reich to be the stuff of conventional melodrama.

In the film, Misch is depicted only briefly; his status in the bunker was low. But with the death of the few other remaining members of Hitler’s entourage over the past 10 years, he has gained a new significance: He’s now the last living man from the Führerbunker. Still, “The last man from the Führerbunker” has not received quite the level of media attention one would expect in the wake of the hugely successful film. If he is quoted, it is in short sound bites, or he is passed over entirely.

Der Artikel gibt einige Einblicke in die Abläufe im Führerbunker, aber lässt auch vermuten, dass der Interviewte die Vergangenheit durchaus verklärt sieht.

Stabile Regierung – das Möchtegern-Mantra der CDU

CDU und SSW werden in Schleswig-Holstein wohl nicht zusammenkommen, welch Überraschung.

Die CDU in Schleswig-Holstein teilte mit, in den Sondierungsgesprächen mit dem SSW habe es unvereinbare Auffassungen gegeben. Auch eine wie auch immer geartete Tolerierung könne nicht im Sinne von Schleswig-Holstein sein, sagte der designierte CDU-Fraktionsvorsitzende Peter Harry Carstensen. Im Falle des Scheiterns der Gespräche über eine große Koalition will die schleswig-holsteinische CDU um SPD-Abweichler für die Ministerpräsidentenwahl am 17. März werben.

Er betonte die schwierige politische Situation im Land, die es bei Bildung einer vom SSW tolerierten Minderheitsregierung geben würde. “Das Land braucht stabile Mehrheiten, um die wirtschafts- und arbeitsmarktpolitischen Probleme zu bewältigen.” In dieser Auffassung wird Carstensen von der CDU-Vorsitzenden Merkel unterstützt, die sich abermals für eine große Koalition in Schleswig-Holstein ausgesprochen hat. “Das Land braucht eine stabile Regierung”, sagte Frau Merkel im Deutschlandfunk.

Jetzt wird so getan, als wenn es noch nie eine Situation in einem bundesdeutschen Parlament gegeben habe, wo eine Seite mit nur 1 Stimme vorne lag. Die Stabilität einer Regierung macht sich doch nicht an der Anzahl der Sitze fest, sondern an der Übereinstimmung bei wichtigen Themen und deren Umsetzung. Gerade wenn es bei jeder Abstimmung knapp wird, dann schweisst das zusammen. Als historisches Beispiel könnte man jetzt beispielsweise Konrad Adenauer anführen, der a) in der CDU war und b) bei seiner ersten Wahl zum Kanzler eine Stimme Vorsprung hatte.

Also, liebe CDU, anstatt hier einen auf beleidigte Leberwurst zu machen, wie wäre es mal mit einem seriösem Politikstil? Die Wähler lassen sich ungern verarschen und das Werfen von Nebelkerzen a la “Schleswig-Holstein braucht eine stabile Regierung”, oder “die Partei mit den meisten Sitzen hat traditionell den Ministerpräsidenten zu stellen” führt auch zu nichts. Viel mehr sollten sich Carsten Harry Petersen und Konsorten mal fragen, warum ausser dem seit Ewigkeiten der Macht hinterherrennenden Wolfgang Kubicki niemand grosses Interesse an einer Koalition mit ihr hat.