Subventioniertes Leuchtturmprojekt mit 90% Eisberg

Letzte Woche war ich bei der Konferenz Die Macht der Suchmaschinen und Portale in Hamburg und schon gleich bei der Special Keynote von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang Wahlster war ich etwas verwundert. Ziemlich schnell wurde klar, dass der Referent nix von Folksonomies hält und stattdessen eine ordentliche Ontologie für das Web her müsse, damit man alles leichter organisieren könne. Er wies dann auf die beiden von ihm Leuchtturmprojekte genannten Projekte Quaero und Theseus hin, wobei letzteres unter Teilnahme der von ihm geführten DFKI umgesetzt werden soll.

Am zweiten Veranstaltungstag hat dann Dr. Stefan Wess von der Empolis GmbH, einer Bertelsmann-Tochter, die wiederum Gesellschafter bei der DFKI ist, noch etwas mehr zu Theseus erzählt. Bislang wusste ich nur, dass der Bund 90 Mio EUR investieren will und die Industrie noch einmal denselben Betrag draufpacken will. Laut Dr. Wess ist der Grund für die Abspaltung vom Quaero-Projekt, dass man im Gegensatz zu den Franzosen nicht Google nachbauen will, denn so Wess, die Technologie sei bekannt und verfügbar und wenn der Wille seitens SAP oder Bertelsmann da wäre, dann könne man eine derartige Suchmaschine auch nachbauen, das stelle kein Problem da. Ich war verdutzt, aber plötzlich aufmerksam. Wess meinte weiter, Google kümmere sich nur um 10% des EIsbergs und Theseus würde sich mit den anderen 90% beschäftigen. An Theseus sind u.a. SAP, Siemens, Empolis, DFKI, die Fraunhofer Gesellschaft sowie etlichen Universitäten beteiligt, aber schon Ende diesen Jahres wolle man mehr Partner ins Boot holen. Offiziel könne man noch nichts sagen, da erst einmal Brüssel dieses Projekt und die Finanzierung seitens des Bunds prüfen müsse und das würde eben dauern. Wess ging dann ein wenig auf die unterschiedlichen Thematiken ein, die die beteiigten Firmen innerhalb des Theseus-Projektes federführend bearbeiten würden. Naheliegend, dass SAP sich um Business-Informationen kümmern möchte und Siemens um Medizininfos, aber doch erstaunlich, dass Lycos in diesem Konstrukt eine User-Generated-Content Plattform entwickeln möchte. Es verwundert nicht, dass man derzeit bei Recherchen im Web kaum detaillierte Infos zum Theseus-Projekt findet, selbst beim BMWi steht wenig, abgesehen vom Hinweis, dass Theseus <> sei.

Ich habe auf der Konferenz den Einwand gebracht, den ich hier gerne wiederhole, dass das Theseus-Projekt sehr danach aussieht, dass die Firmen, die die letzten 10 Jahre verpennt haben, jetzt mit Geldern vom Staat versuchen, noch ein klein wenig vom Kuchen abzubekommen. Ich finde es allerdings ziemlich absurd, dass sich hingestellt wird und gesagt wird, eine Index-basierte Volltextsuche wie Google wäre nicht das Problem, daher würde man sich um Ontologien und das semantische Web kümmern, dann aber dafür Subventionen vom Bund braucht und auch noch das Argument “Standort Deutschland” anführt. Ich bin mir sehr sicher, dass der Großteil des Geldes für Koordination, Meetings und Nabelschau draufgehen wird. Wenn Bertelsmann und SAP so vie Geld haben, dann sollen sie es auch selber ausgeben und nicht den Staat um Hilfe ersuchen. Das ist deutsche Subventionskultur, wie man sie kennt.

Soviel zum Thema Leuchtturm. Da strahlen die subventionierten Konzerne um die Wette und werden am Ende des Projektes sehr blass aussehen.

Rücktritt des Hamburger SPD-Landesvorstands

SPD-Landesvorstand tritt geschlossen zurück – alles andere wäre auch nicht mehr vermittelbar gewesen.

Allerdings: Die eigentlichen Verantwortlichen für das sinnlose Gekaspere in Hamburg sind die sieben Kreisfürsten. Die Kreisvorsitzenden sollten ebenfalls ihren Hut nehmen, denn sie haben diese Situation maßgeblich verbockt. Unter den Kreisvorsitzenden gab es Unzufriedenheit mit Petersen und Dorothee Stapelfeldt wurde als Notlösung aus dem Hut gezaubert. Man versucht aber nicht, den König aus dem Land zu laden, wenn man keine Ahnung hat, wer es danach machen soll. Nun stellen alle fest, dass die SPD Hamburg ein ziemliches Problem hat. Klar hat sie das, und es fängt bei der Verantwortungslosigkeit der Kreisvorsitzenden an, die den Landesvorsitzenden demontiert haben, ohne eine Alternative zu haben. Ich dachte, das lernt man frühzeitig bei den Jusos oder beim Geklüngel im Ortsverein.

Am Tag des Rücktritts des Landesvorstands sieht die Situation der Hamburger SPD so aus: kein Landesvorsitzender in Sicht, kein Spitzenkandidat. In den letzten Wochen haben alle möglichen Kandidaten sich nicht mit Ruhm bekleckert. Also müsste jetzt jemand von aussen geholt werden, aber bei der Dilettantentruppe hat natürlich niemand Lust auf die Aufgabe, vor allem niemand, der derzeit eine wichtige Funktion inne hat und von dem man erwarten könnte, dass er 2008 Ole von Beust ersetzen wird. Die Kreisfürsten sind alle nicht in der Lage, mehr Verantwortung zu übernehmen, sie haben augenscheinlich mehr als nur mangelndes Politikverständnis. Die Rolle von Mitte und Kahrs ist natürlich zentral beim derzeitigen Debakel, aber generell muß man schon sehen, dass die Kreisvorsitzenden insgesamt versagt haben.

Politik-Dilettanten von der Waterkant

In den 90ern wurde viel publiziert zum Thema Niedergang der Großstadtpartei und ich hatte immer gehofft, dass derartige Texte auch bei meinen Hamburger Genossen gelesen werden würden, zumal ich in den 90ern dort in Wahlkampfzeiten als Student arbeiten durfte.

Wenn man sich allerdings anguckt, was sich seit dem Ende der Amtszeit von Henning Voscherau auf allen Ebenen abspielt, dann muß man leider sehen, dass in Hamburg alle Chancen zu einem ordentlichen Neu-Anfang verpennt wurden. Nachwuchspolitiker leiden an mentaler Frühvergreisung und versprühen soviel Charisma wie ein Besen, die ehemals zweite Garde will zur ersten werden und überhebt sich maßlos an der Aufgabe, von Ideen keine Spur.

Da ist es logisch und konsequent, dass sich die SPD Hamburg bei der Suche nach einem Spitzenkandidaten gerade mit einer wundersamen Selbstinszinierung permanent in den Schlagzeilen der örtlichen Springerpresse hält und deutlich macht, dass sie nicht nur in der Opposition ist, sondern dort eigentlich auch am Liebsten noch lange bleiben will, denn da kann man sich so vortrefflich mit sich selber beschäftigen.

Nun also Entsetzen in SPD: Wahl manipuliert und ich kann dazu nur sagen: Rücktritt. Alle. Lasst es. Ihr seid augenscheinlich unfähig.

Es geht hier doch nur um eins, die Gräben zwischen Links und Rechts aufzureissen, die ja keine Linien anhand politischer Grundausrichtungen sind, sondern nur Verortungen von Einflußsphären darstellen, wobei die einen vielleicht etwas mehr sozialromantischer veranlagt sind als die anderen, damit die kommende Wahl vergeigt wird und dann ein strahlender Johannes Kahrs als neuer starker Mann in Hamburg seinen so lange angestrebten Thron besteigen kann.

Regenerierung in der Opposition kann es geben, die SPD Hamburg wählt lieber den Weg der Selbstzerfleischung. Die CDU feixt sich eins und muss, wenn sie Pech hat, nach der nächsten Wahl mit einem Juniorpartner SPD auskommen, der überhaupt nicht weiss, wo überhaupt das Personal für eine Regierung gefunden werden könnte.

Eigentlich sehen wir derzeit nur den konsequent durchgesetzten und offen ausgetragenen immer währenden Machtkampf in der Hamburger SPD, nur dass jetzt die Akteure kaum mehr zweite Wahl sind.

Mobile Monday: Hit and Run

Vorhin habe ich beim Mobile Monday Düsseldorf eine knappe Präsentation zu mabber gehalten und mit meiner eher direkten Art auch durchaus etwas Feedback aus dem Publikum erhalten, insbesondere zum Theme offene Netzwerk für Instant Messaging.

Nachdem ich also hoffentlich etwas Interesse an dem Thema wecken konnte und auch kurz mabber Alerts und den neuen Mobilclient angeteasert hatte, hab ich dann relativ unvermittelt die Veranstaltung verlassen, um mit meinem fiebernden Sohn die Kindernotfallpraxis aufzusuchen. Mit Söhnchen ist soweit alles okay, es ist nur schade, dass ich das Netzwerken nach den Vorträgen verpasst habe. Am 26.3. kann man das sicherlich zum Thema Mobile Marketing and Advertising nachholen.

mabber Relaunch

Vorhin wurde mabber gerelaunched, wie wir Anglophilen so schön sagen.

Kernpunkte:

– neuer Mobilclient (sende mabber an 83338)
– mabber Alerts für RSS-Feeds zum Mitnehmen
– Widget
– interaktiver Hilfebot
– viele interne Verbesserungen
– mehr blau

Vielen Dank an das Team für die gute Arbeit und Euch noch viel Spaß mit Mabber.