Ein paar Gedanken zu 2008

Damit ich meiner Frau jetzt nicht den Rest des Tages auf die Nerven gehe, dachte ich, dass ich mein überschüssiges Mitteilungsbedürfnis mal in dieses Blog kanalisiere. Daher also in no particular order einfach mal so als Stichpunkte meine Ausblicke auf das Jahr 2008.

– Blogs in Deutschland werden weiterhin vor sich hindümpeln, dafür aber Weltmeister im kommentarlosen Reposten von Heise- oder SpOn-Artikeln werden.

– Bloggende Journalisten werden auch 2008 wieder so tun als ob sie die besseren Journalisten seien und das bei jedem nicht 100% gelungenen Artikel über Blogs, Web 2.0 oder sonstige Internet-Themen extrem raushängen lassen.

– Don Alphonso wird weiterhin viele Sachen schreiben, die im Kern durchaus mal hochintelligent sein können, aber aufgrund der ellenlang ausurfernd dahinwabernden Schreibe gespickt mit phantasievollen Beleidigungen und immer wiederkehrenden persönlichen Feindbildern ziemlich unlesbar bleiben.

– Plattformen werden social, ob die Betreiber das nun wollen oder nicht. Grenzen werden weiter eingerissen und wer seine User behalten will, gibt ihnen Zugriff auf ihre Daten.

– Der Themenkomplex Internet und Technologie wird unter dem Motto “ist ja eh nur was für diese Computerfreaks” in der Gesellschaft weiterhin nicht beachtet, so dass folgenschwere Entscheidungen von der Mehrheit der Bevölkerung nicht zur Kenntniss genommen wird.

– Die Konvergenz zwischen Desktop, Web und Mobil schreitet weiter voran, mit dem iPhone-SDK und dem 3G-iPhone wird ein weiterer Schritt zur Abnabelung von den Mobile Operators getan werden.

– Datenschutz und informationelle Selbstbestimmung wird auch 2008 weiterhin ein nahezu unbeachtetes Nischendasein führen.

– 2008 wird Wahlkampf sein, spätestens nach den Wahlen in Niedersachsen, Hessen und Hamburg.

– Der nächste massive Entwicklungsschub im Mobile-Sektor wird aus Indien und China kommen und auf die Bedürfnisse der Handynutzer in Afrika und Asien ausgerichtet sein, für die das Handy der einzige Computer sein wird, den die Mehrheit der Bevölkerung jemals besitzen wird.

– Unser Online-Kauf- und Entscheidungsverhalten wird noch mehr durch den Gleichgesinnten geprägt werden, was für die Online-Werbung eine spannende Herausforderung werden wird, denn sie muss social werden, will sie wahrgenommen werden.

– Widgets werden die Innovation im Web witer vorantreiben, Inhalte werden gekapselt, damit die User sie nutzen können, in welcher Form auch immer und egal auf welcher Plattform.

– Rundfunk wird weiterhin den Ansprüchen nicht gerecht werden und eine breite Masse bildungsferner Schichten anzusprechen versuchen, was die Internet-Nutzung vor allem bei Video- und Bittorrent-Plattformen zunehmen lässt.

– T-Home wird auch 2008 eher unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, ebenso wie alle anderen Video-On-Demand oder Musik-Angebote deutscher Anbieter.

– Digital-Lifestream-Aggregators werden beliebter, denn User wollen sich auch ausserhalb eines Social Networks ihr Umfeld zusammenbasteln und ihre Inhalte zusammenstellen.

– HSV wird Deutscher Meister 2008.

Brutalstmöglicher Wahlkämpfer

Die letzten Umfrage-Werte sahen nicht so gut aus und von oben gab es wenig gute Themen für den Wahlkampf in Hessen, zudem drohte die hessische SPD mit einer Unterschriften-Kampagne für den populären Mindestlohn, aber Roland Koch weiss, was zu tun ist. Er appelliert an den Stammtisch, holt das Leitmedium Bild auf seine Seite und schon haben wir wieder ein Thema im Wahlkämpf, bei dem man ohne Ende Ressentiments bedienen und am rechten Rand auf Stimmenfang gehen kann: zu viele kriminelle Ausländer.

Roland Koch weiss, dass er damit provoziert, denn das will er auch, nur so bekommt er die im Vorfeld der Landtagswahlen so wichtige Aufmerksamkeit. Er kann sich profilieren, während sich andere an ihm abarbeiten. Ich bin mir sicher, dass Koch und sein Wahlkampfteam lange auf einen derartigen Fall gewartet haben, der noch dazu zeitlich gut passen musste. Jetzt ist Weihnachten vorbei, Februar nicht mehr weit, da kann man jetzt 8 Wochen lang ein Thema durch die Lande tragen, das ordentlich populistisch ist und mit dem man von politischen Landesthemen ablenken kann, denn als Amtsinhaber will man ja wenn überhaupt nur Jubelmeldungen verbreiten, nicht aber von der Opposition kritische Themen aufgedrängt bekommen.

Insofern ein brutalstmöglicher Wahlkampf aus dem Hause Koch, während es in Hamburg noch so dümpelt, geht es in Hessen jetzt schon rund, auf dem Rücken der Ausländer, aber das ist der CDU und Herrn Koch egal, so lange der Zweck die Mittel heiligt. Leider überrascht mich das wenig, Roland Koch hat schon des öfteren gezeigt, wie widerlich er gerne ist.

[ via: Rassismus heute (Update/2) « Sprechblase ]

CDU Hamburg: ein Mandat kostet 2326 Euro

Die Hamburger CDU ist ja bekannt für ihren kreativen Umgang mit Wahllisten und Abstimmungen, nachdem das in den 90ern als verfassungswidrig eingestuft wurde, berichtet jetzt das Abendblatt von einer interessanten Spendenpraxis:

Wer auf den ersten 35 als aussichtsreich eingestuften Listenplätzen der CDU oder an vorderer Stelle in den 17 Wahlkreisen für die Bürgerschaftswahl am 24. Februar kandidiert, wird um eine Wahlkampfspende in Höhe einer monatlichen Diät (2326 Euro) “gebeten”. Das gilt auch für Bürgermeister Ole von Beust, der auf Listenplatz 1 kandidiert. Der Betrag musste bereits bis Ende August bezahlt werden. So hat der CDU-Landesvorstand am 8. Februar beschlossen. Für Kandidaten auf Bezirksebene gilt die monatliche Grunddiät von 295 Euro.

Man muss sich also ein Mandat erkaufen, das klingt nachgerade urdemokratisch. Wenn die CDU konsequent wäre, würde sie eine Autkion daraus machen, dann können die möglichen Kandidaten beweisen, dass sie das Mandat auch wirklich wollen.

Rauchige Freiheit

Die Pünktchenpartei FDP ist auf dem Weg in die totale selbstgewählte Bedeutungs- und Sinnlosigkeit: nennt sich “Die Stimme der Freiheit” und hat als Thema im Hamburger Bürgerschaftswahlkampf “Die letzte Zigarette” gefunden, in der Hoffnung, die Stammtische für sich zu gewinnen. Müssen wir wirklich einen stumpfen Freiheitsbegriff a la “Freie Fahrt für freie Bürger” jetzt auch auf verrauchte Eckkneipen anwenden?
Die FDP wird in Hamburg nicht ins Parlament gewählt werden, auch nicht mit ordentlich populistischen Themen, aber wenigstens trägt der sog. Spitzenkandidat eine gelbe Fliege.

Ehemaligentreffen an der LG Ratzeburg

Alle zwei Jahre findet an der Lauenburgischen Gelehrtenschule Ratzeburg am 27.12. das Ehemaligentreffen statt. Vor 15 Jahren habe ich dort Abitur gemacht und dementsprechend groß ist mittlerweile der Abstand zur Schulzeit geworden. Aber, wie es immer so ist, man trifft die Leute, mit denen man damals auch nicht reden wollte, vermisst einige, auf die man sich gefreut hatte und stellt fest, dass es auch bei den nachfolgenden Schülergenerationen ähnliche Gruppenbildungen gibt wie zur eigenen Schulzeit. Ein bisschen ist so eine Veranstaltung wie in diesem Werbespot mit “mein Auto, mein Haus, mein Boot”, denn natürlich will man wissen, was der andere die letzten Jahre so gemacht hat und da führt es unweigerlich zur Dauerwiederholung der Errungenschaften, aber es ist schon nett, wenn man von den nicht bloggenden ehemaligen Mitschülern mal ein Update bekommt. Überhaupt, meine Recherchen im Vorfeld haben ergeben, dass kaum ehemalige Mitschüler von mir online zu finden sind, was ich so nicht erwartet hatte, das wird bei den jetzigen Abiturienten sicherlich anders sein.
Abschliessend bleibt noch festzustellen, dass es Nachts auf dem Land finster ist wie im Bärenarsch, das habe ich früher irgendwie nie so war genommen, ebenso wie die Stille schon seltsam ist. So viel zum Trip down Memory Lane nach Ratzeburg.