Hotte Hü

Bundespräsident Horst Köhler ist von seinem Amt als Staatsoberhaupt zurückgetreten. Eigentlich ist das schon bemerkenswert, aber die Erklärung ist sehr speziell:

Meine Äußerungen zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr am 22. Mai dieses Jahres sind auf heftige Kritik gestoßen. Ich bedauere, dass meine Äußerungen in einer für unsere Nation wichtigen und schwierigen Frage zu Missverständnissen führen konnten. Die Kritik geht aber so weit, mir zu unterstellen, ich befürwortete Einsätze der Bundeswehr, die vom Grundgesetz nicht gedeckt wären. Diese Kritik entbehrt jeder Rechtfertigung. Sie lässt den notwendigen Respekt für mein Amt vermissen.
Ich erkläre hiermit meinen Rücktritt vom Amt des Bundespräsidenten – mit sofortiger Wirkung.

Horst Köhler ist beim Volk beliebt, aber wieso eigentlich? Er war die letzten Monate durchweg abgetaucht, hat keine Debatten angestossen, keine Meta-Ebene gefunden, auf der er als Bundespräsident agieren konnte. Horst Köhler war der Kandidat Angela Merkels, er blieb blass und nahm nun wegen einer Petitesse seinen Hut. Man fragt sich auch, warum Horst Köhler als globaler Finanzfachmann in der Finanzkrise kaum in Erscheinung getreten ist. Ich vermute, daß es in der schwarz-gelben Regierung tiefe Risse gibt, daß der Führungs-Anspruch des letzten Herbstes jetzt allgemeiner Planlosigkeit bei der Bewältigung der Herausforderungen der Zukunft gewichen ist. Köhler hat dies erkannt und seinen Rücktritt eingereicht, wohl auch um ein letztes Zeichen zu setzen, daß es so nicht weitergehen kann. Die andere Erklärung wäre, daß er einfach die beleidigte Leberwurst spielt.

Aigner fordert mehr Datenschutzsymbolpolitik

Ilse Aigner lernt von Ursula von der Leyen und versucht sich in Symbolpolitik zum Thema Internet, immer getreu dem Motto “die Details versteht eh keiner, aber alle finden es wichtig, daß sich die Politik kümmert”. Auf Focus Online steht heute zum Thema Internet: Aigner fordert mehr Datenschutz:

Aigner hob zudem die Stärke der kritischen Verbraucher hervor. Ihr Protest gegen die Datenpannen bei Google und die Verwendung der Kunden-Daten bei Facebook sei „ein Etappen-Sieg der Internet-Nutzer über Weltkonzerne und deren Lobbyisten.“ Die Ministerin betonte: „Am Beispiel Google und Facebook zeigt sich die Macht der Verbraucher. Die Jungs in den Chefetagen sind endlich aufgewacht.“ Der deutsche Markt habe auch wegen seiner Größe Signalfunktion. Aigner verwies zudem darauf, dass kommenden Montag „weltweit großer ‚Facebook-Kündigungstag’“ sei.

Also wir halten einmal fest: die Chefs von Google und Facebook erzittern gerade vor Isle Aigner, der deutschen Verbraucherschutz-Ministerin und Jeanne d’Arc der Internet-Nutzer.

Google Streetview ist ein Dienst, auf den sich Frau Aigner eingeschossen hat, da man hier ganz wunderbar Ängste schüren kann. Sicherlich, das Mitschneiden von Daten, die über offene WLANs verfügbar gemacht wurden, war nicht ok, und es ist auch sinnvoll, Personen unkenntlich zu machen, die auf Fotos zu sehen sind, aber wir sollten echt mal die Kirche im Dorf lassen. Google macht Fotos wie jeder einzelne Bürger sie auch machen könnte, und fügt diese mit Google Maps zusammen. Das ist eine wunderbare Sache, die ganz neuartige Blicke auf Städte ermöglichen. Aus Google Streetview jetzt ein Verbraucherschutz-Thema machen zu wollen ist völlig absurd. Frau Aigner könnte sich Gedanken machen über die Profil-Daten, die bei Google in den Bereichen Suche und Adserving entstehen, oder über die marktbeherrschende Position von Google, oder den Auswirkungen auf die Gesellschaft, wenn ein Unternehmen den Zugriff zu Wissen ermöglicht, aber das ist ja zu abstrakt, damit kann man keine gute Symbolpolitik machen. Daher schiesst sich Frau Aigner jetzt auf Streetview ein.

Facebook wird sicherlich nicht am 31. Mai eine massive Austrittswelle verzeichnen, und auch Frau Aigner wird sicherlich nicht, wie lange angekündigt, ihren Account bei Facebook löschen. Facebook geht grundsätzlich 3 Schritte zu weit, handelt sich Kritik ein und geht dann einen Schritt zurück, das ist deren Evolutionsmodell. Auch hier könnte Frau Aigner mit konkreten Forderungen kommen, stattdessen wird ein Bedrohungsszenario aufgemalt und zum Herbst Aktivität in Form von neuen Gesetzen versprochen, anstatt jetzt schon konkret zu sagen, wie sich Frau Aigner soziales Netzwerken vorstellt. Ich lese jedenfalls nichts von Data-Portability, informationeller Selbstbestimmung oder ähnlichen Ideen in den Kommentaren der Frau Aigner.

Frau Aigner betreibt Datenschutzsymbolpolitik, mehr nicht.

Prepaid SIM Card für iPhone in den USA

Für einen kurzen USA-Aufenthalt wollte ich eine Prepaid SIM-Card für mein iPhone haben, habe aber bei der Recherche herausgefunden, daß kaum jemand dafür einen Tipp hatte. Ich habe ein SIMlock-freies iPhone, d.h. nicht alle iPhone-Nutzer können mit meinem Vorgehen etwas anfangen.

Ich habe mir bei AT&T eine GoPhone® Prepaid SIM-Card gekauft, für $25. Darin enthalten sind 100 mb für $19.99 und Calls für ¢25 die Minute. Telefonieren wollte ich ja eh nicht, aber eben online sein.

Dämlicherweise funktioniert die SIM-Card nicht automatisch im iPhone für Daten-Nutzung, und auch der Verkäufer meinte, daß ich mit der Prepaid SIM-Card nichts anfangen können würde, da AT&T nur Flatrates für das iPhone vorsieht, nicht aber 100 mb als Prepaid-Option. Mit Hilfe von unlockit.co.nz konnte ich dann doch auf dem iPhone locker die APN-Settings ändern, dafür benötigte ich lediglich kurzzeitig freies WLAN.

Mit etwas zurückhaltender Nutzung bin ich dann auch locker 2 Tage mit den 100 mb ausgekommen.

Eigentlich also ganz einfach…