Arbeitsblog

Kajo Wasserhövel bloggte im letzten Wahlkampf als Wahlkampfleiter der SPD und hat offensichtlich Gefallen am Bloggen gefunden. Gestern ist das Arbeitsblog gestartet, auf dem Kajo Wasserhövel als Staatssekretär im Arbeits- und Sozialministerium über Themengebiete wie Arbeitsmarkt oder Initiative 50plus bloggen will.

Damit haben wir den ersten bloggenden Staatssekretär.

Die Kommentare sind offen, also nutzt die Gelegenheit für den Dialog.

Skandalereichen

Die sog. Top-Liste der Blog-Skandale drüben bei Robert Basic erhält gerade einiges an Aufmerksamkeit. Da Robert viel bloggt, wenn der Tag lang ist, wird immer schön mit einem breiten Pinsel gemalt, damit es plaktiver wirkt. Diese Top-Liste der Skandale ist vielmehr ein Listchen der Aufreger in der Blogosphäre, aber mehr auch nicht.

Mit der Ausnahme von Jamba hat es keines der beschriebenen sog. Skandale zu wirklicher Aufmerksamkeit gebracht, auch wenn sich StudiVZ gerade alle Mühe gibt. Nur weil ein paar Blogs ein Thema aufgreifen, verlinken und ein paar Wochen später sogar SpOn und Heise einen kurzen Artikel hinterherschieben, heisst das noch lange nicht, dass es einen Skandal gibt. Einige der angesprochenen Punkte waren überwiegend Korinthenkackerei mit viel heißer Luft, andere Punkte einfach Lachnummern wie dieser Flitzpiependoc.

Robert, nenn diese Liste lieber “Liste von einigen ganz ordentlich diskutierten Themen” und nicht “Top-Liste der Skandale”, das passt besser. Ich weiß, Weihnachten steht vor der Tür und die Adsense-Einnahmen müssen verbessert werden, aber einfach nur heiße Luft zu produzieren mag das Leben als Rampensau vielleicht angenehmer machen, nur beim Publikum bleibt ein nicht so schöner Geruch über.

Geräuschvolle Virenwarnung

Heute nachmittag schliefen die Kinder auf dem Rückweg vom Kinderladen wunderprächtig ein. Auf einmal gab es ein kurzes Ruckeln auf dem Rücksitz, dann folgte ein ziemlich langgezogenes:

Bööööööööööööööööööaaaaaaaaaaaaaaaaarggggggggggsssssurrrrrrrrrrrgsssssssssäääääääääää

und unsere Tochter hatte einmal herzhaft sich und ihren Kindersitz vollgekotzt. Das Prozedere wurde dann noch ein paar Mal wiederholt.

Danach roch das Auto wie ein Klo am Morgen nach einer guten Party und wir sehen die aktuelle Virenplage in die nächste Runde gehen.

SIME Häppchen

In den paar Tagen in Stockholm habe ich jede Menge interessanter Leute kennengelernt, die noch dazu spannende Projekte verfolgen.

Marko Ahtisaari, bekannt durch AULA, hat Teile der Konferenz moderiert und am Rande das Startup Blyk vorgestellt, das werbefinanzierte und damit kostenlose Mobiltelefonie für Jugendliche ab Mitte nächsten Jahres anbieten wird.

Nikolaj hat Polar Rose vorgestellt, ein, profan ausgedrückt, dezentraler crowdsourciger Bildererkennungsdienst, der Anhand eines Fotos ein 3d-Modell des Kopfes macht und mit diesem Modell dasselbe Gesicht auf anderen Fotos wiedererkennen kann. Polar Rose wird mit den bekannten Bilderdiensten und Videoplattformen funktionieren. Ziemlich imprägnierend, und laut Nikolaj wird es ein halbes Jahr dauern, bis alle Fotos des Webs zugeordnet sein werden, so daß eine Suche nach einem Namen auch wirklich Fotos mit dieser Person liefern wird. Privacy-Issues blende ich erst einmal aus, die Idee ist sehr spannend. Nebenbei hat Nikolaj noch mit Imity rumgespielt und gleich mal meine Bluetooth-Presence getaggt.

Mit Hjalmar Winbladh habe ich mich kurz über seinen Dienst Rebtel unterhalten, den ich seit ein paar Wochen mit großer Begeisterung nutze. Hjalmar hat bei mir einige Sympathiepunkte geerntet, nicht nur weil er seine Präsentation mit einem Pitch zugunsten seiner Tochter gestartet hat (“Junge Kaninchen zu verkaufen”, mitsamt Bild), sondern auch, weil er meine Auffassung über Mobilfunkunternehmen und die Entwicklung hin zu Wifi-basierter VOIP-Telefonie per Handy teilt.

Marieke hat Souki.com vorgestellt, eine sog. behavioral Search-Engine, die quasi einen Geschmackszwilling finden kann, so daß beispielsweise bei einem Besuch in einer anderen Stadt “einfach” die Vorlieben des Geschmackszwillings genutzt werden können, um auf Anhieb das geeignete Restaurant auswählen zu können. Will ich das wirklich? Klingt auf alle Fälle ziemlich advanced.

Simfy.de ist ein Startup aus Deutschland, das nach einem Billigmobilfunker klingt, aber eigentlich nach kaufbarer Musik sucht und die Ergebnisse nach Preis sortiert. Auf den ersten Blick wird einem damit ziemlich klar, was man immer schon wußte: die Musikindustrie hat einen Knall und die Songs sind allesamt viel zu teuer. Aber simfy.de ist ganz lässig und einfach zu benutzen.

Imageloop ist ein Kölner Startup, das sich auf Slideshows spezialisiert hat. Ich habe damit natürlich auch gleich rumgespielt und bin recht angetan von dem Dienst. Man lädt paar Bilder hoch oder lässt sie aus dem Web scrapen, clickt ein wenig herum und schon rutschen ganz chic die Bilderchen durch eine Slideshow. Irgendwie fehlte so etwas bislang noch, und ganz nebenbei werden noch ordentlich APIs unterstützt, damit die Slideshow ratzfatz im Blog oder bei MySpace oder sonstwo landet.

Dann war da noch das berlin kollektiv, ein Blog von Frederic, der in Stockholm lebt, sich aber als Exil-Berliner fühlt und ein kollektives Weblog für den gemeinen Exil-Berliner an sich gestartet hat. Frederic will dringend mehr Mitblogger und Leser, aber will sich nicht aufdrängen, also geht mal vorsichtig rüber, wenn Euch das Thema interessiert.

Markenzerstörer ‘r us?

Heute scheinen Binsenweisheiten mal wieder tief zu fliegen, jedenfalls so tief, dass die FAZ sie aufgreift.

Aktive Blogger können eine Marke an einem Tag aufbauen – oder vernichten.
Firmen sollten daher keine Beziehung zu ihnen vortäuschen, oder sie werden einen Gegenschlag erleben”, sagt Jaap Favier vom Marktforschungsunternehmen Forrester, der Profile der europäischen Blogger erstellt hat. Er rät Unternehmen, erst dann die “Blogosphäre” zu betreten, wenn sie die Eigenheiten der Tagebuchschreiber genau kennen.

Eine dieser Eigenheiten ist es, denjenigen jegliche Kompetenz abzusprechen, die Blogger als Tagebuchschreiber bezeichnen, aber das nur am Rande.

Weiter unten im Text kommt dann noch der Hinweis, dass 70 Prozent der Blogger ihren Freunden von Produkten erzählen, die sie mögen. Das ist doch schon mal eine etwas positivere Aussage.

Beides, sowohl das Negative als auch das Positive, zeigt doch aber vor allem, dass Blogs Konversationen darstellen. Wenn in meinem Freundeskreis jemand etwas empfiehlt oder schlecht findet, dann hat das auch Einfluß auf die Kaufentscheidungen in meinem Freundeskreis. Bei Blogs ist dies nicht anders, ausser dass alles im Web stattfindet und Suchmaschinen diese Konversationen erfassen und damit für Leute auffindbar machen, die an der ursprünglichen Konversation gar nicht beteiligt waren und damit die Wirkung u.U. potenziert wird.

Ich finde den Ansatz, Weblogs eine zerstörerische Macht zuzuschreiben, schon seltsam. Bestimmt kann es nicht gut sein für eine Marke, wenn sie lauthals von vielen Bloggern niedergeschrieben wird. Aber in aller Regel passiert das nicht ohne Grund. Im Gegensatz zu den Aufregern im Freundeskreis finden die gebloggten Aufreger aber nun mal Leser und in dieser Leserschaft können wiederum Leute sein, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Insofern finde ich dies nicht zerstörerisch, sondern sehe eher eine Korrektivfunktion, die dann der Wunderwelt des Marketings gegenüber gestellt wird. Gute Produkte und Marken haben auch in Blogs wenig zu befürchten, schlechte Produkte und Marken werden aber eben als solche dargestellt. Das finden sicherlich einige Marketingverantwortliche nocht so toll, aber aus Konsumentensicht finde ich diese Korrektivfunktion dringend erforderlich.