Wenn ich mal gross bin…

… dann werde ich auch schön mit meinem Phaeton an der Ecke Gertigstrasse/Mühlenkamp stehen, diesen beim Anfahren abwürgen und danach mit qietschenden Reifen rasant um die Ecke flitzen. Dann hätte ich alles erreicht im Leben, inklusive absolute Lächerlichkeit.

Cookys

Ich bin in letzter Zeit recht einseitig geworden, was meine Auswahl an Lektüre angeht. Dicke Bücher lese ich schon gar nicht, hab letzte Woche spontan angewidert einen Neal Stephenson 700-Seiten-Schinken weggepackt. Eigentlich interessieren mich momentan Kochbücher und Bücher über die Jugend in den 70ern/80ern, ich werde eben langsam alt. Praktischerweise hatte ich letztens in meinem Lieblings-Buchladen am Mühlenkamp eine Ausgabe von Cookys in der Hand und habe mir überlegt, dass das die ideale Lektüre für den Flug nach Paris sein könnte. War leider auch so, was dazu führte, dass ich die erste Nacht bis morgens um 2 noch lesen musste, was dem Aufstehen um 6 Uhr etwas entgegenstand.

Ich fand es in der Schule schon scheisse, Rezensionen zu schreiben, irgendwie muss man das Buch selber lesen. Es geht um Jugend, Drogen, Kochen, Musik, Jimi, Janis, Kochen, Tod, Liebe, Kochen. Das Buch ist schnell, wie das Leben auch. Dann war es vorbei und demnächst werden einige der Rezepte nachgekocht.

Zur Debatte um die Kapitalismuskritik

Franz Müntefering hat vor ein paar Tagen eine Debatte zum Thema Kapitalismus losgetreten und damit äußerst unterschiedliche Erwiderungen hervorgerufen. Wie erwartet schreien die einen auf, die anderen schütteln den Kopf und vielen stimmen zu. Ein ideales Wahlkampfthema also, um die Massen mittels einen genüßlichen “Wir – die”-Schema hinter sich zu bekommen? Die SPD versucht die von ihr enttäuschten Wähler wiederzugewinnen, indem Müntefering für das Soziale eintreten soll und Schröder sich weiter als Genosse der Bosse gerieren kann. Ein interessanter Spagat, der durchaus Potential hat, Wähler wieder zur Urne zu bewegen.

Interessant an der Debatte finde ich, dass sie so viel Wirbel macht. Ich denke, dass es höchste Zeit ist, den real praktizierten Kapitalismus kritisch zu hinterfragen, eigentlich sollte dies permanent geschehen. Wir leben nun mal in einer Konsumgesellschaft und wenn die Anzahl der Konsumenten immer weniger wird, weil wir von den 5 mio Arbeitslosen nur schwer herunterkommen, dann ist es mehr als angebracht mal darüber nachzudenken, was das für unser wirtschaftliches System bedeutet. Das pure Äussern von Kritik bedeutet ja noch nicht die Forderung der Verstaatlichung der Schlüsselindustrien, wie es in den 70ern noch zum guten Ton gehörte.

Entscheidend ist für mich allerdings die derzeitige Stimmung im Land, die einfach nicht besser werden will. Ohne gute Stimmung gibt es auch keine guten Ideen und niemand wird Interesse haben, diesen Ideen Chancen zu geben. Da helfen auch keine Innovations-Offensiven, die vom Staat verordnet werden. Die gute Stimmung kann man allerdings nicht erreichen, indem man Rekordgewinne verkündet und dazu massiv Stellen abbaut.

Ich wünsche mir, dass die von Müntefering angestossene Debatte dazu führt, dass unsere Konsensgesellschaft mal ein wenig aus den Fugen gerät und die einzelnen Interessensgruppen mit offenem Visir sich die Meinung geigen. Ein reinigendes Gewitter sozusagen. Aber spätestens mit dem Eintreten in das Wahljahr 2006 wird diese Debatte zu einem reinen Positionskampf verebben. Schade drum. Kritik ist gut und wichtig. Gerade am Kapitalismus. Denn aus sich heraus kommt da nix, ausser der Suche nach mehr Profit. So sinnvoll ich die soziale Marktwirtschaft auch finde, dass ewige Vermeiden von Konflikten führt zu nichts, ausser zu Mehltau über unserem Land.

Markttag

Markttag

Goldbekufer